Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen  

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Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen (in ihrer biologischen Bedeutung dargestellt) (1897) is a book by Wilhelm Fliess.

Full text[1]

Die

Beziehungen zwischen Nase

und

weibliclien Geschlechtsorganen.


Tn ilirer biologischen l^edeutung dargeslelll


Dr. Willieliii Fliess.



I.EIPZIG UND WIEN. FRANZ D E U T 1 C K IC.


1897.


Verlags-Nr. 508.


K. u. k. Hofbuclidrvickerei Karl Prochaska in Teschen.


Vo rwort.


\\ enn der Verfasser den naclifolgenden Blättern einen ^^'unscll mit auf den Weg- geben darf, so ist es der, man möge in dem geschilderten Zusammenhang nicht lediglich eine Vermehrung un- serer Kenntnis von den Verrichtnngen der Nase erblicken. Denn wichtiger als diese Vergrösserung des Wissens scheinen die allgemeinen Gesiohtspuncte, welche uns durch die neuen Tliat- sachen eröffnet werden

Die Morphologen sind an die Anschauung gewöhnt, dass sehr verschiedenartige Formen sich durch Umbildung aus einem ein- facheren Grundtypus entwickelt haben. In den Schädelknochen umgebildete Wirbel zu sehen ist ihnen heute völlig geläufig.

Die Physiologie entbehrt einer analogen Betrachtungsweise, für deren Fruchtbarkeit die Entwicklung der morphologischen Wis- senschaft ein beredtes Zeugnis liefert. Und doch lässt sich an dem Beispiel der Menstruation zeigen, wie sie den Typus zu mannig- faltigen Erscheinungen des Geschlechtslebens bildet, Avie vor allen Dingen der Geburtsact und das Wochenbett bis in die Einzel- heiten einem umgebildeten menstruellen Vorgang zeitlich und dem Wesen nach entsprechen.

Die Pathologie der Menstruation findet ihr Widerspiel bei der Geburt; derselbe Mechanismus und dieselben Bedingungen, Avelche für die nasale Dysmenorrhoe gelten, beherrschen auch den echten Wehenschmerz*). Beide sind — morphologisch besehen — Homologa.

Von diesen Thatsachen wird die Physiologie nicht umhin können, sich grundsätzliche Rechenschaft zu geben. Eben so wenig Avird sie übersehen dürfen, dass die menstruelle Blutung des Weibes der Ausdruck eines Vorganges ist, Avelcher beiden Geschlechtern eignet und dessen Beginn nicht erst an die Pubertät geknüpft ist.

  • ) Herr Geheimrath Olshausen hat mir in liebenswürdigster AVeise er-

laubt, das Material der Universitäts-Frauenklinik zur Prüfung des Wehenschmerz- versuches zu benützen und mich dadurch zu herzlichstem Danke verpflichtet.


IV


Ein weiteres Moment zu betonen zwingen die uns vorliegen- den Thatsachen. Sie lelirenj dass ausser dem Menstruationsprocess mit dem 28tägigen Typus noch eine andere Gruppe periodischer Vorgänge von 23tägigem Cyklus besteht, denen ebenfalls jedes Alter und alle Geschlechter unterworfen sind.

Es hat sich diesen beiden Gruppen periodischer Vorgänge die Deutung unterlegen lassen, dass sie mit dem weiblichen und dem männlichen Geschlechtscharakter innere und feste Verbindun- gen haben. Und es entspricht nur unserer eigentlich doppel- geschlechtlichen Anlage, wenn beide bei Mann und Weib — nur mit verschiedener Betonung — vorhanden sind.

Einmal im Besitz solcher Erkenntnis hat sich uns die weitere Einsicht ergeben, dass in diesen Sexualperioden sich der Aufbau und der Abbau unseres Organismus schubweise vollzieht, und dass durch sie der Tag unseres Todes ebenso sehr bestimmt ist wie derjenige unserer Geburt. Krankhafte Störungen unterliegen den gleichen zeitlichen Gesetzen, denen die periodischen Vorgänge selbst unterworfen sind.

Die Mutter überträgt die Perioden auf ihr Kind, und durch den Character der zuerst übertragenen bestimmt sie sein Geschlecht. Dann schwingen die Perioden in dem Kinde fort und wandern in gleichem Rhythmus durch die Generationen. Sie können ebenso wenig neu entstehen, wie die Energie überhaupt und ihre Zeitform erlischt nicht, so lange organisirte Wesen geschlechtlich sich fort- pflanzen. Ihre Existenz ist sonach nicht auf den Menschen beschränkt, sondern geht ins Thierreich und wahrscheinlich durch die ganze organische Welt. Ja die wunderbare Genauigkeit, mit der die Zeit von 23 bezw. 28 ganzen Tagen innegehalten wird, lässt eine tiefe Beziehung astronomischer Verhältnisse zur Schöpfung der Organismen vermuthen.

So führt uns die Frage nach der biologischen Bedeutung der Beziehungen von Nase und Geschlechtsorganen an die Schwelle grosser Räthsel, die noch der Lösung harren.

Berlin, im August 1896.


Wilhelm Fliess.


I ri li a 1 t s - U e b e r s i c h t.


I.

Die Nase hat Beziehungen zum Geschlechtsorgan. Das zeigt sich beim Weibe erstens durch regelmässige Veränderungen in der Nase während der Menstruation: Schwellung, gesteigerte Empfindlichkeit auf Sondenberührung und Neigung zur Blutung. Besonders zeigt sich das an den unteren Muscheln und den Tuberculis septi, welche Genitalstellen y.tz' heissen sollen.

II.

Die Neigung zur Nasenblutung während der Menses ist das physiolo- gische Vorbild der Menstruatio vicaria. Beispiele und Varianten dieses Zustandes.


III.

Pathologische Beschafienheit der nasalen Genital stellen bedingt die na- sale Form der Dysmenorrhoe. Diagnostischer Werth des Cocainver- suches bei diesem Zustand. Dauereffect der nasalen Therapie. Zer- legbarkeit des dysmenorrhoischen Schmerzes in Bauch- und Kreuz- schmerz, in rechts- und linksseitigen Schmerz mittelst des Cocain- versuches. Theilweise gekreuzte Beziehung zwischen Nase und Schmerzpartien. Beispiele. Ursachen der nasalen Dysmenorrhoe. Dieselben können auch zugleich Menorrhagie und Unregelmässigkeit der Menses herbeiführen: Polymenorrhoe und Amenorrhoe.

IV.

Menstruelle Veränderungen der Nase gibt es auch während der Schwan- gerschaft. Während ihrer Dauer besteht der Menstruationsprocess fort, findet aber seinen gewöhnlichen Ablauf durch die uterine Blutung nicht. Die menstruellen Antriebe speichern sich auf und


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1—3


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fülircn normalerweise nach zehn Menstruations-Intervallen die „grosse Menstruation“ — den Entbindungsvorgang herbei. IJerselbe hat alle Merkmale einer Menstruation. Daher auch die analogen nasalen Zeichen. Die nasale Dysmenorrhoe ist oft bei der Entbin- dung vertreten in Form des „echten W eben Schmerzes.“ Defi- nition desselben. Bedingungen seines Vorkommens. Seine Ausschalt- barkeit durch den Cocainversuch von der Nase her. Zahlreiche Bei- spiele dafür.

Ersatzerscheinungen bei Störungen im menstruellen Ablauf kommen in der Gravidität ganz ebenso vor, wie ausserhalb derselben. Bei- spiele. Für den Abortus gelten die analogen Vorraussetzungen, wie für die normale Entbindung: Eintritt zu menstruellen Zeiten, Be- ziehuugeir zur Nase, von der aus er künstlich hervorgerufen werden kann. Beispiele.

Auch während der Ijactation wirkt der Menstruationsprocess auf die Nase. Beispiele. Augst{)sychose im Wochenbett.

V.

ln der Menopause hört der Einfluss der menstruellen ^'^orgänge auf die Nase nicht auf. Beiffi)iele.


VI.

Auch beim Iveproductionsact lässt sich die Beziehung zwischen N ase und Se.xualität erweisen. Beispiele von Nasenbluten und anfallsweiser Nasen Verstopfung beim Coitus. Nasenbluten bei Masturbanten. Tyjrische Veränderungen der nasalen Genitalstellen bei Onanisten. Magenschmerz der Onanisten hat nasalen Mechanismus. Die „Magen- schmerzstelle“ sitzt in der linken Nase, u. zw. an der mittleren Muschel. Wirksamkeit des Cocainversuches dort. Dauererfolg durch Exstirpation jener Stelle.


VII.

Coccygodynie hat vielleicht ebenfalls einen nasalen Mechanismus. Beispiele.


VIII.

Die Annahme von der Fortdauer des Menstruationsprocesses während der Gravidität (siehe Cap. IV) wird durch Analysen von Schwanger- schaftsbeobachtungen direct erwiesen. Aus den Analysen ergibt sich, dass die Schwangerschaftsbeschwcrden und die sie begleitenden nasalen Zeichen ausschliesslich periodisch auftreten. Sie lassen sich daher mit Rücksicht auf ihren zeitlichen Eintritt in zwei Gruj)pen von Reihen anordnen: mit28tägigem und 23tägigem Inter-


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vall. Die 28tägigen Reihen werden w'eibliche, die •23tägigen männliche genannt. In diese Reihen fallen Milchsecretion, Kinds- bewegungen, Vorwehen, vorzeitiger Fruchtwasser-Abfluss und Beginn des Kreissvorganges ; nach der Entbindung das Eintreten der ersten und aller folgenden Menses. Durch letztere Thatsache wird die menstruelle Natur des Kreissvorganges abermals erwiesen und die Schwierigkeit beseitigt, welche die übliche Schwangerschaftsrechnung dieser Auffassung entgegenstellte. Physiologische Leistung der Nase während der Schw'angerschaft. Erklärung des Abortus.


IX.

Das Bestehen der periodischen Reihen mit --’Stägigem und 23tägigem Intervall erklärt auch die „Unregelmässigkeit“ der Menses. An ihre Stelle treten häufig Ersatz-Erscheinungen, z. B. Migräne, Angst-, Asthmaanfälle. Beispiele.


X.

Auch Fälle, die von anderen Autoren publicirt sind, erweisen die Exi- stenz der periodischen Reihen. Ismer: 12 Beispiele unregelmässiger Menses. Sigrist: Migräne-Daten. — Determann: Migräne. 145 — 15(5


XI.

Die periodischen Reihen werden vom mütterlichen Organismus auf das Kind übertragen und setzen sich durch das ganze Leben desselben fort. Sie sind daher bei allen (männl. und weibl.) Kindern derselben Mutter aufzeigbar und verknüpfen die Generationen untereinander.

Nachweis dieser Sätze durch synoptische Darstellung von Familien- geschichten. Dabei zeigt sich, wie die menstruelle Blutung zu einem verhältnismässig unwesentlichen Sjunptom eines grossen Processes zusammenschrumpft, der beiden Geschlechtern und jedem Alter eignet, und von dessen Störungen das Auftreten vieler „constitutioneller“ Krankheiten (z.B. Migräne, Epilepsie, Hämorrhoidal-, Gicht- Angst- anfälle, Enuresis, Urticaria, Blepharospasmus) abhängt; der ferner das Eintreten und die Krisen von gewissen 1 nfectionskrank- heiten bei vorhandener bacterieller Ursache bestimmt und dem end- lich die wichtigen Vorgänge rfes Auf- und Abbaues unseres Körpers einschliesslich der Geburt und des Todes unterliegen. 156 — 190

XII.

Beispiele für das Bestehen der 23tägigen und 28tägigen Periodicität in allen Lebensaltern. Warum die periodischen Schübe so häufig durch Angstanfälle markirt sind. Theorie der Angst; sexueller L'rsprung derselben. Die Menopausen- Angst. Schwinden der Migräne in der Menopause ; Ersatz derselben durch Schlaganfälle; V erwandtschaft


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beider Erscheinungen, gleiche Periodicität derselben Postin- fectiöse Lähmungen. Die Angst beim Abbau des Körpers. Todesangst. Beispiele eigener Beobachtung. Historische Beispiele 190 — 210

XIII.

Allgemeine Uebersicht über die gewonnenen Eesultate. Bedeutung der menstruellen Blutung als einer Ausscheidungs-Vorrich- tung für toxische Sloft’e. Mögliche Beeinflussung dieser Ausscheidung von der Nase her Erfolge nasaler Behandlung bei Asthma und Migräne.

Umfang des Periodengesetzes. Zeitliche Genauigkeit desselben.

Zahl der periodischen Reihen. Bedeutung ihrer Bezeichnung als männ- liche und weibliche; Anwendung auf die Frage von der Ent- stehung des Geschlechtes. Woher der Knabenüberschuss die grössere Knabensterblichkeit und der schliessliche Ausgleich des Geschlechtsverhältnisses kommt. Analogie aus dem Pflanzenreich. 210 — 227


XIV.

Einige Andeutungen über die Organologie der Sexualfunction.

IIirnanhang,Nase, ly mphoider Schlundring, Schilddrüse.

Das Gesetz der Periodicität im Thierreich. Schluss. 227 - 237


Mitten im Antlitztlieil des Schädels liegt die Nase, das Schalt- stück ZA\dschen dem Sehorgan, der j\Iiindhöhle und den knöcher- nen Grundlagen des Vorder- und Mittelhirns.

Ihre iMündung- in den Nasenrachenraum gibt ihr örtliche Be- ziehungen zum Ohr und zum Kehlkopf.

Aber diese nachbarlichen Verhältnisse begrenzen die Bedeutung der Nase ebensoAvenig, wie ihre Einrichtungen für die Athmung und für den Geruch.

Denn eine wichtige Verknüpfung gesellt sie zum Geschlechts- apparat, mit dem sie in inniger Wechselwirkung steht. Für diese Verknüpfung, soweit sie wenigstens das Aveibliche Geschlecht be- trifft, Averdcn die folgenden Auseinandersetzungen die thatsächliche Unterlage zu liefern haben. Und z\Amr AA'crden es die eigenen Erfahrungen des Verfassers sein, auf die er sich zu stützen gedenkt. *)

I.

Wenn man bei Frauen während der Menstruation die Nase unter- sucht, so fällt es auf, dass bei den meisten eine oder beide untere i\Iuscheln stärker gescliAA^ollen sind, als in der übrigen Zeit des Monats. Erlaubt der Grad der Schwellung und die Configuration der Nase eine Untersuchung auch der höher gelegenen Theile, so kann man ein ähnliches für eines oder beide tubercula septi con- statiren. Bei meinen Beobachtungen hat es den Anschein gehabt, als sei die rechte Nasenseitc häufiger und stärker \on den ScliAA-el- lungen betroffen als die linke. Allein ich möchte diesem Vor- kommniss zunächst kein besonderes GeAvicht beilegen. Wohl aber

  • ) Anmerkung: Die leider Avenig zahlreichen und noch dazu meist un-

vollständigen Angaben in der Literatur sind zusammengestellt in der fleissigen Dissertation von End riss: ,Die bisherigen Beobachtungen von physiologischen und pathologischen Beziehungen der oberen LuftAvege zu den Sexualorganen“ Würzburg 1892.


Fliess, Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen.


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scheint mir ein anderes Moment Beachtung’ zu verdienen. Ich meine die ganz gewiss gesteigerte Empfindlichkeit, die auf leise Sondenbertihrung auch von solchen Frauen angegeben ■ward, welche in der menstruationsfreien Zeit die Sonde ohne bemerkenswerthe Pein ertragen. Wir werden sehr bald von diesem Zeichen eine weitere Nutzanwendung machen.

Ferner erregt oft selbst eine ungemein zarte Sondirung bereits Blutung der Nase, in einzelnen Fällen sogar eine beträchtliche. Das wird uns um so weniger Wunder nehmen, als wir wissen, dass solche Blutungen auch spontan zur Zeit der Regel und als Ersatz für dieselbe erfolgen können ; die Menstruatio vicaria. Sie ist seit langer Zeit bekannt. Und wenn auch Blutungen aus anderen Körpertheilen als „stellvertretende" beschrieben sind, so ist doch das vicariirende Nasenbluten so viel häufiger, dass es als Prototyp der menstruellen Ersatzblutung angesehen wird.

Achtet man auch auf geringe Blutspuren im Taschentuch, so erkennt man, dass bei Mädchen in der werdenden Pubertät, noch bevor die eigentliche Regel erschienen ist, in Pausen von einigen — nicht selten genau vier — Wochen solche minimale Blutungen der Nasenschleimhaut Vorkommen, die später durch die normale Menstruation abgelöst werden.

Und bei gleicher Genauigkeit der Beobachtung stösst man auf das analoge Vorkommniss in der Menopause. Auch hier finden sich Blutspuren in regelmässigen, mehrwöchentlichen Intervallen und bezeichnenderweise häufig zusammentreffend mit anderen Symptomen, die unschwer als Molimina menstrualia zu deuten sind.

Ja wir werden sehen, dass auch in der Schwangerschaft und während der Lactation der Menstruationsprocess keineswegs ruht, vielmehr seine Zeichen in der Nase genau in derselben Weise gibt, wie wir sie soeben kennen gelernt haben.

Der Vorgang der Menstruation reflectirt also auf die Nase durch Congestion, durch vergrösserte Empfindlichkeit gegen Be- rührung und durch Neigung zur Blutung.

Aber von diesen Veränderungen werden durchaus nicht alle Theile der Nase betroffen. Die congestive Schwellung wenigstens sitzt nur an umschriebenen Stellen derselben, u. zw., wie schon Eingangs erwähnt, an der unteren Muschel und dem tuberculum septi einer- oder beiderseits. Diese Stellen werden uns noch oft


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begegnen. Wir wollen sie schlechtweg die Genitalstellen der Käse heissen. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, dass von den Genitalien bezw. von sexuellen Vorgängen her nicht noch andere Parthien der Nase beeinflusst werden können. Iin Gegen- theil. Von einem Theile der linken mittleren Muschel werden wir einen sehr wichtigen derartigen Connex darzulegen haben. Aber dieser Connex besteht nur „nasopetaP, nur vom Genitale auf die Nase, nicht auch umgekehrt, wie für die Genitalstellen xat’ i;o/r,v ß-ezeifft werden soll. Und auf die letzteren allein bezieht sich die

O Ö

regelmässige allmonatliche Schwellung. An der Steigerung der Empfindlichkeit und an der Neigung zur Blutung nimmt vielleicht auch die mittlere Muschel theil.

Wir haben also mit der Veränderung der „ Genitalstellen in der Nase bei der Menstruation eine Grundlage für den Zusammen- hang von Nase und weiblichen Sexualorganen gewonnen. An diesen nasalen Genitalstellen, die mit der Menstruation anschwellen, liegen eigenartige Apparate, die Schwellkörper.*) Sie sind Organe von cavernösem Bau, ganz ähnlich, wie wir sie in der Clitoris z. B. wiederfinden. Es gehen nämlich, wo sie vorhanden sind, die Capil- laren nicht wie sonst direct in die abführenden Venen über, sondern es schiebt sich dazwischen ein Convolut von Bluträumen ein, die zum Theil mit einander anastomosiren. Verengern sich die Venen, so nimmt die Füllung jener Bluträume zu, und das Volumen des Schwellkörpers vergrössert sich. Man weiss, dass dieser Vorgang- unter dem Einflüsse des Ganglion sphenopalatinum steht, das durch den N. petrosus profundus sympathische Fasern vom Carotis- geflecht bezieht. Schon durch diese Bahn wäre die Verbindung mit dem sympathischen Nervensystem verständlich, dem ja auch die Sexualleistungen unterthan sind.

Welchen Zweck diese consensuellen Schwellungen in der Nase haben, wissen wir nicht. Sie weisen aber darauf hin, dass die Nase eine sehr enge Beziehung zum Geschlechtsorgan haben muss.

  • ) Anmerkung. Ich weiss wohl, dass dem Septum von den Anatomen

ein Schwellkörper stricto sensu nicht ?;ugestanden wird. Es soll sich dort nur um einen besonderen Reichtum an Drüsen und Blutgefässen handeln. Dieser Unterschied mag morphologisch begründet sein. Physiologisch ist jene Stelle am tuberculum septi den Schwellkörpern in jeder Hinsicht analog.


1 *


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II.

Ausser der Schwellung’ zeigt die Nase zur Zeit der Regel auch die Neigung zur Blutung, Ini vicariirenden Nasenbluten findet dieses Verhältniss seinen stärksten Ausdruck.

Streng genommen wird man nur jene Fälle für nacliAveislich vicariirend ansehen, wo die früher vorhandene Menstruation aus- bleibt und statt ihrer am erwarteten Termin Nasenbluten auftritt. Solche Beispiele sind sicher viel zahlreicher vorhanden, als sie die Literatur*) aufweist. Sie erstrecken sich über alle Lebens- alter, in denen noch menstruelle Vorgänge sich abspielen. Sogar von einer achtzigjährigen Frau berichtet Robert Semple, welche den einen Monat aus der Nase blutete, in dem anderen aber regel- mässig menstruirt war.

An dem Vorkommen des vicariirenden Nasenblutens während des geschlechtsreifen Alters ist sonach nicht zu zAveifeln.

Bemerkenswerther sind schon diejenigen Fälle, wo die allmonat- lichen Nasenblutungen der später eintretenden echten Menstrua- tion vorausgehen, also die Fälle im Beginn der Pubertät. Auch hierfür liefert die Literatur**) sicheres, wenn auch merkAvürdig spärliches Material. Besonders erwähnensAAÜirdig ist ein Fall A’on Korstakow, avo bereits hei einem 1 Jahr 11 Monate alten Kinde, dessen Brüste entAvickelt und dessen Mons veneris behaart AAuir, periodisches Nasenbluten auftrat.

Aber auch für die normale Pubertätszeit sind entsprechende Beobachtungen verzeichnet. Um ein Beispiel davon zu citiren, so berichtet Fleischmann von einem 14jährigen, aufiallend entAAU ekelten Mädchen, das periodisch, in 3 wöchentlichen ZAvischenräuraen über ^lüdigkeit, Eingenommenheit des Kopfes, Schläfrigkeit, Kreuz- und Lendenschmerzen klagte. Nach 3 bis 4 Tagen Avaren regelmässig diese Erscheinungen A^crschwunden. Schliesslich trat nach einem InterAmll von 4 Wochen statt der ei’Avartetcn Unpässlichkeit Nasen- bluten ein, das sich täglich 2 — 3mal Aviederholte und nach o Tagen aufhörte. Nach Aveitcren 3 Wochen stellte sich das Nasenbluten abermals ein. Nun kam eine Pause ungetrübten Befindens a"oii 7 Wochen, dann erschienen die Katamenien, die jetzt regelmässig


  • ) cf. Endriss 1. c.
    • ) 1. c.


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alle 3 Wochen 11 , z. c o p i ö s wiederkehrten. Das sonstige Befinden war gut.

Nicht nur darin verhält sich das vicariirende Nasenbluten der Menstruation analog, dass es zu dem Termin eintritt. wo eigent- lich die Uterusblutung erscheinen sollte, sondern es kann auch unter denselben Bedingungen unterbleiben, avo die gewöhnliche menstruelle Uterusblutung ebenfalls pausirt : zur Zeit der Gravi- dität. Hierfür citire ich die Beobachtung von Obermeier. U

Die löjidirige Patientin bekam einmal die Periode (eintägige, recht starke Uterusblutung) mit Ziehen im Leibe und Drängen nach dem Schosse hin. 4 Wochen später bekam sie ähnliche Empfin- duno-en im Leilie. Aber statt der Genitalblutung stellte sich drei tägiges Nasenbluten ein, das sich von nun an alle 29 Tage unter gleichen Erscheinungen Aviederholte (ohne Uterusblutung), bis sie schwanger Avurde. Während der ganzen normalen Dauer der Gra- AÜdität sistirte das Nasenbluten vollständig. Sechs Wochen nach der Entbindung erschien es Avieder (spärlicher, doch Amn etAvas längerer Dauer), kam aber in 4wöchentlichen ZAvischenräumen durch 8 Monate und blieb dann bei Beginn einer ZAveiten ScliAAmn- gerschaft abermals prompt fort.

Ich selbst habe A"on einer in der Berliner UnUersitäts-Frauen-

Klinik entbundenen Patientin (Lina L g) berichten gehört, dass

ein in unregelmässigen Intervallen aufgetretenes copiöses Nasen- bluten sofort nach der Conception und dauernd aufgehört habe. I )ie Kranke AAvar längere Zeit amenorrhoisch, kann aber den Tag des befruchtenden Coitus bestimmen.

Solche Fälle lassen jeden Schatten eines ZAveifels, dass es sich um eine wahre Ersatzblutung handelt, um so mehr schwinden, als ihnen Beobachtungen, avo das periodische Nasenbluten intra gravi- ditatem ruhig weiter erschienen wäre, nicht gegenüberstehen. Aber Avohlgemerkt : Avir sprechen Amn Fällen, wo vorher bereits AÜcariirende Nasenblutung Amrhanden war. Frauen, bei denen Amr der ScliAvangerschaft die normale Periode regelmässig eintrat, und die nur während der Gravidität durch die Nase menstruirten sind Avohlbekannt. Ihre Geschichte soll in einem späteren Abschnitt gCAvürdigt AA^erden. Ebenso das Erscheinen von Nasenbluten in


  • ) Endriss 1. c.


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der natürliclien Menopause. Hier sei nur bemerkt, dass bei künst- liclier Menopause (z. B. nacb Porrooperation, wie die Angaben Damours zeigen), regelmässige Nasenblutungen Vorkommen können, welche die Periode ersetzen. Auch Fehling hat bei einer von ihm castrirten Frau in der ersten Periodenzeit statt des Blutabganges aus der Scheide Nasenbluten gesehen.

Die Beobachtungen von vicariirendem Nasenbluten an Porro- Operirten und gleichzeitig Castrirten zeigen eben, dass der Men- struationsprocess nicht nothwendig an das Vorhandensein von Uterus und Ovarien geknüpft ist. Ein gleiches ergeben auch Beobach- tungen von angeborenem Mangel dieser weiblichen Sexualorgane.

John Clay erwähnt ein 21jähriges Mädchen, das alle äusseren Merkmale des weiblichen Geschlechtes darbot und bei dem niemals die Regel eingetreten war. Dagegen hatte es seit dem 17. Jahre regelmässig in 4 wöchentlichen Intervallen wiederkehrende heftige Kopfschmerzen und Epistaxis. Uterus und Vagina fehlten. Es „schien“, als ob links ein Ovarium zu fühlen wäre.

Atypisches Nasenbluten bei dauernder Amenorrhoe berichtet Gramer; von „ziemlich regelmässig wiederkehrenden Blutungen aus der Nase“ bei völliger Aplasie der weiblichen Genitalien weiss Quain zu erzählen:

„Ein merkwürdiges Präparat wurde von Quain in der Patho- logical Society in London vorgelegt. Es stammte von einer 33 Jahre alten anämischen Person mit weiblichen Formen, welche ziemlich regelmässig alle Monate, zumal in den letzten zwei Jahren an Blutungen aus der Nase gelitten hatte. Sie würde einen Mann, dem sie geneigt war, geehelicht haben, wenn nicht äussere Umstände dazwischen gekommen wären. Zur gewöhnlichen Zeit hatte sie die der Pubertät eigenen normalen Veränderungen erlebt. Ihre Brüste waren wohl entwickelt, das Becken hatte weibliche Durchmesser. Die schwach gefältelte Scheide bildete einen Blindsack, der nur das letzte Glied des Zeigefingers auf- nehmen konnte. Der hervorragendste Punkt in derselben Avar die Mündung der Harnröhre. Trotz sorgfältiger Untersuchung konnte keine Spur der Gebärmutter, der Eierstöcke oder Eileiter gefun- den werden. Das Bauchfell ging unmittelbar von der Harnblase zum Mastdarm über, wenn man nicht eine halbmondförmige Falte am blinden Ende der Scheide für ein Rudiment des os uteri an-


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sehen wollte. Die Entfernung vom ostiuin nrethrae bis zum Ende des Blindsackes betrug 1 Zoll. An die Eierstöcke erinnerte höch- stens ein kleiner, anscheinend drüsenartiger Körper, der aber in der linken Wand der Vagina sass. Die äusseren Geschlechtstheile boten nichts abnormes.“

Die erwähnten Ersatzblutungen aus der Nase bei entfernten oder nicht vorhandenen Uterus und Ovarien gehören ohne Frage dem Menstruationsprocess an. Sie beweisen, dass in diesem Process die monatliche Uterusblutung nur ein Glied in der Kette ist ; dass dieser Process ohne das Functioniren, ja ohne das Vorhanden- sein der eigentlichen Zeugungsorgane im Körper vor sich gehen kann. Es soll natürlich nicht bestritten werden, dass bei norma- len Verhältnissen eine gewisse Abhängigkeit des Menstruations- vorganges von den Zeugungsorganen besteht. Nur muss seine Existenz noch in anderen Einrichtungen des weiblichen Körpers so tief begründet sein, dass er sogar den Verlust dieser Organe noch lange überlebt.

Auch hierfür werden wir in den späteren Betrachtungen weitere Anhaltspunkte gewinnen.

Wir müssen jedoch zuvor noch einer anderen Besonderheit der nasalen Ersatzblutungen gedenken.

Wir verfügen über fünf eigene Beobachtungen, in denen nach nasalen Eingriffen die Periode zu früh erscheint. In vier von diesen fünf Fällen ist sie vergesellschaftet mit vicariirender Nasen- blutung, im fünften schliesst sich eine colossale Nasenblutung an einen Eingriff an, der an dem Tage gemacht wurde, wo eigent- lich erst die Periode zu erwarten war.

Im ersten Palle, Frau Dr. L. . y, handelt es sich um eine Fall i, 24jälirige Frau, deren Menses in Pansen von 5 — 8 Wochen kommen, und der wegen häutiger Migränen eine Nasenätznng (tub. sept. dextr.) erfolgreich applicirt wurde. Neun Tage später tritt, diesmal genau nach Ablauf von 4 Wochen, die menstruelle Uterushlutung auf. 8ie dauert aber nur Vj^ Tage (statt sonst 7 Tage) und gerade mit ihrem Nachlass fängt eine heftige Fpistaxis an, die energische Tamponade erfordert. Die Blutung kam aus beiden Nasenhöhlen und hatte mit der vor 10 Tagen gemachten lediglich linksseitigen Aetzung keinen anatomischen Zusammenhang.

Die Menstruationsblutung war für das gewöhnliche Intervall der I’atientin verfrüht.


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Fall 2.


Fall 3.


Fall 4.


Dov zweite Fall, Frau K r, betiiff’t eine 4ßjäliri»"e

-Fi’au, bei der seit drei Jaliren die Menstruationspanse sich auf zwei bis drei Monate verlängert bat und die wegen rechtsseitiger Keilbein- erkrankung bereits vor 8 Tagen operirt war, als plötzlich, ebenfalls aus beiden Nasenhöhlen nachts eine continuirlicbe Blutung erschien, derentwegen baldigst taniponirt werden musste. Es waren gerade fünf AVoclien seit Beginn der letzten INfenstruation verflossen; aus der Beileide war tags zuvor wässrig-blutige Ausscheidung erfolgt. Diese hörte auf*, als die Nase zu bluten begann. Die Nasenblutung dauerte trotz Jlydrastis in abnehmender Stärke vier Tage.

Auch hier ist die Verfrühung eine relative.

Bei der dritten Patientin, Frau G . . . . s-AV n (siehe

Krankengeschichte Nr. 20) beträgt das f^eriodenintervall immer genau 28 Tage. Bei ihr wird eine linksseitige Adhäsion in der Nase getrennt und eine Aetzung der linken mittleren Nasenmuschel vorgenommen. Am Abend desselben d’ages, ungefähr fünf Stunden nach dem Eingriff, beginnt die Nase zu bluten, die Blutung hält bis znm nächsten Morgen an und hört in dem Angenblick auf, wo die regu- läre Periode erschien: Fünf d’age zu früh, ein Ereignis, das die

Kranke aus ihrem ganzen früheren Leben nicht kannte.

Bei der vierten Kranken, Fräulein L e, tritt fünf Tage

nach Aetzung der Genitalstellen in der rechten Nasenhälfte die A'ica- riirende Epistaxis ein, die am nächsten Morgen durch die menstruelle, um sechs Tage verfrühte uterine Blutung abgelöst wird. Auch hier ist der verfrühte Eintritt der Periode aus der vorgängigen Zeit ohne Beispiel.

Im fünften Fall, Selma Z . . . . e, wird bei einem 30jährigen Dienst- mädchen die Nase sondirt. Sie hat in iln-em 18. Jahre an Magen- schmerz und Dyspepsie gelitten, welche sich besserten, als im 19. Jahre die Periode erschien. Seit jener Zeit besteht aber Appetitlosigkeit, Stuhlverstopfung, Menstruationsmigräne und Dysmenorrhoe. Die i\[enses sind immer genau 28tägig. Zum grossen Erstaunen der Kranken tre- ten aber zwei Tage nach jener Nasensondirung diesmal (25. Nov. 1894) die Katamenien schmerzlos bereits nach drei IVochen ein und dauern ni;r zwei (statt drei) Tage. Es schliessen sich aber mehrtägige Kopf- schmerzen an, und am 1. Dec. erscheint eine typische IMigräne. Am 2. Decemher — also genan an dem eigentlichen IMenstruationstage, wenn das reguläre 28tägige Intervall zu Grunde gelegt wird ■ — ent- ferne ich den vorderen Theil der rechten mittlei’en jMuschel, der ge- waltig hypertrophisch ist. Auf diesen gewöhnlich mit ganz geringem Blutverlust ausznführeuden Eingriff erfolgt eine enorme Nachblntung, die bis zum nächsten IMorgen andauert. Dann M'ohlbefinden. Kopf-

  • nach einem Tage, statt wie sonst nach fünf Tagen.


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schmerz, Dysmenorrhoe und Stuhl Verstopfung (die 12 dalire bestand) sind nun dauernd gewiclien. Am 9. Dec. wird dann noch ein l'olyp, und am 16. jMärz der liest der polypös entarteten rechten, mittlenm IMuschel exstirpirt. Die Blutung hei diesen beiden Eingriffen beträgt kaum einen Tropfen!

Allen diesen fünf Kranken Avar eine Ersatzblutnng’ aus der Nase bislang nie vorgekommen. Bei allen trat sie mit gleichzeitiger Verkürzung des Periodenintervalles ein. Es scheint also, dass durch eine solche Verkürzung die menstruelle Congestion nach der Nase verstärkt wird.

Für diesen Schluss aber spricht noch ein anderer Umstand. In der Geschichte der ersterwähnten Kranken (Fall 1) figurirt noch ein zweites Mal u. zav. ebenfalls nach Nasengalvanokaustik eine absolute Verfrühung der Periode um 11 Tage vor der nor- malen vierwöchentlichen Zeit*). Diese Verfrühung ist nicht mit Epistaxis combinirt. Wohl aber mit heftigen dysmenorrhoischen Schmerzen, an denen die Kranke nie zuvor und nie nachher ge- litten hat.

Und diese dysmenorrhoischen Schmerzen erscheinen mit der Periodenverfrühung noch bei ZAvei anderen Kranken, von denen die eine niemals zuvor mit Schmerzhaftigkeit der Menses behaftet Avar. Bei der zweiten (siehe Fall 21) war die Dysmenorrhoe zur Zeit bereits u. zav. a^ou der Nase aus beseitigt worden. Bei ihr hingen also die temporären, dysmenorrhoischen BescliAverden, die den frü- heren völlig glichen, sicher mit der Nase zusammen. Wir AA’erden aber sehr bald sehen, dass die allermeisten Dysmenorrhöen von der Nase her zu heilen sind und von ebendaher ihre Entstehung ableiten. Aber auch abgesehen davon gewinnt der Schluss, dass auch bei den anderen Kranken der vorzeitige Eintritt der Menses und die mit ihm verbundene erratische Dysmenorrhoe nasaler Na- tur geAvesen sei, noch an Wahrscheinlichkeit, weil die übrigen Beschwerden der Kranken einer nasalen Therapie sich zugänglich erwiesen und hauptsächlich, weil die Verfrühungen in allen Fällen nach nasalen Eingriffen erfolgten. Nur scheint die Tendenz zur Epistaxis vicaria diejenige zur Entstehung menstrueller Schmerzen herabzusetzen. Es lässt sich das so auffassen, als ob mit Ent-


■*) Zu der dann die Periode ordnungsgemäss und schmerzlos erschien.


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stehimg der Blutung die Congestion in der Nase nicht die nöthige Druckhühe erreichen kann, welche zur Auslösung der Fernhe- schwerden (hier der Dysmenorrhoe) erforderlich ist.

Aber noch eine andere Lehre können wir aus den angezo- genen Krankengeschichten entnehmen. M a n v e r m a g d u r c h nasale Eingriffe das Periodenintervall zu verkürzen, oder allge- meiner gesagt, zu verändern. Wir werden von dieser auffal- lenden Thatsache bei der Betrachtung des Abortus die weitere Anwendung machen.


III.

