Paul Wunderlich
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Paul Wunderlich (* 10. März 1927 in Eberswalde) ist ein deutscher Maler, Zeichner, Bildhauer und Grafiker.
Er lebt und arbeitet in Hamburg und St. Pierre de Vassols (Provence).
Contents |
Werdegang
Paul Wunderlich gestaltet in seinen neusurrealistischen Bildern überwiegend erotische Themen. Dabei bezieht er sich häufig auf mythologische Sagen. Er studierte 1945 bis 1951 in Hamburg. 1955 arbeitete er für Oskar Kokoschka und Emil Nolde als Drucker. 1957 arbeitete er sich in den Umgang mit Lithografien ein. 1961 verlegte er seinen Wirkungskreis nach Paris. 1963 bis 1968 hat er eine Professur in Hochschule für bildende Künste Hamburg und beginnt 1969 unter dem Einfluss von Salvador Dalí mit der Erstellung von Skulpturen und Plastiken aus Bronze.
Nach einer frühen, im wesentlichen realistischen Schaffensphase entwickelt er ab etwa 1959 den für ihn charakteristischen Stil. Seine frühen Werke zeigen zerstückelte, disproportionierte Körper vor leerem Hintergrund. In den sechziger Jahren vor allem nimmt Wunderlich immer wieder Impulse aus verschiedenen Kunstrichtungen, hierbei vorzüglich Elemente aus Art Deco und Jugendstil, in sein Werk auf und verarbeitet sie seinem Stil gemäß.
1960 kommt es zur Beschlagnahmung des Lithographie-Zyklus "qui s'explique" durch die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen unsittlicher Darstellungen. Die Rückgabe erfolgt 1985 ohne Kommentar durch die Staatsanwaltschaft.
1970 setzt sich der Künstler eingehend mit dem Werk Dürers auseinander und es entsteht eine Serie, in der er Dürer-Motive surrealistisch verfremdet. Den größten Teil seines Werkes umfassen Lithografien – ab 1968 schafft Wunderlich aber auch Plastiken als dreidimensionale Abbilder seiner gemalten und gezeichneten Gegenstände und Figuren.
Am Eberswalder Marktplatz steht das neue Kreishaus, das den Namen Paul-Wunderlich-Haus trägt und im Juni 2007 von der Kreisverwaltung Barnim bezogen wurde. In diesem Kreishaus befindet sich eine ständige Ausstellung mit zeitgenössischen Werken Paul Wunderlichs. Somit wird das kulturelle Engagement Wunderlichs gegenüber der Stadt Eberswalde gewürdigt. Zur Eröffnung am 1. Juli 2007 gab es ein großes Fest, bei welchem neben dem Duo P.O.N.D. auch die weltberühmte Musikformation Tangerine Dream ein Paul Wunderlich gewidmetes Konzert gaben.
Paul Wunderlich ist seit 1971 verheiratet mit der Fotografin Karin Székessy und hat mit ihr gemeinsam einige Kunstprojekte realisiert. Fritz J. Raddatz hat diese Zusammenarbeit in dem Buch Correspondenzen dokumentiert und kommentiert.