Zuvörderst soll uns die nasale Form der Dysmenorrhoe genauer beschäftigen. Wir schliessen auf ihr Vorhandensein da- durch, dass wir beim dysmenorrhoischen Schmerz- Anfall, der die menstruelle Uterus blutung begleitet, ihr häufig vorausgeht, aber fast immer den Eintritt der Genital blutung überdauert, eine er- folgreiche Cocainisii’ung der Genitalstellen in der Nase ausgeführt haben. Erfolgreich ist sie, wenn nach Eintritt der völligen Anae- sthesie an jenen Oertlichkeiten der Nase auch die dysmenorrhoi- schen Schmerzen aufhören. Wir wollen das in Zukunft auch so ausdrücken dürfen, dass wir sagen, der Cocainversuch sei positiv ausgefallen. Bei positivem Cocain versuch bestehtalle- mal die nasale Form der Dysmenorrhoe. Für das Zustande- kommen der menstruellen Schmerzen ist dann also ein gewisser abnormer Zustand der Nase, den wir „die neuralgische Verände- rung“ nennen wollen, unentbehrliche Bedingung. Und es ver- schlägt durchaus nichts, wenn nebenbei noch irgendwelche anderen anatomisch nachweisbaren Schäden in den Sexualorganen bestehen. Sie tragen — im Falle des positiven Cocain Versuches! ■ — an den Unwohlseinsschmerzen ganz gewiss nicht die unmittelbare Schuld. Das lässt sich leicht dadurch erweisen, dass man durch ausschliessliche Behandlung der Nase in diesen „positiv coca'ini- sierten“ Fällen die dysmenorrhoischen Schmerzen dauernd zu be- seitigen vermag, selbst Avenn die begleitenden Krankheiten des Unterleibes unverändert bestehen bleiben*).


  • ) Vergleiche Seite 26 Fall 17: Endometritis. Seite 29 Fall 21: Retroflexio.

Seite 23 Fall 16: Endometritis. Seite 27 Fall 8: Parametritis.


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So häufig nun auch diese nasale Form der Dysmenorrhoe ist — nach unseren Beohachtungen ist sie die am meisten vor- kommende — so absurd wäre es zu behaupten, dass sie die allei- nig existirende sei. Der Symptomencomplex der Dysmenorrhoe gliedert sich nach seinen Ursachen in mehrere Gruppen, die völlig different sind. Der nasalen Form steht zuerst die mechanische gegenüber, bei der das Blut ein nur unter Schmerzen zu beseitigen- des Hinderniss für seinen Austritt überwinden muss. Ist das Hin- derniss genommen, und kann das Blut frei fliessen, dann pflegen auch die Schmerzen aufzuhören. Sehr im Gegensatz zu der nasa- len Form, bei der ganz gewöhnlich die Kreuz- und Leibschmer- zen das erste Erscheinen des Menstrualblutes überdauern. Bei der mechanischen Dysmenorrhoe spielt natürlich die Nase gar keine Bolle. Ob es Mischfälle gibt, lasse ich dahin gestellt.

Die Frauenärzte haben ausser den Stenosen des Cervix und des inneren Muttermundes, Lageveränderungen und Katarrhe des Uterus, Myome, Pelveoperitonitis, Tuben- und Eierstockerkran- kungen für die menstruellen Schmerzen verantwortlich gemacht. Erst wenn man alle derartigen Fälle dem Cocainversuch unterzieht, wird sich heraussteilen, in wie weit diese palpablen Leiden wirk- lich an der Entstehung der Dysmenorrhoe betheiligt sind. Aber es soll keineswegs bestritten werden, dass alle diese Zustände für sich eine schmerzhafte Begel veranlassen können. Der Cocainversuch wird dann im zutreffenden Falle negativ sein. Er ist also ein aus- gezeichnetes Mittel, um die örtlich bedingten Schmerzen von der grossen Gruppe derer zu sondern, denen ein ganz anderer Mechanismus zu Grunde liegt, an dem eben die Nase einen wesentlichen Antheilhat. Wir sprechen in der folgenden Erörterung nur von dieser letzteren „nasalen“ Gruppe, wenn wir von Dysmenorrhoe schlechtweg reden.

In die nasale Form gehören in erster Reihe die grösste Zahl der Fälle, denen man gemeinhin den Namen der „nervösen“ Form gibt. Es ist deshalb wohl nicht überflüssig zu bemerken, dass diese beiden Bezeichnungen sich keineswegs decken. Vor allem gibt es Fälle von hysterischen Schmerzen bei der Regel. Diese können sich ursprünglich sowohl an nasale oder mechanische Schmerz- rudimente anlehnen, sind aber längst selbstständig geworden und haben den wie immer bedingten Schmerzkern laAvinenartig ver- grössert. Diese ganze Vergrösserung stammt aus der Psyche, ist


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von da in die Körperinnervation übergefülirt. „convertirt“ (Freud)*) und wird durcli kein Cocamexperiinent beseitigt. Gerade in An- sehung solcher Fälle möchte ich schon hier betonen, dass ich den Cocainversuch nur dann als positiv ansehe, wenn er die dys- menorrhoischen Schmerzen ganz oder bis auf minimale Spuren auf- hebt. Er muss ersichtlich eine ganz neue Situation in dem Befinden der Kranken schaffen. „Es ist alles wie fortgeblasen,“ „ich fühle ■mich Avie neugeboren,“ „mir ist jetzt, als hätte ich mir meine früheren Schmerzen nur eingebildet“ ; „ich spüre höchstens noch eine leise ]\Iahnung“ : das sind die Ausdrücke, in denen man die Kranken reden hört, wenn die Cocainisirung Avirklich erfolgreich AA^ar.

Wir haben schon erAvähnt, dass man zur „Dysmenorrhoe-Probe“ die G enital stellen der Nase coca'misirt.**) An ihre A'ollkommene Anaesthesirung ist der Erfolg gebunden, der geAvöhnlich in 5 — 8 JMinuten eintritt. Streicht man das Cocain in andere Theile der Nase, ohne dass man die genannten Stellen berührt, so bestehen die dysmenorrhoischen Schmerzen auch bei nasaler Ursache ganz un- verändert Aveiter. Davon habe ich mich viele Male überzeugt. Also nicht die ganze Nasenhöhle, sondern nur die unteren Muscheln und die tubercula septi haben eine specifische Beziehung zum dys- menorrhoischen S chmerz .

Das Avird aber noch durch eine zAveite Thatsache enviesen. Verätzt man die Schwellkörper an den Genitalstellen, aa-ozu häufig die Trichloressigsäure, manchmal aber erst die Gahamokaustik oder die bipolare Electrolyse ausreicht, so beseitigt man dadurch dauernd die nasale Dysmenorrhoe. Auch hier ist der Behand- lungserfolg an die Therapie der specifischen (i. e. Genital-) Stellen ffebunden. V erätzung anderer Partien der Nase übt keinerlei Einfluss auf die Schmerzen bei der Regel aus.

Es ist mir öfters von Collegen bei der Demonstration der eben beschriebenen Cocainprobe der EinAAumd gemacht Avorden, es könne sich dabei um einen allgemeinen schmerzstillenden Einfluss des Cocains handeln. Ein solcher EiiiAA^and sollte eigentlich nicht er- hoben AA^erden. Denn dem Cocain, das durch Resorption in die

  • ) Vgl. Breuer und Freud: Studien über Hysterie. Wien 1895.
    • ) Geschieht zweckmässig so, dass man im Speculum die Genitalstellen

einstellt und dann mit einem im Zängelchen gefassten winzigen Wattebausch bestreicht, der vorher in 20“/o Cocainlösung getaucht wurde.


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]31utbalin aufgenommen ist, kommt eine allgemein analgesirende Einwirkung, wie sie z. B. das Morphium hat, überhaupt nicht zii. Es ist vielmehr in kleinen Dosen ein Stimulans. Und auch die- jenigen, welche gemeint haben, die „Cocam-Euphorie“ lasse die Kranken ihre dysmenorrhoischen Schmerzen nicht mehr empfinden, sehen sich gegenüber der weiteren Beobachtung ganz ohne Er- klärung, dass der Erfolg streng an die Anaesthesirung der Genital- stellen geknüpft ist. Gar nicht zu reden von dem ebenbesprochenen Dauererfolg durch Aetzung der specifischen Stellen, bei dem natür- lich das C'ocain gar keine Bolle spielt.

Aber noch auf eine andere, für die Erweiterung unserer Kenntnisse sehr lehrreiche Weise können die Anhänger einer All- gemeinwirkung des Cocains auf die dysmenorrhoischen Schmerzen widerlegt werden.

Wenn man nämlich die Genitalstellen der Nase fractionirt der Cocainprobe unterwirft, also z. B. nur die unteren Muscheln oder nur die tubercula septi bestreicht, so fallen jedesmal nur einzelne Schmerzen aus dem dysmenorrhoischen Complex aus, was natürlich mit einer blossen narcotischen Allgemeinwirkung unver- einbar wäre. Und zwar hören nach Cocainisirung der tubercula septi wesentlich die Kreuzschmerzen und nach Cocainbepinselung der unteren Muscheln die Bauchschmerzen auf.

Unter Bauchschmerzen verstehe ich die Schmerzen im rech- ten und im linken Hypogastrium und unter Kreuzschmerzen die- jenigen neben der rechten und linken Seite des Kreuzbeines. Denn aus diesen Schmerzbestandtheilen setzen sich die dysmenorrhoischen Beschwerden zusammen.

Bei der Mehrzahl der Patientinnen ist aber noch ein anderer merkwürdiger Umstand zu constatiren.

Applicire ich das Cocain z. B. auf das rechte tuberculum septi, so hört hauptsächlich der Schmerz am linken Kreuz auf, und auf Anaesthesirung des linken Tuberculum zumeist der Schmerz der rechten Kreuzseite. Und eine analoge Beziehung besteht auch zwischen den unteren Muscheln und dem Bauchschmerz.

Wir werden für dieses eigenthümliche Verhalten sofort einige Beispiele geben, die das Gesagte bestätigen, aber auch zugleich einschränken werden. Einschränken nach zwei Richtungen. Erstens werden sie zeigen, dass die Kreuzung zwischen Nasen- und Rumpf-


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Seite keine vollständige, sondern nur eine theilweise sein dürfte (analog dem Opticusschema), so dass nur der grössere Theil der hypothetischen Verbindung nach der Gegenseite, der kleinere Theil nach der gleichnamigen Seite verläuft. Oder klinisch ausgedrückt heisst das: auf Cocainisirung der rechten Nasenseite schwinden bis auf geringe Reste Bauch- und Kreuzschmerzen der linken Körperhälfte und umgekehrt. Diese Schmerzreste hören erst mit Cocainisirung der gleichnamigen Nasenseite auf, ZAveitens werden sie ergeben, dass auch in diesem Verhalten individuelle Verschie- denheiten existiren, dass es sogar zweifellos Frauen gibt, bei denen die genannte Verbindung im wesentlichen eine gleichnamige ist, (wo also Cocainisirung der rechten Nasenhälfte die rechtsseitigen Bauch- und Kreuzschmerzen zum Schwinden bringt und vice versa). Doch scheint der letztere Fall der seltenere zu sein.

Beispiele für den Cocainversuch:

Fall 5. Marie G. . . .w, Dienstmädchen.

In der Krankengeschichte dieser Patientin ist wesentlich, dass eine seit dem 16. Lebensjahre bestandene Ischias mit dem Eintritt der Menstrnation im 17. Jahre anfgehört hat, und dass seit dem 18. Jahre die Menses anfingen schmerzhaft zu werden. Die Sclimerzen (in Bauch und Kreuz) erschienen stets nach Eintritt der Blutung, dauerten 6 — 10 Stunden und waren äussert heftig. Zugleich mit der Dysmenorrhoe sind Magenschmerzen aufgetreten.

1. Versuch. 17. Februar 1894. Dysmenorrhoe, erster Tag des Unwohlseins.

a) Cocainisirung der linken unteren Muschel, Kein erheblicher Nachlass.

b) des linken tuberculum septi: Verschwinden der Schmerzen

im rechten Kreuz- und Sitzbein, später auch im rechten Hypogas- trium.

c) des rechten tuberculum septi: Vergehen der Schmerzen im linken Kreuz- und Sitzbein.

d) der rechten unteren Muschel: Vergehen der Schmerzen im

linken Hypogastrium.

Hier werden also die Schmerzen der gekreuzten Seite ausge- schaltet. Voidäufig keine Therapie. Das nächste Unwohlsein im März 1894, wo ich die Patientin nicht sah, war ebenso schmerzhaft wie die früheren Male.

2. Versuch (bei derselben Patientin) 16. April 1894.

Wieder Dysmenorrhoe, Ei'ster Tag der Pegel. Diesmal sind rechts nur sehr gelinge Kreuz- und Bauchschmerzen vorhanden. Links


sind die Öchmerzeu in Kreuz und Baucli heftig. Das Tuberculum septi sinistrum ist zur Zeit an der Schwellung nicht hetheiligt.

a) Cocainisirung des tuberculum septi dextruin. Die geringen rechtsseitigen Kreuz- und Bauchschmerzen A'erschwinden zunächst und darauf auch die Schmerzen im linken Kreuz.

h) der rechten unteren IVluschel: Schmerzen im linken Hy- pogastrium sehr vermindert.

c) der linken unteren Muschel: Schmerzen im linken Hy-

pogastrium verschwunden.

Die Ilauptsclimerzen haben hei dieser Patientin offenbar von der rechten Nasenseite abgehangen.

Daher wohl auch in dem erstem Versuche (17. Febi’uar) die anfängliche Cocainisirung der linken unteren Muschel nur geringen Nachlass der Schmerzen gegeben hat.

Experimenti causa werden nur die rechte untere IMuschel und das rechte tuberculum septi mittelst Trichloressigsäure verätzt. Es sollte nämlich versiicht werden, welche Ausfallserscheinungen die Aetzung lediglich der rechtsseitigen nasalen Genitalstellen in dem dys- menorrhoischen Symptomencomplex bewirkte.

Am Abend der Aetzung hatte Patientin Schmerzen im linken Hypogastrium und im linken Hinterkopf.

Bei den folgenden IMenses hatte Patientin nur noch "erino;fü<i-i<re linksseitige Bauchschmerzen bis zum 25. September, wo sich zum ersten Male das Unwohlsein sehr verspätete und mit kurzen ca. 3 stündigen, diesmal im ganzen Bauch empfundenen Schmerzen ein- stellte. Die Kreuzschmerzen sind dauernd fortgeblieben. Leider konnte der Gocainversuch damals nicht ausgeführt werden.

Es sind also durch 5 IMonate hindurch nach rechtsseiti»:er Na- senätzung die rechtsseitigen dysmen. Schmerzen ganz und der grösste Theil der linksseitigen Schmerzen geschwunden. Der unvollkomme- nen Behandlung entsprach also ein unvollkommener Erfolg.

Im October 1894 ist darauf nacli positivem Cocainversuch die Aetzung der linken unteren Muscliel nachgeholt worden, und die weiteren Perioden sind dann bis zum (Ktober 1895 ganz schmerzlos verlaufen.

Da erschien ein Kecidiv. Infolge dessen wurde bei der nächsten Pei’iode am 9. November 1895 der Cocainversuch wiederum ange- stellt. Es handelte sich um stärkere Schmerzen im linken Hypo- gastrium. Dieselben hörten nach Cocainisirung der rechten luite- ren Muschel aiif, die also durch Trichloressigsäure verätzt wurde. Der Erfolg ist bis heute ein sehr vollkommener gewesen. Die Perio- den verlaufen völlig schmerzlos.

I ür das Kecidiv ist ()nanie die L rsache. M ir werden auf die- ses wichtige Capitel späterhin noch ausführlich zurückkommen müssen.

Ich gebe zunächst noch einige andere Beispiele für den Co- cainversuch, ehe ich durch die Dauererfolge der nasalen Behänd-


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Fall


Fall 7


lung die Abhängigkeit dysmenorrlioischer Beschwerden von der Nase klinisch beweise.


Frl. H...a W g, 17 Jalire.

1 )er Patientin war Avogen Klagen- und Ivopf'bescliwerden iin März 1894 eine Aetzung an der linken unteren und mittleren Muschel und am linken tuberculum septi applicirt Avorden.

Das UnAvohlsein Avar von jeher schmerzhaft, und zAvar betraf der Schmerz beide Hypogastrien und beide Seiten am Kreuz.

Nach der linksseitigen Nasenätzung Avar ein UnAvohlsein fast schmerzlos verlaufen, das nächste, verspätete nach G Avöclientlichem Intervall, Avar Avieder Aon starken Schmerzen begleitet, die aber nur Avesentlich die linke Bauch- und Kreuzseite einnehmen und den Blut- ('intritt überdauern. Die rechte Kreuzseite ist schmerzfrei, die rechte Unterbauchgegend nur der Sitz eines sclimerzliaften Ziehens.

Die vorgängige linksseitige Nasen- Aetzung hat also hier die rechtsseitigen Unwohlseinsschmerzen bereits auf ein ^Minimum redu- cirt. Die Cocainprobe Avird daher auf die rechte Nasenseite be- schränkt.

CocainA'ersuch, 21. Mai 1894 Morgens.

9 Uhr 4 Minuten. Cocainisirung des recliten d^ubercul. septi.

9 Uhr 11 Minuten. Rechte Unterbauchseite frei, ebenso das linke Kreuz. (Die rechte untere Muschel hat sich, ohne selbst cocai- nisirt zu sein, stark contrahirt).

9 Uhr 13 ^Minuten. Cocainisirung der rechten unteren ]\[uschel.

9 Uhr 19 Minuten. Schmerzen im linken Hypogastrium A'er- gangen.

Hierauf 9 Uhr 22 IVIinuten; Aetzung der rechten unteren ^lu- schel und des rechten tuberculum septi mit Trichloressigsäure. Die Schmerzen sind a*oii diesem Moment an daiTernd fortgeblieben.

Hier A\uren die Schmerzen zur Zeit der Probe fast ausschliess- lich links A’orhanden und diese sind auf rechtsseitige Aetzung A er- schwunden. Die geringen rechtsseitigen Bauchschmerzen hören mit Contraction der rechten unteren IMuschel auf. Als letztere aber durch Cocain Avirklich unempfindlich gemacht Avird, sistiren auch die Schmer- zen im linken Hypogastrium.

Die Nasenätzung an den beiderseitigen Genitalstellen (links im März, rechts im Mai 1894) hat also auch hier die Dysmenorrhoe dau- ernd aufgehoben.

Fräulein G...k, 20 Jahre, 22. October 1894.

Seit dem 13. Jahre menstruirt, bis Aor einem Jalire schmerzlos. Damals Influenza. Seit dieser Zeit stets starke Schmerzen beim UnAvohl- sein u. zav. Avesentlicli Baucbschmerzen. Diesmal sind die heftigen Sclimerzen A'onviegcnd in der linken Bauchseite. Das Kreuz ist ganz frei.


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C 0 e a i n V e r s u c h :

5 Uhr 8 ^rinuten. Cocainisirnn»- der rechten unteren Muschel.

5 Uhr 11 Minuten. Die tSclunerzen liören in beiden Bauch- seiten auf.

5 Uhr 13 Minuten. Aetzun«- der rechten unteren Muschel mit 'rrichloressigsäure.

Die Patientin geht ganz schmerzfrei fort und bleibt es auch.

Am 29. Octoher 1894 wird noch die linke untere iMuschcl geätzt.

Von nun an sind die IMenstruationen gänzlich beschwerdefrei.

Fl' au I n, 38 Jahre. Fall 8.

Die Periode ist erst seit 1 ^|^ Jahren (post abortum) schmerzhaft geworden. Die Schmerzen sind mehr auf der rechten Seite und zwar geringer im rechten Kreuz und heftig im rechten Hypogastrium.

19. Octoher 1894. Unwohlsein seit gestern. Kreuzschniei’zen haben nachgelassen, Schmerzen im Hypogastrium dextr. bestehen noch in voller Heftigkeit.

Cocainversuch :

4 Uhr 24 Jlinuten. Cocainisirung der linken unteren ^luschel.

4 Uhr 28 Jlinuten. Schmerzen iin rechten Hypogastrium bis

auf ein geringes Ziehen verschwunden.

4 Uhr 30 Jlinuten. Cocainisirung der rechten unteren Muschel.

4 Uhr 32 Jlinuten. Auch das geringe Ziehen ist verschwunden.

4 Uhr 34 Jünuten. Aetzung der linken unteren Jluschel mit

Trichloressigsäure. Permanenter Erfolg.

F r a u G r W i t we, 33 J a li r e.

^'or 2 Jahren Influenza, darnach linksseitige Keilbeineiterung und Hyperplasien an den Genitalstellen der rechten Nasenhälfte.

Seit einer vor Jahr beendeten (7.) Schwangerschaft Dys- menorrhoe.

4. Octoher 1894 : Linke Keilbeinhöhle geöffnet und ausgeätzt.

Dabei fliesst 'l'richloressigsäui’e auch auf das linke Septum und die untere Muschel.

8. November 1895 : Vor drei Tagen wieder unwohl geworden.

Seitdem rechtsseitige Kopfschmerzen und Schmerzen im linken Hypogastrium.

C 0 c a i n V e r s u c h :

Kechte untere IMuschel und (ans Versehen) auch rechtes Tu- berculum septi cocainisirt.

Nach etwa 6 ^linuten lassen die Schmerzen in der linken Bauchseite gänzlich nach.

Darauf Galvanokaustik der cocainisirten Stellen.

Dauernd von Dysmenorrhoe befreit.

FliesB, Die Beziehungen zwisclien Nase und weiblichen. Geschlechtsorganen. o


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Fall 10.


Frau I)r. K r.

Doppelseitig-e Naseneitorung mit Poljpenbildnng, siclier länger als 5 Jahre bestehend. Heit 5 Jahren Menses drehvöclientlicli, spärlicdi, sehr schmerzhaft (Bauch und Kreuz beiderseits).

Polypen werden entfernt, Eiterung chirurgisch behandelt. Dysme- norrhoe besteht fort.

l(i. April 1895: I'nwohlsein seit gestern. Genital-Blntung um 4 Ehr Nachmittag, Schmerzen seit Abends 10 Uhr in Bauch und Kreuz beiderseits; links stärker. Daneben Uehelkeit, Schwindel, Stuhldrang.

Cocai UA' er such.

10 Uhr 52 IMin. Vormittags: Cocainisirung der 1 i nk e n unteren (Muschel.

11 Uhr: Uinke Bauchseite etwas weniger schmerzhaft.

11 Uhr 2 (Min.: Cocainisirung des linken J'uherculum septi.

11 Ihr 7 (Min.: P echte Bauchseite und rechtes Kreuz frei.

Uinke Banchseite und linkes Kreuz immer noch schmerzhaft, nur nicht ganz so heftig wie früher. 11 Uhr 9 (Min.: Cocainisirung des rechten Tuberculum septi. 11 Uhr 14 (Min.: auch links sind jetzt Leih und Kreuz schmerzlos gCAvorden.

N.B. Die rechte untere (Muschel ist nicht ausdrücklich cocaini- sirt worden. Doch kann nicht ausgeschlossen werden, dass nicht etAvas Cocain A'oni Tuberculum her herahgetlossen sei.

Die Schmerzen blieben seit der Cocainisirung den ganzen Tag über fort und sind auch am nächsten Tage nicht Aviedergekehrt.

Die Behandlung bestand in wiederholten Aetzungen (Trichlor- essigsäure) der unteren Muscheln und der Tubercula septi. Dadurch sind die Pansen A'ierAAmchentlich gOAvorden, die Blutung ist reichlicher und die dysmenorrhoischen Schmerzen sind dauenrd beseitigt.

Alle diese sechs beschriebenen Beispiele der Cocainprobe und einige später zu erAväbnende Fälle (s. Krankengesebiebten Nr. 27 und 122) lassen sieb in ein Schema bringen, AA'enn man annimmt, dass die nervöse Verbindung zwischen Nase und Bauch (bezAv. Kreuz) eine theihveise gekreuzte ist, analog dem Opticussebema. Die Haupt- masse der hypothetiseben Verbindung ginge zur Gegenseite, ein kleinerer Theil zur gleichnamigen Seite.

Wir haben aber auch ein Beispiel erlebt, avo die Haupt- masse der angenommenen Verbindung zur gleicbnamigen Seite gehen muss. Nur em geringfügiger Theil kann zu der Gegenseite gehören.*)


  • ) Vergleiche in der folgenden Krankengeschichte : 11. Juli: „Cocainisirung

des rechten Tuberculum septi beseitigt neben den rechten auch die geringfügigen linksseitigen Kreuzschinerzen“.


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Jedenfalls werden hier individuelle Verhältnisse eine grosse Rolle spielen.

A. M . . X, 2G Jahre, Dienstmädchen.

10. luni 1894; Hat seit lauigeiu Kopfschmerzen, welche nach der Sondirung beider Keilbeinhölilen verschwunden sind.

].ieidet ausserdem seit ilirer Entwicklungszeit an starker Dys- menorrhoe (Bauch- und Kreuzschmerzen) und Avird desliall) heute dem Cocainversuch unterzogen.

12 Uhr 54 ^Minuten. : Cocainisirung der linken unteren Muscliel.

1 Uhr: Schmerzen in der linken Bauchseite verschwunden.

1 Uhr 3 41in. : Cocainisirung der rechten unteren Muschel.

1 llir 5 iMin. ; Schmerzen in der rechten Bauchhälfte besser.

1 Uhr 10 Min. : Schmerzen im Kreuz rechts und links bestehen noch, daher Cocainisirung des linken 4’nherculum septi.

1 Uhr 15 Min.: Schmerzen im linken Kreuz verschwunden.

Rechts noch Aorlianden.

1 Uhr Iß Min. : Cocainisirung des recliten Tuberculum septi.

1 Uhr 24 Min. : Schmerzen im rechten Kreuz noch A'orhanden. Deshalb Versuch, noch einmal das linke Tuberculum septi zu cocai- nisiren (Avegen rechtsseitiger Kreuzschmerzen).

1 Uhr 31 Min.: Die Schmerzen rechts haben sich nicht ge- bessert.

1 Uhr 32 Min. : Nochmalige Cocainisirung des rechten Tuber- culum septi.

1 Uhr 38 Min.: Die Schmerzen, auch im rechten Kreuz sind verscliAArnnden. Patientin hescliAA-erdefrei.

I Uhr 40 i\Iin. : Aetzung der linken unteren iMuschel. Ln Laufe des Tages treten linksseitige Kopfschmerzen auf. Die Bauchschmerzen bleiben fort, die Kreuzschmerzen erscheinen nur sehr geringfügig.

Am nächsten Tage ist das UnAvohlsein bereits schmerzlos. Früher dauerten die Schmerzen 2 Tage lang.

11. Juli 1894: Gestern ist das Uiwohlsein aufgetreten, ohne Bauchschmerzen, nur mit Kopfschmerzen, hauptsächlich rechts, die aber Aiel geringer sind, als früher. Stiche im Kopf sind in den letzten 4 AVochen nicht mehr A'orhanden gcAvesen. Bei der Inspection der Nase ergibt sich die linke Seite als A'ollständig frei, ln der rechten Nase ist die untere iMuschel und A or allem das Tuberculum septi luftkissenartig gescliAAmllen und mit der Sonde stark eindrückhar.

C o c a i n A’ e r s u c h :

II Uhr 55 ^lin. : Cocainisirung des rechten Tuberculum septi.

11 Uhr 59 Min.: Die Schmerzen im rechten Kreuz haben sehr

nachgelassen, im linken Kreuz sind sie A-erscliAvunden. Die Inspection zeigt, dass mit dem rechten Tuberculum septi auch die rechte untere iMuschel ahgescliAvollen ist (Avie im Fall 23).


2 *


20


12 Ulir 3 Min.: Die Kreuzsclimerzen liaben aiicli reclits ganz nacligelassen.

12 Uhr 4 Min. : Aetziing des rec-liten Tuhercnlum septi mit Triclilorcssigsäure. - ■

Am selben Tage sind die Kreuzscbmcrzen nur nocli sehr gering- fügig gewesen, am nächsten Tage verschwunden.

Iv e s u m e : Beim Unwohlsein am 10. J uni haben sich die Schmerzen als gleichsinnig, nicht gekreuzt erwiesen. Es entsprachen die unteren ^luscheln den Bauch- und die 'Ikihercula septi den Kreuzsclimerzen.

Auf Aetzung allein der linken unteren Muschel sind später auch die Bauchsclimerzen rechts, also der anderen Seite, fortgehliehen.

Beim nächsten Unwohlsein am 11. .lull sind auf Cocainisirung des rechten 4'uberculum septi neben den rechtsseitigen Kreuzschmerzen auch die geringfügigen linken fortgegangen (beim Aorgängigen Un- wohlsein gingen auf linksseitige Cocainisirung die rechtsseitigen Kreuzschmerzen nicht fort).

Die wesentlichsten Veränderungen hätten also hier in der linken unteren Muschel und im rechten Tuberculum septi gesessen.

Der Erfolg ist ein totaler und dauernder. Das Unwohlsein ist ganz schmerzlos seit der Behandlung im Juli.

Ausserdem geht aber aus den Versuchen hervor, dass man von den unteren Muscheln aus zumeist den Bauchschmerz, von den Tuberculis septi aus die Kreuzschmerzen zu beherrschen im Stande ist.

Noch in vier anderen Fällen von Dysmenorrhoe haben wir mit positivem Erfolge die Cocainprobe angestellt (siehe Kranken- geschichten Nr. 12, 13, 14, 15). Nur geschah dies so zu sagen in Bausch und Bogen. Es Avurde nicht partiell cocainisirt, son- dern die beiderseitigen unteren Muscheln und Tubercula septi sofort mit Cocainlösung bepinselt. Auch in diesen vier Fällen war der Erfolg der Probe ein eclatanter und alle vier Patien- tinnen sind durch Aetzung der Genitalstellen*) von ihren Be- schwerden dauernd befreit Avorden.

Fall 12 . Frau F .... s, 24 Jahre.

Hat in der Kindheit Masern, Kötlieln, Avaricellen, Iharotitis, Tiis.si^ convulsha durchgemacht, tm 14. Lehen.sjahr, (1883) — sehr lieftiger Scharlach mit nachfolgender Angina LndoA'ici. Seit 7 — 8 Jahren, also circa ZAvei Jahre nach dem Scharlach, leidet Patientin an häufigen

  • ) Betreffs des Falles 15 siehe die Bemerkung am Schluss der Kranken-

geschichte.


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Kreuzschmerzen, die jede sitzende Beschäftigung unmöglich maclien. A"on 188G bis 1891 traten im Winter Zwischenrippenschmerzen im vierten linken Intercostalraum auf, die trotz häufiger, sehr genauer ärztlicher Untersuchung unaufgeklärt blieben. Schmerzen im Nacken, im Kücken und in den Armen sind noch bis zur (legenwart A'orhan- den gewesen; die Armschmerzen aber nur dann, wenn starkes Niesen A orausgegangen war. Nach jedem kühlen Bade, bis 22** Keaumur grosse iMattigkeit und Erschöpfung, acute Herzschwäche. Während der IMen- ses starke Kreuzschmerzen oder Bauchkrämpfe, Schwäche und Wund- gefühl im Leibe, so dass selbst das Sprechen nur mit peinlicher Ueber- windun«’ mö«;lich war. Bei frühem Erwachen oder Aufstehen des ]Mor- gens stellt sich jedesmal ein Ueblichkeitsgefühl ein, das zwar bald nachlässt, aber Nabrungsaiifnahme erst nach mehreren Stunden gestattet.

Am 12. Juli, während heftiger dysmenorrhoischer Schmerzen, Cocainisirung beider Nasenhälften. Nach etwa 8 Minuten haben die Schmerzen, die bereits mehrere Stunden angedauert hatten, A’öllig auf- gehört. Das Allgemeinbefinden bessert sich auffällig. Die ]\Euscheln Avaren A’or der Cocainisirung in starker A’asoraotorischer ScliAvelliAng. Aetzung der linken unteren ^luschel mit Trichloressigsäure. Seit dieser Zeit sind die Bauchschmerzen nicht mehr aufgetreten. Das All- gemeinbefinden Avar bis zum 15. Juli besser, wo am Nacbmittag grosse Ueblichkeit, 3Iattigkeit und starke Blässe des Gesichtes ein- traten. In der Nacht erschien ein stundenlanger Schüttelfrost, der mit heftigen Kreuzschmerzen, grosser Uebelkeit und schmerzlosem Ab- Aveichen einhergieng. Am 1(5. duli, avo noch grosse Mattigkeit in den Beinen bestand, zeigt sich hei der Inspection der Nase die rechte untere Muschel stark gescliAvmllen. Dieselbe A\drd am 19. Juli mit Trichloracet. geätzt. Vom 23. J u 1 i an ist das Befinden Amrtrefflich. Die Appetitlosigkeit hat einem normalen Hungergefühl Platz gemacht. Kreuzschmerzen bestehen nicht mehr und treten auch bei sitzender Beschäftigung nicht mehr auf. Bereits das nächste UnAvohlsein Avar scliAA’ächer, A'on kürzerer Dauer AA’ie früher und ganz schmerzlos. Das Allgemeinbefinden ungestört. Dieser günstige Zustand hat bis zur Ge- geuAvart angehalten.

o o

Bei dieser Patientin ist die Periode, die bald nach ihrem ersten Auftreten (im 14. Lebensjahre) schmerzhaft zu AA^erden begann und es dann stets (auch nach der Verheiratung) blieb, seit der nasalen Behandlung bis zur ersten GraAÜdität 23 Mal und immer schmerzlos eingetreten.

Es ist dies die erste Kranke, bei der ich in der Lage Avar den Cocainversuch anzustellen. Ich habe die geschAvollenen beiden unteren Muscheln und beiderseits auch die Tuberc. sept. cocaini- sirt, mit dem Erfolge, dass nach acht Minuten die heftigen dys-


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menorrhoisclien Schmerzen aiifhörten. Und das geschah so plötz- lich, dass die Patientin, die mir, als vielleicht fünf Minuten ver- flossen waren, eben noch den Misserfolg der Procedur meldete, zAvei ]\Iinuten später ihre früheren Angaben widerrufen musste. Die Schmerzen schienen fast wie abgeschnitten.

Fall 13. Fräulein J . . . y B . . . e, 25 Jahre, Sängerin.

Ist wegen Stimml)eschwerclen in meine Beliandlung gekommen. Doppelseitige Keilbeineiterung und eitrig iiilieirte Paehenmandel. Durch chirurgische Behandlung geheilt. Hat etwa seit Beginn der Stimmbe- schwerden (vor 4 Jahren) Dysmenorrhoe. Die Schmerzen überdauern den Bluteintritt. Bald nach Entfernung der Bachenmandel und der Eröif- nung und Ausätzung der Iveilbeinhöhlen, wobei Tricliloressigsäiuv auch in die Aase floss, minderten sich die Schmerzen beim Unwohlsein ganz bedeutend (October 1894), traten aber bei den folgenden Menstruatio- nen noch jedesmal auf. Deshalb wurde am 28. Februar 1895 der Cocainversuch angestellt. Nach Bepinselung der beiderseitigen unteren Jluscheln und der tubercula septi hörten innerhalb 8 Jlinuten alle Schmerzen (in Kreuz, Hypogastrium, Beinen) auf. Jetzt erfolgte eine sorgfältig localisirte energische Aetzung der nasalen Cenitalstellen, und \'on nun an sind nicht nur alle folgemlen lAriodeii schmerzlos ver- laufen, sondern die Menge der Blutung ist beträchtlich reducirt. Die Dauer der Menses beträgt jetzt zwei (statt früher sechs!) 'Page. Auch ist der Jlenstruationskopfschmerz fürder au.sgeblieben.

Füll 14. Frau C. A t, Gr e sang lehr er in, 35 Jahre.

Leidet seit einem Jahrzehnt unter den Folgen einer combinirten Xaseneiterung (rechtes Keilbein, linkes Siebbein und linke Kieferhöhle). Datirt auch ebenso lange ihre Dysmenorrhoe und Jlenstruatiousmigräne. Die Schmerzen beginnen schon einen Tag vor Eintritt der Menses, sitzen im Kreuz und in beiden Hypogastrien und dauern noch 1 — 2 Tage nach Eintritt der Kegel, die sich über eine IVoche hin- zieht und mit sehr beträchtlicher Blutung verbunden ist, für die der normale Genitalbefund (Nullipara) gar keinen Anhaltspunkt liefert. Die Kranke ist durch die sich immer wiederholenden Blutverluste äusserst reducirt. Vom Herbst 1894 bis zum Frühling 1895 wird die Patientin durch Eröffnung und Ausätzuug der erkrankten Nebenhöhlen von der Eiterung nahezu befreit.

Der am 15. Januar 1895 doppelseitig angestellte Cocainversuch ergab ein völliges VerscliAviuden der dysmenorrhoischen Schmerzen innerhalb 8 IM in. — Darauf wird im 5Iärz die systematische Electro- lyse beider J'ubercula septi uud l)eider unteren Muscheln vorge- nommen. Von nun an sind sämmtliche Schmerzen beim L iiAvohlsein Avie ausgelöscht. Der Blutverlust ist gegen früher minimal. Die Dauer drei Tage,


Fall


Frau B ii, 33 Jahre.

Nach einem Erysipel vor 7 Jahren hat sie eine eitrige Infection sämmtlicher Nebenhöhlen der Nase acquirirt. Der Eiter ist seit vorigem .Jahre stinkend. Die Nase mit einer colossalen Menge polypöser Wucherungen und schwammiger Granulationen ausgefUllt. Ivopf schmerzen von immer steigender Intensität, und sehr heftige Dysmenorrhoe und iNIenorrhagie. Genitalbefund negativ. Nullipara.

In der Narcose Averden die erkrankten Höhlen eröftnet und gründlich ausgekratzt (27. März 1895). Trotzdem ist die Behandlung zur Zeit noch nicht abgeschlossen. Der Eiter hat sich sehr vermindert, der üble Geruch ist bis auf geringe Beste versclnvunden, die Kopf- schmerzen, die früher permanent AA^aren, erscheinen nur noch selten.

Am 17. .luni 1895 (Dysmenorrhoe) Avurde die Cocainprobe (beiderseits) mit durchaus positivem Erfolge angestellt. Die stark hyperplasirten Geuitalstellen der Nase sind dann einer energischen Electrolyse imterzogen worden.

.Seitdem ist das UiiAvohlsein Avieder schmerzlos geAvorden, und die 3Ienge des dabei ausgeschiedenen Blutes ist jetzt normal.

Die Behandlung der Nase hat noch öftere Trichloressigsäure- ätzungen bedingt, Aveil der Eiter hyperplastische Schleimhauteutzüu- duugen herA'orh ringt. Ohne diese nachträglichen Aetzuugen Aväre ein Becidiv der U n av o hl s ei n s h e s ch av e r d e n Avohl möglich geAA'esen. Erst mit dem völligen Versiegen des Eiters und mit dem dadurch gegebenen Aufhören jeder Beizung der Genital- steilen Avird die Heilung unfraglich eine dauernde sein.

Frau A . . a K . . n, 26 Jahre. *

Nullipara. Im Aderzehnten .Jahre zuerst menstruirt, regelmässig, 4 bis 5 Tage; geringe Kreuz- und Bauchschmerzen, die dem UnAvohl- sein A'oran^ina'en und mit dem Bluteintritt nicht aufliörten. Seit 3 .fahren A-erheiratet. Ein Adertel Jahr nach der Ehe stellten sich ausserordentlich heftige Schmerzen bei der Begel ein. Dieselben be- gannen ca. 5 Tage vorher und Avährten die ganze Zeit der menstruellen Blutung, die sich über 8 bis 14 Tage hinzog und allmälig recht be- trächtlich AATirde. Am grössten Avar die Schmerzhaftigkeit im Kreuz und in der linken Bauchseite.

Ausserdem leidet die Patientin seit derselben Zeit an heftigen Kopfschmerzen, die alle paar Tage anfallsAveise erscheinen (meist links), an fortdauernder Uebelkeit, häufigem Erbrechen und ScliAAfindel, täglichen ScliAveissausbrüchen und Herzklopfen. Arm- nnd Bein- schmerzen, die A'or einigen Monaten sehr intensiv aufgetreten AA-aren, sind jetzt geschwunden.

Die Diagnose aus der königl. üniA-ersitäts-Erauenklinik lautete: Sterilitas. Antefiexio uteri. Endometritis dysmen. gland. exsudatKa.

Da eine dort A’orgenommene, etA\'a dreiAvöchentliche Behandlung (Dilatatio und Curettement) sich erfolglos enviesen hatte, AA'urde mir durch die Güte des Henm Dr. Heuck, Assistenten der Frauenklinik, die


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]’atientiu am 25. November 1895 ül)erwiesen. Hie befand sicli damals am fünften Tage des Lnwolilseins. Ich stellte eine linksseitig’e Hiebbein- und Kieferböblen-Eiterung fest und ampntirte sofort, nach gelungenem Cocainversncb die linke mittlere IMuscbel, -welche stark livperplastiscb entartet -war. Der Erfolg dieses Eingriffes war, dass die Menses A'om Augenblick der Operation an aufliörten, ebenso AA’ie die Schmerzen in Kreuz und Hypogastrium. Uebelkeit und Sclnveiss sind von demsoll)en Tage an dauernd fortgeblieben.

Am 9. Deceinber wurde von der Eossa canina aus die linke Kieferhöhle c^’ öffnet. Nun sclnvandeu aucli die Kopfschmerzen und der Hclnvindel.

Das nächste Unwohlsein am 19. December ging mit geringfügigen Kreuz- und Leibschmerzen einher, ohne Ivopfschmerzen, ScliAvindel und Erbrechen und dauerte fünf 'Lage. Der Blutverlust war gering. Es Averdeu jetzt die Geuitalstellen der rechten und linken Nase geätzt.

Die nun folgende Menstruation am 13. Januar (3 Tage zu früh) trat ohne Schmerzen ein. Indessen, in der Nacht Aoni 16. zum 17. Avurde die Patientin durch Kreuzschmerzen geAveckt, die nach einigen Stunden Aergangen waren. Diesmal dauerte die Blutung, Avenn auch in geringem Umfang, 8 Tage an. Als Ursache für diese Störung ergab sich Granulationsbildung an der Operationsöffnung der Kieferhölde, die dadurch blockirt und der Ausspülung unzugänglich geAvorden AAmr. Dieser Befund konnte erst am 20. Februar, wo die auswärts Avohuende Patientin AvJeder zur Ordination erschien, festgestellt und dann das Hindernis beseitigt werden. Zugleich Avurde ein am Hiatus semilunaris in Folge der Eiterstauung geAvucherter PoIa'P entfernt. Er Avar avoIiI die Ursache, dass die menstruelle Blutung im Februar fünf Tage zu spät (15. Februar) erschienen war, und dass noch, allerdings leichte Kreuz- und Bauchschmerzen die Kegel (5 Tage spärliche Blutung) begleiteten. Es AA'urden jetzt die Genitalstellen der Nase einer ElectroKse unter- zogen, und das nächste UiiAvohlsein (am 15. März), das nach 29 Tagen erschien, Avar abgesehen von einem geringen Ziehen über der Symplpyse, welches mit dem Bluteintritt aufhörte, A’öllig schmerzlos, A’on fünf- tägiger Dauer, recht geringfügiger Blutung und ohne irgend Avelche Aveiteren Beschwerden.

Die Kieferhöhlen-Eiterung ist zur Zeit noch in der Ausheilung begriffen.

Patientin Avurde am 30. März 1896 in diesem Zustande in der UniA'ersitäts-Frauenklinik den Herren Dr. Heuck, Dr. Koblanck und Prof. Winter A’orgestellt.

Die Cocainprobe ist also zAvölfmal mit dem posith’-sten Er- folge ausgefiihrt Avorden. Es geschah dies stets in Fällen, avo die Schmerzen den Bluteintritt überdauerten. Diese Fälle charakteri- sirten sich ausserdem dadurch, dass sie entAA^eder Virgines betrafen.


bei denen nielit der allergeringste Grund zu der Annahme eines palpablen Leidens der Genitalien vorlag, oder Frauen, bei denen die gynäkologische Untersuchung vollkommen negativ ausfiel.

Um ein Experimentum crucis zu veranstalten, habe ich bei einem jungen Mädchen,*) avo die Periodenschmerzen (im Bauch) mit dem Bluteintritt wie abgeschnitten Avaren, ebenfalls die Cocain- Pi’obe ausgeführt. Sie ist ohne jeden Einfluss auf die Schmerzen geblieben.

Auch eine Hysterica Erl. N . . . . n, die über „colossale“ Schmerzen bei der Periode klagte und durch ihr Geschrei ein ganzes Haus in Aufruhr setzte — die gynäkol. Untersuchung Avurde verAA^eigert — hat auf die Cocain-Probe gar nicht reagirt, obwohl sich die Patientin \del davon versprach, denn ihre Cousine AA^ar glänzend von Dysmenorrhoe durch nasale Behandlung befreit worden.

Diese beiden Fälle, die einzigen negativen, AAmlche mir gerade vorgekommen sind, bestätigen nur den selbstverständlichen Satz, dass nicht alle Dysmenorrhöen von der Nase ab- hängig sind.

Wir haben bisher nur von der Cocainprobe bei Dysmenorrhoe gesprochen. Jetzt müssen Avir der Fälle gedenken, die, ohne der Probe vorher unterzogen zu sein, dennoch durch nasale Therapie ihre BeschAverden bei der Regel verloren haben.

Wir Avollen sie in solche eintheilen, die ihre Beschwerden AA^enigstens annähernd bis auf die Pubertätszeit zurückführen können, und solche, welche dieselben erst später erworben haben. Auch die bisherigen Krankengeschichten haben uns ja bereits diese beiden Kategorien unterscheiden lassen. (EntAvicklungsdysmenorrhoe ; Fälle Nr. 5, 6, 11, 12. ErAA^orbene Dysmenorrhoe: Fälle Nr. 7, 8, 9, 10, 13, 14, 15, 16.

Auf diese Weise kommen zu den 12 erwähnten Fällen noch 19 andere hinzu, so dass im Ganzen bei 31 Fällen die Dys- menorrhoe von der Nase aus beseitigt AA’urde.

  • ) Es bestand hier wahrscheinlich die mechanische Form der Dysmenorrhoe,

wie bereits aus der Symptomatologie („Die Schmerzen hören mit Eintritt der menstruellen Blutung auf‘‘) zu vermuten war.


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Von diesen gleich zu behandelnden 19 Fällen datiren hei 11 die Beschwerden bereits aus der Entwicklungszeit oder spätestens ein Jahr nachher, bei 8 sind die dysmenorrhoischen Erscheinungen erst erheblich später aufgetreten, also erworben, und zwar erworben durch a n g e b b a r e Ursachen.

\ on den früheren 12 Fällen stammen bei 4 Patientinnen die Dysmenorrhöen aus der Pubertätszeit, bei 8 sind sie später er- worben.

Wir haben also im Ganzen 15 Beispiele von Entwicklungs- und 16 Beispiele von erworbener Dysmenorrhoe. Streng genommen sollten von den 15 Fällen von Entwicklungsdysmenorrhoe noch 3 hinweggenommen und zur anderen Kategorie gesetzt Averden. Denn obAvohl hier die BescliAverden zugleich mit der Pubertät aufgetreten sind, haben sie doch eine infectiöse Aetiologie. Im ersten Falle (Nr. 25) sind sie hervorgerufen durch eine im 11. Lebensjahre im Gefolge des Typhus eingetretene Infection der rechten Keilbein- höhle und durch secundäre Hyperplasien an den specifischen Stellen der rechten Nasenhöhle. Mit Beseitigung dieser Verände- rungen schwand auch sofort die Dysmenorrhoe.

Im ZAveiten Falle (Nr. 36) war eine Nasendiphterie die Er- zeugerin der Eiterung und der consecutiven Hyperplasien. Auch hier ist durch Nasenbehandlung Heilung erzielt Avorden (s. später).

Im dritten Falle (Nr. 32) bestand eine doppelseitige Siehbein- eiterung.

Wir hätten sonach 12 EntAvicklungs- und 19 envorbene Dys- menorrhöen zu betrachten.

Die erste Gruppe umfasst a) die schon gegebenen Kranken- geschichten Nr. 5, 6, 11, 12, und ferner b) Nr. 17, 18, 19, 20» 21, 22, 23, 24.

Die ZAveite Gruppe repräseiitiren a) die bereits angeführten Fälle Nr. 7, 8, 9, lO, 13, 14, 15, 16, und ferner h) Nr. 25, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36.

Machen Avir uns zunächst mit der Geschichte der Fälle 17 bis 24 vertraut.

Fall 17. Frau P n. Ho f opernsängerin, 33 Jahre.

26. Februar 1894. Klagt seit längerer Zeit über Ilerzklopfen- Anfälle, die öfters auftreten, meist sehr heftig sind, und regelmässig AAmhrend der l’eriode erscheinen. Ausserdem hat sie seit ihrer 51äd-


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clienzeit starke dysmenorrlioische BescliAverden, kramj)fartigc .Scliraer- zen im Bauch und im Kreuz, ebenso im rechten Bein, daneben meist ]i[agendruck, welcher gewöhnlich unmittelbar vor dem Unwohlsein er- scheint und erst Avährend desselben verschwindet. Die Bauch- und Kreuzschmerzen überdauern ebenfalls den Eintritt der Blutung. Viel- fache gynäkologische Behandlungen seitens der ersten Autoritäten sind gänzlich erfolglos geblieben, sowohl gegen die Dysmenorrhoe als gegen die vorhandene eitrige Endometritis. Ausserdem gibt Ihitientin an, dass sie AVein schlecht vertragen kann, sie wird auch nach kleinen Afengen bald benommen. Die Nase ist häutig anfallsweise verstopft, was heim Singen sehr störend ist. Die geschwollenen beiden unteren Aluscheln und beide Tubercula septi Averden mit Trichloracet. geätzt. Bereits beim nächsten UuAAmhlsein (Ende Alärz) treten nur noch Spu- ren des Herzklopfens und der dysmenorrhoischen Schmerzen auf. Am 2(i. April, kurz Auir dem erAvarteten Eintritt der l’eriode klagt Pati- entin Avdederum über heftigen Alagendruck, ATelcher auf Cocainisirung des vorderen Tlieiles der linken mittleren Aluschel, (Alagenschmerz- stellej innerhalb 5 Alinuten A'erscliAyindet. Da bei dem Eintritt der diesmaligen Periode wiederum einige Kreuzschmerzen Amrlianden sind, so Averden am 5. Alai die noch stark gesclnvollene rechte untere Aluschel und das rechte d’uberc. septi galvanokaustisch zerstört. Als KeactioiAS-Erscheinungen treten am 7. Alai starke Schmerzen in der Amrderen Partie des rechten Beines (hauptsächlich Unterschen- kel) auf. Am 8. Alai Averden die rechtsseitigen Aetzschorfe entfernt. Unmittelbar darauf fühlt die Kranke das Auftreten A’on Schmerzen im Kreuz und im rechten Bein, die erst in den Ischiadicus ausstrah- len, dann sich aber auf Unterschenkel und Euss zurückziehen, die Patientin am Gehen hindern und nach halbtägiger Daixer (gegen Abend) aufhören.

Am 24. Alai tritt das nächste UuAAmhlsein ohne eine Audeutumr der früheren Schmerzen ein.

Seitdem ist die Periode stets völlig schmerzlos geblieben.

In diesem Falle, dessen Heilung schon über 2 Jahre andauert, hatte die AÜelfache frühere Uterusbehandlung — von berufener Seite — gar keinen Einfluss auf die dysmenorrhoischen BeschAver- den. Erst die nasale Therapie, bei der diesmal der Galvanokauter und zwar in der rechten Nasenhälfte in AnAvendung gezogen A\^er- den musste, hob die monatlichen Schmerzen vollständig auf. Sehr bemerkensAverth sind hier die zwei Tage nach der Anw^endung des Galvanokauters erscheinenden Reactionsschmerzen im rechten Bein, die sich einen Tag später nach der Schorfablösung A’erstärken und mit Kreuzschmerzen combiniren. Es sind das dieselben Beinschmer-


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zen, welche in geringem Grade auch zu den dysmenorrhoischen Beschwerden gehörten. Auch diese Schmerzen sind dauernd ver- schwunden.

Frau N. H . . sch (Vierzigerin) leidet seit ihrer Mädclienzeit an Dysmenorrlioe, die sich auch nach der Geburt ihres Sohnes nicht vermindert hat. Heftige Bauch- und Kreuzschmerzen, Migräne. Sobald das Unwohlsein, das 6 — 8 Tage dauert, dem Ende nahe ist, treten jedesmal Schmerzen an der vorderen Seite der (Jbersclienkel auf, die sehr lästig sind. Es besteht eine chronische IMetritis.

AVegen der sich im Lauf der Jahre immer mehr häufenden Ali- gräneanfälle war im Decemher 1892 uird im Jänner 1893 die Nase der Patientin erfolgreich behandelt und u. A. waren die Schwellkör- per der beiden unteren Muscheln und die Tubercula septi galvano- kaustisch geätzt worden.

Am 1. Eebruar 1893 tritt das Unwohlsein gänzlich ohne Be- schwerden ein • auch die consecutiveu Beinschmerzen fehlen.

Dieser günstige Zustand hat sich bis heute, also über 3 Jahre ungeschmälert erhalten.

Faiii9. Frl. Pf f, Schneiderin, 37 Jahre.

21. März 1893. Die Patientin, welche vor einigen Jahren an monatelangen Schmerzen im rechten Hypogastrium gelitten hat, klagt seit 1 Jahre über Stuhlverstopfung und zunehmenden Kopfschmerz, der seit 8 Tagen permanent geworden ist. Daneben sind Schmerzen an den Spitzen beider Schulterblätter, am Schwertfortsatz des Brust- beines, in beiden Hypogastrien und im Kreuz aufgetreten, es besteht Herzklopfen, Appetitlosigkeit und allgemeine Alattigkeit. Der Beschrei- bung nach ist dieser Zustand die Folge einer vorausgegangenen Influ- enza. Eine genaue körperliche Untersuchung gibt keinen Anhalt für irgend welche anatomischen Veränderungen. Auch in den Geni- talien nicht. Da eine Cocainisirung beider unterer Atuscheln und bei- der Tubercula septi alle Schmerzen nach etwa 8 Alinuten zum Auf- hören bringt, so werden Aetzungen an den cocainisirteu Stellen vor- genommen, in Folge deren die Patientin nach einer AA'oche völlig beschwerdefrei ist. Im Juli 1893, wo ich Erl. Pf. zufällig sprach, er- fuhr ich, dass die dysmenorrhoischen heftigen Erscheinungen (Bauch- und Kreuzschmerzen) an denen sie seit Beginn der Entwicklung gelit- ten habe, seit jener Nasenbehaudlung im Alärz völlig verscbwunden seien. Eine jetzige Erkundigung ergibt, dass auch bis heute noch keine Spur der früheren allmonatlichen Schmerzen wiedergekehrt ist. Auch der Stuhl ist seit jenen Nasenätzungen ohne jede weitere Massnahme ■wieder regelmässig geworden.

Fall 20 . Frau G . . . . s AA' n, 40 Jahre.

Ist seit einer I^ockenimpfung im dritten Lebensjahre stets krank gewesen: Hautausschläge, Drüsenschwellungen, Lungenkatarrhe, lang-


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wierige Eiterungen. Ausserdem hat die Patientin alle Kinderkrank- heiten durchgemacdit, besonders scheint der Keuchhusten sie arg mit- genommen zw haben.

Die i\Ienses sind immer sehr pünktlich, dauern drei d’age, von normaler ]\lenge, stets mit starkem Leibschmerz und geringem Kreuz- weh am ersten Tage. Gynäkologischer Befund negativ.

In der linken Nasenhälfte besteht eine Adhäsion zwischen unterer Muschel und Septum. Dieselbe wird getrennt. Nach diesem Eingriff erscheint die Periode um fünf Tage verfrüht, wird eingeleitet durch eine vicariirende Nasenhlutung (die mit dem IMoment der Geni- talhlutung cessirt!) und ist erheblich schmerzhaft.*) Nach dem Aufhören dieser vorzeitigen periodischen Blutung ist dann noch die vaso- motorisch geschwollene rechte untere Muschel geätzt worden. Von diesem Augenblick an sind sämmtliche dysmenorrhoischen Schmerzen auch für d ie Eolgezeit verschwunden.

Frau P . . sch G g-, Schauspielerin. Faii 2 i.

l’atientin kommt in meine Behandlung wegen heftiger IMigräne, welche seit einem Abortus aufgetreten ist. Ausserdem leidet sie seit ihrer Mädchenzeit an heftiger Dysmenorrhoe, die gewöhnlich mit aus- strahlenden Schmerzen in den Beinen Aergesellschaftet ist. Die kör- perliche Untersuchung ergibt das Bestehen einer Petroflexio uteri mohilis, die bisher trotz der Versuche bedeutender Frauenärzte nicht dauernd corrigirt Avurde. Pessare Avurden nicht A'ertragen.

In der Nase linden sich ScliAvellungeu an den unteren Muscheln und den Tubercula septi beiderseits. Die anderen Organe der Patientin sind gesund. "Wegen ihrer IMigräne Avurden am 11. April 1894 hei der Patientin die linke untere Muschel und das Tuberculum septi sin. geätzt.

Das nächste UnAvohlsein am 19. April Avar zum Erstaunen der I*atientin mit Auel geringeren (hauptsächlich linksseitigen) Bauch- schmerzen A-erknüpft. Am 1. 3Iai 1894 Avird die rechte untere IMuschel und das Tuberculum septi dextr. behandelt. Darauf tritt am 6. IMai — also bereits nach 17 Tagen — (unerhört früh!) die Periode Avieder ein, diesmal mit recht heftigen Leibschmerzen. Zehn Tage später, am 16. Mai erscheint die Periode bereits AAÜeder (zur rich- tigen Zeit) und jetzt A'ollkommen schmerzlos.

Am 2. .luni — also 4 'Wochen nach dem 6. Mai, avo die l’eriode verfrüht erschien — hat Patientin eine heftige rechts- seitige IMigräne mit Schmerzen im linken Hypogastrium. Die Kopf- und Bauchschmerzen Averden durch Cocainisirung der rechten unteren (Muschel beseitigt. Die letztere A\'ird noch einmal mit d'richloressigsäiire A-erätzt. Am 6. Juni erscheint die nächste IMeil- strualhlutung ganz und gar ohne Schmerzen (auch ohne Kopfschmerzen).

Die Letzteren sind dann im Sommer noch zAveimal, Ende Juni und


") Vergleiche die Ausführungen auf Seite 9.


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Lude Juli pränicnstrual <>-anz leiclit auf'getreteu. Hauch-, Kreuz- und Beinwell zur Zeit der jetzt durchaus rej^xdinässigen Menstruation sind niemals mehr erschienen, auch nicht spuremveise. Letzte Nachrichten Sommer 1895.

Faii 22 . Fräulein G . . . e M n, 21 Jahre,

ist von mir vom (i. bis 31. Decemher 1890 wef>’en Kopfschmerz ertol<j;-reich nasal behandelt worden. Es sind damals die hyper- trophischen ISchwellkörper an beiden unteren Muscheln und den Tuber- cula sejiti verätzt worden. Beit jener Zeit ist die starke Dysmenorrhoe spurlos verschwunden, die ilir seit dem 14. Lebensjahr nicht geringe Lein gemacht hatte. Die Heilung besteht über fünf , Jahre.

Faii 23 . Dienstmädchen J . . t, 25 Jahre, 16. Mai bis 1. 8ep-

teniber 1888.

Es liestehen r(!chtsseitige Ivopfschmerzen, Schwindel, Flimmer- scotome, Jucken zwischen den Schulterblättern, Herzklopfen, Magen- beschwerden, Dysmenorrhoe. Gynaekolog. Befund negativ. Die Be- schwerden haben sich seit Jahren allmälig entwickelt. Es liefinden sich Schwellungen an IMuscheln und Scheidewand. Aetzimg derselben liringt bis zum 1. Septemlier 1888 Heilung, auch der Dysmenorrhoe, jedoch bleibt Neigung zu nervösem Schnupfen zurück. Am 8. 1889 Lecidiv der Kopfschmerzen, welche auf erneute Behandlung (Aetzung der al)er- mals geschwollenen unteren Muschel) schnell weichen ; Menses sind regelmässig und schmerzfrei geblieben.

Faii 24 . Musiklehrerin Frl. y. C dt, 25 Jahre, 18. Juni

bis 20. August 1888.

Kommt wegen Bachenkatarrhs in Behandlung; bei dem Kran- ken-Examen stellt sich heraus, dass die Patientin seit .Jahr und 4’aü: an häufigen Kreuzschmerzen, an fast l)eständigem Kopfdruck, leichten Athembeschwerden, Herzklopfen, Appetitlosigkeit, Nasenl)luteu, Me- non-hagie und Dysmenorrhoe leidet. Eine Behandlung der Nase mittelst galvanokaustischer Aetzung befreit sie von ihren Beschwerden; auch die Menstruation ist von nun an schmerzlos und nicht mehr abnorm stark, wie früher.

Letzte Nachrichten über ihr völlia’es Wohlbefinden: AVinter 1893.

In allen diesen Fällen ist der Behandlungserfolg ein voll- kommener. Durch Aetzung der Genitalstellen der Nase sind die dysmenorrhoischen Beschwerden dauernd aufgehoben. Dass die Aetzung zuweilen eine sehr gründliche, tiefgehende sein musste, zeigt u. A. der Fall Nr. 17, Ayo erst die Galyanokaustik Heilung brachte. Gynäkologisch untersucht sind die Fälle Nr. 19, 20, 23 mit vollkommen negativem Resultat, bei Frau H., Nr. 18, fand


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sich eine leichte Metritis chronica, bei Frau P., Xr. 17, eine eitrige Endometritis, an der schon berühmte Frauenärzte vergeblich ihre Kunst verwendet hatten; Frau P., Nr. 21, hatte eine Retroflexio Uteri mobilis, die ebenfalls von competentester Seite einer Pessar- behandlung unterzogen Avar. Die Dysmenorrhöen aber Avaren auch in diesen drei Fällen mit pathologischem Befund an den Genitalien von der Nase abhängig. Denn sie scliAvanden erst mit der Behandlung der letzteren.

In welchen Vorgängen die EntAvicklungsdysmenorrhoe eigent- lich ihre letzte Ursache hat, ist schAver zu sagen. Man könnte zunächst daran denken, dass es sich um eine postinfectiöse Veränderung in der Nase handle, her Amrgeb rächt durch die Beteiligung der Nase bei den Infectionskrankheiten des Kindesalters (Varicellen, Masern, Scharlach, Diphterie), die ja sämmtlich ihre Eingangspforten in den oberen RespirationsAAmgen haben und fast regelmässig die Nase in Mitleidenschaft ziehen. Es ist Avenig Avahrscheinlich, dass diese Meinung das Richtige träfe. Denn so unzAveifelhaft auf eine solche Weise im späteren Leben Dysmenorrhoe erworben Averden kann (Avir Averden sehr bald zahlreiche Belege dafür kennen lernen), so Avenig finden aaui* in unseren Fällen Amn EntAvicklungs- dysmenorrhoe irgend Avelche Zeichen von Avahren Hyperplasien, A'on Eiterungen, Granulations- oder GeschAvulstbildungen oder sonstigen Veränderungen in der Nase, die auf eine Infection hin- Aveisen.*) Aber noch ein anderer Umstand spricht dagegen. Bei erAvorbener postinfectiöser zur Dysmenorrhoe führender Nasen- A'eränderung treten die Menstruationsschmerzen sofort nach Ein- AAÜrkung der Ursache auf. Die Influenza hat ja reichlichste Ge- legenheit zur Feststellung dieser zeitlich so präcisen Aufeinander- folge A'on Ursache und Wirkung gegeben. Bei der EntAvicklungs- dysmenorrhoe aber waltet die Eigentümlichkeit ob, dass die Schmerzen zumeist nicht mit dem ersten Eintritt der Regel bereits erscheinen, sondern sie entAvickeln sich allmälio-, häufio- erst nach Jahresfrist. Den Frauenärzten ist das Avolbekannt, und mancher hat über dieses Factum schon seine Venvunderuno- aus-

  • ) Nur bei Frau G. W. (Nr. 20) besteht eine linksseitige Adhäsion.

Dieselbe ist Avohl nur eine zufällige Complication, denn erst die Aetzung der rechten Nasenhälfte, die völlig frei von entzündlichen Veränderungen ist, bringt Heilung.


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gesprochen. (Vgl. Fritsch; Krankheiten der Frauen 5. Anti. S. 475.) Diese Verzögerung des Schmerzeintrittes stimmt nicht mit der An- nahme einer früheren postinfectiösen Nasenveränderung. Liegt diese wirklich vor, Avie im Falle Nr. 25 (avo im 11. Jahre eine post- typhöse Keilheineiterung beginnt), und Nr. 30, wo frühere Diphterie die Siebbeineiterung A^erschuldet hat, dann sind auch die Schmerzen A"on der allerersten Regel an A^orhanden.

Es scheint sich AÜelmehr um eine Summations-Wirkung zu handeln, Avelche der sich Aviederholende MenstruationsAmrgang auf die Nase ausübt. Die menstruelle uterine Blutung tritt im Anfang der Pubertät häufig nicht sogleich in regelmässigen Intervallen auf. Nicht selten AAÜrd sie durch Nasenbluten ersetzt.*)

Das bcAveist ja jene in der Pubertät so rege WechselAvOrkung zAAÜschen Nase und Grenitalien.**) Wir haben aber früher gesehen, dass Nasenhluten und Dysmenorrhoe sich auszuschliessen scheinen. Solange die menstruelle Congestion in der Nase ihren Ausgleich durch Nasenblutung findet, AAÜrd es nicht zur Dysmenorrhoe kommen. Sobald aber die Menstruationscongestion einen Aus- gleich durch stärkere Epistaxis findet, ist die Möglichkeit der Summirung um so eher vorhanden, als das Ausbleiben der uterinen Blutung an einem Termin, an dem die Periode erwartet AAUirde, ganz besonders auf die Nase wirkt.***) Die Menopause und die GraAÜdität werden uns diesen Satz eindringlich bekräftigen. Bei einer solchen Summirung von nasalen, nicht durch die rechtzeitige uterine Blutung abgelenkten Congestionen kommt dann jene früher beschriebene neuralgische Veränderung der nasalen Genitalstellen zu stände, die Avir bei dysmenorrhoischen Frauen so sehr constant antreffen.


Es ist geAviss auffällig, dass diese neuralgische \ eränderung in der Nase dann so langlebig ist und auch (aauc die lällc Nr. 18, 21 lehren) durch eine ScliAvangerschaft nicht notliAA’^endig aufgehoben AAÜrd. Der letztere Umstand Avenigstens ist, Avie AAur bald lernen werden, bei Aveitem nicht so merkAvürdig, als er zunächst erscheint.


  • ) Siehe die Ausführungen bei dem vicariirenden Nasenbluten S. 4 ft'; aussei-

dem denke man an das häufige atypische Nasenbluten in der Pubertätszeit.

    • ) Ich darf wohl an dieser Stelle auch an die Thatsache erinnern, dass

die wesentliche Ausbildung der pneumatischen Nebenhöhlen ebenfalls erst zur Zeit

der Pubertät erfolgt.

      • ) Siehe später Fälle Nr. 26, 112.


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Bevor wir in der Betrachtung der Dysmenorrhoe weiter gehen, ist es zweckmässig, zunächst die noch restirende Geschichte der- jenigen Kranken kennen zu lernen, bei denen die Dysmenorrhoe erst im späteren Verlaufe des geschlechtsreifen Lebens erworben wurde. Wir werden aus diesen klinischen Documenten einzelne wertvolle Anhaltspunkte für unsere späteren Erörterungen entnehmen.

An den Anfang stelle ich die Geschichte der einen erwähnten Patientin, welche schon im 11. Lebensjahre die entscheidende Störung erwarb, in deren Gefolge dann die Menses von ihrem Beginn an schmerzhaft wurden. Die Rechtfertigung dafür, dass diese Kranke zur zweiten Gruppe gezählt wird, ist oben gegeben.

Die Geschichte der zweiten hierher gehörigen Kranken steht im Capitel über Amenorrhoe. (Fall 36.)

Frl. Elsa H . . ck, Zeichenlehrerin, 28. Jahre. Faii25.

Die Kranke, welche in ilirer Kindheit Varicellen, Masern, Schar- lach, Typhus abdominal, und später Influenza durchzumachen hatte, ist nachweisbar ein Jahr nach dem Typhus, also 1877, an rechts- seitiger Naseneiterung erkrankt. Von 1888 an steigerten sich die Be- schwerden (wesentlich Kopfschmerzen, die zum Theil rasend heftig waren, und periodische Anschwellung der Wangen- und Augengegend).

Seit 1891 hat Patientin wahrgenommen, dass die Sehkraft des rechten Auges abnahm; seit 1893 war sie rechts fast blind, was sie zuerst dadurch bemerkte, dass sie an Gegenständen, die sie fassen wollte, vorheigrift". Die Prüfung der Sehkraft jedes einzelnen Auges ergab ihr dann das erschreckende Resultat. Bei seitlichen Wendungen des rech- ten Auges hatte sie, was früher schon vereinzelt vorgekommen war, jetzt stets Lichtblitze.

Am 4. December, wo ich sie sah, stellte ich ein rechtsseitiges Keilbeinempyem und Neurit. retrobulharis als Ursache ihrer Leiden fest. Eröfthung der rechten Keilbeinhöhle, Auskratzung derselben, Ausätzung mit Trichloressigsäure. Bei diesem letzten Act wurden auch die hypertrophische Stelle am Tub. septi dextr. und die rechte untere Jluschel mit dem Aetzmittel bestrichen.

Am anderen Tage bekam Patientin heftige Kreuz- und Leib- schmerzen „wie beim LMwohlsein“, das indess er.st 14 Tage später zu erwai’ten war und auch dann erschien.

Es war zum grossen Erstaunen der Patientin diesmal völlig schmerzlos, das erste Mal in ihrem Leben. Denn sie hatte seit ihrer Enwicklungszeit an sehr heftigen Leib- und Kreuzschmerzen und an Jligräne bei der Menstruation gelitten, die übrigens 6 bis 10 4’age zu

Fliess. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. 3


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dauern pflegte und sehr reichlich, manchmal abundant war. Diesmal dauerte die Periode nur 1^2 Tage. (Patientin brauchte eine Binde statt wie gewöhnlich ein Dutzend !)

Das Kesultat der völligen Schmerzfreiheit und der Verminderung der Blutausscheidung hat sich bis heute erhalten.

Ausserdem hat sich der durch das Keilbeinempyem Ijedingte, zuletzt ganz unerträgliche rechtsseitige Kopfschmerz völlig verloren, und die Patientin kann mit dem rechten Auge Avieder feinste Schrift lesen.

l^enierkensAverth ist, dass hier nur die rechte Nasenhöhle Ge- genstand der Behandlung- war und ferner, dass nicht nur die Schmerzen aufgehört hahen, sondern dass auch eine beträchtliche Reduction der Dauer und der Blutmenge stattgefunden hat.

Ich betone noch einmal, dass bei dieser Patientin die Menses infolge der infectiösen Nasenveränderimg v o n a"- o r n e h e r e i n schmerzhaft AA-^aren.

Aber diese Krankengeschichte hat noch eine lehrreiche Fort- setzung.

Am 10. October 1894 kommt die Kranke mit der Klage über Schmerzen im rechten Oberarmgelenk und in der rechten Infraclaviculargrube. Diese Schmerzen bestehen über sechs Wochen. Damals, Ende August, sollten die Menses ein treten, ver- zögerten sich ein paar Tage, und statt dessen erschienen die Schmerzen.

Der nächste Menstruationster min fiel auf den 1. October. Die uterine Blutung blieb aus. Dafür erschien ein Flimmerscotom (ohne nachfolgende Migräne). Die Menses sind bis zum Tage der Beobachtung (10. October) noch nicht eingetreten. Die rechte untere Muschel ist stark gebläht. Sie wird isolirt cocaiuisirt mit dem Erfolge, dass die Arm- und Infraclavicularschmerzen nach etAA^a fünf Minuten wie fortgewischt sind. Darauf Avird die rechte untere Muschel mit Trichloressigsäure geätzt. Vom Moment d e r Aetzung an bleiben die Schmerzen dauernd fort.

Hier ist also aus unbekannter Ursache die Periode verzögert. Der menstruelle Vorgang hat aber doch auf die Nase geAAÜrkt, eine Muschelschwellung rechts hervorgebracht, als deren Folge, AA'ie der gelungene Cocainversuch bcAveist, die Armschmerzen auftraten*).

Dass Arm- und Intercosfalschmerzen eine häufige Folge nasaler Störungen sind, AA'eiss jeder, der sich mit dem S,ATnptomencomplex der nasalen Reflexneurose genauer bekannt gemacht hat. Ich habe vorgeschlagen, mit diesem Namen ein Symptomenbild zu belegen, das in seiner charakteristischen Gruppirung für die Nase als den Ort seiner Entstehung völlig pathognomonisch ist. In


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Noch ein analoges Beispiel, in dem eine Dysmenorrhoe ver- drängt wird durch andere Erscheinungen aus dem Syndrom der nasalen Reflexneurose schiebe ich an dieser Stelle ein, obwohl es für unsere Hauptthese nicht beweisend ist.

Erl Sch ch, 4ö Jahre.

Dysmenoi’rhoe von jeher. Früher bestand dabei vicariirendes Nasenbluten, das seit einer Sondenuntersuchung der Nase jetzt menorrhagiseben Ersclieinungen Platz gemacht bat. Die Menorrliagie bessert sieb auf Hydrastinin (das auch, nebenbei bemerkt, gegen Nasenblutungen aus uterinen Ursachen, z. B. nach Abort, sehr wirkungsvoll ist).