Zitate
- S.R.: Kann der Mensch, kann die Gesellschaft ohne Kunst leben? P.W.: Ja, aber es lohnt sich kaum. (Paul Wunderlich im Gespräch mit Stephan Richter)<ref>Paul Wunderlich, Poesie und Präzision, Braus-Verlag, 2006, S. 24</ref>
Werke
In Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen:
- Portrait Jim Hughes, 1959 (Wkvz. 19), Öl aus Hartfaserplatte, 62 x 100 cm
- Gehängte (zum 20. Juli '44), 1959/60 (Wkvz. 42), Öl aus Hartfaserplatte, 120 x 90 cm
- 20. Juli 1944, 1959 (Wkvz. 80-87), 8 Lithografien, jeweils 61 x 43 cm, Auflage 10
- qui s'explique, 1959 (Wkvz 95-106), 12 Lithografien, jeweils 61 x 43 cm, Auflage 5
- Fructidor, 1989 (WVZ-Nr. 776), Farblithografie, 100 x 137 cm, Auflage 50
In Eberswalde:
- Tanzende Frau II, 1998 (Wkvz. 336), Skulptur in Bronze, Höhe 230 cm, Auflage 6
- Sitzender Mann II, 1998(Wkvz. 337), Skulptur in Bronze, Höhe 195 cm, Auflage 6
- Vogel (Park im Weidendamm), 1998, Skulptur in Bronze, Höhe 2 m, Länge 4 m
Ehrungen (Auswahl)
- 1960 Deutscher Kunstpreis der Jugend für Grafik, Mannheim
- 1962 M.-S. Collins-Preis für Lithografie, Philadelphia (USA)
- 1964 Japan Cultural Forum Award, Tokio (Japan)
- 1965 Edwin-Scharff-Preis, Freie und Hansestadt Hamburg
- 1967 Premio Marzotto, Valdagno, Vicenza (Italien)
- 1981 Korrespondierendes Mitglied der Académie des Beaux-Arts, Paris
- 1986 Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein
- 2008 Ehrenbürgerschaft der Stadt Eberswalde
Wichtige Ausstellungen
- 1962 Galerie Brusberg, Hannover; Galerie Brockstedt, Hamburg
- 1963 Museum of Art, Miami, Florida / Print Center, Philadelphia, Pennsylvania
- 1966 Kunsthalle Mannheim; Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf; Städtische Galerie Bochum
- 1968 Badischer Kunstverein, Karlsruhe
- 1969 Minneapolis Institute of Arts, Minneapolis (USA)
- 1970 Kunsthalle Recklinghausen; Städtisches Museum Gelsenkirchen
- 1971 Kestner Gesellschaft, Hannover
- 1972 Galerie Berggruen, Paris
- 1974 Kunsthalle Kiel, Kiel; Tokio Gallery, Tokio (Japan)
- 1975 Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
- 1977 Palais des Beaux-Arts, Brüssel (Belgien)
- 1980 The Seibu Museum of Art, Tokio (Japan); Kunsthalle zu Kiel
- 1987 Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Kloster Cismar
- 1994 Mitaka City Gallery of Art, Tokio; Gifu Prefectural Museum of Art, Gifu; Hokkeido (Japan)
- 2004 Buddenbrookhaus, Heinrich-und-Thomas Mann-Zentrum, Lübeck
- 2007 Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schloss Gottorf, Schleswig; Schloss Cappenberg
- 2008 Stadthaus am Dom, Wetzlar
- seit 2007 "Paul-Wunderlich-Haus", Eberswalde, ständige Ausstellung von Skulpturen und Grafiken
Literatur
- Paul Wunderlich und Karin Szèkessy: Correspondenzen. Hrsg. Fritz J. Raddatz, Verlag Belser, 1982, ISBN 978-3763016617
- Paul Wunderlich: Werkverzeichnis der Druckgraphik 1948–1982. Carsten Riediger, Verlag Huber, 1998, ISBN 978-3921785355
- Paul Wunderlich: Eine Werkmonographie von Jens Chr. Jensen, Max Bense, Philippe Roberts-Jones. Verlag Huber, 1998, ISBN 978-3921785140
- Heinz L. Arnold, Paul Wunderlich, Karin Szèkessy: Allerleilust. Hundert erotische Gedichte. Verlag C.H. Beck, 2000, ISBN 978-3406315084
- Paul Wunderlich: Werksverzeichnis der Gemälde, Gouachen und Zeichnungen 1957–1978. Jens Chr. Jensen, Verlag Huber, 2001, ISBN 978-3921785133
- Horst Janssen: Paul, eine Laudatio. Verlag St. Gertrude, Hamburg, 1987, ISBN 3-923848-16-1