Am 21. October 1893 (dem dritten Tag des Unwohlseins) tritt heftiger Schwindel gepaart mit Erbrechen auf. Diesmal ist Patientin zum ersten Mal völlig frei von Bauch- und K reuz s chme rze u und bleibt es auch in der Folgezeit. Dagegen stellen sieb rechtsseitige Schulterblatt- Sch merzen ein, die sich nach Jahr gelegentlich einer Periode wiederholen, von enormer Stärke werden, nun sich auch nach der Periode fortsetzen und mit Schwindel, rechtsseitigen Kopfschmerzen, rechtsseitigen Intercostalschmerzen, Schmer- zen am Schwei’tfortsatz des Brustbeins und im rechten Hypogastrium vergesellschaftet sind. Entfernung der gewaltigen Hypertrophie am Scbwellkörper der rechten mittleren Muschel und Galvanokaustik der rechten unteren Muschel und des Tuberculum septi dextrum bringt in 14 J^agen alle Erscheinungen zum AufJiören.

Hier hat sich aus noch unbekannter Ursache in der Nase eine Veränderung vollzogen, die einen Austausch zwischen coordi- nirten Krankheitszeichen einer Gruppe bewerkstelligte.

Ich lasse nun die anderen Fälle von erworbener Dymenorr- hoe folgen.-

Köchin P . . . . r, 35 Jahre. Fall 27 ,

Die Patientin kommt eigentlich in meine Behandlung wegen heftiger rechtsseitiger und schwächerer linker Intercostalneuralgie, die ■dem positiven Cocainversuch am 3. Februar 1894, der Aetzung beider unteren Muscheln in wenigen Tagen weicht. Daneben erzählt Patientin, dass sie seit Frühling vorigen Jahres, wo sie Influenza gehabt zu haben scheint, an heftigen dysmenorrhoischen Bauchschmerzen leidet.

Das Unwohlsein dauert seitdem 8 Tage, erscheint bereits in dreiwöchent- lichen IGusen und ist mit starkem Blutverlust vergesellschaftet, für den

•diesem Symptomenbild könnea die einzelnen Krankheitszeichen sich austauschen und ersetzen. Genaueres darüber findet der Leser in W. Fliess ,Noue Beiträo-e zur Klinik und Therapie der nasalen Reflexneurose, Wien 1893“ und „Die nasale Reflexneurose“. Vortrag auf dem Congress für innere Medicin. Wiesbaden 1894.


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der normale g’yn.äkolo gische Befund keine Erklärung gibt. Seit der Nasenätzung ist das Unwolilsein regelmässig, von dreitägiger Dauer, viel geringerem Blutverlust und ohne Schmerzen.

Bemerkenswerth ist, dass am 1 fl. Februar Schmei’zen im rechten Hypogastrium hei der Patientin auftraten, welche mit Fortnahme des voluminösen Aetzschorfes von der linken unteren Muschel sofort aufhörten. Am nächsten Tag (17. Februar) trat dann das Unwohlsein zum ersten Male wüeder schmerzfrei ein. I’atientin hat seit einem Jahre ständig heftige Schmerzen dabei gehabt! Auch bei dieser Patientin ist eine gekreuzte Beziehung zwischen Nasen- und Schmerzseite zu verzeichnen.

Die folgende Patientin

Frau H n, ca. 38 Jahre.

welche eine KetroÜ. uteri lixata besitzt, leidet seit einigen ^Monaten im An- schluss „an einen Schnupfen“ an häutigen, alle 16 — 18 Tage ein- tretenden Uterusblutungen, die in den ersten 2 J^agen mit starken Schmerzen einhergehen. Ausserdem bestehen bei der Kranken links Kopf- und Genickschmerzen und heftige Schmerzen am Schwertfortsatz des Brustbeines.

Nach positivem Cocainversuch an der geschwollenen linken unteren IMuschel und dem Tuberculum septi werden die erw-ähnten Stellen am 16. December 1893 mit Trichloressigsäure verätzt, mit dem Erfolge, da SS Kopf- und Brustbeinschmerzen aufhören, und dass 2 Tage darauf das Unwohlsein ganz schmerzlos eintritt. Die nächsten Pausen betragen bereits 24 Tage, bezw. später 27 bis 28 Tage. Die Schmerzlosigkeit hält an, ohne dass bis heute der tixirte Uterus gelöst worden wäre.

29- Frau C n, 30 Jahre.

Ist 1893 an einer alten eitrigen Endometritis mit Chlorzinkätzung behandelt worden. Ihre DysmenoiThoe (Bauch- und Kreuzschmerzen) datirt erst von dem Herbst 1894, wo Patientin die Influenza hatte und in Folge davon doppelseitige Keilbeineiterung — mit furchtbaren Kopf- schmerzen — bekam. Im IMärz 1895 operirte ich beide Keilbeinhöhlen, ätzte die stark hyperplasirten nasalen Genitalstellen. Die Eiterung verschwand schnell, und bereits vom April an woren die Menses schmerzlos und die grossen uterinen Blutverluste, w'clche seit jener Influenza allmonatlich die Patientin geschwächt hatten, haben völlig aufgehört. Die Menses dauern nur mehr drei Tage und sind von sehr mässiger Intensität.

30- Frau Z e, 42 Jahre.

War bis zum Jahre 1891 (Geburt des 4. Kindes) gesund. Von damals scheint eine eitrige Endometritis zu datiren, an der sie viel- fach behandelt wurde, doch blieben die Menses schmerzlos. Im ]\Iai 1894 Influenza. Patientin kam ins Krankenhaus. Dort wurde Diabetes fest-


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o-estellt. Von nun an Kopfschinorzcn und heftige Dysmenorrlioe. fKreuz- und Leibschinerzen hegiimen einen dtig vor den Menses, dauern die ersten Tag’e. Patientin ist dann bettlägerig. Die Menses dehnen sich 8_10 Tage aus, der Blutverlust ist ganz beträchtlich.) Es besteht (31. Oct. 1894) doppelseitige Siebbeinciterung mit Polypenhildung. Sofortige energische chirurgische Therapie. Beim nächsten Ln\\ohlsein 14. November 1894 wird der erfolgreiche Cocainversuch gemacht (beiderseitige nasale Genitalstellen).

Nunmehr werden, da die Eiterung nach Schaffung guten Ab- flusses sehr schnell nachlässt, die Schwellkörper an den unteren ]\Iuscheln und dem Septum electrolysirt (bipolar). Das nächste Unwohlsein ist schon schmerzlos, Dauer 4 Tage. Blutverlust sehr massig. Dieser günstige Zustand hat noch im September 1895 bestanden, wo ich die Patientin zuletzt sah.

Erl. K . . . s Lehrerin, 25 Jahre.

Ist seit einem Schnupfen vor 5 Jahren schwerhörig geworden, hat seitdem häutige Xopfschmerzen, und seit jener Zeit sind ihre (Menses schmerzhaft und sehr reichlich. Es besteht linksseitige Naseneiterung (Sieh- und Keilliein) und rechtsseitigm- hyperplastischer Katarrh. Nach erfolgreicher Behandlung dieser Zustände wird l^atientin in ihrem Hörvermögen beträchtlich gebessert und verliert den Kopf- schmerz. Ausserdem aber werden ihre (Menses wieder völlig schmerzlos „wie früher", und die (Menge des Blutes ist sehr eingeschränkt (No- vember 1894 bis Jänner 1895). Letzte Nachricht Octoher 1895, wo das günstige Befinden noch angedauert hat.

Frl. Ida P 1, Gassi re rin, 26 Jahre.

Hat „so lange sie denken kann'- häufige Kopfschmerzen. Die Menses waren vom ersten Erscheinen an schmerzhaft j sie treten alle di-ei AVochen auf, sind sehr reichlich. Die Bchmerzen wlihren den ganzen ersten Tag, sitzen im Kreuz und Bauch. Dauer der (Menses 6 — 7 Tage.

Die letzte menstruelle Blutung hielt fast 3 AA'ochen lang an. Nasenbefund (8. April 1894) doppelseitige Siebbeineiterung; ausgebreitete Hyperplasie der Schleimhaut. AVegen gleichzeitigem Ulcus ventriculi verzögert sich die Vornahme der Nasenbehandlung bis zum Juni, wo während des Unwohlseins (15. Juni 1895) der erfolgreiche Cocain- versuch angestellt w'ird. Nach Amputation der mittleren Aluschein breite Eröffnung der Siebbeinlabyrinthe, Electrolyse der Nasenhyper- plasien (besonders an den Genitalstellen). AMm August an sind die Alenses zur grossen Freude der Kranken völlig schmerzfrei und von normaler Alenge. Das Intervall wird 4wöchentlich. Der günstige Zu- stand bleibt in den nächsten Alonaten andauernd, i;nd die in ihrem ganzen Befinden völlig veränderte Patientin wird glückliche Braut.


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“ Fräulein Jenny B z, 20 Jahre.

Patientin hat seit ihrem 10. Lebensjahre an häufig- wieder- kehrendem Gesichts erysipel gelitten, das gewöhnlich mit Blutung aus der linken Nase begann, und von dem sie erst seit drei Jahren befreit ist. Seit ihrer Entwicklung ist linksseitiges Kopfweh und viel Kreuz- schmerz vorhanden gewesen. Das Unwohlsein aber war regelmässig und schmerzfrei.

Seit dem Frühling vorigen Jahres sind die Kopfschmerzen acut geworden, sie wechseln mit Eingenommenheit des Kopfes ab, kommen meist beim Stehen, das ihr wegen der Kreuzschmerzen recht schwer wird, sind besonders in der linken Schläfe heftig, und seit ihrem Er- scheinen besteht ein wässeriger Schnupfen der linken Nasenseite (3 Taschentücher pro Tag). Gleichzeitig aber sind Unwohlseinsschmerzen (Bauch und Kreuz) aufgetreten. Sie kommen mit dem Blutverlust und dauern einen Tag.

Die Kranke ist anämisch. Sie hat starke Nonengeräusche. Eisen Avill sie schlecht vertragen haben. Angeblich bestehen seit einer Eisencur in Elster die dysmenorrhoischen Beschwerden.

Die Nase weist an den Genitalstellen vasomotorische Schwellungen mässigen Umfanges, doch von grosser Empfindlichkeit gegen Sonden- berührung (besonders links) auf. Eiter ist nicht vorhanden. Die Be- handlung besteht in bipolarer Elektrolyse der nasalen Genitalstellen (11. Jänner bis 19. Jänner 1895). Dabei ist die bemerkenswerthe Beobachtung gemacht worden, dass die Electrolyse des linken Tub. septi rechtsseitigen Kreuzschmerz auslöst.

Die Therapie hat glänzenden Erfolg gehabt. Kopf- und Kücken- weh und UnAvohlseinsschmerzen sind dauernd verschwunden und auch nach einer Influenza im Februar (die sich durch sehr starke Epi- staxis einleitete) nicht Aviedergekehrt.

Im August 1895 ist im unmittelbaren Anschluss an eine Menstruation acute Chlorose ausgebrochen, die auf Eisen prompt Avich.

Die Kranke ist zur Zeit (1896) noch völlig frei von Beschwerden.

Fall 34. Frl. I . a S r, 28 Jahre.

Menstruirte zum 1. Mal im 14. Lebensjahr. Die Menstruation Avar schmerzlos bis zum 17. Jahre. Von da an (Patientin gibt als Ursache mit grösster Bestimmtheit eine starke Erkältung mit Schnupfen an) war das UuAvohlsein stets von sehr heftigen Schmerzen im Leib und Kreuz begleitet, sehr Amrstärkt, und die Dauer 5 — 6 Tage, statt früher 3 Tage. Im Sommer 1890 Avurde Patientin Avegen Kopfschmerzen nasal A-on mir behandelt (SchAvellungskatarrh : Gahuanokaustik). Von dieser Zeit an Avar das Unwohlsein ganz schmerzlos geAvorden und blieb es durch Jahre bis zu Weihnachten 1893, wo die Patientin eine ziemlich scliAvere Influenza durchzumachen hatte. Da sich über- dies Avieder starke Kopfschmerzen einstellten, die täglich erschienen


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und durcli ihre Heftigkeit und Dauer für die Patientin geradezu auf- reibend waren, ausserdem Appetitlosigkeit und Armschmerzen bis zu den Fingerspitzen ziehend bestanden, so wurden im Juni 1894 die rechte Keilbeinhöhle und die linken 8iehbeinzellen eröffnet, der in ihnen befindliche Eiter entleert und die Hyperplasien der Schleimhaut an den unteren Muscheln und den Tubercula septi mittelst Galvano- kaustik und Elektrolyse beseitigt. Seit dieser Zeit sind die Kopf- schmerzen und Armschmerzen gewichen, der Appetit ist ausgezeichnet, das E'nwohlsein ist wiederum schmerzlos geworden, ja die Patientin hat nicht die leiseste Sensation davon. Die Dauer der Blutung ist auf zwei Tage — gegen früher sechs — - reducirt.

Frau R .. p, 30 Jahre alt. ’

10. November 1894: Ist immer gesund gewesen. Vor 7 Monaten Abortus. Seit jener Zeit klagt Patientin über Kopfschmerzen, Alkohol-Intoleranz (verträgt nicht einmal wenige Schluck Bier), Kreuz- schmerzen, Schmerzen im linken Hypogastrium, in beiden Armen und im linken Bein, Schmerzen zwischen den Schulterblättern und am Schwertfortsatz des Brustbeins. Die Periode, die früher schmerzlos war, geht jetzt mit starken Kreuzschmerzen einher. Da die Patientin zur Zeit Schulterblatt-Schmerzen, Leibschmerzen und Schmerzen am Schwertfortsatz des Brustbeins hat, so wird der Cocainversuch an beiden unteren Muscheln und beiden Tubercula septi gemacht (um überhaupt erst die Abhängigkeit der Beschwerden von der Nase zu eruiren), und zwar mit positivem Erfolg. Daher gleich darauf Aetzung der linken unteren Muschel und des Tuberculum septi mit Trichlor- essigsäure, und am 19. November Aetzung der analogen Stellen auf der rechten Seite. Am 26. November tritt das Unwohlsein ganz ohne Schmerzen ein, und auch die übrigen Beschwerden sind sämmtlich verschwunden.

Den Fällen Nr. 27, 28, 29, 30, 31, 32, 34, ebenso den früher erwähnten Fällen 9, 10, 13, 14, 15, 16 ist die infectiöse Aetiologie gemeinsam. Meist ist die Influenza die Veranlasserin der Hyper- plasien (Fälle 27 imd 28) oder der Eiterungen (hei Nr. 29, 30, 31, 32, 34), die ihrerseits eine dauernde Reizung der Nasen- schleimhaut zur Folge hatten. Es versteht sich, dass eine radicale Beseitigung der Dysmenorrhoe an eine Heilung der Eiterung gebunden ist. Dazu gehört fast immer eine gründliche chirur- gische Therapie.

In den Fällen 29 und 30 bestand eine eitrige Endometritis, bei Fall 28 eine Retroflexio uteri fixata. In den übrigen Fällen waren normale gynäkologische Befunde. Die Dysmenorrhoe war


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von der Nase abhängig-. Bei allen diesen Patientinnen überdauerten die dysmenorrhoiscben Schnierzen den Bluteintritt stets Stunden bis Taa-e.

Iin Palle 33 ist die Aetiolog-ie unbekannt, doch deutet die später und zwar in unmittelbarem Anschluss an eine Menstruation aufgetretene acute Chlorose darauf hin, dass irgend eine Veränderung von den S exual Organen aus auf die Nase reflectirt sei.

Der Fall 35 gehört mit dem früher erwähnten Fall 8 zusammen, weil bei beiden Kranken sich die Dysmenorrhoe an einen Abortus angeschlossen hat. Diese Aetiologie ist zu wichtig, als dass wir ihr nicht eine ausführlichere Würdigung sollten an- gedeihen lassen.

Nur auf einen Umstand möchten wir zuvor noch hinge- wiesen haben.

Wir wissen bereits, dass wir von der Nase her das Perioden- intervall verändern, und dass wir unregelmässige Menses zu regelmässigen machen können. Der Fall 1, wo das Perioden- intervall zu gross, die Fälle 10 und 28, wo das Intervall zu klein war, seien Beispiele dafür. Aber auch die Menge und die Dauer der menstruellen Blutung ist oft von der Nase aus zu beherrschen. Bei Fall 25 ist die Dauer von 6 — 10 Tagen auf 1^2 Tage reducirt, und der Blutverlust ganz erhebhch eingeschränkt worden.

Die Fälle 10, 12, ]3, 24, 27, 28, in denen allen die Menge der uterinen Blutung verringert und die menstruelle Zeit verkürzt wurde, sprechen in demselben Sinne.

Wenn wir demnach nasale Dysmenorrhoe mit Unregelmässig- keit der Menses und mit Menorrhagie vergesellschaftet finden, so dürfen wir mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass auch die Ursache für die letzteren Störuno-en in der Nase e-eleo-en ist.

O O O

Also Schmerzen bei den Menses, abnorme uterine Blutmenge bei der Menstruation und unr egelniässiger Eintritt derselben können von der Nase abhängen.

vr

Wenn das Periodenintervall allzugross wird, so sprechen wir von Amenorrhoe. Es ist hier gewiss nicht der Ort auf die mannigfachen Ursachen dieses Zustandes einzugehen. Doch muss ich eines Falles gedenken, wo die Amenorrhoe von der Nase abgehangen hat.


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Frl. L . . . i H , . . . n, 23 Jahre: FuIisg.

Patientiu ist frülier in dreiwöchentlichen Zwischenräumen men- struirt gewesen. Sie hat vom Beginn der Kegel an (im 14ten Jahre) stets an heftigen Kreuz- und Bauchschmerzen gelitten, welche den Blut- eiutritt immer überdauert haben. Ausserdem war sie von häufigen Bronchialkatarrhen und Aielfachen Kopfschmerzen gepeinigt. Infolge einer schweren Diphterie, die auch die Nase befiel (im 12ten Lebens- iahre) bestand eine doppelseitige Siebbeineiterung.

Vom 24. -Tuni 1894 ab, wo zum letzten Mal die Periode er- schien, war Patientin amenorrhoisch. Damals Avurde die Kranke ausser- ordentlichen Aufregungen ausgesetzt, die sich in die nächsten IMonate hinein erstreckten. Sie erkrankte an einer überaus sclnv^eren Anämie, gegen die sich Eisen, Arsenik, Kuhecur und Ernährungstherapie nur A’on geringem Nutzen erwiesen. Besonders beunruhigend Avar eine dau- ernde Arrhythmie. Ausserdem bestanden sehr häufige Schmerzen zaaü- schen den Schulterblättern, am Kreuz und in den Hypogastrien, manchmal „bis zum Vergehen heftig“.

Die letzterAAühnten Schmerzen erAA^ieseu sich der Cocainprobe an den Genitalstellen der Nase nnterthänig (30. Jänner 1894). Nach Aetzuug derselben (Anfang Februar 1894) erschien am 12. Februar die menstruelle Uterusblutung ganz scliAA^ach. Doch erst als im iMärz und April die beiderseitigen Siebbeinlabyrinthe eröffnet, ansgekratzt und ausgeätzt Avareu, AA'omit die Naseueiterung bis auf Spuren nachliess, kam die Periode in normaler Stärke und ohne die Kücken- und Bauch- schmerzen, Avelche A’om Beginn der Pubertät an ihre steten Begleiter geAA^esen Avareu. Die Patieirtin erholte sich nach der Nasenbehandlung ausserordentlich. Auch ihr peinigender Kopfschmerz hatte fast aufgehört.

Dieses gute Befinden erlitt am G. NoA'ember 1894, aa’o Patientin A'on einer Treppe stürzte, eine jähe Unterbrechung. Die Jlenses blie- ben aus, Kopf- und Kückenschmerz erschienen Avieder. Die Anämie trat mit einem Schlage Avieder auf. Die unteren Nasenmuscheln und das rechte tub. septi wiesen ausser der Blässe eine colossale Blähung auf. Therapie damals (16. November 1894) Electrolyse der beiden un- teren Muscheln und des tub. septi dextr. ZAvei Tage darauf treten die IMenses ein, der Kopfschmerz und die Anämie verscliAviuden so schnell Avie sie gekommen, und die Kegel ist Avieder pünktlich (vierAvöchentlich), im NoA^ember, December, Jänner, Februar, März. Im April 1894 (Milch- cur Avegen Ulcus ventriculi) bleiben die Menses abermals aus. Statt ihrer erscheinen die Kückenschmerzen. Vier Tage nach dem vergeblich erAvarteten Termin der Kegel fl 7. April) wird wiederum eine Electro- lyse der unteren Muscheln A-orgenommen. ZavcI Tage später (19. April) tritt die Uterusblutung ziemlich stark ein und dauert 4 Tage.

Seit dieser Zeit ist die Menstruation ganz regelmässig, A'on nor- maler Stärke und ohne jede schmerzhafte Sensation A'orhanden geAA-e- sen. Das Befinden der Patientin hat sich ganz erstaunlich gehoben und die P uls - A r rh y t h m i e ist gänzlich geAvichen.


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Ich habe die Kranke zur Zeit, wo die Amenorrhoe anfing (Sommer 1893) nicht gesehen, und vermag über die Ursache derselben nichts zu sagen. Der amenorrhoische Zustand hat aber durch drei viertel Jahre gedauert und hat trotz der sorgfältigen Behandlung keinerlei Unterbrechung erfahren. Erst in unmittel- barem Anschluss an die Nasenätzung (Februar 1894) begannen die Menses, wenn auch schwach, sich zu zeigen, und eine gründ- liche Therapie der Siebbeineiterung hat dann den Erfolg completirt.

Merkwürdig ist, dass auch die Anämie sich auf die erste Nasenbehandlung und mit dem dadurch gegebenen Eintritt der Regel so auffällig besserte. Man hätte dies Zusammentreften für zufällig halten können, wenn nicht im November nach dem Sturz von der Treppe die Anämie und die Amenorhoe ganz acut wieder aufgetreten und mit einer sehr auffälligen Nasenveränderimg — enormen Blähung der Genitalstellen — einhergegangen wären. Diese Nasenveränderung wich der Electrolyse. Zwei Tage später erscheinen die Menses und mit ihnen ist der anämische Zustand fast wie abgeschnitten !

Und ein drittes Mal im April 1895 (wo ein echtes Ulcus ventriculi bestand) cessirt die Regel zunächst und wird ebenfalls durch Electrolyse derselben Nasen-Stellen hervorgerufen. Und zwar erscheint sie auch diesmal in derselben Zeit nach dem electro- lytischen Eingriff (2 Tage) wie im November.

Es kann sonach gar keinem Zweifel unterliegen, dass die nasale Therapie die Amenorrhoe beseitigt*) hat und dass .sie mittelbar auch dem anämischen Zustand (der von bedenklicher Schwere schien — er hatte durchaus den Eindruck der pernieiüsen Anämie gemacht) ein Ziel gesetzt hat.

Dass ausserdem die Dysmenorrhoe beseitigt wurde, wird uns nach dem, was wir bereits wissen, kaum Wunder nehmen.

Wohl aber darf ich noch ganz besonders darauf hinweisen, dass auch die Herz-Arrhythmie von der Nase abgehangen haben muss. Denn sie ist seit Vollendung der Nasentherapie ganz und gar gewichen.

  • ) Vergleiche auch Oppenheimer: Ueber Ebinitis hypertrophica und Ame-

norrhoe. ßerl. Klinische VVochenschrift 1892, Nr. 40. Der Autor gibt dort 4 Fälle “als Material“ für die Möglichkeit des Zusammenhanges „ohne weitergehende Schlüsse daraus ziehen zu wollen“.


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Eine spätere Beobachtung (siebe Fall 121) hat mich ähn- liches gelehrt, und dieselbe erfreuliche Erfahrung habe ich bei einem Freunde gemacht, dessen schwere Arrhythmie, die ganz unter dem Bilde einer Myocarditis mit Angina pectoris auftrat, der Behandlung des Siebbein- und Keilbeinempyems sieh tributär erwies. Solche Fälle lehren, dass der Arrhythmie auch wenn sie mit allen Attributen der Stenoeardie ausgestattet ist, durchaus nicht immer jene ominöse Bedeutung zukommt, welche die klinische Prognostik ihr zu geben pflegt.

IV.

Der Abortus Avar in zAveien unserer Fälle die Ursache der Dysmenorrhoe. Die Dysmenorrhoe war nasaler Natur. Der Abortus hat also auf die Nase verändernd eingewirkt. Dieser Einfluss kommt aber nicht dem Abortus als solchem zu, sondern der ScliAvangerschaft, Avelche er abschliesst. Denn die S eh av an g er- schuft ist es, die Veränderungen in der Nase hei’Amrruft.

1 )er Beweis lässt sich nach A^erschicdenen Richtungen hin antreten.

Zunächst spricht hierfür die Thatsache, dass gewisse Be- schwerden, die unzweifelhaft von der Nase abhängen. erst Avährend einer SchAvangerschaft auftreten und bisweilen die Gravidität auch überdauern.

Folgende fünf Beobachtungen sind gute Beispiele für diesen

Satz :

Frau K . . . t. Faii37.

AVährend der ersten Hälfte der ScliAA^angerschaft treten Schmer- zen in der Herzgegend und Herzklopfen auf. Ursache : starke SeliAvel- lung der beiden unteren ^lusclicln. Heilung- durch Aetzung derselben.

(.Jahr 1888).

Frau F g, August 1891. Faiias.

Schmerzen im linken Hypogastrium traten AA^ährend der SchAvan- gerschaft auf, die \'or IVg llonaten endigte, und ausserdem Stiche in der linken Schulter und am ScliAvertfortsatz des Brustbeins. Aetzuns der linken unteren Muschel bringt sofortige Heilung.

Frau D g.

Hatte bei der ersten ScliAvangerschaft heftiges Erbrechen bis zum vierten Monat. Gegen Ende der zAveiten GraA-idität stellen sich rechts- seitige Armschmerzen ein, die von dem Hausarzt für rheumatisch ge-


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halten Avurdeu. Niodorknnft 2. XoA'eiiibei’ 1892. Die Armsclimerzen dauern an. Am 9. dänner 1893 Cocainversuch (rechte untere i\Iuscliel und Tuberculum septi) mit positivem Erfolge. Aetzung dieser Theile mit Trichloressigsiiure beseitigt die Schmerzen dauernd.


Frau G r, WittAve, 33 Jahre.

Patientin Avar Aor 7 Jahren zuerst leidend. Ihre BescliAverden traten im 5. ]\ronat der Sclnvangerschaft auf, und ZAvar Avaren damals sehr heftige Stiche in der linken Brust und im linken Schulterblatt A'orhanden. Der damalige Arzt soll Verdacht auf ein Imngenleiden ausgesprochen haben, doch Avaren die Schmerzen nach der Xiederkunft Avie abgeschnitten. Brust- uud Schulterschmerzen sind mir als nasale


Fernschmerzen Avohlbekannt. (Siehe


„Xeue Beiträge“.


Frau Förster C h, 3 8 Jahre,

Als Mätlchen dysmenorrhoisch. Seit ihrer ersten ScliAvangerschaft (vor 12 Jahren) sind die menstruellen Schmerzen geAvichen. Ist am


W o c h e n f r U h e r ( men- heftigen Sch m e r z im (8. Februar 189ö| noch Seite vor Schmerzen nicht


19. Octoher 1895 entbunden. Genau 4 struell ? ) b e k 0 m m t a t i e n t i n eine n linken H y p o g a s t r i u m, d e r h e u t e besteht, l^atientin kann auf der rechten liegen und kann den rechten Arm nicht hoch heben, ohne dass die Schmerzen in der rechten ITnterbauchgcgend es hindern. Die sehr grosse Acuität dieser Schmerzen hat nach einer uterinen Blutung in der 8. Woche nach der Fntbindung etAA'as sich Aermindert. Jetzt ist f’atientin Avieder GraA'ida im 2. Monat.

Genitalien normal. Ken mobilis dexter. Alte Xaseneiterung. Die rechte untere Muschel ist acut gebläht. Schon nach Sondirung dieser iMuschel lässt der rechtsseitige Bauchschmerz etvA^as nach. Auf Cocaini- sirung derselben hört er \mllends auf. Sofortige Aetzung der rechten unteren 5Iuschel mit Trichloressigsäure hat den Schmerz nicht Avieder erscheinen lassen. Patientin ist a'öIIF


frei daA on geblieben !


Aber so lehrreich diese Beobachtungen sind, es lässt sich doch Adel directer zeigen, in Avelcher AVeise die GruAddität auf die Xase reflectirt.

Der Menstruationsproccss, so heisst es geAvöhnlich. hört AA'ährend der ScliAvangerschaft auf Das ist entschieden unrichtig. Er hört intra graAdditatem so Avenig auf Avie die OAUilation. AVas aufhört ist höchstens die menstruelle uterine Blutung, obwohl auch diese noch manchmal besonders im Schwangerschaftsbeginn Aviederkehrt.

AVas aber gc.Aviss bestehen bleibt, ist die AA^^irkung der menstruellen Congestion auf die Nase.


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Man kennt Fälle*), avo AA-älirend der ganzen Dauer der SeliAAumgerschaft allmonatliches Nasenbluten statt der cessiren- den uterinen Monatsblutung ersebeint.

Simon berichtet einen Fall von; „Während der ganzen Schwangerschaft monatlich wiederkehrenden Blutungen aus Mund und Nase, Avelche vicariirend für die Menstruation eintraten .

Sommer heohachtete bei einer Frau, die zum 5. Male schAvanger Avar, av ährend der ganzen Dauer der ScliAAumgerschaft ein monatlich Aviederkehrendes Nasenbluten, das jedesmal einen Tag anhielt.

In einem dritten Beispiel aus S c h in i d t’s Jahr b ü c h e r n AAÜrd über einen analogen Fall berichtet, avo auch Avährend der 5. GraAÜdität monatliche 1 Tag dauernde Blutungen aus Mund und Nase auftraten, die letzte gerade AÜer Wochen vor der Geburt. Vor dem Eintritt der Blutung Brustbeklemmung und Kopfschmerzen, die mit der Epistaxis nachliessen.

Diese monatlichen Nasen-Blutungen, für die sich bei ein- dringlicher Nachforschung gcAviss zahlreiche Beispiele AAmrden finden lassen, machen es bereits überaus Avahrscheinlich, dass der Menstruationsprocess in der Gravidität trotz der normalen cessatio mensium nicht erlischt. Man kann das aber direct erAveisen. Auf- merksame Frauen merken Avährend der ScliAvangerschaft eine periodische Nasenverstopfung. So berichtete die oben erwähnte Frau D . . (Fall 39 : rechtsseitige Armschmerzen gegen Ende der zAveiten ScliAvangerschaft — nasaler Mechanismus der Schmerzen — positAer Cocainversuch und erfolgreiche Therapie), dass sie in der dritten und AÜerten Gra\ddität jedesmal um den 27. des Monats, avo sonst die Periode kommen sollte, Nasen Verstopfungen und eine Spur der früheren rechtsseitigen Armschmerzen gehabt habe.

Ich habe um diese Zeit direct bei ihr eine Vergrösserung der ScliAvellkörper an den unteren Muscheln und an den tub. sept. constatirt.

Bei einer anderen, früher ansAvärts lebenden Patientin, Frau Lieutenant S . . . r, die stets an nasaler Dysmenorrhoe litt und jetzt im dritten IMonat schwanger ist, habe ich am 5. Februar — dem richtigen Kalender - Menstruationstermin, einen directen dysmenorr-


  • ) Nach Endi'iss 1. c. S. 33.


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hoisclien Anfall ))oobaclitet und von den Genitalstellen der Nase her durch den Cocainversuch beseitigen können. Das Menstruations-Inter- vall beträgt bei der Patientin 27 Tage. Die letzte Regel Avar am 16. November. Die Menstruatiousblutungen am 13. December, 9. Januar und 5. Februar blieben aus. ln der Nacht vom 4. zum 5. Februar traten Kreuz- und Bauchschmerzen derart heftig und den menstruellen in jeder Beziehung gleichend auf, dass die Patientin sicher glaubte, ihr Plnwolilseiu müsse jeden Augenblick eintreten. Die Schmerzen bestanden noch, als ich am 5. Februar Nachmittags, Uhr die Genitalstellen der Nase co- cainisirte. Nach 5 Minuten hatten die Schmerzen völlig aufgehört, und die Patientin befand sich nach jeder Richtung hin Avohl, auch ohne die Uebelkeit, Avelche die dysmenorrhoischen Erscheinungen AAÜe immer, so auch diesmal begleitet hatte. Die Nase selbst Avies vor dem Ver- such hauptsächlich an den Tuberculis septi charakteristisclie ScliAvellun- gen auf. Die unteren Muscheln Avaren Avenig gescliAvollen, jedoch Avar die sehr ausgesprochene Cyanose an allen Genitalstellen der Nase zu constatiren. ln der Nacht Amm 4. zum 5. Februar Avar auch Nasen- bluten A’orhanden geAvesen.

Am 2. und am 29. März habe ich bei derselben Patientin die ganz analogen Beobachtungen machen können. Am letzteren Termin AA^ar auch Aviederum Nasenbluten eingetreten.


In einem Aveiteren Falle bin ich in der Lage geAA^esen, die Nasen Veränderungen in der Gravidität ganz systematisch zu A^er- folgen. Es handelt sich um eine Patientin, AAmlcher gegen frühere nasale EntAvicklungs-Dysmenorrhoe erfolgreiche Trichloressigsäure- ätzungen Amr 3 Jahren gemacht Avorden Avaren.

Diese Patientin erv^artete ihr UiiAAmhlsein am 29. April a\ J. Es blieb aus Avegen eingetretener GraAÜdität. Zu diesem Termin habe ich ihre Nase nicht untersucht. Wohl aber beschloss ich vom Mai ab, die Nase alle paar Tage zu inspiciren. Die Men- struation Avar seit der Trichloressigsäureätzung immer regelmässig 28tägig eingetreten. Es Avar daher zu muthmassen, dass auch in der Nase in 28tägigen InterAudlen besondere Zeichen sich finden Avürden.

Am 29. April, dem ersten Kalender-Menstruationstag, hatte die Patientin characteristische Molimina menstrualia. Ebenso zu. den drei nächsten Terminen: 27. Mai, 24. Juni, 22. Juli. An diesen Tagen Avurde etAAms Blut aus der Nase ausgeschnaubt, und die Inspection ergab eine ScliAvellung an den Genitalstellen der Nase, hauptsächlich rechts, und eine cyanotische Verfttrbung derselben.


47


Dieser Befund wiederholt sich auch in den späteren Monaten der Schwangerschaft, nur mit der Abweichung, dass die Menstrua- tionstermine von dieser Zeit an eine zeitliche Verschiebung er- fahren. Die Ursache der Verschiebung wird im letzten Capitel dieser Arbeit ihre ausführliche Würdigung finden. Hier sollte nur darauf hingewiesen werden, dass der Menstruationsprocess auch intra graviditatem besteht und während dieser ganzen Zeit seine Zeichen in der Nase gibt.*) Aber von besonderer Wichtig- keit ist, dass er während der Schwangerschaft nicht seinen normalen Ablauf durch die Uterinblutung findet. Das Moment, das sonst diesen Ablauf auslöst, muss sich also aufgespeichert haben. Es hat der Summirung unterlegen. Und wenn mit dem Tage des zehnten Menstruationstermines die Summe jener An- häufung einen gewissen Schwellenwert überschritten hat, dann entfesselt sich jener grosse Menstruations- ablauf, der nicht nur ganz oberflächliche, sondern tiefere Schichten der mächtig gewucherten Uterus- schle imhaut zur Ausstossung bringt und mit ihnen zugleich den ganzen Inhalt der Gebärmutter, Placenta, Eihäute, Fruchtwasser und Kind in die Aussen weit befördert. Das Wochenbett mit den Lochien ist dann die vergrösserte Auaflge des menstruellen Flusses.

Hat aber die normal erfolgende Geburt wirklich den Charakter der Menstruation, so werden wir erwarten können; dass an ihr auch die Merkmale einer solchen und auch die ihr zue-ehörio-en Störungen nachzuweisen sein werden.

Und hier erinnern Avir uns sogleich des Umstandes, dass die ]\Ienstruationstage in der SchAvangerschaft durch ScliAA^ellungen an den Genitalstellen der Nase und durch Cyanose derselben markirt sind.

Aber gerade diese Zeichen finden wir beim Beginn der V ehe nthätigkeit ganz regelmässig ausgebildet.

Die Cyanose an den Genitalstellen der Nase scheint bei den menstruellen Vorgängen der Schwangerschaft besonders häufig zu sein. In so ausgesprochenem Grade wenigstens habe ich sie sonst nur ganz vereinzelt beobachtet. Sie kommt mit der menstruellen Congestion und verschwindet mit ihr. Wo man sie deutlich und unzweifelhaft feststellen kann, da darf man muthmassen, dass es sich um einen Menstruationstag in der Schwangerschaft handelt.


48


Die Nase ist zur Zeit des Wehenbeginnes mit den Cardinal- zeiclien der Menstruation begabt. Sie weist an den Genitalstellen Schwellungen auf, sie ist dort auf Sondenberührung specifisch empfindlich und zur Blutung geneigt. Sie zeigt aber häufig noch eine ausgesprochene Gyanose, wie wir sie aus den Menstruations- tagen der Schwangerschaft kennen.

Ferner wissen wir, dass viele Frauen an nasaler Dysmenorrhoe leiden. Wenn die Geburt eine grosse Menstruation ist, bei der die in der Schwangerschaft nicht zum Ablauf gekommenen Erschei- nungen summirt sind, so dürfen wir bei ihr auch nasal-dysmen- orrhoische Erscheinungen von grosser Intensität erwarten, und diese dysmenorrhoischen Erscheinungen müssen sich ausserdem folgenden Bedingungen fügen : Sie müssen erstens sich stets bei den auch sonst nasal-dysmenorrhoischen Frauen und zwar entsprechend verstärkt zeigen. Sie müssen zweitens noch bei solchen Frauen ver- kommen, die normalerweise nur Andeutungen, vielleicht kaum wahrge- nommene Spuren der allmonatlichen nasal-dysmenorrhoischen Be- schwerden zeigen. Diese geringen Beschwerden überschreiten jetzt in Folge der Summation die Schwelle und werden zum wirklichen dys- menorrhoischen Schmerz. Diejenigen Frauen drittens, welche bei der Geburt ganz frei von normaler Dysmenorrhoe bleiben, müssen bei den Menses extra graviditatem auch nicht die Spur einer nasalen*) Dysmenorrhoe aufweisen. Denn eine Summe kann nie kleiner als die Summanden sein.

Die nasale Dysmenorrhoe der Geburt ist aber der echte Wehenschmerz.

Er tritt nur bei den Frauen der ersten beiden Kategorien auf (allmonatliche nasale Dysmenorrhoe in actu und in potentia) und die Frauen, welche vom echten Wehenschmerz verschont werden, gehören lediglich der dritten Kategorie an (ohne jede Beziehung zur nasalen Dysmenorrhoe).

Der echte Wehenschmerz ist aber auch von den- selben Stellen (den Genitalstellen) der Nase im (^ocainexperiment aufzuheben oder auf ein Minimum zu reduciren, von denen aus die nasale Dysmenorrhoe zum ScliAvinden gebracht wird.


  • ) Die mechanische Dysmenorhoe kommt natürlich hier gar nicht in Frage.


49


Bevor wir für diese wichtige und entscheidende Thatsache die klinischen Belege heibringen, wollen wir ausdrücklich hervor- heben, dass es sich nur um Beseitigung des „typischen Wehen- schmerzes“, d. h. also eines gewissen Antheiles der beim Geburts- act entstehenden schmerzhaften Sensationen handelt. Gerade dieser Antheil ist es, welcher mit dem dysmenorrhoischen Schmerz eine unverkennbare Aehnlichkeit besitzt. Wie dieser, setzt er ge- wöhnlich im Kreuz ein und strahlt in die Hypogastrien und oft in die Schenkel aus. Er schwillt auch bei der gewöhnlichen Dys- menorrhoe krampfartig an und ab. Bei der Geburt tritt er mit jeder Wehe auf oder er verstärkt sich mit derselben. Er ist am reinsten in der Eroffnungsperiode zu beobachten.

Vergesellschaftet ist der erwähnte Complex fast immer mit einem mehr oder weniger empfindlichen Druck oder Schmerz im Bauch in der Gegend über der Symphyse, der mit jeder Wehe in die Erscheinung tritt. Ah und zu, besonders beim Tiefertreten des kindlichen Kopfes kommt auch noch ein Schmerz am Steissbein zum Vorschein. Dieses Druckgefühl über der Symphyse und der Steissbeinschmerz lassen sich niemals von der Nase aus beeinflussen. Ihnen liegen rein mechanische, in loco gegebene Ursachen zu Grunde. Sie erscheinen also auch da, wo von einem typischen Wehenschmerz (Kreuz- und Bauch- schmerz) überhaupt keine Andeutung vorhanden ist. Diese und selbstverständlich auch alle anderweitigen rein mechanisch be- dingten Schmerzen (z. B. bei Beckenenge, rigiden Weichtheilen, peritonealen Adhäsionen etc.) sind der nasalen Einwirkung völlig unzugänglich.

Ganz ebenso unzugänglich sind die rein hysterischen Schmerz- anfälle, welche gelegentlich des Geburtsvorganges auftreten (vgl. Fall 102). und die Schmerzen, welche einer Erkrankung der Uterusmuskulatur, dem sogenannten Rheumatismus uteri ihre Ent- stehung verdanken (vgl. S. 85). Alle diese Schmerzen verhalten sich so abweichend von dem, was man bei normaler Geburt als typischen Wehenschmerz genugsam kennt, dass eine gesonderte Pathogenese ihnen im Vorhinein von jedem unbefongenen Be- obachter zuerkannt werden muss. Für diese Fälle gilt also unsere neue These ebenfalls nicht.

Nach diesen Vorbemerkungen gebe ich zunächst 27 Ver- suchsprotocolle wieder, die am besten die Rolle der Nase für den

Flies 8. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. 4


50


Welienschnierzillustriren werden. Fall 43 gehört der Privatpraxis an, alle übrigen Fälle entstammen der hiesigen Universitäts-Frauenklinik.

’• Frau D g*) IV para.

Hat nach ihrer zweiten Gravidität (1892) an Armschmerzen gelitten, die nach gelungenem Cocainversucli durch Aetzung der Nase (untere Muscheln und Tubercula septi) dauernd beseitigt wurden. Bei der dritten und A'ierten Gravidität ist ausserdem der frühere Vomitus gravidarum fortgeblieben. Während letzterer Schwangerschaft habe ich Gelegenheit die Patientin zu beobachten und dabei festzustellen, dass jedesmal um den 27. des Monats, wo sonst die Periode eintreten sollte, Nasenverstopfung und eine Spur der früheren Armsclimerzen vorhanden ist. Die Nasen-Muscheln sind dabei acut geschwollen und leicht cyanotisch_

Am 1. December 1894 seit früher IMorgenstunde Wehen.

^/glO Uhr Vorm. Wehen regelmässig alle 10 Minuten. Dann 7 Minuten, endlich alle 5 ]\Iinnten. Muttennund für 2 Querfinger durchgängig. Blase steht. Dauer der Wehen ca. 1 Minute. Heftige Schmerzen typisch vom Kreuz ausgehend, in den Bauch ausstrahlend. Druckgefülil über der Symphyse. Nasenbefund: untere Muscheln und beide Tub. sept. acut gebläht, cyanotisch. Hechts empfindlich auf Berührung mit der Sonde.

11 Uhr. Ausgiebige Cocainisirung an den geblähten Stellen mit 30®/o Cocainlösung (ich habe in Zukunft nur 20®/o angCAvandt). Die Patientin vertrug, wie ich aus Erfahrung Avusste, Cocain recht gut.

11-05 Die nächste Wehe ist nicht mehr ganz so schmerzhaft.

11-10 Der Schmerz im Kreuz und Bauch ist A-erscliAvunden. Der Druck über der Symphyse und das Angstgefühl bei der Wehe bestehen noch und bleiben es auch Avährend der ganzen Dauer der Beobachtung.

11-15 Status idem. Kein Kreuz-, kein Bauchschmerz mehr.

11-20, 11-25 etc. (alle 5 Minuten) das gleiche Ergebnis bis

nach 12 Uhr, wo die Wehen ganz allmälig AAÜeder schmerzhaft zu Averden beginnen. Auch die Anästhesie der Nase macht wieder einer Empfindlichkeit auf Sondenberührung Platz.

3 Uhr Nachm. Wehen Avieder auf der Höhe der Schmerzhaftigkeit. Abermalige Cocainisirung (30®/o) A^erringert nach 10 Min. den Schmerz beträchtlich, hebt ihn aber nicht (Avie Vormittags) gänzlich auf. Erst als bei verstrichenem Muttermund die sehr resistente Blase gesprengt wird, ist die Wirkung \mllkommen. Einige schmerzlose Wehen bringen jetzt schnell den Kopf zum Einschneiden.

Die Angaben der .sehr intelligenten Patientin sind so scharf

O O

und bestimmt, die Veränderung des Bildes durch die Cocainisirung ist so auffallend, dass mir gleich in diesem Falle kein Zweifel an der


  • ) Als Full 39 bereits theilweise er\A-älmt.


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specifischen Wirkimo: blieb. Audi die Tliatsacbe, dass die Welien- schmerzen sieb keineswegs sofort verloren, sondern erst abscbwächten und dann ganz auÜiörten, ferner dass der Druckschmerz über der Symphyse bestehen blieb, endlidi dass mit Aufliören der Cocain- wirkung in der Nase (ca. 50 Min. nach ihrem Eintritt) die Schmerzen allmiüig wiederkamen, sprachen klar gegen eine etwaige „suggestive“ Beeinflussung.

Eine schmerzaufliebende Allgemeinwirkung, wie sie dem Morfium zukommt, hat Cocain nicht. Aus den folgenden Kranken- geschichten wird ausserdem iviederholt hervorgehen, wie nach Cocainisirung der Nase die Wehenschmerzgruppe (Kreuz-Bauch) ansgeschaltet wird, während andere Schmerzen z. B. Steiss- und Symphysenschmerz bestehen bleiben. Eine solche elective Be- seitigung von Schmerzen kann gewiss keine Allgemeinwirkung sein. Auch hebt, wie z. B. Fall 52 beweist, nur die Cocainisirung der specifischen Stellen in der Nase (beide untere Muscheln und beide Tubercula septi) den W ehenschmerz auf. Cocainisirung anderer Stellen (z. B. des Nasenbodens im Fall 52) ist ganz ohne Einfluss.*)

Die folgenden Fälle (Fall 44 bis Fall 105) entstammen dem Material der königl. Universitäts-Frauenklinik zu Berlin, das ich mit gütiger Erlaubnis des Directors, Herrn Greheimrath Olshausen für meine Studien benutzen durfte.

E . . a S . . . . z 22 Jahre. I para. Fall«.

9. Mai 1895. 4l/g Uhr Nachm. Wehen seit gestern Abend.

In 1^2 Stunden hat sich der Muttermund von der Grösse eines Mark- stückes auf 5 MarkstUckgrösse erweitert. Blase steht. Wehen jetzt alle 2 Min., Dauer ca. 30 Sec. Schmerzen vom Kreuz zum Bauch ausstrahlend. Ausserdem starker Steiss-, geringer Symphysenschmerz.

4-40 Erste Cocainisirung mit Lösung. Nase sehr empfindlich. (Sonstiger Befund leider nicht notirt.)

4-43, 4-45 Sehr schmerzhafte Wehen.

4’46 Zweite Cocainisirung, Nase noch immer empfindlich.

4‘47j 4'48 Wehen schmerzhaft wie zuvor.

4‘51 Bauchschmerzen jetzt sehr gering. In Kreuz und Steiss noch lebhafte Schmerzen.

4'o 4 Stat. id. Dritte Cocainisirung der Nase. (Die Empfindlichkeit dort besteht immer noch.)

) enn in dieser Arbeit der Kürze halber nur von Nasencocainisirung (20 lg) die Rede ist, so ist stets die localisirte Cocainisirung der beiden unteren Muscheln und beider Tubercula septi gemeint.


4 *


52


4-55 Kreiizsclimerzen nehmen ab.

4- 57, 4‘58 Ebenso.

5 Uhr. W ehe 7 3 Sec. Dauer. Kreuzschmerzen nur gering, Bauch- schmerzen verschwunden.

Jetzt Wehen Schlag auf Schlag. Die Kreuzschmerzen sind nur ganz kurz im Beginn der Wehe und dann verschwinden sie sofort. Am Steiss bleibt der Schmerz bestehen.

5- 23 Blasensprung. Die Steissschmerzen sind fort, ebenso der Best der Kreuzsebmerzen. Die Wehen sind jetzt ganz auffallend schmerzlos his

5-50 der Kopf zum Einschneiden kommt.

Es hat in diesem Falle einer dreimaligen Bepinselung der Käse und einer Zeit von fast 20 Minuten bedurft, um eine um zweifelhafte und bedeutende Abschwächung des Wehenschmerzes zu erzielen. Dabei blieb, wie Sondenuntersuchung der Nase erwies, eine gewisse Empfindlichkeit an den Tuberculis septi dauernd bestehen.

Faius. Frau K . . . a S r, 25 Jahre. II para.

11. Mai 1895. Hat als Mädchen an Dysmenorrhöen gelitten (Schmerzen überdauerten den Bluteintritt), die nach der ersten Nieder- kunft vor 2 Jahren gewichen sind. Vor 7 Jahren ist sie erfolgreich an einer Naseneiterung mittelst Creolintampons behandelt worden. Doch haben sich ihre früheren Beschwerden — Trockenheit im Halse und in der Nase — • jedesmal in der Mitte der beiden Schwangerschaften wieder- holt und sind nach Swöchentlichem Bestände von selbst gewichen.

’ - 10‘30 Vorm. Muttermund für 2 Querfinger durchgängig. Blase steht.

Wehen constant seit 1^2 Stunden etwa alle 5 Min. ca. 30 Sec. lang, der Schmerz ist sehr heftig, vom Kreuz zum Bauch, strahlt in die Schenkel aus, überhaupt die Wehe „zieht nach“. Daneben besteht ein dumpfes Kopfweh.

In der Nase ist wesentlich das rechte Tub. septi geschwollen.

Da die Patientin angibt, dass in der letzten Zeit der Schwangerschaft ihre Nase leicht blutet, so wird die erste Cocainisirung mittelst Spray und nur 10°/q Lösung 10'47 Vorm, vorgenommen.

10-49 Wehe, wie vorher. Nur das „Nachziehen des Schmerzes“ fehlt,

10- 50 Zweite Einspritzung von 10®/q Lösung. Jedes Mal mini- male Quantitäten.

1()'54 Bauchschmerzen fehlen, Kreuzschmerzen weniger heftig

Da die Nase noch empfindlich ist (Sondenuntersuchung), so erfolgt 10-57 Cocainisirung mit dem Wattebäuschchen und 20*^/q Lösung.

10’58 kein Bauchschmerz, nur geringer Kreuzschmerz.

11- 04 nur ein „kui-zer Stoss“ im Kreuz, 2 Sec. im Beginn der Wehe. Sonst keinerlei Schmerz.

11-07 Druck auf den Mastdarm, sonst nichts.


11-09 St. idem.

ll.li<, kurzer (2 Sec. langer) Schmerz am Steiss, sonst nichts.

11-16, 11-18, 11-20 Stat. id. Die Patientin, die früher nur ge- schrieen hatte, spricht jetzt während der Wehen: „Der Schmerz hinten ist ja nur ganz kurz, eigentlich nur ein Drang ; er ist so natürlich, vorher war alles wie entzündet. Der Drang ist wie zum Stuhl“.

11-2-2, 1125, 11-27, 11‘30, H-32, 11.35, H-37, H-41, H-44,

11-17’, 11-50, 11-54, 11-55 Stat. id. Untersuchung jetzt: Kopf fest im Becken, Cervix dicksaumig, 2 Querfinger weit, Pfeihiaht querverlaufend. Die Wehenschmerzen bleiben bis 12 '45 fort, dann beginnen sie all- mälig wieder (Beobachtung des klinischen Practicanten) und sind

1-37 Nachm, voll entwickelt. Patientin brüllte ununterbrochen, der Schmerz verdeckt jetzt die Wehenpausen. Zunächst wird Cocain lO^o in die Nase gesprüht.

1-41 Her Schmerz beschränkt sich nur auf die Wehe. Die Pause wird frei.

1-43 Nochmals Spray 10 ®/q.

1-45 Der Wehenschmerz sehr verkürzt, die Klagen der Patientin lassen nach.

1-51 Cocainisirung mit Wattebausch 20 ®/q.

1-53 Sehr kräftige Wehe, mit nur rudimentären Kreuzschmerzen und Drang über der Symphyse. Bauch frei, Schenkel frei.

1-55 Nur geringe Steissschmerzen, Drang über der Symphyse, sonst ganz frei. Sehr kräftige Wehe. Keine Klagen mehr.

1-57, 200 Nur Drängen über der Symphyse. Keinerlei Schmerz im Kreuz und Bauch.


2-03, 2-06, 2-09, 2-12, 2-15, 2-18, 2-20, 2-22, 2-25, 2-27, 2-28,

2-30, Stat. id.


2-33 Drangschmerz im Mastdarm tritt dazu, sonst Stat. id.

2- 36, 2-46, (10 Minuten Pause) 2-48, 2-53, 2-55, 2-57 Stat. id.

3- 00 Der Schmerz beginnt jetzt wieder ins Kreuz zu ziehen.

3-04 Desgleichen in Bauch und Schenkel.

3- 05 Ebenso.

Daher jetzt abermalige 3. Cocainisirung mittelst 20®/y Lösung.

Nach weiteren 5 Min. lassen die Wehenschmerzen völlig nach, die motorischen Uteruscontractionen bleiben: 3-10 — 3-25, 3-28, 3-38,

3-42, 3-50, 3-59, 4-05, 4-19, 4-30, 4-40, 4.45 Schmerzen nur über der Symphyse.

4- 50 Schmerzen beginnen wieder im Kreuz, werden schnell sehr

heftig und sind A'on 5 Uhr bis 7 Uhr wieder auf der Höhe. Patientin jammert fortwährend. (Von 3-25 bis 7-25 Beobachtung des Practicanten.) ^

7-25 Cocainisirung 10 ®/q.

7-32 Cocain mit Wattebausch 20®/^.

7-3o Leibschmerz und Schenkelschmerz fort, Kreuzschmerz geringer.


54


7’4:0 Stat. id. Noclimalige Cocainisirung 20®/o-

7-45 Wellenpausen sind jetzt ganz frei, nur Ziehen im Kreuz; die Krampfartigkeit des Schmerzes dort hat ganz nachgelassen.

7’50 Druckgefühl im After und über der Symphyse, keine sonstigen Schmerzen mehr.

Bis 9 Uhr Stat. id. Dann beginnen wieder die Wehenschmerzen im Kreuz und Bauch. Muttermund jetzt für 3 Querfinger durchgängig.

Abbruch der Beobachtung.

In diesem Falle ist also der Einfluss der Nasencocainisirung auf den Wehensclimerz dreimal mit positivem Erfolge geprüft worden. Das erste Mal hat die Wirkung etwa 1^4 Stunden, die beiden anderen Male je IV 4 Stunden gewährt. Sie ist nicht sofort, sondern allmälig eingetreten, weil das Cocain Zeit braucht, um ivirklicli die Schwellkörper der Nase zu anästhesiren, beziehungSAveise zur Zusammenzichung zu bringen. Dabei ist es zAveifellos, dass diese Anästhe sirung der Nasenscli wellkörper intra partum vi.el schwieriger ist, als zu anderen Zeiten. Die Nase ist dann auch empfindlicher gegen Berührung als in der Norm.

Die mechanischen Druckschmerzen über der Symphj'-se und in der Steiss- bezw. Aftergegend sind trotz der Cocainisirung un- verändert geblieben.

In den nächsten beiden Fällen ist der Versuch gemacht worden, nur mit dem 10*^/o Cocain-Spray die Nase zu cocainisiren.

Fall 46. Frau S r. I para.

19. Mai 1895. 1'24 Mittags: Blase vor 1 Stunde gesprungen.

Muttermund erweitert. PressAvehen alle 2 — 3 Min. mit intensiven Bauch- und Kreuzschmerzen und Druck über der SympliA'se.

1-24 Cocain-Spray 10%.

1-27 Weniger Kreuzschmerz.

1-28 Ebenso.

1-32 Kreuzschmerz minimal, kein Bauchschmerz.

1-35, 1-36^ 1-38^ l-39j 1-42^ 1-45 1-47 ebenso.

1-50 Kreuzschmerzen ein Avenig stärker. Stat. id. :

1'50, 1-51, 1-53 u. s. Av. bis 2’40, wo der Kopf zum Einschneiden kommt. Die Kreuzschmerzen sind in recht mildem Grade Aorhanden, die Bauchschmerzen gar nicht. In den letzten % Stunden sind die Klagen der Patientin fast A'erstummt, um erst jetzt (beim Einschneiden) wieder lebhaft hervorzutreten.

Anna H . . n, 19 Jahre. I para.

20. Mai 1895. 4 Uhr Nachm. Früher nasenleidend (Ozäna mit Kopfschmerzen). "Wehenschmerzen mässigen Grades (Pat. stöhnt nur)


Fall47.


55 —


in Kreuz, Bauch, Oberschenkeln, seit gestern Abend. Muttermund 15 Markstückgrösse. Blase steht. 1. Schädellage.

Wehen alle 4 — 6 ^Minuten.

4-20 Cocain-Spray 10®/^.

4-23 'Wiederholung des Spray.

4'28 Beinschnierzen haben aufgehört, Bauch- und Kreuzschmerzen sind milder geworden.

4-36 Eeste von Kreuzschmerzen. Sonst nichts.

4-38 Cocain-Spray 10

4-40, 4-43, 4-46 Der Best der Kreuz- (Steiss?) schmerzen bleibt jetzt auch in der Machen pause bestehen und ist wahrscheinlich auf mechanische Ursachen zurückzuführen. Bauch- und Beinschmerzen sind spurlos verschwiinden.

Bis 5‘02j wo aus äusseren Grründen die Beobachtung abgebrochen werden muss, Stat. id.

Pauline B r, 30 Jahre. I para. Fall 48

23. Mai 1895. 11‘40 'Vorm. Wehen seit heute früh, sehr schmerzhaft (Kreuz — Bauch — Symphyse). Blase vor 4 Stunden gesprungen, Muttermund 5 Markstückgrösse. 2. Schädellage.

Linke Nase mit ausgesprochenen Schwellungen der unteren Musche und des Tub. sept. Kechte Nasenhälfte fast frei.

I- 41 Cocain-Spray 10 ®/q.

I. 42j 11-45 Heftige Wehenschmerzen.

11'47 Schmerzen im Kreuz lassen etwas nach.

II. 50 Cocaiuisirung 20 ®/q beiderseits mit Wattebausch. Nase noch empfindlich.

II - 52 Patientin Avird ruhiger.

11 •5C)j 12‘00 Aveitere Besserung.

12-02 Kreuzschmerz nur sehr gering, Bauchschmerz fort, nur Drängen über der Symphyse.

12-06 ^So kann ich’s doch ertragen.“

12-08 Aveder Kreuz- noch Bauchschmerz.

12-12, 12-14, 12-16 Stat. idem.

12-18 geringer, schnell vorübergehender Kreuzschmerz.

12’24 Patientin beginnt zu pressen. Kein Kr euz schmerz.

12.25, 12-27, 12-34, 12-36 keine Schmerzensäusserungen. 12-40 Kopf kommt zum Einschneiden und AA'ird nach 3 Wehen (12-45, 12-47,

12-53) geboren.

Der Erfolg der Cocaiuisirung ist in diesem Falle ein sehr ent- schiedener.

Frau Meta D . . . . t, 24, Jahre. III para.

1. Juni 1895. 9-59 Vorm. Seit dem 16. Jahre menstruirt, stets*^“^*^® schmerzlos, doch unregelmässig ; öfters monatelange Pausen. Dauer einige Tage, Blutausscheidung gering. Letzte Pegel Ende August. Pa-


56


tientin leidet viel au Kopfschmerz, von dem sie Kachts erwaclit. (or- ganisch?) ln der Gravidität ist sie davon noch mehr geplagt als sonst, ln der letzten Zeit ist der Kopf fost ununterbrochen schmerzhaft. Seit einigen Tagen Armschmerzen.

Vor 1^2 Wochen begannen die Wehenschmerzen. Beständig und heftig sind sie seit drei Stunden. Pausen von 2 — 3 Minuten. Blase vor 8 Tagen gesprungen, Muttermund 5 Mk.-Stück gross, collabirt, dick- saumig. I. Schädellage. Nasenschwellungen kaum angedeutet. Wehen 9'o9, lO'Ol, 10'05 sehr schmerzhaft. 30 — 60 Seciinden Dauer. Patien- tin klagt lebhaft. Kreuz- und Bauchschmerzen. Druck über der Symphyse.

10'08 Cocain-Spray 10®/^.

10'09, 10'12, 10‘14: Wehen sehr schmerzhaft.

10'18 Cocain 20^/q Wattebausch. Nase noch sehr empfindhch.

10’20 Schmerzen im Kreuz und Bauch etwas abgeschwächt.

10-23, 10-25 jetzt wieder starke Schmerzen. Wehe dauert 1^2 Minuten.

10-28 Bauchschmerzen fehlen. Kreuzschmerz noch vorhanden.

10-31 Cocain 20®/^ Wattebausch. Nase noch immer ziemlich em- pfindlich.

10-31 keine Bauchschmerzen, Kreuzschmerz kürzer.

10-3G Kreuzschmerz kaum merklich. Bauchschmerz fehlt.

10-38 Kreuz- und Bauchschmerz verschwunden.

Nur Druck über der Symphyse.

10- 41, 10-44, 10-47, 10-49, 10-52, 10-54, 10-56, H-00, 11-0-2, 11-04, 11-06, 11-08, 11-11 dasselbe Eesultat.

11- 15 Kreuzschmerzen beginnen wieder leise.

11-20, 11 -23, 11-25 Kreuzschmerzen lebhafter und eben begin- nende Bauchschmerzen.

10-29, 10-31, 10-36 Schmerzen allmälig stärker. '

Beobachtungspause bis 12 PTbr.

Die Schmerzen in Bauch und Kreuz sind recht stark und stei- gern sich fortwährend bis 1-20, wo Patientin unausgesetzt jammert und wo die AViederholung des Cocainversuches beginnt.

1-22 Coc. -Spray 10®/q.

1-29 Cocain 20 *^/q AA^attebausch .

1-33, 1-35, 1-40 noch sehr schmerzhafte AAThen, nur Bauch- schmerz etwas geringer.

1-50 Cocain 20^^/^ auf die Tubercula septi, die noch immer empfindlich sind.

1- 55 Abnahme auch des Kreuzschmerzes.

2- 00 Kreuzschmerz ganz gering, kein Bauchschmerz.

2-08 dasselbe.

2-10 Erste Presswehen, Kreuzschmerz war noch angedeutet, Bauchschmerz fehlt. Druck über der Symphyse. Status idem noch Ulli-, wo die Beobachtung abgebrochen wird. (Geburt 4-15 Uhr.)


57


regelmässig, 4wöclieutlicli, dauert 8 Tage; 1 srräne. Nase links stärker als reclits c;escliwollen


Tag yc


schmerzen seit gestern Vorm


Blase gestern Abend


In diesem Falle hat es äusserst schwer gehalten, die specifi- schen Stellen in der Nase wirklich zu anästhesiren. Dann aber war der Erfolg auf den Wehenschinerz auch ein äusserst eclatanter.

Marie B . . m, Dienstmädchen, 21 Jahre. I para.

8. Juni 1895. 11^/4 Uhr Vorm. Unwohlsein immer schmerzlos,

or Eintritt stets Mi- cyanotisch. Wehen- gesprungen. Kopf tief im Becken. Wehen Schlag auf Schlag, sehr schmerzhaft (Kreuz- Bauch-Symphyse); Patientin hat die ganze Nacht geschrieen und klagt auch jetzt beständig.

11'49 Cocain 20 °/q Wattebausch (kurz vorher heftige Wehe, 1 IMin. Dauer)

11-53 Buhe in der Wehenpause, was früher nicht der Fall war.

11-54 Wehe 1 Min. Nur Symphysen-Druck. Jeder Schmerz verschwunden.

11-55 Noch ein Stich im Kreuz.

11- 58 ganz schmerzlos (ausser Symphysendruck).

12- 00 dasselbe.

Patientin ist seit 5 Min. ganz ruhis

12-02 Stich im Kreuz.

Noch einmal Cocain 20®/^.

12-04 schmerzlos.

12-08 S teis s schmerz „Der Schmerz ist tiefer nichts. Patientin presst bereits.

12-12 Steiss- und Symphysenschmerz.

Der Schmerz beginnt jetzt an der Symphyse (früher im Kreuz.)

12-14, 12-16, 12-18, 12-22, 12-25, 12-28, 12-30 dasselbe.

12-31 geringer Kreuzschmerz.

12-33 nur Symphysenschmerz bis zum Schwertfortsatz herauf- ziehend.

12.34, 12-35, 12-36 Symphysenschmerz.

12-40 geringer Kreuz-, starker Symphysenschmerz.

1-10 CTeburt.

Hier ist durch die Cocainisirung der Schluss der Erüffnungs- periode schmerzlos geworden, und auch in der Anstreihungs- periode sind nur die mechanisch bedingten Schmerzen aufgetreten.


raI15ü.




gerutscht. “


Sonst


Hedwiff Z


k, 21 Jahre. I


X. para.

6. Juni 1895 . 11-39 Vorm. Sehr anämisch. Diphtherie vor 6 Jah- ren. Menses mit 15 Jahren, regelmässig, schmerzlos. Plattes Becken. BlaSe in der Nacht gesprungen. IMuttermund 1 Mk.-Stück gross. Kopf steht tief. Wehen seit früh 6 Uhr. Sehr schmerzhaft, ca. 1 Min. Dauer, 2 — 3 Min. Pause. Kreuz- und Bauchschmerz, der in die Schenkel


Fall 51.


58


Fall 5-2


stralilt. feclimerzeii über der Sympliyse. ln der Nase hauptsächlich die 1 ubercula septi gescliwollen, die unteren iMuscheln weniger.

A\ eben 11. 39^ 11-44 sehr schmerzhaft.

11-48 Cocain 20®/^ Wattebausch.

11'49, 11-52 sehr schmerzhaft.

11- 56, 11 •58 ebenso,

12- 00 Bauchschmerzen fehlen, Kreuzschmerzen vorhanden. Zweite Cocainisiruug- 20 ®/q.

12-04 ebenso.

12-06 Kreuzschmerz geringer.

12-08 Kreuz- und Bauchschmerz fehlt. Nur Schmerzen am Steiss und der Symphyse.

12-11, 12-13, 12-16, 12-19, 12-21, 12-25, 12-27, 12-30, 12-3-2,

12-34, 12-36, 12-39, 12-42, 12-45 ebenso, nur Steiss und Symphyse schmerzhaft.

12-55 Kopf erscheint in der Vulva.

Man bemerkt hier, was auch schon in früheren Fällen sich herausgestellt hat, dass zuerst die Bauchschmerzen, später erst die Kreuzschmerzen auf Nasencocainisirung vergehen.

Katharina L t, 19 Jahre. I para.

12. Juni 1895, Uhr Nachm. Erste Kegel mit 14 Jahren, ^lenstruation regelmässig, schmerzlos. Keine Kopfschmerzen. Wehen seit gestern Abend, jetzt in Pausen von etwa 5 Jlinuten. Schmerzen an Kreuz, Bauch, Symphyse. Lebhafte Klagen. Muttermund 3 Mk. -Stück gross. Nase : massige Schwellungen, ausgesprochene Cyanose.

Die Patientin wird zunächst eine Stunde beobachtet; dann wird auf Wunsch des Assistenten der Frauen-Klinik Herrn Dr. Koblanck

6 -20 das Cocain reichlich auf indifferente Stellen der Nase (Na- senboden) aufgestrichen.

Trotz versuchter Suggestion bleiben die Wehen (jetzt alle 3 Minuten) so schmerzhaft wie zuvor und die Klagen der Patientin sind sehr ausgesprochen.

Eine halbe Stunde später

6.50 Cocainisirung 20®/(, der unteren Muscheln und der Tuber- cula septi.

6-53 Merklicher Nachlass der Schmerzhaftigkeit, besonders der Bauchschmerzen.

6"56 auch der Kreuzschmerzen. Nur Druck über der Symphyse

bleibt,

6-58 , 7-01, 7-03, 7-05, 7-07. 7-09, 7-H, 7-13, 7-15, 7-16, 7-18, 7-21 etc. bis 8"50 Status idem.

9-15 Geburt.


59


Hier ist direct erwiesen, dass nur Cocainisirnng der specifischen Stellen der Nase den Weliensclimerz aufzulieben im Stande ist.

Martlia K . . li, Näherin, 20 Jahre. I para. '

12. Juni 1895. 5’51 Nachm. Im 6. Lebensjahr Liphterie. In- fluenza vor 2 Jahren. Darnach Keratitis, sehr viel Kopfschmerz. Un- wohlsein regelmässig, seit dem 13, Jahr, nur unbedeutende (Kreuz-) Schmerzen.

Wehen seit Nachts, dann Nachlass. Wiederbeginn seit 10 Uhr Früh. Leichte Schwellung an beiden Tubercula septi, geringe Cyanose. Iluttermund 3 Mk. -Stück gross.

6’06 Cocain 20 °/q Wattebausch.

6-10 Wehe (Kreuz- Bauch-Symphyse) etwas weniger schmerzhaft. 6't3 Zweite Cocainisirnng

6-18 Kreuzschmerz noch stark, aber geringer. Bauchschmerz fehlt. Sehr kräftige Wehe. (1 Min.) Schmerzen über der Symphyse und in der Hüfte !

6 '21 Sehr kräftige Wehe, Kreuzschmerz sehr gering, Bauch- schmerz fehlt. Sonst ebenso.

6'23 Keine Kreuz- und Bauchschmerzen, nur etwas Schmerz in der Gegend des Poupart’schen Bandes.

6-26j 6'28, 6‘31 Ebenso, und noch etwas Schmerz am Steiss. 6-35, 6-38, 6-43, 6-48, 6-ö4, 7‘00, 7‘03, 7‘05, 7‘08, 7-14, 7‘2->, 7’40, 7’44, 7'49j 7'ö5, 7'58. Nur geringe Steiss- und Symphysen- schmerzen und ab und zu auch schmerzhafte Empfindung in der Ge- gend des Poupart’schen Bandes. Keine Kreuz-, keine Bauch-Schmerzen.

Erst 8‘00 beginnen die K r euz schmci'zen wieder zu erscheinen, Patientin, die bisher ruhig war, klagt lebhafter, die Kreuzschmerzen werden heftiger, strahlen später in die Hypogastrien aus (Wehen

8- 05, 8-08, 8-11, 8-15, 8-20, 8-26, 8‘32, 8-36, 8’41) so dass

8-48 wiederum cocainisirt (20*^/o) wird.

Diesmal hilft die Cocainisirnng ziemlich schnell.

8'ö0 ist die Wehe schon etwas iveniger schmerzhaft.

8'52j 8'54 ebenso, die Kreuzschmerzen sind bei’eits auffiillig ge- ring, Bauchschmerzen fehlen.

8‘57 Kreuzschmerz nur noch angedeutet.

8-59 Kreuzschmerz verschwunden. Die Patientin hat zu klaren

O

aufgehört.

Wehen 9‘OG, 9-09, 9'15, 9T6, 9-22, 9-26, 9*32, 9'35, 9*37, 9'39, 9'41,

9- 43, 9-45, 9-48, 9-51, 9'53, lO'OO, lQ-05, 10’09, lQ-14, 10'18, 1Q23.

Kreuzschmerzen und Bauchschmerzen fehlen dabei vollkommen, nur etwas Steiss- und Symphysenschmerz. Jetzt wird die Blase gesprengt. Die Geburt ist kurz vor 11 L’hr erfolgt.


60


In diesem Beispiel ist die Wirksamkeit des Cocainversuches zu zwei verschiedenen Malen erwiesen worden. Auch der Wieder- eintritt der kSchmerzen mit Nachlass der Cocainwirkuno’, die von 6-33 bis 8 Uhr angehalten hatte, ist sehr markant. Ebenso die prompte Wiederbeseitigung der Schmerzen.

Fall 54. Charlotte B . . . . 1, Dienstmädchen, 23. Jahre. I para.

15. Juni 1895. 3‘16 Ulu’ Nachm. Unwohlsein schmerzlos, regel- mässig, seit dem 15. Jahre. Wehen seit gestern. Blase steht. Muttermund 1 Mk. -Stück gross. I. Scliädellage. Kopf noch über dem Beckeneingang. Nase: deutliche cyanotische Schwellungen an den unteren Muscheln und den Tuberculis septi Schmerz : Kreuz-Baucli-Symphyse.

3-16 Wehe IY4 Minute Dauer, sehr schmerzhaft.

3'18 Cocain 20^/^ AVattebausch.

3-19 AVelie 1^4 Minute ebenso schmerzhaft.

3-22, 3-25, 3-29, 3-31 dasselbe.

3*33 Zweite Cocainisirung 20°/(,, Nase noch recht empfindlich.

3-35 nur Steiss- und Symphysenschmerz, kein Kreuz- und kein Bauchschmerz. „Der Schmerz ist nach unten gegangen.“

3-40^ 3‘45, 3'4^6, 3‘48, 3‘o2^ dasselbe. Nur am Steiss und über der Symphyse kurze Schmerzen.

Da ich die Beobachtung unterbrechen muss, notirt der Practicant, dass die früheren Kreuz- und Bauchschmerzen erst 7 '20 wiedergekehrt seien.

Die AAurkung hat also diesmal 3^/^ Stunden angehalten.

Fall 55. AA^ i 1 h e 1 m i n e Z . . . e, 36 J a h r e. III para.

21. Juni 1895. 11^4 Uhr Vorm. Hatte immer Dysmenorrhoe. (Schmerzen in Kreuz und Bauch überdauern den Bluteintritt.)

Blase gesprungen. Muttermund 5 Alk.-Stück gross.

Nur rechtes Tuberculum septi geschwollen. lUreits tagelang be- stehen Kreuzschmerzen. AA'ehen seit einigen Stunden: Schmerzen an Kreuz, Bauch, Symphyse.

11-53 Cocain 20 ^/q an den Genitalstellen der Nase.

11-54 sehr schmerzhafte AA^ehe.

11- 56 Bauch- und Kreuzschmerzen geringer.

12- 00 Bauchschmerzen fort, Kreuzschmerz ganz gering, nur immer stärkeres Drängen nach unten.

12-02j 12-04j 12-06 u. s. w. alle 2 Almuten. Kreuzschmerz ganz verschwunden.

12-30 nur Drang nach unten. Abbruch der Beobachtung.


61


Hier sind die schon vor dem Weheneintritt tagelang beste- henden nnd dauernd vorhandenen Krenzschmerzen el)enfalls dem Cocain prompt gewichen. Sie waren also — wie so häufig — auch ein Fernsymptom von der Nase aus.

Emilie W .. f, 22 Jahre. II para. Faiise-

22. Juni 1895. 9 Uhr Früh. Unwohlsein immer unregelmässig, öfters JEonate Pause. In solchen Fällen Dysmenorrhoe (Kücken- und Bauchschmei’zen). Jlit 9 Jahren Scharlach, dazmach haben sich echte epileptische Krämpfe entwickelt.

Letzte Kegel im November.

Wehen seit mehreren Stunden. Alle paar Jlin. Kreuz-, Bauch- und Symphysenschmerz. Nase : untere Muscheln (besonders links) stark ge- schwollen. Tub. sept. deswegen nicht .sichtbar. 1. Schädellage, Mutter- mund 5 5Ik. -Stück gross.

9 ‘06 lange starke AVehe.

9*09 Cocain 20®/^ links, sofort starke sehr schmerzhafte AA^ehe.

9'11 Cocain 20^/^, rechts.

9’15 Wehe, kein Kreuzschmerz, kein Bauchschmerz. Nur Sym- physenschmerz.

9 - 17 , 9 - 19 , 9 - 23 , 9 - 26 , 9 - 28 , 9 - 30 , 9 - 31 , 9 ’ 33 , 9 ' 35 , 9 ' 37 , 938 ,

9'40 Stad. id. Untersuchung: Aluttermund verstrichen.

9 - 40 , 9 ' 42 , 9 ’ 44 , 9 ' 46 , 9 ' 48 , 9 ' 49 , 9'50 AVelien jetzt ohne Pause.

Nur Symphysenschmerz und Drängen nach unten. Kreuz und Hypo- gastrium völlig frei. Pres.swehen. Blase steht noch. Um lO'lO Geburt (Blase springt erst beim Vorschiessen des Kopfes).

Martha L n, 21 Jahre. I para. Fall 57.

22. Juni 1895. 12'13 ALittags. Unwohlsein seit 15. Jahr; regel- mässig, schmerzfrei, ziemlich reichlich. Blase steht, Aluttermuud 50 Pfennigstück gross.

Vorwehen mit Kreuz- und Bauchschmerzen. Nase: Aluscheln und tub. septi geschwollen (links mehr als rechts).

12‘13 Cocainisirung der Nase 20 ®/q, Nase blutet dabei. Dann eine AVehe mit Schmerz.

12-31 Zweite Cocainisirung 20®/^. Nase noch empfindlich.

Die Wehen sollen darnach — ich wurde abgerufen — bis Uhr Nachmittag schmerzlos gewesen sein.

Um 6 Uhr sei die Blase gesprungen.

7-45 Avo ich die Patientin wieder sah, heftige Kreuz-, Bauch- und Symphysen-Schmerzen.

Aluttermund 3 Alk. -Stück gross.

Nase: untere Aluscheln mässig geschwollen. Tuberc. sept. dextr. stark gescliArollen, sinistrum schwächer.

(Alittags umgekehrt., siehe oben.)


02


7-45j 7-48, 7-54 heftige Wehen.

7-56 Cocain 20®/(j.

7- 57, 8‘06, Wehen ebenso schmerzhaft. Um 8’10 werden Kreuz- schmerzen kürzer, Bauchschmerzen felilen.

8- 16 Dritte Cocainisirung 20 ®/q. Nase nocli empfindlich.

8‘16, 8'18 Kreuzsclimerzen sehr gering.

8- 23, 8-28, 8-32, 8-36, 8‘38, 8*40, 8'42, 8’45, 8-47, 8-51, 8‘54, 8’58 Bei allen Wehen nur k u r z e r Symphysenschmerz, sonst keinerlei Schmerzen.

9 Ulir : etwas Steissschmerz tritt auf.

9- 02^ 9-05 ebenso. Muttermund 5Mk. -Stück gross.

9-11 Kreuzschmerzen erscheinen wieder und verstärken sich all-

mälig.

9-14, 9-lG, 9-18, 9-21, 9-24, 9-26, 9-30, 9-33, 9-35, u. s. w. alle 1^2 — 2 Min. Die Kreuzschmerzen sind seit etwa 9.2ü schon sehr hef- tig geworden. Der jetzt beobachtende Practicant berichtet, dass sie es bleiben.

1-60 Beginn der Austreibung.

2’35 Nachts Geburt.

Emma H . . 0. I para.

26. Juni 1895, abends Uhr. Phiwohlsein regelmässig, doch mit Schmerzen in Kreuz und Bauch, welche den Bluteintritt überdauern.

Letzte Kegel Anfang November. Blase steht. Muttermund 3 ]\lk.- Stück gross. Erste Steisslage.

Nase : Schwellung der Genitalstellen links stärker als rechts.

AVehen alle drei Min. Kreuz- und Leibschmerz ; 8’25, 8’’-8^ 8’30.

8-31 Cocainisirung 20 '^/q beider Nasenhälften (untere Muscheln und Tubercula sept).

Patientin ist sehr ungebärdig. Die rechte Nase blutet stark. AA^ehen ?

8-40, 8'43 keine wesentliche Aenderung gegen früher.

8-45 Pinselung in der rechten Nasenhälfte erregt wieder heftige Blutung.

8’52 kein Kreuz- und kein Bauchschmerz. Patientin ist ruhig geworden.

8- 57 ebenso.

9- 00 ganz kurzer Kreuzschmerz.

9'lä kein Kreuzschmerz. Der Schmerzrest beginnt jetzt an der Symphyse und zieht in die Hypogastrien.

9-25, 9-20, 9'35 etc. bis 10 Uhr: Stat. id. Abbruch der Beob- achtung.

In diesem Falle ist die rechte (blutende) Nasenhälfte zwei- mal, die linke nur einmal cocainisirt worden. Das hat indessen Lingereicht, um auch unter diesen ungünstigen A'erhältnissen die


spccifischeu Wehenselmierzen aiifzulieben. Der Sclimerzrest an der Symphyse ist mechanischen Ursprunges.


Marie S n, 18 Jahre. I para.

2. Juli 1895, Uhr Nachmittag. Menstruation seit dem 12. Jahr, 3 Tage, regelmässig, kein Schmerz. Letzte Hegel 7. November 1894. Vor 8 Tagen Oedem der Beine, etwas Alhumen im Harn. ■\Vehenschmerzen vor 7 Stunden begonnen, dann Pause, jetzt IVieder- beginn. Kreuz-, Bauch-, Symphysenschmerz.*) Nase links normal, rechts untere iMuschel und Tuberculum charakteristisch geschwollen, cyanotisch.

4‘55 es wird versuchsweise nur die rechte untere Mmschel und das rechte Tuberculum septi cocainisirt (20°/o).

4-56 IVelie unverändert schmerzhaft.

4- Ö8 die rechtsseitigen Schmerzen haben etwas nachgelassen, so dass jetzt ein Unterschied zwischen rechts und links nicht zu sjiüren ist.

5’01 rechts und links gleichmässig, aber noch Aveiterer Nachlass der Schmerzen.

5- 04j 5'07 ebenso.

5-08 rechts noch geringe Kreuzschmerzen, links keine Kreuz- schmerzen mehr. Im Bauch beiderseits nur Schmerzandeutung.

5-10, 5-12, 5-14, 5-16, 5-18 5-20, 5-22 ebenso.

5-23 Cocainisirung auch der linken Nasenhälfte, die, wie die rechte sehr empfindlich ist.

Die Klagen der Patientin haben bereits seit Nachlass der Kreuz- schmerzen aufgehört.

5'26 keine Kreuzschmerzen mehr, keine Bauchschmerzen, nur ein wenig Drängen über der Symphyse.

5.30. 5‘32, 5‘33 5‘34 bis 5‘37 derselbe Befund.

5'37 • da bei Sondirung der rechten Nasenhälfte dieselbe sich noch als empfindlich erweist, erhält sie noch einen Tropfen Cocain.

5'38, 5'40^ 5'42j 5’44 schmerzlos, u. s. w. noch 7’lOj wo die Blase springt und Jluttermund handtellergross ist.

Die Beobachtung Avird unterbrochen bis 9 Uhr 30 Min. Kreuz- und Bauchschmerzen fehlen noch immer, der Schmerz an der SA'm- physe Avird heftiger. Er steigert sich bis 10 Uhr 45 Min., avo die Herz- töne der Frucht schAvächer werden und daher nach Incision des Mutter- mundes mittelst Zange der erste Zwilling geboren AAÜrd. Darauf sisti- ren die Wehen bis zum nächsten Vormittag, wo die Kreissende vom zAveiten ZAvilling durch die Zange entbunden Avird.


In diesem Falle ist durch Cocainisirung der rechten Nasen- hälfte der verstärkte rechtsseitige Schmerz vermindert, der linke völlig aufgehoben. Der rechtsseitige Schmerzrest Aveicht dann einer


^ Angeblich rechts in Kreuz und Bauch stärker. Blase steht, Muttermund r uniinarkstuck gross.


64


Cocainisiriing der linken Nasenliälfte. Die nervöse Verbindung ist also eine teihveis gekreuzte, wie dies aucli bei der Dysmenorr- hoe beobachtet worden ist.*)

Fall 60 . Louise P g, 25 Jahre, Nilherin. II para.

2. Juli 1895. 31/2 Uhr Nachmittag. Erstes Kind vor 8 Jahren. Unwohlsein ursprünglich schmerzlos. Seit Geburt des ersten Kindes ist es allmälig schmerzhafter geworden. Die Kreuz- und Bauchschmerzen beginnen einen Tag vor der Menstruation und überdauern den Blut- eintritt 2 — 3 Tage. Im übrigen ist die Menstruation regelmässig, be- steht seit dem 15. Jahr. Letzte Pegel am 26. September. Blase seit einer Stunde gesprungen. Erste Schädellage. Seit sechs Stunden stär- kere Wehenschmerzen, im Bauch und an der Symphyse stärker als im Kreuz. Patientin ist bis zu ihrer ersten Schwangerschaft in Nasen- behandlung gewesen.

3'35: Cocainisiriing 20 ®/q.

3-55 Kreuz- und Bauchschmerz fehlt vollständig. Die Patientin, die früher fortwährend geschrieen hatte, ist vollkommen ruhig geworden. Sie klagt nur noch über einen Drang nach unten. „Die Schmei’zen sind jetzt nur innerlich.“

Muttermund jetzt vollständig erweitert. 4.30; Kopf kommt zum Einschneiden. Bis dahin keinen Klagelaut mehr.

®’aii 61- Elisabeth W . . . . r, Dienstmädchen, 18 Jahre. I para.

7. Juli 1895. 6 Uhr Nachmittag. Menstruation schmerzlos,

3 Tage lang, nicht sehr stark. Intervall genau 28 Tage. Letzte Kegel 17. October. Blase steht; Wehen alle 3 — 4 Min. seit heute früh 11 Uhr. Schmerzen in Kreuz, Bauch und über der Symphyse. Nase rechts und links cyanotisch, mässig geschwollen, links mehr als rechts. Patientin war vor 2 Tagen untersucht worden, hatte damals schon cyanotische Schwellungen. Am nächsten Tag bekam sie bereits Kreuz- schmerz, der den ganzen Tag über währte. Während der Schwanger- schaft hat Patientin häufig, zuletzt beständig Schläfenkopfweh gehabt, die sie sonst nicht kannte.

6-21 Cocainisiriing 20 °/q.

6-22 Wehe unverändert.

6*25 weniger Kreuz- und Bauchschmerzen.

6‘29 dito. Bauchschmerz nur angedeutet.

6'32 dasselbe.

6-34 Zweite Cocainisiriing. Nase noch empfindlich.

6-35 ganz kurzer Schmerz im Kreuz.

6’38 leichtes Ziehen in Kreuz und Bauch.


  • ) Vergl. Seite 13.


G5


ß-41 g-anz wenig Kreuzsehmerz, keine Banchschinerzen.

(j'43, 6'45 dasselbe. Die Sclimerzen sind g'egen früher kaum nennenswert.

6.47 nur ein kurzer Kuck im Kreuz.

6'49 dasselbe.

6‘54 Kreuzschmerz kaum merkbar.

()-56 gar kein Kreuzsehmerz mehr.

7-01, 7-03, 7-05, 7-11, 7-13, 7-15, 7-17, 7-19, 7-21 dasselbe.

7-25 Kreuzschmerzen beginnen ein wenig.

7 -- 20 , 7'31, 7'33, 7'35, 7-41, 7’48, 7*52^ 7.55 : die Kreuzschmerzen haben sich während dieser Wehen nach und nach verstärkt. Die Wehen kommen jetzt alle 2 — 3 Minuten und die Hchmerzen wachsen allmälig wieder zur früheren Höhe an.

11-38 wird der Cocainversuch 20®/^ wiederholt. Die Wehen 9*40, 9-42, 9*44, 9‘46 sind gleich schmerzhaft.

9’48 lässt der Kreuzschmerz nach.

9-52 Abermalige Cocainbepinselung 20 ®/q.

9*58 haben die Kreuzschmerzen aufgehört. Der Muttermund ist jetzt handtellergross. Status idem bis

l(>4y. Jetzt erscheinen die Kreuzschmerzen wieder, um allmälig stärker zu werden und gegen 11^2 ^^^f der früheren Höhe

zu sein.

Abbruch der Beobachtung.

Frau Louise S z, 46 Jahre. XI para. Fall c

9. .Juli 1895, H'/g Fhr früh. Menstruation, die mit 16 .Jaliren zuerst erschien, bis zur Verheiratung immer schmerzhaft. Dann gleich C'onception. Seit der ersten Entbindung schmerzlos, ausser, wenn sich l*atientin „erkältet“ hat („kalte Küsse“). In diesem Kall ist die Men- struation stets von Schmerzen begleitet.

AVeben seit 3 Uhr Xachts. Muttermund drei Querfinger, 1. Schä- dellage (mit nach rechts abgewichenem Kopf), plattes Becken. Blase steht. AVährend der Gravidität vom 3. Alonat an Schwindel, Kopf- schmerz, Ohnmacht, Erbrechen. Nase: am vorderen Ende der linken mittleren Muschel, knollige Hypertrophie. Als Jlädchen und während der letzten Gravidität viel Magenweh. Muscheln und Tubercula septi mit geringen, etwas cyanotischen Schwellungen. Kechte Nase weit. Patientin schnaubt viel Eiter aus (Siebbein-Eiterung).

AVeben alle 6 — 10 Alin.

11*30 Fruchtwasser Hiesst ab. Die AVeben sind von heftigen Kreuzschmerzen begleitet. Patientin jammert.

11*33 Cocainisirung 20®/o. Schwellung jetzt hauptsächlich rechts.

Bei der Cocainisirung blutet es heftig.

11*30 geringere Kreuzschmerzen.

11*38 fast keine Kreuzschmerzen.

11.42 keine Kreuzschmerzen.

Fliess, Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. .5


— ()() —


1 1'45 Htoissschrnerzou.

11 '48 dito.

11-50 nur Symjdiyscnscliuierz.

11-53. 11-56| 11-58, 12'OÜ, 12.03, 12-06, 12-10 u. s. w. bis 12-40; keine Spnr yon Kreuzsclimerzen, nur sclunerzliafter Di’uck ül)er der Symphyse.

12’4:2 beginnen die Kreuzsclimerzen wieder und yerstärken sich allmäli*;'. Alle 2 Minuten Wehen. Die Kreuzschmerzen ülierdauern aber die Wehen und rühren offenbar yom Druck her. Sie lassen sich durch eine neuerliche Cocainisirung (l-04j nicht beeinflussen. Die Geburt ist bis 6 Lhr Nachmittags nicht yorwärts gegangen (vordere Scheitelbein- stellung). Kreuzschmerzen permanent. Patientin wird schliesslich durch Zange am hochstehenden Kopf“ entbunden.

Fall 63

Agnes Iv a, 28. Jahre. II para.

18. Juli 1895, 6 Plir 45 Min. Erste Entbindung vor vier Jahren. Letzte Kegel December. Unwohlsein gewöhnlich schmerzlos, regelmässig, acht Tage lang, sehr reichlich. IMuttermund 3 ^Markstück gross, Blase steht. Wehen seit heute IMittag 1 Uhr, Kreuz-, Bauch-Symphysen- schmerz, alle2- — 3 Minuten. Nase: rechte, untere Muschel und Tuber- culum stark geschwollen, cyanotisch ; links wenig geschwollen.

Wehen: B-45, ß-48, 6*^^50, 6-53, ß-55, fl-58. 7-00, 7-02, 7-04, 7-06, 7-09, 7-10, 7-12, 7-14;

Erste Cocainisirung 20°/^, : 7'16.

Patientin ungebärdig, daher Cocainisirung unyollkommen. Bis 7'32 alle 2 [Minuten Wehen mit denselben Schmerzen wie fridier. Daher

7-32 zweite Cocainisirniig 20 ^ 1 ^ : Nase noch sehr empfindlich.

7 '33 Bauch- und Kreuzschmerzen werden geringer,

7’35 Bauchschmerzen fehlen. Kreuzschmerzen ganz gering.

7-37 Kreuzschmerzen verschwunden.

7’39, 7'41, 7'43, 7'45 vi. s. w. alle 2 Min. derselbe Befund, welcher noch 8'15, wo die Beohachtung abgebrochen wird, besteht. Der Schmerz über der Symphyse ist unverändert.

Frau A .... p, 36 Jahre, I para.

FallGf 1895. Vierzehn Jahre verheiratet. Unwohlsein regel-

mässig alle vier Wochen, vom 16. Jahr ab. Stets einen 'hag vor Eintritt der Periode Schmerzen: im Kreuz gering, im Bauch sehr stark.

Die Schmerzen überdauern den Bluteintritt und sind am ganzen ersten Tag der Kegel vorhanden. Seit drei Tagen ATrwehen.

20. Juli 1895, 9 Uhr Vormittags: seit heute Früh kräftige Wehen mit Kreuz- und Bauchschmerzen (im Bauch stärker als im Kreuz, ganz wie beim Unwohlsein). [Muttermund handtellergross. Blase steht.

9-44 erste Cocainisirung heider Nasenhälften (“wegen Empfind- lichkeit der Ihatientiii nur sehr unvollkommen ausgeführt):


Wclieii: 9-15, 9'47, lO'OO — keine Veränderung,

10'02 zweite Cocainisirung. Nase noch recht empfindlich.

lü’^^3 keine Veränderung.

10-06 geringere Kreuz- und Bauclischmerzen („so schlimm ist es nicht mehr“).

10-15 ganz wenig Kreuz- und Bauchschmerzen.

10-25 gar keine Kreuz- und Bauchschmerzen mehr. Sehr voll- kommener Erfolg !

10’33 geringer S t e i s s s c h m e r z.

10-43 keinerlei Schmerz. Nur Druck über der Symphyse.

10-52 bis 12-25, wo die Beobachtung abgebrochen wird, sind alle 'Wehen ohne Kreuz- und Bauchschmerzen; nur der Druck an der Symphyse ist allmälig zu einem intensiveren Schmerz geworden. Wehen alle 5 bis 10 Minuten.

Hier mag noch der Vollständigkeit halber ein Fall angereiht werden, der zwar durch die Kürze der Beohachtungszeit der Be- weiskraft entbehrt, indes doch nur in die Gruppe der Fälle mit positivem Ergebnis des Cocainversuches einzureihen ist.

Ida B . . . . g, 23 Jahre. I para.

17. Juni 189 j 5. 10 Uhr 38 Min. Vorm. Unwohlsein schmerzlos. Wehen seit 7 Uhr früh. Schmerzen in beiden Hy])Ogastrien; keine Kreuzschmerzen. iNIuttermund erweitert, Blase gesprungen. Wehen alle 2 — 4 Minuten. Nase; die unteren Muscheln stark geschwollen, Tuber- culum septi nur rechts sichtbar, etwas geschwollen.

10.42 Wehen sehr schmerzhaft. Cocainisirung nur der unteren Muscheln.

10-45 Wehe weniger schmerzhaft.

10-47 Schmerzen noch geringer.

10-50 sehr gelinde.

10 - 53 verschwunden. Bis

11- 00 schmerzlos, dann erscheint der Kopf in der Schamspalte.

Frau Antonie B n, 30, Jahre. I para. Faiiee

18. Nüv. 1895. Letzte Kegel 28. Fehr. Im 11. Jahr Schar- lach, sonst bis zum 14. Jahr ganz gesund. Erste ^Menses mit 14 Jahren, schmerzlos. Dann Pause von 6 IMonaten; die nächsten Menses waren sehr stark, dauerten 8 Tage, ebenfalls schmerzlos.

Von nun an unregelmässige Intervalle von meist 2 — 3 IMonaten. Stets 8 tägige Dauer. Im 16. Jahr begannen die Schmerzen, welche stets vor Eintritt der Blutung auftraten mrd den ersten Tag der Menstruation andauerten. Di(; Schmerzen sassen hauptsächlich im linken Hypogastrium, im rechten waren sie gei-ing; im Kreuz eine schmerzhafte Schwere. Ausserdem hat IMtientin seit ihrer Puljer-

. 5 *


68


tat an unre^-elmässigem 8tulil, Magenscliincrzen und Bleicdisucht gelitten, ln den ersten Monaten der Schwangerschaft Erbrechen. \'oni Beginn der Gravidität linksseitige Kopfsclinierzen, die bis vor einer Woche fast täglich erschienen und 1 — Stunden dauerten. Vor 6 Tagen liat sich Patientin Sclniupfen und Husten zugezogen. Die Nase weist be- sonders in der rechten Seite die entzündlichen Schwellungen der Coryza auf. Die inenstruellen Eigentümlichkeiten sind nicht festzustellen (wegen Coryza y) Wehen seit gestern. Blasensprung seit Wehenheginn. Jetzt Eröfl’nungsperiode. AVehen etwa alle 4 Minuten.

1 •40 N achin.; AVehe, Kreuz- und Bauchschmerzen, links ausgeprägter.

1- 50 dito.

I'ö4 dito.

l'öG Cocainisirung beider Nasenhälften 20 ®/q.

2- üO AVehe unverändert.

2*03 zweite Cocainisirung.

2-04 keine AVehe. Patientin sagt „im Kücken und Leib geht mir wie eine J^ast fort.“

2‘ü5 AA'ehe. Keine Kreuz- und Bauch-, nur etwas Steiss- und Symphysenschmerzen.

2’07 dito.

2- 10, 2-13, 2-18, 2-20, 2-20, 2-28, 2-32, 2-35, 2-40, 2-43, 2’47, 2‘52j 2‘öG, 2'50, 3'03 schmerzlose AA^ehen, ausser geringen Empfindun- gen am Steiss und über der Symphyse.

3‘15 die Bauchschmerzen beginnen wieder in der AA'ehe.

3- 20 die Schmerzen ira Kreuz zeigen sich, wenn auch schwach.

3-27, 3’33, 3'45 die Schmerzen in Kreuz und Bauch verstärken sich.

3*48 Patientin sagt, sie seien so stark wie früher. Sie bleiben

es in den folgenden AA'ehen: 3’55, 3'58, 4-03, 4'07, 4-10, 4-17. Abbruch des Versuchs.

Hier hat die Cocainisirung der Nase während einer Stunde den typischen AA^ehenschmerz aufgehoben.

Fall 67. Margarethe W z, 18 Jahre, Dienstmädchen. I para.

18. November 1895, Abend 7 Uhr 45 Alin. Letzte Kegel: 5. Eebruar 1895. Menses mit 15 Jahren, immer unregelmässig. Pause 3 AVochen und weniger, selten 4 AA^ochen. Dauer 6 — 7 4’age, reich- lich. Stets Schmerzen, aber nur im Leib, niemals im Kreuz. Die Schmerzen dauern die ersten drei Tage der Kegel an. Bei der letzten Kegel am 5. Eebruar 1895, die besonders reichlich war, hat sie an an dem 4'ag, wo die Kegel erscheinen sollte, A'or dem Bluteintritt Er- brechen gehabt, was sonst nie vorkam. ln der Schwangersebaft kein Erbrecben, wobl aber im April und Alai äusserst heftiges Nasenbluten, das fast täglich auftrat. AA'ehen seit gestern Abend. Nur Bauchschmerzen. Die Patientin sagt selbst, die Schmerzen seien „wie beim LMwohlsein, nur stärker“.


69


Nase: Sclivvellimg der linken, nnteren IMuschel; starke Empfind- lichkeit auf 8ondenberülming beiderseits; Cyanose nicht festzustelleJi {Lampenlicht).

Wehen: 8-10, 8-17, 8-20, 8-25.

8-29 Cocainisirung beider Nasenhälften; unvollständig wegen Widerspenstigkeit der l’atientin.

AVelien: 8.3-4, 8.38, 8-42, 8-48, 8-53, 8-55 keine wesentliche Ver- änderung.

8- 57 zweite Cocainisirung beider Nasenhälften; dabei Wehe.

9- 01 Wehe ist schmerzlos.

9-03 ebenso.

9-05, 9’97, 9'09, 9-1 1 (Blase springt).

9-13, 9'17, 9’20, 9‘23 ebenso.

9- 25 J’atientin fangt zu pressen an. Von jetzt al) beginnen Schmerzen nach dem After zu.

Austreibung.

11.20 Creburt.

Hier dauerte die Möglichkeit der Beobachtung des Cocain- einhusses nur 23 Min. Während dieser Zeit aber war der Erfog vollkominen,

Marie G a, 31 Jahre. II para. *

10. Nov. 1895. 10 Ehr 29 jMin. Abends. Erstes Kind vor 5 Jahren. Kinderkrankheiten, Bleichsucht, Gallensteine. Menses mit 15 Jahren, unregelmässig. Nach der ersten Niederkunft sind sie regelmäs- sig geworden. Schon als junges ^lädchen hat sie immer Schmerzen bei der Kegel gehabt, nach dem ersten Kind haben sich aber diese Schmer- zen sehr A'ermehrt. Die Schmerzen beginnen einen d'ag vor der Kegel, überdauern den Bluteintritt und halten noch am 2. Tag der Kegel an. Sie ziehen vom Kreuz zum Bäuch. Letzte Kegel Ende Januar. Es besteht Hydraninion. Blase steht. IMuttermund 5 Mk. -Stück gross. Wehen seit 3 Tagen, schwach. Seit heute früh 10 Uhr vermehrt. Jetzt ca. alle 2 3Iinuten, Schmerzen vom Kreuz zum Bauch, ausserdem über der Symphyse. Nase: rechts und links geschwollen, links cyanotisch; gegen Sondenberührung besonders links stark empfindlich.

10’29 Wehe, 1 3Iin.

10- 31, 10-33, 10-35 MThen, ca. 1 Min.

10-3G Cocainisirung beider Nasenhälften.

10-37 Wehe, Schmerzen nnverändert.

10-40, 10-42 ebenso.

10.43

zweite Cocainisirung. Nase noch empfindlich.

10-44 Kreuz.schmerzen lassen nach.

10-45 keine Kreuzschmerzen, nur etwas Steissschmerz und Schmerz über der Symphyse.

10-49 Schmerz nur über der Svmpbyse.


70


lO'öl, lO'ij-t, lü'ijC) dito.

lO'ö'J ..icli habe im Kreuz keine Spur von Sclimerzcn'k

ll-oi, 11-03, 11-05, 11-07, 11-10 ebenso.

11-1-2 Sclimerzeii im Kreuz treten ein wenitr auf.

11-1+ die Schmerzen gehen wieder hölier,, „sind al)er niclit ent- fernt so stark, wie vorher“.

ll-K', 11-18 ebenso.

11-20, 11--2-2 mehr Kreuzschmerzen.

11-24 ahermalige Cocainisirung. Nase wieder etwas empiindlich,

11-25 im Kreuz lässt der Schmerz nacli.

11-27 fast keine Kreuzschmerzen mehr.

11-20 gar keine Kreuzschmerzen; nur etwas Steiss- und Sym- physensclunerz.

11-30, 11-33 die Kranke Imt so wenig Schmerzen, dass sie mich aus Dankharkeit umarmt.

11-35, 11-38, 11-40 keine Schmerzen.

Ebenso l)is 11-50.

Dann beginnen die Kreuzschmerzen wieder und werden nacli 12 Uhr stark.

Versuch abgehrochen .

Die Cocainisirung liat hier heidemale kna])p ^2 *^Vinde ihre volle Wirkung entfaltet.

Patientin ist in der Kacht A'om 11. zum 12. niedergekommen. Sie hat die beiden folgenden Tage Xachwehen gehabt, zum l’eil ziem- lich hefti»:. Sie beschreibt die Schmerzen dabei als «ranz analog den Wehenschmerzen. Der Cocain-A'ersuch konnte nicht gemacht werden, weil ich die Patientin erst heute, 14. Xovember Aliends, in einer schmerzfreien Periode sah. Die Xase ist noch beiderseits geschwollen und auf Sondenberührung, besonders links, einptindlich.

Hier hatte eine Patientin mit nasaler Dysmenorrhoe, wo die Schmerzen stets noch am 2. Tag- der Regel andauerten,

1. bei der Geburt echten Wehenschmerz mit positivem Co- cainversuch,

2. Nachwehen, während der ersten 2 Tage des Wochen- bettes. Die Analogie mit den Schmerzverhältnissen bei der i\Ien- struation ist also nicht zu verkennen.

Anna R h, 25 Jahre, Dienstmädchen. I para.

11. Xovemb. 1895. 12 Idir 10 IMiii. IMittags. Letzte Regel 26. .Januar. Hat erst im 19. -lahre die erste I\lenstruation bekommen. Vorher arge Rleichsucht und häuliges Xasenbluten, täglich 5 — 6 mal. Das Xasenl)luten hörte auf, als die IMenstruation erscliien. Zuerst waren die Menses unregelmässig. Pausen A'on 8, 6, 4 und 2 AJ ochen. Später


71


sind die ^[enses in genau 28 tägigem Jntervall ersc-liienen, selten einen d'ag später. Dauer 6 — 8 Tage, ziemlich reichlich. Niemals »Schmerzen dabei. Wehen seit vorgestern Nacht; seit heute früh 3 Uhr stärker.

Muttermund jetzt handtellergross. Blase steht. Wehen alle paar ^Minu-

ten. Nase, die nach Angabe der Patientin seit 8 ^lagen durch staike \'erstopfung die Athmung behindert hat, etwas cyanotisch; links stärken- geschwollen als rechts und dort auch mehr blauroth. Empfindlichkeit auf Sondenberührung mässig. Wehenschmerz vom Kreuz zum Bauch. Die Kreuzschmerzen dauern länger als die ehe.

AVehen: 12-lt), 12'ti5, .12-15, 12-18, Kreuz- und Bauchschmerzen.

12-lü Cocainisirung beider Nasenhälften, wobei es aus der lin- ken Nasenseite blutet.

12--1 unverändert.

12-’-ä Kreuzschmerz endigt mit der AA ehe, während er vorher bis zur nächsten AVehe anhielt.

12---Ü dasselbe.

12-30 zweite Cocainisirung.

12-33 AA'ehe, fast keine Bauchschmerzen mehr.

12-38 AVehe, Schmerz vom Kreuz zum Bauch hat ganz aufge- hört; Patientin, die vorher geklagt hatte, verzieht kaum das Gesicht.

12-50, 12-55 dito.

1-06 nur ein wenig Schmerz an der Symphyse.

1 - 1 - 2 , 1 -- 2 - 2 , 1 -- 27 , 1-34 dasselbe. Keine Kreuzschmerzen.

Versuch wird abgelirochen. Die AVehenpausen sind seit der zwei- ten Cocainisirung merklich grösser. Die AVehen selbst dauern wie vor- her ^2 — Alinute, Die Cocainwirkung erstreckt sich hier ülier eine Stunde.

Aus allen bisher beschriebenen 27 Fällen geht ganz unzAveifelhaft hervor, dass es gelungen ist. durch Cocainisirung der bei den unteren N a sen-A[uscheln und beider Tubercula septi den typischen vom Kreuz in beide Bauchseiten aus strahl enden, die Wehe beglei- tenden Schmerz zu beseitigen, oder doch auf ein Ali- nimum zu reduciren. Die Nasencocainisirung braucht zu dieser AVirkung Zeit. Es vergehen stets mehrere Alinuten (meist zwischen b und 10 Minuten) bis die erste Beeinflussung deutlich wird; häufig aber dauert es fast zwanzig- Minuten und bedarf eines mehrmaligen Bestreichens der Nasenstellen mit 207o Cocainlösung, bis der Effect vollkommen ist. Es ist intra partum eben viel schwerer die Nase anästhetisch zu machen, als etwa bei einem gewöhnlichen dysmenorrhoischen Anfall.


Die ISasencocainisirung’ schaltet aus den sensiblen Erscheinun- gen, welche die ehe hervorruft, einen bestimmten Schmerzcom- plex aus, eben den oft erwähnten vom Kreuz ausgehenden, in die Hypogastrien ausstrahlenden, ziehenden, geAvohnlich heftigen Schmerz, der dem (nasal) dysmenorrhoischen in auffallend vielen Puncten gleicht. Die übrigen peinlichen oder auch schmerz- haften Empfindungen der Wehe bleiben von dem Co c ai n ver s u c h unbeeinflusst. In erster Linie Avird nie- mals jenes Druck- oder Schmerzgefühl» in der Gegend über der Symphyse (Regio suprapubica) abgeändert, das fast constant die Uteruscontractionen begleitet und als Dehnungsschmerz zu deuten ist. Unverändert bleiben auch Schmerzen am Steiss, die oft, aber nicht mit solcher Constanz Avie die suprapubischen Bauch- schmerzen erscheinen und die Avohl durch den Druck des kind- lichen Schädels Amrursacht sind. Auch das Dräno-en am After und die anderen Amginalen und Auihairen Schmerzen der Aus- treibung Averden selbstredend Amn der Käse her in keiner Weise gelindert.

Man darf also den „typischen Wehenschmerz“ (Kreuz- B auchschmerz), als einen zusammengehörigen sensiblen C o m p 1 e x betrachten, der a" o n d en andere n mechanisch A^er ursachten Weh en e m pf i n d u n g en ab- z u t r e n n e n ist.

So sehr häufig dieser Complex die Wehe auch begleitet: ein n otliAvendiges Accidens ist er nicht. Es gibt Adele Kreissende, die nicht eine Andeutung dieses Schmerzcomplexes bei ihren M eben haben. Dabei können die mechanischen Schmerzen in allerAmr- schiedenstem Grade Amrhanden sein.

Ich habe Beispiele gesammelt, durch Avelche dieses alltägliche Verhalten demonstrirt Avird.

In einigen dieser Fälle ist Experimenti causa auch der Cocain- Amrsuch angestellt worden, doch stets mit dem A"or her gesehenen und Am raus ge sagten negathmn Erfolg, der scharf mit dem positi- ven Ausfall bei den früheren Beispielen contrastirt.

Frau B . . . k, 23 Jahre. I para.

24. Mai 1895, 11 Ülir 2(5 Min. Vorm. UnAvolilsein reo’elinässig, schmerzlos. Wehen seit Xachts ein Uhr; jetzt alle 2 — 3 ]\Iin. Schmerzen


Fall 70.


mässigen Grades nur au der Hymphyse, die von der Patientin als schmerz- hafter Druck nach unten empfunden werden. (Kein Kreuz-, kein Hypogastrieuschmerz .)

Blase um 10 Uhr gesprungen. Muttermund handtellergross.

Nasenbefund : keine erheblichen ►Schwellungen.

Wehen 11--20, 11-27, 11-28, 11-30, H-32 etc.

1132 Cocainspray; ll'-Hi Cocainspray wiederholt.

1150, 1152, 1154 bis 12 Uhr keine Aenderung.

Marie B r, 28 Jahre. II para. Fall 7i

30. Mai 1895, 9 Uhr 40 Min. Vorm. Niemals ünwohlseinsschmerzen. Wehen seit gestern Abend. Pausen 4 — 5 Min. Enges Becken. Keine erheblichen Nasenschwellungen. Bei der ersten Entbindung hat Patien- tin nach eigener Aussage wenig Schmerzen gehabt.

Diesmal hat sie geringe Schmerzen über der Symphyse und am Steiss; jedoch gibt Patientin keinen Klagelaut von sich.

Wehen, 9-35, 9-40, 9-42.

Um 9-44 experimenti causa Cocainversuch.

9-48 Stat. id.

9-50 die Steissschmerzeu sind stärker.

9-52 ebenso.

Bei Untersuchung der Patientin springt jetzt die Blase. Mutter- mund verstrichen. Nabelschnur fällt vor. Patientin wird hierauf sofort in der Klinik demonstrirt.

Auguste H . . 1. IV para. ‘2.

30. Mai 1895, 1 1 hr 18 Min. Mittags. Unwohlsein immer schmerz- los, alle 3 Wochen. Wehen seit gestern Abend. Nur Druck (kein Schmerz) über der Symphyse. Sonst keinerlei Schmerzen. Muttermund 5 Mk. -Stück gross. Blase steht.

Wehen, 1-18, 1-21, 1-24, 1-28 etc.

Patientin stöhnt nur über den Druck. Beobachtung bis 2 Uhr ergieht nichts Anderes. Cocainversuch nicht angestellt.

Frau F &? 28 Jahre. I para. Fall 73 .

  • 2. Juni 1895. Menses mit 1.3. Eebeusjahre, unregelmässig. Letzte

Kegel August oder September.

Niemals Ünwohlseinsschmerzen. AVehen seit gestern, Muttermund 3 Mk. -Stück gross. Keinerlei Schmerzen. Druck über der Symphyse.

Kein Cocainversuch.


Emilie G . . . . h, Arbeiterin, 32 Jahre. II para. Faii74.

Juni 1895. Menstruation (vom 14. Jahre ah) stets schmerz- los, regelmässig, vierwöchentlich, 8 Tage lang, reichlich. Niemals irgend welche Beschwerden.


74


8 l hr 20 ^lin früh. Vor vier »Stunden Blasensprung. Seit drei Stunden Schmerz nur am Steiss und über der Sympliyse. AVehen alle

) Alin. AEuttermund für 2 (^uerfinger durchgängig, zweite Schädellage.

Xase : linke untere Aluscliel stark geschwollen, rechts weniger, Tuber- culum septi nicht zu sehen.

f)-2U AVehen Schlag auf Schlag. Prognose: Cocainisirung wird keinen Einfluss auf die Schmerzen haben. Wrsuch :

gründliche und ausgieljige Cocainisirung beider Nasenhälften,

AVehen 9-22, 9-25, f)-27, 9-2ü, y-35, y-ä7, y-40 _ nicht der geringste Nachlass zu bemerken. Noch einmalige Cocainisirung.

AA ehen; 9'42, y-45, y-47, y.50 etc. Ins ohne jeden Nachlass

der Schmerzen. Abbruch der Beohachtuu'




Clara E . . . . t, 20 .Iah re, Näherin. I para.

6. .Juli 189(5. Ihiwohlsein regelmässig, alle 4 AATchen, Dauer 1 Tag, aber sehr stark, vollkommen schmerzlos. Erste Alcnstruation zu 14 .Jahren. Ijctzte Kegel 29. Octoher, aber die vorangegangene Kegel schon auffällig schwach.

AVehen seit gestern Nacht, vollkommen schmerzlos, nur leichter Druck über der Symphyse. AEuttermund fast erweitert, Blase gesprungen, ziemlich -Niel AA'asser in den Eihäuten, erste Schädellage, normales Becken. Nase sehr regelmässig gebaut; Schwellungen gering, leicht cyanotisch. Kein Cocainversuch.

Anna S a, 2.3 Jahre. I para.

11. .Juli 1895. AEenses seit dem 14. Jahr, meist fünf Tage anteponirend, sehr reichlich („ganze Stücke Blut“), vollkommen schmerz- los. Patientin ist im übrigen gesund. Ivein Kopfschmerz. Letzte Kegel 15. Octoher. A"or 8 Stunden Blasensprung. AEuttermund etwa 1 AEk. -Stück gross; l’atientin hat keinerlei Schmerzen. Nase sehr regelmässig gebaut, keine besondere Schwellung, geringe Cyanose. Patientin wird auf die Beobachtungs-Station geschickt. Nach 2 Stunden (Y 2 8 Uhr Abend) Avird sie plötzlich auf den Kreisssaal gebracht. Seit kaum einer halben Stunde haben sich ohne ATrhoten Schmerzen am Steiss und Drängen nach unten eingestellt. Der Kopf ist in der A ulva und wird unmittelbar geboren. Der AEuttermund hat sich also innerhalb zAveier Stunden ohne Schmerzen völlig erweitert. Die Oeburt A-prlief ohne jeden Kreuzschmerz. Nach der Niederkunft ist die Cyanose in der Nase bedeutend aiisgesprochener. l\ein CocainA’ersuch.


Fall 77. Alarie P 1, 25 Jahre. II para.

5 .Juli 1895. UiiAA'ohlsein immer schmerzlos, drei 4'age antepo- nirend, 3 Tage dauernd, seit dem 15. .Jahr. I^dzte Kegel 4. — (5. September.

AVehen seit Y 2 Entbunden um 10 Uhr A'ormittag.

Hatte gar keine AVehenschmerzen, auch bei der ersten Entbindung nicht.


Fall 78.


— 75 —

]\[artlia I n, 24 Jahre. I para.

31 it 10 Jahren Scharlach und Diphtcrie (Tracheotomie in Bethanien).

Xacli ihrer Entlassung aus dem Krankenhause begannen Kopf- schmerzen, die täglich erschienen, mit Erbrechen und später mit Schwin- del gepaart auftraten. Eatientin wurde stark bleichsüchtig, alhnälig verstärkte sich die Bleichsucht. Im 22. Lebensjahr wurde diese ganz acut. Eatientin, die amenorrhoisch war, fiel auf der Strasse infolge Schwindels (Drehschwindel) um, wurde in die Charite gebracht, wo sie 8 3Ionate lag und mit Eisen behandelt wurde. Dann traten die Menses ein. Der Schwindel hörte damit auf.

Die 3Ienses waren stets unregelmässig, 6 — 8 3Vochen auch 8 3Ionate lange Eausen, dauerten 3 Tage, Blutung sehr gering, stets s c hme r z 1 o s.

Der häufige Kopfschmerz blieb bis zur Schwangerschaft, seit deren Eintritt er verscliAvunden ist.

Letzte Eegel 4. 3Iärz.

Erbrechen in den ersten 3 31onaten.

Nase rechts sehr emptindlich, links wenig, geringe Cyanose, keine ausgesprochene »Schwellung.

AVehen alle 10—12 3Iin. kräftig, völlig schmerzlos.

Aluttermund handtellergross. Tremor der Hände, 4 — 5 Schläge pr. Sec.

Alvine B k, Dienstmädchen, 23 Jahre. II para. Fall 79.

18. November 1895, Nachmittag 1 Uhr. Letzte Eegel am 19. Eehruar. Erstes Unwohlsein mit 14 Jahren, immer regelmässig alle 28 Tage, 3 — 4 Tage Dauer; niemals auch nur die geringsten Schmer- zen. Cestern Abends erste Zusammenziehung im Leihe gespürt. Heu- te Erüh um 6 Uhr Leibschnierzen, so dass sie an Erkältung dachte.

Die Schmerzen waren über der Symphyse und kamen in Abständen von Y 4 Stunde bis 5 Alinuten. Die Eatientin ist auf der Eahrt zur Klinik in der Droschke niedergekommen. Das erste Kind, vor 2 Jahi-en fast schmerzlos «gehören. Damals kam Eatientin um 10 Uhr Abend we<ren beginnender AA'ehen in die Klinik, um 12 Uhr erfolgte die Gehurt.

Keine Nachwehen. (19. November 1895.)

Rosa S r, 18 Jahre, Verkäuferin. I para. Fall so.

20. November 1895, AVochenzimmer. Letzte Eegel 26. Februar. Alenses alle 27 — 28 Tage. Stets ganz schmerzlos, vier Tage Dauer. AVehen seit gestern Alittag 3 Uhr, nicht schmerzhaft. Arbeitete im Geschäft noch bis i/g 8 I'hr Abends. Gestern f'glO L^hr Abends ist sie niedergekommen, ohne viel Schmerzen. Nur ülier der Symphvse traten die Schmerzen auf.

Nase heute: rechts cyanotisch, geschwollen, etwas empfindlich, links alles viel weniger. Afenstruationsnase. Keine Nachwehen.


- 7() —

Die Fälle Nr. 75, 76, 77, 78, 79, 80 zeichnen sich dadurch

aus, dass nicht nur die Regel völlig schmerzlos verläuft, sondern dass auch der Geburtsact ganz ausserordentlich geringfügige, n u r me- chanisch bedingte Schmerzen aufweist. Dass der „echte

AVehenschmerz“ ebenfalls fehlt, ist nicht nüthig zu bemerken.

Frau J . . . s, 22 Jahre. I para.

22. Juli 1895. Unwohlsein seit dem 18. Jahre, alle 3 AVochen, schmerzlos, 8 Tage, reichlich. Letzte Regel 16. November. Nase beider- seits cyanotisch geschwollen. Keine AVehenschmerzen (keine Kreuz-

nnd keine Ranchschmerzen), nur Schmerzen über der Svmphyse. Kein Cocain versuch.

Therese AA^ i, 21 Jahre. I para.

22. Juli 1895. Menstruation seit dem 16. Jahr, unregelmässig (blieb 4 und 6 Alonate aus), vollkommen schmerzlos. Letzte Regel im Alai vorigen Jahres. AVehen seit gestern Naclit, entbunden heute um 9 Uhr früh. Hatte keine Kreuz- und Bauchschmerzen; nur Schmerzen über der Symphyse. Nase nach der Geburt untersucht: keine deutlichen Schwellungen.


Fall 83. Marie G ii, 21 Jahre. I para.

18. Juli 1895, Nachmittag 6 Uhr. Letzte Regel Anfang Novem- ber, ganz besonders stark. Unwohlsein ohne jeden Schmerz, 3 Tage, massig. Aluttermund 5AIk. -Stück gross, Blase um ^ 2 ^ Uhr gesprungen. Ohne alle AA^ehenschmerzen.

Linke Nase stark geschwollen, etwas cyanotisch; rechts weniger. Das Kind (Alädchen) ist 53 cm lang und 2910 g schwer, also voll- kommen ausgetragen. Es war daher bei der letzten besonders star- ken Regel bereits die Conception eingetreten.

Fällst. Frau P . . . r. I para.

5. Juli 1895. Letzte Regel 28. October, aber schwach. Alenstruation re<relmässio;. niemals schmerzhaft, alle 4 AA'ochen. Nase: Schwellung der

o O 7 ^ C7

linken unteren Aluschel. Keine AA'ehenschmerzen. Nachwehen nur mit geringem Symphysenschmerz.

Anna H t, 18 Jahre, Arbeiterin. I para.

Fall 85. Unwohlsein seit dem 13. Jahre, niemals Schmerzen,

reo’elmässis: vierwöchentlich. AVehen seit einigen Stunden. Keine AA’’ehen- schmerzen, nur etwas Symphysenschmerz. Nasenbefund: Schwellungen an den Genitalstellen beiderseits, deutlich cyanotisch.


— t { —

Pauline S i, 36 Jahre, Dienstmädchen. I para.^'*»*^

11. November 1895, Abends 7 Uhr. Letzte Kegel Ausgang.s Januar. Mit 15 Jahren erste Kegel, stets schmerzlos. Die Pausen sind immer unregelmässig, 14 Tage bis 3 4Voclien. Dauer der Menses 3 Tage. Einen Tag zuvor stets Schwindel und IMigräne mit sauerem Erbrechen. Seit Beginn der Schwangerschaft hat die jMigräne voll- kommen aufs’ehört. In den ersten Monaten der Gravidität — ■ Februar

O

und März — ist Patientin wegen Erbrechen, Bauchschmerzen und Ischias in der Charite behandelt worden. Zur Zeit der I’ubertät hat Patientin an Bleichsucht, Stuhl verstopfung und klagend ruck gelitten. Als 6jäh- riges Kind hatte sie Ilirnhaut-EntzUndung, nach der Strabismus con- vergens eintrat. Seit 3 Jahren wird sie Avegen recidivirenden Nasen- Polypen behandelt.

Vor drei Wochen hat sie bereits Wehen gehabt, so dass man in der Klinik am 26. ( Ictober den Beginn der Gehurt für wahrschein- lich hielt. Jetzt hatte sie Aviederum ruclcAveise Wehenschmerzen, nur über der Symphyse. In der Nase befindet sich etAA-as Eiter. Die Son- dirung ist nicht empfindlich, Sclnvellung und Cyanose (bei Lampen- licht untersucht) sind nicht zu constatiren. Die ScliAvellkörper sind Auelfacli gebrannt und teiLveise A'erödet. Prognose: die Geburt ist noch nicht im Beginn. Die Untersuchung durch die Hebamme ergibt, dass der Cervix noch A’öllig erhalten ist.

Nachts ZAvischen 10 und 11 kommt Patientin dennoch in die Geburt. Als ich sie am nächsten IMorgen sah, Avar der ^Muttermund 3- !Markstück gross, und nun zeigt die Nase sehr deutliche ScliAvellungen und Cyanose beiderseits. Die Nase ist im Gegensatz zum Amrigen Abend gegen iSondenherührung ziemlich stark empfindlich (hnks noch stärker als rechts) ; sie hat also die typische mensti’uelle Beschaffenheit.

Der Gehurtsschmerz ist nur in der Gegend über der Symphyse.

Martha G . . . . p, 21 Jahre, Dienstmädchen. I para. 87.

10. November 1895, 11 Uhr Abends. 3Ienses mit 17 Jahren, immer regelmässig, gar keine Schmerzen. Letzte Kegel 3. Februar. ^Muttermund handtellergross, Kopf im Becken, I. Schädellage; nur Schmerz über der Symphyse.

Nase: keine sichtliche ScliAvellung, keine Empfindlichkeit. Kein Cocainversuch.

Die Fälle 70 bis 87 einschliesslich haben das Gemeinsame, dass die Menstruation schmerzlos verläuft, und dass auch die ty- pischen Wehenschmerzen bei der Niederkunft fehlen.

Die folgenden 11 Fälle sind zwar durch die AbAvesenheit typischer Wehenschmerzen ausgezeichnet, doch ist die Menstruation von Schmerzen begleitet. Es ist aber Avichtig zu bemerken,


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dass diese Schmerzen keineswegs den Charakter der nasalen Dysmenorrhoe tragen, sondern sammt und sonders die Zeichen mechanischer Dysmenorrhoe darbieten. Es hören nämlich die Schmerzen mit dem Moment des Bluteintrittes auf, während bei nasaler Dysmenorrhoe die Schmerzen den Bluteintritt überdauern.

Carolina K . . . a, 29 Jahre. II para.

29. Juni 1895. Erste Sohädellage. üinvohlsein in unregehnässigen Zwisclienräiunen (6 Wochen und mehr) vom 21. Jalire ab. Dem Unwohl- sein gehen geringe Kreuzsehmerzen voran, die mit dem Erscheinen des B In t e s a u f h ü r en. Wehen seit 6 Stunden. Schmerzen am Steiss und an der Sym])hyse. Keine Kreuz-, keine Bauchschmerzen. JMutter- mund handtellergross. Nase: Ceringe Schwellungen der unteren jMuscheln. Prognose: Cocain wird erfolglos sein.

7 P^hr 50 i\lin. gründliche, l)eiderseitige, einmal wiederholte Co- cainisirung der Nase (20*^/^), AVehen Schlag auf Schlag, bis 10 Ubr 30 Min. Keine Veränderung der Schmerzen.

Fall 89. Alvine K . . . . e, Dienstmädchen, 35 Jahre. I para.

14. November 1895, Uhr Abends, ln der Jugend, etwa vom 9. Jahre an, litt Patientin häutig an jMigräne mit Uelielkeit und Erbre- chen, musste deshalb öfters aus der Schule nach Hause geschickt werden. Aerztliche Hilfe Avar erfolglos. Die Migränen hörten auf, als im 17. Jahre die Kegel erschien. Einige Tage vor der Kegel kommen gewöhn- lich Schmerzen im Unterleib, die mit dem B 1 ute in tr it t s o fo r t A-erscliAvinden. Die Kegel, Avelche alle 27 Tage erscheint, dauert 6 — 7 Tage, Avar zuletzt am 15. Februar eingetreten.

Nase normal, keine erhebliche ScliAvellung, keine Emptind- lichkeit.

AA^ehen seit gestern Abend. Jetzt alle paar Alinuten ; Schmerzen nur über der Symphyse.

Fall 90. Clara K . . . . k, Schneiderin, 17 Jahre. I para.

2. NoA*ember 1895. UuAAmhlsein regelmässig, etAvas Ziehen im Kreuz, das den Bluteintritt n i c h t überdauert. Alenstruirte mit dem 12. Lebensjahr. Letzte Kegel Ende Januar. AA'ehen mit I'nterbrechungen seit vorgestern Nacht. Muttermund handtellergross. Becken normal. Nase: rechte untere Muschel gescliAAmllen, cyanotisch, auf Sondenberüh- rung sehr empfindlich. Kechtes Tuberculum Avegen Knorpelvorsprungs am Septum nicht zu erreichen. Linke untere Aluschel nicht empfindlich, AA'eni«’ gescliAvollen. Tulierculum septi sinistrum ziemlich empfindlich.

10 Uhr 40 Alin. Vorm: AA^ehen lieginnen Avieder und kommen alle 3 4 Alin. Schmerzen im Kreuz, nach dem Steiss verlaufend. Im


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Bauch keine Schmerzen. Prognose: Cocainversuch wird negativ sein, da echte Wehenschmerzen“ nicht vorlianden.

11‘OG Cocainisirung ])cider Xasenliältten, die um

11- 14 wiederholt wird.

Wehen H'18, 11-25, 11-27, 11-31 etc. Kreuzschmer-

zen unverändert ; Versuch abgebrochen.

12- 14 Geburt des Kindes.

Minna K r, 25 Jahre. II para.

22. November 1895. Erste Pegel mit 13 Jahren, Menses regel- mässig, 28tägig ; vorher Bauchschmerzen, d i e m i t d e m B 1 u t e i n t r i 1 1 auf hörten. Dann absolut schmerzlos. Erste Gehurt 1888.

1 Ehr; Wehen seit heute 10 Ehr Vormittags. Muttermund 3Mk. -Stück gross, AVehen nur mit Schmerzen über der Symphyse verknüpft. Kreuz ganz frei!

Nase rechts emptindlicher gegen Sondenherührung als links. Im allgemeinen nicht sehr empfindlich. Linke untere Aluschel geschwollen. Pechts nicht. Cyanose im Beginn.

Frau von M i, 32 Jahre. I para. fuii 92

6 . November 1895, 9^o Ehr Vorm. Seit Beginn der Schwanger- schaft Erbrechen, das sieh immer gesteigert hat. Seit 4 AVochen wirtl fast alles erbrochen. Enges Becken, ausserdem rechtsseitiges l'terus- Alyom. Trotzdem ist der Kopf ins Becken cingetretoi. JMuttermund klein, handtellergross. Fruchtwasser seit 3 Tagen ahgeflossen. Nephritis be- steht. Die Alenses seit dem 15. Jahr, sind immer regelmässig gewesen, mit Schmerzen vorn über der Symphyse, wie jetzt l>ei den AA'ehen; nie Kreuzschmerzen. Alit dem Eintritt des Blutes sind die Schmerzen stets verschwunden. Letzte Pegel 17. Januar. AA'ehen seit 2 Tagen, heftig seit letzter Nacht; j('tzt alle 1 — 2 Alin. Die Schmerzen siml nur über der Symphyse (me- chanische Schmerzen). Nase: keine auftalligen Schwellungen. Die Aluscheln sind auf Sondirung nicht empfindlich. Geburt durch Zange beendigt. Später Eclampsie.

Anna K li, 22 Jahre, Verkäuferin. I para. Fall 93

13. November 1895. IOY 4 E^hr Vormittags.

Alit l(i Jahren erste Alenstruation. Damals stark bleichsüchtig (sehr matt, sehr blass, schlechter Appetit, Herzklopfen heim Treppen- steigen, doch keine ( Ibstipatio alvi). Alenses regelmässig, 4 wöchent- lich. Bevor im 16. Jahre die Alenses kamen, litt Patientin an heftigen Bauchschmerzen, wurde in der Eniversitäts-Poliklinik mit Eisentropfen behandelt. Die Schmerzen verloren sich mit Eintritt der Alenstrua- tion. Diese war etwa 1 Jahr völlig schmerzlos; dann stellten sich zu- weilen Kreuzschmerzen ein, die in die linke Seite des Leibes aus-


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strahlten u ml kurz nach II 1 u t e i n t r i 1 1 n a c h 1 i e s s e n. Letzte Hegel : 4. Februar. Jetzt Ende der Eröfthiingsperiode. Llase steht noch. Wehen alle 2 — 3 Min. Die Schmerzen, welche seit gestern Abend 72^^ vorhanden waren, haben vom Kreuz begonnen und sich in die linke »Seite des Leibes gezogen (genau wie bei der Menstruation] und sind seit einer Stunde verschwunden (analog dem Bluteintritt bei den ]\[en- ses). Nase: rechts ragt die untere Muschel wie ein kugeliger Tumor hervor, leicht cyanotisch. Links keine Schwellung. Empfindlichkeit auf Sondenherührung beiderseits gering.

Die letzterwähnten beiden Fälle von mechanischer Dvsme- norrhoe zeichnen sich dadurch besonders aus, dass der Geburts- schinerz genau an denselben Stellen des Körpers sich befindet Avie derjenige der geAvöhnlichen Menstruation. Im ersten Falle le- diglich über der Symphyse, im zAveiten im Kreuz und in der lin- ken Seite des Leibes. Dieser Schmerz versclnvindet geAvöhnlich kurz nach Eintritt des Blutes. Hier ist er ebenfalls schon Amr der Beendigung der Eröffnungsperiode geAvichen. Sehr A^erschieden von dem „echten Wehenschnierz“, der bis zuletzt andauert.

Die Aehnlichkeit in der Form der menstruellen und Geburts- schmerzen ist zu frappant, um A’erkannt zu Averden.

Fall 9i. Anna Sch r, 23 Jahre, Dienstmädchen. I para.

23. Juni 1895. UnAvohlsein seit dem 17. Jahre, 3 Avöchentlich, 6 Tage dauernd, sehr reichlich. Ein paar Tage A*or dem Fnwohlsein erscheint ein Schmerz in der rechten Bauchseite, der mit dem Blut- eintritt sofort A' e r s c h w i n d e t. 'Während der ScliAvangerschaft häufige Ohnmachfen und enorme Oedeme an den Beinen. VorAvehen seit 14 Tagen. Schmerzen nur an der Symphyse. 3Iuttermund für zwei Querfinger durchgängig, erste Schädellage; reguläre Machen seit einigen Stunden; keine Kreuz-, keine Bauchschmerzen.

Fall 05. Anna H h, 27 Jahre. I para.

22. Juni 1895. Letzte Kegel 17. Octoher. 'Wehen seit heute Nacht 12 Uhr. Keine Kreuz- und Bauchschmerzen, nur Druck über der Sym- physe. Unwohlsein regelmässig alle 4 'Wochen. Einige Stunden heA'or das Blut erscheint, krampfhafte Bauchschmerzen, die mit dem Blut- eintritt A- er s c h av i n d e n.

Fall ou. J o s ep h i n e »S a, 25 Jahre, Dienstmädchen.

IV para.

24. Juli 1895. iVfenses A-om 14. Jahr, 3 Tage, reichlich. Einen 4’ag A'orher Bauchschmerzen, A on der Naheigegend aus nach den Hy- pogastrien ausstrahlend („Avde bei der Geburt“). Die Schmerzen A'er-


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schwiiuleu mit dem B lu t e i n t r itt. Letzte Kegel Ende »Sep- tember 1894. Hat diesmal gar keinerlei »Schmerzen, fühlte 10 Min. vor der Niederkunft ein Drängen nach unten, wird schnell ,rolao-ert, und ehe die ilebeamme sich desinficiren konnte, schrie das Kind unter der Bettdecke.

Bei den früheren Entbindungen will sie eine Xaclit hindurch „ein bischen Schmerzen genau wie beim Unwohlsein“ gehabt haben

Hieran schliesst sich noch ein Fall von ebenfalls mechani- scher Dysmenorrhoe, ohne typische Wehenschmerzen. Nur er- scheinen die dysmenorrhoischen »Schmerzen hier erst zum »Schluss der Periode.

Elisabeth G .... e, 20 Jahre. I para.

2. Juli 1895. Erste Schädellage; normales Becken. Seit dem 12. .Jahre menstruirt ; immer sehr unregelmässig, l’ausen etwa 2 — 3 Monate, einmal jedoch 1^2 Jahr. Das Unwohlsein dauert 2 Tage, ln der letzten Hälfte des zweiten Tages erscheinen mehrstündige Schmerzen in der Gegend über der Symphyse, also genau dort, wo die mechanischen Geburtsschmerzen localisirt sind. IMuttermund oMk. -»Stück gross. Blase steht. 'Wehen alle 2 — 3 Minuten ; keine Kreuz-, keine Bauchschmerzen, nur Schmerzen über der »Symphyse. Angaben der Patientiir sehr bestimmt. Nase: mässige Schwellungen. Prognose: Cocain wird keine Aenderung herbeifüliren.

6 Uhr 8 Min. Cocainisirung 20 ^ 1 ^.

6'Oü, 6’lt, 6’15 etc. keine Aenderung. Langanhaltende,

schmerzhafte 'Wehen.

6-'2o Status idem. 'Wiederholung der Cocainisirung.

6-30 eine 'Wehe geht in die airdere über, sehr schmerzhaft.

7'3o Status idem. Blasensprung.

8'2ü Geburt.

Also Prognose bewahrheitet.

Die eben mitgetbeilten Fälle von mechanischer Dysme- nondioe haben sich bei der Niederkunft durch das Fehlen von typischem Wehenschmerz charakterisirt.

Wir haben als symptomatisch für den typischen Wehen- .schmerz angenommen, dass er vom Kreuz ausgeht und in die Hypogastrien ausstrahlt. So regulär ein derartiger Schmerz als echter Wehenschmerz zu deuten ist, ebenso irrthUmlich wäre es, jeden im Kreuz localisirten, mit der 'Wehe sich verstärkenden »Schmerz ausnahmslos als typischen W ehenschmerz anzusehen. Unter besonderen, durch die Beschaffenheit des mütterlichen Beckens

Fliess, Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. g


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oder der Kindeslage geo-ebenen Bedingungen, können auch Kreuz- und Bauchscliinerzen mit jeder Wehe auftreten, die einen ganz anderen Mechanismus für ihr Zustandekommen voraussetzen. Am besten werden dieses Verhalten die zwei folgenden Beobachtungen kennzeichnen ;

Frau Martha P . . . . r, 24 Jahre. III para.

11. Juli 1895. Al)ends. Unwohlsein ziemlich regelmäs.sig, schmerz- los, vom 14. Jahre an, 8 tägige Dauer, reichlich. Letzte Pegel 1. November (schon schwach). Wehen seit 4 4'agen. Krenzschmerzen. Älnttermnnd für 2 Qnerlinger durchgängig, Kopf beweglich, Blase steht. Die ersten beiden Entbindungen sind mit selir wenig 8cbmerzen A'er- laufen. Nase: rechts Tuberculum und untere IMuschel geschwollen, links normal.

10 IThr 15 Jlin. Abends. Seit 2 Stunden stärkere Weben, alle paar Min. Währentl die l’atientin liegt, ist sie ganz ruhig und erklärt nur auf Befragen, dass sie einen drängenden Schmerz im ganzen Bauch und einen leichteren Schmerz „tief im Kreuz“ fühle, der mit der Webe sich verstärkt. Sobald die Patientin aufstebt, wird d(‘r Kreuzsebmerz A’iel stärker, und der Baucbschmerz löst sich in ein fast unerträgliches Drängen nach unten auf. Der Kojif steht dabei über dem Becken und wird beim Aufstehen auf den Beckeneingang gepresst, wodurch offenbar mechanisch bedingte Schmerzen entstehen. Diese Schmerzen sind der Linderung durch Nasencocainisirung unzugänglich. Hier gibt die con- stante und bedeutende Yergrösserung der Schmerzen durch Veränderung der Körperstellung (vom Liegen zum Stehen) das Kennzeichen für die Natur und Entstehung der Schmerzen ab.

Versuch: 10 Uhr 18 Min. Patientin, die bisher gelegen und keinen Schmerzlaut von sich gegeben hat, steht auf. AVeben: lO’lü,

10’21, lO’-'h lO'-ö, 10'2<. Kreuzschmerzen haben sich sofort sehr ver- stärkt. Starkes Drängen nach unten.

10.29 ausgiebige Nasencocainisirung (20^/^,). AA'eben alle 2 31in. Keine' Aenderung. 10'ö5 zweite Cocainisirung. AA^eben in denselben Intervallen, keine Aenderung bis 11-20. Patientin legt sich. 11-20; der Kreuzschmerz verschwindet sofort. Es bleiben nur Schmerzen über der Symphyse. AVelien 11-22, 11-28, 11 -2ö, H-28, 11-81, H-8ö, keine Kreuz- und Bauchschmerzen. II-ÖO Patientin steht wieder auf. Sofort kommen Kreuzsebmerzen und heftiges Drängen nacli unten. AA’ehen alle 2 — 3 Min. Status idem bis 12 Uhr, wo Patientin mit dem Alo- ment des Niederlegens wieder im Kreuz schmerzfrei wird. Abbruch der Beobachtung.

Waren in dem eben erwähnten Falle, wo Unwohlseins- Schmerzen fehlen, durch die Lage des Kindes zu den an sich


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normalen mütterlichen Theilen Pseudo-Welienschmerzen erzeugt, so Avircl das folgende Beispiel (mit mechanischer Dysmenorrhoe) lehren, wie durch die abnorme Beschaffenheit des mütterlichen Beckens bei der Geburt Schmerzen zustande kommen können, die den wahren Wehenschmerzen ausserordentlich ähnlich sind.

Marie K . . h, Arbeiterin, 22 Jahre, II para.

15. Juli 1895. Umvohlsein regelmässig; 8 Tage vorher wird der Leib stark, es treten Schmerzen im Bauch auf, welche mit dem (Moment des Bluteintrittes verschwinden. Die Blutung dauert 8 Tage und ist sehr stark. Patientin ist seit dem 15. Lebensjahr menstruirt. Die l'eriode ist immer ganz symptomenlos verlaufen bis zum November 1892, wo Patientin einen Abort im 6. Monat durclimachte. Von da ab da- tieren die Schmerzen und die praemenstruelle Volumenszunahme des Leibes. Jjetzte Pegel 10. (Jetober. Als Conceptionstag wird mit aller Bestimmtheit der 17. October bezeichnet.

8 Uhr 50 Minuten Abends: Wehen seit heute früh; jetzt alle paar Minuten. Die Schmerzen sind im Kreuz und ü))er der Sympliyse. Blase steht. Muttermund 5 Mark-Stück gross. Kopf im Beckeneingang. Kleine und grosse Fontanelle in derselben Höhe. Pfeilnath quer. Erste Scliädellage. Enges Becken. Nase: links geringe Schwellung, rechts keine. Patientin gibt trotz der regelmässigen Wehen keinen Klage- laut von sich, ist aber durchaus nicht schmerzunempfindlich, denn bei dem späteren Cocainversuch lamentirt sie sehr.

9 Uhr. Trotz dubiöser Prognose wird der Cocainversuch (20^/^) gemacht. Die Nase ist emptindlich. Patientin schreit. AVeheu 9-üö, 9-04^ 9'ö5, 9’ö7, 9‘öti, 9-11 keine Aenderung.

9‘1‘2 : zweite Cocainisirung 20Vo. (^ase noch etwas empfindlich. AA'ehen bis 9"-t* ebenso schmerzhaft. Dann Llntersuchung der Kreis- senden durch den Practikanten. ; dabei springt die Blase. Die AVehen werden jetzt sehr viel schmerzhafter. Patientin presst: um 9-45 Geburt.

Gäben hier nicht bereits die Beckenmaasse eine Erklärung für das Vorhandensein des übrigens massigen Kreuzschmerzes, so beweist der tiefe, vom Promontorium herrührende Eindruck, welcher sich an der linken »Seite des kindlichen Schädels befand, dass mechanische (Momente von ausreichender Intensität zur Erzeugung von Schmerzen in der Kreuzbeingegend wirksam waren.

So durchsichtig, wie bei den ebengenannten beiden Fällen ist die Entstehung des mit der AA^ehe sich verstärkenden Kreuz- schmerzes, der für das Cocain-Experiment sich refraetär erweist, in der folgenden Beobachtung keineswegs. Gleich'wohl enthält die Geburts-Geschichte unzweifelhaft anormale A"'erhältnisse.


6 *


Frau Johanna K 1, 25 Jahre, I para.

Unwohlsein regelmässig’, nur etwas anteponierend, stets schmerz- los, vom 13. Jahr ab. Letzte hegel 14. October.

24. Juli, V orm. 10 Ubr. IVehen mit Pausen von nur wenigen Minuten, seit drei Tagen nnd Nächten nnunterbroclien. l’atientin ist ganz erschöpft. Der Muttermund ist nur 1 Mk-Stück gross und er- weitert sich während der 4 - ständigen Peobachtung absolut nicht. Blase ist gesprungen. Kopf im Becken-Eingang. Nase : rechts untere jMuschel und Tuberculnm septi cyanotiscli, geschwollen ; links keine Veränderung. Trotz zweimaliger, ansgiebiger Cocainisirnng ist ein durchgreifender Erfolg auf den Kreuzscbmerz nicht zu constatieren, nur behauptet Ikatientin, der 8cbmerz „sei tiefer gerutscht.“ Doch ist die »Stelle des Schmerzes nicht ausschliesslich in der »Steissbeingegend.

Dass es noch andere, atypische, wahrscheinlich mechanisch bedingte Schmerzen bei der Geburt gibt, die daher von der Nase nicht zu beeinhussen sind, lehrt die folgende Beobachtung.

Marie K . . . s, Dienstmädchen, 21 Jahre, I para.

Beim Unwohlsein, das regelmässig 4-wöchentlich seit dem 15. Lebensjahr erscheint, hat sie niemals Kreuzschmerzen, dagegen Schmerzen im Bauch, hauptsächlich um den >»abel herum. Diese Bauch- schmerzen treten, nur verstärkt, auch bei der Geburt auf, u. zw. fängt der Schmerz in der Medianlinie, zwei (Juertinger unter dem Nabel an, strahlt etwas seitwärts aus, hört keineswegs mit der IV ehe auf, sondern ist auch in der 'Wehenpause vorhanden. Eingerdruck in der Mittellinie ist schmerzhaft, an den übrigen Partien des Bauches schmerzlos. 'Wehen alle paar Minuten, seit Nachts; nur mit dem beschriebenen Bauch- schmerz in der Nabelgegend, ohne Kreuzschmerz; ganz wie bei der Menstruation. Blase steht, Muttermund thalergross, erste »Schädellage.

12-21 erste Cocaini.sirung 20 ^/q.

12-36 zweite Cocainisirnng 20 *^/q.

12.47 dritte Cocainisirnng 20%.

Ohne Einfluss auf den Schmerz, bis 1-20, wo die Beobachtung abgebrochen wird.

Der atypische Sitz, die Continuität des Schmerzes, der in der Wehenpause nicht sistiert, die Druckschmerzhaftigkeit der entsprechenden Bauchpartie lassen ihn mit aller Sicherheit vom normalen Wehenschmerz unterscheiden.

Ausser den mechanisch bedingten Schmerzen bei der Geburt, sind auch noch in vereinzelten Fällen ganz andersartige Schmerzen vorhanden, deren Mechanismus in keiner Verbindung- mit der Nase


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stellt. Dahin gehören der sogenannte Rheumatismus uteri. welcher wahrscheinlich eine Muskelerkrankung des Uterus darstellt, und die hysterischen Schmerzen, welche aus der Psyche stammen und nur ins Körperliche „convertirt“ sind. Von der ersten Art hatte ich im Mai dieses Jahres einen leider nicht genauer notirten Fall zu beobachten Gelegenheit, wo eine durch zwei Tage kreissende Patientin fortwährend, also auch ausserhalb der Wehen, über heftige Schmerzen klagte, und wo der gesammte Uterus ganz abnorm druckempfindlich war. Die Patientin stiess die heftigsten Klagelaute aus, sobald man irgend eine Stelle des Bauches be- rührte. Cocain war gänzlich erfolglos.

Für hysterische Schmerzen bei der Geburt kann ich folgendes Paradigma anführen.

Margarethe W...e, Schneiderin, 32 Jahre. I para.

2. Juni 1895. 9 Uhr 6 Minuten Vorm.

Unwohlsein stets sclimerzlos, alle 14 Tage, „wässrig“, 3 — 4 Tage dauernd. Erst vom 22. Jahr an vorhanden. Hat in den letzten .Jahren viel an Ivopfsclimerzen gelitten, die letzten Tage ununterbrochen. Während der Schwangerschaft hat sie 6 Monate lang „alles erbrochen“ ; sie konnte „kein Krümchen essen“. Auffälligerweise ist sie trotzdem nicht be- sonders abgemagert. Schmerzen hat sie seit einigen Monaten „bei jedem Tritt“, u. zw. im Kreuz und im Bauch. Jetzt ist der IMuttermund 3 5[k.- Stück gross. Blase ist gestern früh gesprungen. Patientin jammert un- aufhörlich über heftigste Schmerzen im Kreuz und im Bauch. "Wehen alle 2 — 4 Minuten.

9'17 : Cocain 20*^/^. Bis 9m2 (inzwischen Praktikanten-Unter- suchung) keine Aenderung. Dann JViederholung des Cocainversuches, den Patientin durch ihr unaufhörliches, kreischendes Gesclu’ei sehr erschwert. „Die Schmerzen sind darnach nur noch stärker geworden!“ I’atientin verlangt nach Morphium, beruhigt sich aber schon in dem Augenblick, wo nur die Xadel der l’ravaz-Spritze in die Haut gestochen wird, und verfällt von diesem Moment an in einen schlafähnlichen Zustand.

Im Vorangehenden hal)e ich das klinische Material dargelegt, ans dem sich mein Schluss aufiDant, der Geburtsvorgang sei seiner biologischen Stellung nach eine grosse Men- struat ion. Ich habe alle Fälle geschildert, die ich in der hiesigen Uuiversitätsfrauenklinik zu beobachten Gelegenheit hatte, also keines- wegs nur diejenigen, welche sich dein Cocainversuch günstig er- wiesen haben.


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Icli recapitulire : In 27 Fällen war der Cocainversncli positiv; d. li. der „eclite Wehensehmerz“ ist durcli Cocainisirnng an den Genitalstellen der Nase aufgehoben oder doeh anf das allerbeträcht- lichste herabgesetzt worden.

Diese Fälle sind sUmmtlich solche gewesen, in denen entweder die gewöhnliche Menstruation die Zeichen der nasalen Dysmenorrhoe getragen hat (Schmerzen überdauern den Bluteintritt), oder in denen die gewöhnliche Menstruation nahezu oder gänzlich schmerzlos verlaufen ist, wo also erst die Summation der in der Schwanger- schaft aufgespeicherten menstruellen nasalen Veränderungen den Schwellenwerth zur Schmerzerzeugung erreichen Hess.

Die zweite Serie von 36 Fällen hat das Symptom des „echten Wehenschmerzes“ gar nicht enthalten. Sie recrutirt sich lediglich aus solchen Frauen, die bei der Menstruation keinerlei Zeiehen von nasaler 1 )ysmenorrhoe aufweisen (mechanische Dysmenorrhoe ist für unsere Frage ohne Belang). Es durfte auch nach unserer Theorie unter diesen Fällen kein einziger sein, wo eine nach- weislich nasale Dysmenorrhoe besteht und doch der „echte Wehen- schmerz“ fehlt. Auf andere Geburtsschmerzen als den „echten Wehenschmerz“ hat die Cocainisirung der Nase keinen Einfluss.

Der echte Wehenschmerz zeigt sich also als eine Summation des nasal-dysmenorrhoischen. Er kann von derselben Steile der Nase aus durch Cocainisirung aufgehoben werden wie der letztere. Er ist das Schiboleth, das den Geburtsvorgang als eine nur umgeformte Menstruation erkennen lässt. Wir haben schon auf die Veränderungen der Nase hinge- wiesen, mit denen der Geburts Vorgang einsetzt: Das Auftreten von Sehwellungen an den Genitalstellen, die Zunahme der Be- rührungsempfindlichkeit daselbst, die Neigung zur Blutung aut Sondenberührung und — last not least — das Erscheinen von Cya- nose an jenen Oertlichkeiten. Alle diese Veränderungen haben den Charakter der menstruellen. Wo sie erscheinen, da kann man sicher sein, dass man es mit einem Menstruationsvorgang zu thun habe.

Wenn aber wirklich die Geburt durch einen Menstruations- vorgang eingeleitet wird, so wird man auch billig fordern können, dass der Termin des Wehenbeginnes (denn dieser und nicht der par- tus selbst entspricht dem Menstruationsanfang) von dem Beginn


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der letzten vorliaudenen iiienstruellen Blutung, der letzten Regel wie man geAvülinlicli sagt, durch ein Intervall von Tagen getrennt sei. deren Zahl ein ganzes Vielfaches vom Menstruationsintervall bildet. Mit anderen Worten, wenn das Menstruationsintervall 28 Tage beträgt, so soll die ScliAvangerschaftsdauer (nach der letzten Regel bestimmt) n X Tage sein, Avobei n eine ganze Zahl bedeutet.

11 = lU ist der reguläre Werth. Die normale Dauer der Schwanger- schaft wäre demnach 280 Tage. Dieser Fall ist in der That häutig.

Aber die AbAveichungen von diesem Wert sind doch so zahlreich und so gross, dass die Forscher bis heute es abgelehnt haben, in dem Geburtstermin einen menstruellen zu sehen.

Ich kann erst an einer späteren Stelle dieser Arbeit zeigen, Avorauf die Abweichungen der SchAvangerschaftsdauer beruhen.

Und Avenn Avir das Gesetz dieser AbAveichungen kennen gelernt haben, dann Averden Avir weit entfernt sein, die menstruelle Xatur des GeburtsA'organges zu leugnen. —

Wie es einen normalen Geburtstermin gibt, so gibt es auch einen solchen für den Abortus und die Frühgeburt, wo also die Eilüsung ein ganzes Vielfaches von 28 Tagen nach der letzten Regel erfolgt. Zur Illustration für diesen Satz beziehe ich mich auf folgende Beobachtungen;

Erstens bei Frau H n, die am 24. September 1892 und am Fall i03.

2. Juli 1893 abortirte. Der erste Termin fällt genau auf das A’ierte 28tägige Intervall nach der normalen Geburt ihrer jüngsten Tochter (4. ,Iuni 1892 geboren). Der zweite Abort ist fast genau 14 Perioden- intervalle A’on obigem Gebnrtstermin entfernt, 4. Juni 1892 — 2. Juli 1893 = 393 Tage, oder 14 X 28 -}- 1 !

ZAveitens bei der Wärterin E. P. Dieselbe erwartete am 20. Sep- tember 1895 ihr Umvohlsein, das Avegen Conception nicht erschien. Im October (Termin unbekannt) Abort nach heissen Scheidendouchen.

Darauf abermalige Conception und abermaliger, angeblich spontaner Abort am 13. December.

Vom 20. September bis 13. December sind 84 Tage oder genau 3 X 28 Tage verflossen. Das Menstruationsiutervall bei der E. P. betrug stets 28 Tage.

Hier ist die Menstruationszeit also durch zAvei Schwanger- schatten auch nicht um einen einzigen Tag A^erschoben Avorden.

Als dritter Fall steht mir die Geschichte A'on Frau Dr. M zu Gebote.


1 Fall 105.


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Die Patientin hatte vor 23 Jahren ein Ivind geboren, das wegen Lues congenita nacli drei oclien starb. 8ochs Jahre später ahortirte sie im dritten Monat. 8ie lebt jetzt seit einem halben Jahre in zweiter Ehe und hat wieder concipirt. Die letzte Pegel war am 14. December. Ihr Intervall ist stets „genau auf die Stunde“ 28 Tage. Ich hielt es nach den Antecedentien nicht für Avahrscheinlich, dass die Patientin austragen würde und bereitete sie auf die Möglichkeit eines abermaligen Abortes im dritten Monat vor. Als praesumptiven Tag des Abortes bezeichnete ich den 7. März (3 28 Tage vom 14. December). In

der That ist in der Nacht vom 6. zum 7. März der Abort erfolgt. Das Datum (Nacht vom G. zum 7. März) war genau dasselbe, zu dem vor 23 Jahren die Patientin zum erstenmal mit dem syphilitischen Kinde niederkam. ln diesen 23 Jahren sind gerade 8400 Tage dahin- gegangen oder präcise 300 Perioden ä 28 Tage. Pacta loquuntur.

Dass heim „habituellen Abort“ die Gefohr um die Zeit der Menstr nationstage am grössten ist, wissen übrigens die Frauenärzte sehr wohl. Sie lassen deshalb die Patientinnen gerade um diese Zeit Bettruhe einnelimen.

Auch für den inneren (extrauterinen) Abort scheint es zu gelten, dass sich sein Zustandekommen an die Menstruation knüpft. AVenigstens habe ich unlängst (am 18. December 1895) gesehen, dass der Frucht- sack einer Tubenschwangerschaft mit beginnender menstrueller Blutung platzte. Die Frau (Frau J. . . .r) hatte sich Anfang October ver- heiratet, offenbar bald concipirt, trotzdem noch zweimal in den zwanziger Tagen des October und am 20. November die Pegel, wenn auch schwächer gehabt. Am 18. December erschien die Pegel wieder und mit ihr der Tubenabort.

Also auch die vorzeitige Lösung der Schwangerschaft ist normaliter — wenn hier dieser Ausdruck gestattet wird — eng an die Zeit und die Vorgänge der Menstruation geknüpft.

Nach allem, was wir jetzt über die Geburt wissen, müssen wir sagen: sie verläuft nach dem Typus der Menstruation. Wie diese, ist sie an eine bestimmte Zeit geknüpft, die in der Norm einem ganzen Vielfachen des Menstruationsintervalles entspricht; wie diese gibt sie ihre menstruellen Zeichen in der Nase ; wie diese hat sie unter gewissen Bedingungen die Symp- tome der nasalen Dysmenorrhoe*) (den echten Wehen-

  • ) Wohl auch die Zeichen der mechanischen Dysmenorrhoe — den Dehnungs-

schmerz über der Symphyse.


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schmerz); wie diese endlich verlauft sie unter nur mächtig vergrösserter Ausstossung der gewucherten uterinen Schleimhaut mit nachfolgender blutiger und später desquamativer Absonderung.

Sie deicht aber der Menstruation noch in einer anderen wichtigen Hinsicht.

Es wird öfters beobachtet, dass infolge irgend einer Störung die menstruelle (uterine) Blutung nicht an dem erwarteten Tage erscheint. Dann gibt es häufig in der Nase trotzdem eine men- struelle Congestion, die indessen ihre natürliche Erledigung durch die uterine Blutung nicht findet. Wohl aber verräth sich diese nasale Congestion durch das Auftreten eines oder mehrerer Zeichen aus dem Complex der nasalen Reflexneurose*), jenes Syndroms von Beschwerden, welche den Ort ihrer Entstehung in der Nase haben.

Einige Beispiele werden das am besten erläutern.

Fräulein Elsa H . . . k (**) erwartet am 2. Septeml)cr 1894^“*'

ihre Periode. Diese kommt jedoch erst 3 Tage später. Aber am 2. Sep- tember treten im rechten Oberarmgelenk mul in der Fossa infracla- Hcularis dextra Schmerzen auf, welche die l’eriode überdauern und auch noch am 1. ()ctober vorhanden sind, wo statt der IMenses ein Flimmerscotom erscheint. Am 10. October, wo ich die Kranke sah, waren die INlenses noch immer nicht eingetreten, wohl aber bestaiiden die Arm- und Brustschmerzen unverändert. Isolirte Cocainisirung der mäch- tig geschwollenen rechten unteren Muschel liess jene Schmerzen nach fünf ^Minuten aufhöreu. Trichloressigsäureätzung hat einen Dauererfolg gehabt.

Erschienen waren also jene Ersatzschmerzen in Brust und Arm an dem Tage, wo die Periode von Peclits wegen hätte ein- treten sollen. Sie hingen ferner von der Nase ab, wie die erfolg- reiche Cocainisirung und Aetzung bewiesen.

Baronesse Claire von H . . . . r. Faii los.

die an Morbus Basedowii leidet xind sich Ixereits der IMenopause nä- hert, Avar am 21. September 1894 normal und, wie immer, scbmerzlos menstruirt. Sie erwartete nach 28 Tagen, am 19. October, wieder die ]\Ienses. Statt dessen bekommt sie an diesem Tage heftige KreuzAveh, Schmerzen im linken Oberschenkel und eine leicht blutige Ausscheidung

  • ) Siehe: Fliess, Die nasale Iteflexneurose. Vortrag auf dem X. Congress

für innere Medicin zu Wiesbaden 1894.

(**) Dieselbe Patientin wie Fall 25.


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aus der linken Nasenliöhle, welche Erscheinungen sämmtlich erst mit Eintritt der schwachen uterinen Blutung am 21. October sich verlieren.

Am 1(5. und. 17. November werden die Menses abermals vergeblich erwartet, und an ihrer statt stellten sich linksseitige Armschmerzen ein, die tags darauf von linksseitigem Nasenlduten gefolgt waren. Erst am 18. November Abends kam dann die reguläre Periode, und mit ihr war jeder Pest der Armschmerzen fort.

Die Periode dauerte nur knapp drei Tage, statt wie sonst 4 — 5 Tage. Sie war also zu früh beendigt.

Am 24. November gab es dafür Prost, Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Kopfschmerzen und einen Anfall von Herzar- rhythmie. Diese Erscheinungen sind nach 24 Stunden spontan vorüber- gegaugen.

VjU frühe Beendigung der Menses gibt häufig solche Er Satz Störungen. Gerade hierfür möchte ich noch einige Exempel beibringen.


Fall 109.


F ränlein B . . . e.


Nach der letzten Menstruation (Anfang December 1894), die nur zwei Tage, statt 4 — 5 Tage gedauert, fühlt sich Patientin unwohl. Sie hat Kopf- und Nackenschmerzen, Bruststiche und Armschmerzen. Beide lubercula septi stark geschwollen, Cocainversuch dort positiv. Trichlor- essigsäure-Aetzung des rechten Tuberculum septi (12. Dec.) lässt die Schmerzen der rechten Kopfseite, die Bruststiche und Armschmer- zen aufhören, die linksseitigen Kopfschmerzen weichen erst auf Aetzung des tub. septi sinistrum. (15. Dec.)


Fräulein Lili H . . . . n*).

Litt früher an Amenorrhoe, die durch Nasenbehandlung gehoben ist.

Am 20. November 1895 Menses. Am 21. November sehr starke psychische Erregung. Am 22. November ist die menstruelle Blutung, die sonst 4 Tage dauert, verschwunden. Dafür am 23. November Abends 6 Uhr überaus heftiger „Krampf:“ Schmerzen zuerst im linken Hy- pogastrium, dann am Proc. xyphoideus sterni, im 4. linken Intei’- costalraum, an der Spitze des linken Schulterblattes. Nach Stunden nahm Patientin, welche die rasenden Schmerzen nicht ertragen konnte, ein Morphiumpulver.

Am 24. November, wieder um 6 Uhr Abend, beobachtete ich das Erscheinen desselben „Krampfes“, der diesmal auch in die rechte Schulterblatt-Spitze ausstrahlte. Die Kranke ist dabei eisig kalt.

Die Genitalstellen der Nase sind geschwollen und h o chgradig empfindlich auf Sondenberührung.


  • ) Patientin ligarirt schon früher als Fall 36.


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Auf Cocainisirimg der linken unteren IMuschel und des 1 i n- ken tub. septi gehen nur die Schmerzen im linken Schulter- blatt fort.

Auf Cocainisirung’ der entsprechenden Xasenstellen rechts hören die Schmerzen in der rechten Schulter und im linke n II y p o- gastrium auf. (Xasen- und Hypogastriumscite gekreuzt.)

Die Kranke -wird wieder warm.

Aetzung (Trichloressigsäure) der Genitalstellen in der rechten Xasenseite.

^Vm 25. X"ovember erscheinen 7 I hr Abends die Schmerzen in sehr abgeschwächter Auflage wieder. Patientin konnte dabei le.sen und schreiben. Am 26. Xovember werden sie wieder stärker. („PeactLons- schmerzeii"*) Die linke Xase ist an den Genitalstellen sehr empfind- lich. Auf doi’fige Cocainisirung schwiirden die Schmerzen an der Spifze des linken Schulterblattes und am Schwertfortsatz des Brustbeins : das Krampfhafte lässt sofort nach. An der rechten Schulter und im linken Hy- pogastrium ( Peactionsschmerz von der rechten Xasenseite her) blei- ben sie. Daher Aetzung der linksseitigen Genitalstellen in der Xase.

ln den nächsten I’agen noch AViederholung der Schmerzen an der linken Schulter und am Schwertfortsatz; in der rechten Schulter und im Bauch bleiben sie fort. Am 1. December ist alles verschwun- den. Die nächsten 51enses am 16. December (eDvas verfrüht 26 Tage statt 27) sind völlig beschwerdefrei.

Fräulein Sylvia L n. Fall in.

Pitt an doppelseitiger Xaseneiterung (Siebbeinzellen), Kopf-, Armsebmerz und Dysmenorrhöen. Diese Beschwerden sind durch ent- sprechende Xasenbehandluug beseitigt ; doch ist die Eiterung noch nicht völlig abgeheilt. Am 14. Xovember 1895 IMenses. Xur dreitägig, statt wie sonst 5 tägig. Am 4. Tage doppelseitige Ischias, die erst nach einer oche sich verlor. Ein damals angestellter Cocainversuch war positiv. Daun am 12. December 1895 Menses (vom 12. bis 15. De- cember, also nur 4 tägig). Am 16. heftiger Schmerz an der Spitze beider Schulterblätter, Bruststiche und kolikiurtige Bauchschmerzen von 2-stündiger Dauer. Dieser Erscheinungen halber wird eine electroly- tische Behandlung der nasalen Genitalstellen mit dauerndem Erfolg vorgenommen. Der Cocainversuch hatte zuvor die Abhängigkeit von der Xase gelehrt.

Es gehören hierher auch die Fälle, wo statt des am nor- malen Termine erwarteten aber nicht eingetretenen Unwohlseins eine Migräne erscheint. Und ebenso die Fälle, wo eine abnorm kurze menstruelle Blutung durch eine Ersatzmigräne compensirt


  • ) Siehe Fliess: Neue Beiträge, Seite 10 Anmerkung.


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wird. Diese Erscheinungen werden anderen Ortes ihre ausführliche Würdigung finden. Hier soll nur betont werden, dass auch bei diesen Migränen ein Zusammenhang mit der Nase nachweisbar ist.

Wir haben aus diesen Jfeobachtungen. die ich noch zumal im Sinne der Krankengeschichte 111 vermehren ktamte. gesehen, dass der gestörte menstruelle Ablauf neuralgische Veränderungen in der Nase setzt, welche ihrerseits Fernerscheinungen auslösen und unterhalten. Die F ernerscheinungen lassen sich wiederum von der Nase her beseitigen.

Was aber hier die gewöhnliche Menstruation thut, bringt in ganz gleicher Weise auch die menstruelle Störung in der Schwanger- schaft zu Stande. Wir haben bereits aus der Gravidität fünf Bei- spiele dafür kennen gelernt.

Im Fall ?)1 war es das Herzklopfen, das in der Schwangerschaft via Nase erzeugt und von der Nase her beseitigt wurde. Fall 38 und Fall 41 beweisen uns, Avie die GraAÜdität krampfartige Hypo- gastriumschmerzen herAmrrief, Avelche die Entbindung überdauern und erst auf Aetzung der Genitalstellen in der Nase A^erscliAAunden.

Frau G. (Fall 40) bekam im 5. Monat heftige Stiche in der Brust und in der Spitze des linken Schulterblattes. Erscheinungen, deren nasale Natur uns Avohlbekannt sind. Diese Erscheinuno-en waren mit der Niederkunft aauc abgeschnitten. Bei Frau D. (Fall 43) wurde durch die Niederkunft der Eiter im Keilbein foetid (wie so häufig dies durch die gewöhnliche Menstruation herA’orgerufen wird*), sie bekam ausserdem die analoge Verschlimmerung des Kopfschmerzes und der übrigen von der Eiterung abhängigen Er- scheinungen, lind übrig blieb zuletzt jener eigenthümliche, uns

bereits bekannte Schmerz in beiden Schultern und Armen. Avelcher

auf Nasenätznng prompt sistirte.

Die geAvöhnliche menstruelle Verschlimmerung: der A'on Neben-

C" c

höhleneiteruns' abhäneiffen BescliAverden. die ennz analo£;e. nur sehr A^ergrösserte Verschlimmerung nach dem partus selbst; das sind zu frappante Aehnlichkeiten, als dass man dem Schluss A’on der Gleichheit der Ursachen in beiden Fällen ausAA'eichen könnte.

In den genannten anderen Fällen, deren Beobachtung zeitlich so AA'eit zurückreicht, habe ich nachträglich nicht mehr feststellen


Cf. Endriss 1. c.


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können, ob etwa bei ihnen eine Störung im Ablauf des menstruellen Processes intra graviditatem die Ursache für das Auftreten von den nasalen Ersatzerscheinungen gewesen ist. Ich halte das aber per analogiam für wahrscheinlich, umso mehr, als im Fall 41 die Schmerzen im linken Hypogastrium genau vier Wochen vor der Entbindung ihren Anfang nahmen.

Das Capitel von den gemeinsamen Beziehungen der Gravidität, bezw. der Geburt, der Menstruation und der Nase kann ich nicht beschliessen, ohne noch eines anderen auch praktisch nicht un- wichtigen Zusammenhanges besonders zu gedenken: des Connexes zwischen Abortus und Nase.

Wir haben bereits gesehen, dass der Abortus gewöhnlich zur Zeit der Menstruation stattfindet. Wir haben ferner erfahren, dass man von der Nase aus nicht nur die Dauer und Menge der men- struellen Blutung, nicht nur gewisse Menstruationsschmerzen beein- flussen kann, sondern dass man auch im Stande ist, von der Nase her das Menstruationsintervall zu ändern und in gewissen amenorrhoischen Zuständen die Menses wieder hervorzurufen. Der Schluss liegt nahe, dass man auch von der Nase her Ab ortus erzeugen kann.

i\Iir ist es in früheren Jahren zweimal passirt, dass im An- schluss an eine Nasengalvanokaustik (es waren beide male die Genitalstellen) Abortus eingetreten ist. Ich war über das Bestehen der Schwangerschaft in diesen Fällen nicht unterrichtet. Auch wusste ich damals nichts über einen solchen Zusammenhang. Doch war das plötzliche Zusammentreffen zwischen Nasenbehandhmg und Abortus in beiden Fällen mir so auffallend, dass ich beschloss, dringend Obacht zu geben und dass ich ferner einigen Collegen von meinen Beobachtungen Mittheilung machte. Erst später las ich im Lehrbuch von Schech*) den Satz: „Eine absolute Contra- indication der galvanokaustischen Behandlung ist die Schwanger- schaft, da sehr leicht Abortus herbeigeführt wird.“ Aber auch mit der Kenntnis meiner eigenen üblen Erfahrungen und des eben citirten Satzes von Schech habe ich doch noch zwei weitere Male

  • ) Schech; Kraukheiten der Mundhöhle, des Itachen sund der Nase. Wien 1892.

S. 273.


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diesen Unfall zu beklagen. Der eine ist der früher angeführte von der Frau H. (Fall 103). welche während der Lactation concipirte. ohne es zu wissen, dann wegen eines Recidivs nasaler Fern- erscheinungen (Armschinerzen), die früher erfolgreich behandelt waren, meine Hilfe aufsnchte. Ich hatte, ohne an eine neue Gravi- dität zu denken, die Aetznng beider Genitalstellen der Fase nach erfolgreichem Cocainversuche vorgenommen und drei Tage später, n. zw. am nächsten Menstruationstermin, 24. September 1892. (also 4 X 28 Tage nach der Geburt ihres Kindes, 4. Juni 1892) trat ein regelrechter zweimonatlicher Abort ein. Die Frau hatte früher sechs normale Wochenbetten durchgemacht, nie zuvor abortirt.*) Mir ist nachträglich aufgefallen, dass die zwei Jahre zuvor von mir bei derselben Patientin erfolgreich durch Xasenätzung be- handelten Armschmerzen ebenfolls im Anschluss an eine Schwanger- schaft aufgetreten waren.

In dem folgenden Fall hat es sich um eine Frau o'ehandelt. die von dem eben erwähnten Vorkommnis wusste. Ich hatte keines- wegs verschwiegen, dass ich mir an dem Zustandekommen des Abortus die Schuld Ijeimesse. Mir ist. wie ich leider anzunehnien gezwungen bin, das Bestehen der Schwangerschaft nicht ohne Ab- sicht verheimlicht worden.

Ich habe Avegen Kopfschmerzen bei der Patientin versuchs- weise eineElectrolyse der gescliAvollenen Genitalstellen A'orgenommen. Darnach trat 3 Tage später (genau 35 Tage nach dom Eintritt der letzten Regel) eine Uterusblutung auf, nachdem am Tage zuAmr der Herpes an der Oberlippe erschienen AA-ar, welcher bei der Patientin der Regel Amranzugehen pflegt. Auch die subjectiA'en Er- scheinungen des UiiAvohlseins, ein Avenig Migräne. Ziehen im Bauch und Kreuz, das charakteristische Unbehagen Avaren A'orhanden.

Diese Uterusblutung führte indess nicht zum Abortus. Viel- leicht Aveil der reguläre Menstruationstermin bereits 12 Tage Amrstrichen Avar. Das menstruelle Intervall lietrug bei der Patientin angeblich 27 Tage. Die Schwangerschaft ging zAA’ei Monate Aveiter. Dann hat die Patientin selber an ihrer Nase manipulirt! Und Auer

  • ) Im Anschluss an diesen Abort ist sie erkrankt und hat eine Ketroflexio tixata

acquirirt. Im Gefolge dieser ist dann im nächsten Jahre ein zweiter Abort zu Stande gekommen.


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Tao-e darauf, genau am dritten Menstruationstermin der Sclnvanger- schaft begann die Uterusblutung, die mit dem Abort abscliloss-’^).

Nacli den letzten beiden Fällen bin ich genütliigt anzunehmen, dass Electrolysen oder Aetzungen an den Genitalstellen der Nase umso eher eine bestehende Schwangerschaft gehthrden, je näher diese Manipulationen an die herannahenden ]\Ienstruationszeiten (intra graviditatem) fallen.

Ueber die rückläufige Beziehung zwischen Abort und Nase habe ich gelegentlich der nasalen Dysmenorrhoe (vgl. lall 35) ]\Iittheilung gemacht.

An die Schwangerschaft schliesst sich in der Norm die Lactation, während deren Dauer gewöhnlich die menstruelle Uterusblutung ebenfiills ausbleil)t. Es ist von vorneherein wahrscheinlich, dass auch zur Zeit der Lactation nur die Uterusblutung ccssirt, keines- wegs aber der menstruelle Process, sondern dass der letztere eben- falls seine Zeichen in der Nase gibt, wie es während der Schwanger- schaft der Fall ist. Leider steht mir bisher über die Lactation nur eine directe Beobachtung zu Gebote.

Doch verfüge ich ausserdem noch ül)er die Geschichte eines Falles, der beweist, dass beim Stillen Erscheinungen auftreten können, deren Zusammenhang mit der Nase ausser Zweifel steht.

Fr<an Emmy St .... e, Arbeitersfrau (2.5 Jahre alt), liat vor einem Jahre die erste Schwangerschaft beendigt und hat ihr Kind zu näliren A'ersuclit. Sie l)ekaiu bereits nach den ersten Versuchen Stiche im 2. und 3. rechten Intercostalraum, die sicli allmählich zu neuralgischen Schmerzen entwickelten und sich mit Schmerzen an der Spitze des rechten Schulterblattes vergesellschafteten. Die Schmerzen blieben jedes- mal fort, wenn sie das Kind absetzte und kamen jedesmal wieder, wenn sie das Säugegeschäft wieder aufnahm. Sie hat sich nach zwei ^Monaten immer erneuerter und wieder vereitelter Bemühunc-en gezwungen gesehen, das Stillen aufzugeben, von welchem Moment an die Schmerzen ganz sistirten. Xach .lahresfrist indess (Anfang September 1894) traten dieselben Schmerzen in ganz gleicher IVeise wieder auf, ohne dass die frühere A eranlassung vorhanden gewesen wäre. Al ohl aber war das Alenstruationsintervall plötzlich verkürzt (20 und 14 Tage, statt normal 26 Tage) und mit dieser A'erkürzung waren


  • ) Aus ersichtlichen Gründen unterlasse ich hier die Angabe der Kalenderdaten


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die „Ersatzsclimerzen“ (siche oben) erschienen. Wüssten wir nicht be- reits, dass solche Ersatzschmerzen von der Xase her ausgelöst werden, so hätte es uns hier der positive Cocainversuch (Genitalstellcn rechts, die hlasenförmig geschwollen waren) gelehrt, der durch die erfolgreiche Aetzhehandlung completirt wurde.

Die Kranke hat Adenoidreste, im Xasenracheiu'aum und Nasen- eiterung. Zur Pubertätszeit begann häufiges Nasenbluten, das erst mit der gleich nach der Heirat eingetretenen Gravidität anfhörte. Die Menses sind regelmässig, Amn achttägiger Dauer, sehr stark und mit den Er- scheinnngen nasaler Dysmenorrhoe A'erknüpft.

Ausserdem hat l’atientin seit dem dritten ^lonat der SchAvanger- schaft ^lagenschmerzanfälle bekommen, AA'elche die GraA’idität überdauert haben und auch jetzt noch regelmässig zur Zeit der Menses auftreten. 1 )ie Magenschmerzstelle") (A'orderes Drittel der linken mittleren Nasen- muschel) ist stark hypertrophirt. Der CocaiiiA'ersuch im Magenschmerz- anfalle fällt positi\' aus. Nach der angesclilossenen Extirpation der er- Avähnten kStelle sind die i\Iagenschmerzen jedenfalls hei der nächsten Menstruation fortgehlieben. Einer Aveiteren Beobachtung hat sich die Patientin leider entzogen.

Die Patientin hat noch die beinerkensAverthe Angabe gemacht, dass sie Avährentl der ganzen ScliAvangerschaft, und zAvar A'oin ersten ^lonat an, heim Coitus Bauchschmerzen („Avie hei der Regel“) gehabt habe. Später sind dieselbeir nie mehr aufgetreten.

Die A^üllige Gleichheit der (erAviesenermaassen nasalen) Recicliv- schnierzen (Anfang September 1894) mit jenen, die beim Stillen die Kranke peinigten, Hesse schon den Walirscheinlichkeits- schluss auf einen nasalen Mechanismus auch für die letzteren zu. Dazu aber kommt noch der gewichtige Umstand, dass die Recidiv- schmerzen zugleich mit Störungen des Menstruationsinteiwalles einhergingen, also ohne Zwang aus der Wechselbeziehung erklärt Averden können, welche zwischen Genitalien und Nase besteht.

Da endlich für die Lactationsperiode überhaupt eine Störung im normalen xAblauf der Menstruation charakteristisch ist, so kann es nicht Wunder nehmen, Avenn auch sie aut dem Wege über das Genitale verändernd auf die Nase einwirkt. Dass diese Verniuthungen nicht unberechtigt sind, beweisen einige Wahrnehmungen, die ich bei der Frau A. (Siehe Seite 129.) machen konnte. Dieselbe hatte nur spärliche Nahrung, welche um den 5. Januar fast ganz versiegte. An diesem Tage docu-


  • ) Siehe; Dysmenorrhoe und Mageiischmerz 1. c. S. 3.


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mentirte ein verstärkter blutiger Wochenfluss (Niederkunft vor- zeitig am 29. December) das Herannahen des letzten Men- struationstermines nach altem Typus der eigentlich mit dem Termin der Niederkunft hätte zusammenfallen sollen. Einen Tag vorher (4, Januar) bekam die Wöchnerin zweimal ihr bislang gänzlich unbekannte neuralgische Magenkrämpfe, die beidemal durch Einathmen von Menthol*) durch die linke Nase in wenigen Minuten coupirt wurden. Aus den Magenschmerzen wurde Hunger.

Ferner traten bei dieser Wöchnerin jedesmal heftige Supraor- bitalschmerzen ein, wenn sie das Kind anlegte. Und zwar Avaren beim Anlegen an die rechte Brust die Supraorbitalschmerzen rechts- seitig und bei der linken Brust linksseitig. Stets aber half Menthol- einathniung durch die entsprechende Nasenseite.

Ein Zusammenhang zwischen Lactationsbeschwerden und Nase ist also unzweifelhaft.

Bei einer anderen Wöchnerin, die reichlichere Nahrung hatte, AYurde bestehender Kopfschmerz in der linken Kopfliälfte beseitigt, Avenn sie das Kind an die linke Brust anlegte, und der Kopf AAmrde rechts frei, Avenn das Kind an der rechten Brust sog. Dieses Verhalten war ganz gesetzmässig und konnte mehrfach constatirt Averden. Es bildet ein lehrreiches Gegenstück zur eben erAvähnteu Beobachtung.

Ich möchte mir hier noch eine Bemerkung gestatten. In der Nacht Amm 4. zum 5. Januar, also unmittelbar Amr Eintritt des A'^erstärkten blutigen Wochenflusses, der am 5. Januar Früh erschien, bekam Frau A. einen leichten aber typischen Augst- anfall mit profusem Schweiss. Auch hier half Mentholinhalation durch die Nase recht schnell. Es muss also eine Componente für die x4uslösung des Anfalles in der Nase gelegen sein. Wir sehen ähnliches beim nervösen Asthma, bei dem ja die Angst eine so significante Rolle spielt. Auch dieses kann von der Nase her (z. B. durch Polypen) ausgelöst werden. Ich werde an späterer Stelle zeigen, Avelch’ ein notliAvendiges Glied dabei die Genitalstellen der

"j Anmerkung: Menthol wirkt wie Cocain, nur schwächer anästhesirend auf die Nasenschleimhaut. Die linke mittlere Muschel ist die Magenschmerzstelle.

Fliese. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen


7


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Nase sind und weiterhin, welchen sexnellen Einflüssen diesell)en unterliegen müssen, wenn das Asthma zu Stande kommen soll.

Aber noch ein weiteres lehrt die angezogene Beoljachtung bei Frau A. Die Angst tritt nnmittelbar vor dem Termin der- jenigen Menstruation ein, welche die Geburt l)edeuten sollte. Es scheint hier ein ins Physiologische abklingendes Beispiel für einen Vorgang zu sein, der unter anderen Bedingungen eine echte puer- perale Angstpsychose erzeugt, die nicht ohne nasale Zeichen verläuft. Ich beobachtete in der Universitäts-Frauenklinik (am 5. Jan. 189G) eine Wöchnerin, Primipara, die ebenfalls (wie Frau A.) 1 g AVochen vor dem berechneten Termin niedergekommen war. Ihre letzte Regel hatte sie am 2G. März 1895, das Menstruations-Intervall war 28 tägig. Die Wehen hätten also am 2. Januar einsetzen müssen. Doch war die Entbindung bereits am 24. Deceml3er erfolgt. Am ersten Januar Abends, also auch hier unmittelbar vor jenem Men- struationsterniin, an dem die Geburt eintreten sollte, bekam sie einen Angstanfall mit Arrhythmie und Syncope von solcher Stärke, dass sie in die Klinik geschafft wurde, wo dann in den nächsten Tagen noch mehrere Anfälle gleicher Art und Heftigkeit beobach- tet worden sind. Die Anfälle waren die ersten, welche im Leben der Patientin erschienen sind, sie begannen an dem Termin, welcher nach der Beobachtung bei Frau A. als der d eterminirte angesehen werden darf, und sie gaben insofern ihre Zeichen in der Nase, als die Epistaxis, welche sich durch die ganze Schwan- gerschaft und durch die erste Zeit des AYoehenbettes in wechseln- der Stärke gezogen hatte, mit dem Tage des ersten Angst- anfalles aufhörte.

Dass hier übrigens die Angst sich nicht auf eine minime Aeusserung (wie bei Frau A.) beschränkte, sondern die Di- mensionen der puerperalen Psychose annahm, wird demjenigen leicht erklärlich sein, der die grundlegende Mittheilung F reud’s*) kennt.

Es liegt hier der Fall der frustranen Sexual-Erregung vor, die stets in Angst verwandelt Avird. Die Geschichte des Falles weist folgende Momente auf.

  • ) „lieber die Berechtiguug, von der Neurasthenie einen bestimmten Symp-

tomencomplex als Angstneurose abzutrennen. You Dr. Sigm. Freud. Neurol. Central- blatt 1895 Nr. 2.“


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Frau P w, 23 Jahre, I a.

Patientiu ist mit 19 Jahren u. z. regelmässig raenstruirt, hat aber schon frühzeitig masturbirt und litt wie alle Masturbantinnen an fluor albus, sehr hartnäckiger Stuhlverstopfung und Magenschmerzen, welche sich oft aus Hunger entwickelten und die endlich die Auf- nahme ins städtische Krankenhaus am Urban (Juni 1895) nöthig machten. Za jener Zeit waren auch die Menses häutiger (14 tägig) und von längerer Dauer. Als Pat. iin Juli 1895 das Krankenhaus verliess, kam es zu vielfachen Liebesscenen mit ihrem Bräutigam, den sie kurz vor dem Eintritt ins Krankenhaus kennen gelernt, und der sie sehr gern hatte. Niemals aber wurde der Coitus vollzogen. („Frustrane Er- regung“). Die Onanie hat sie zur Zeit ganz aufgegeben. Am 9. April Hochzeit. Gleich darauf Schwangerschaft, während deren sie wieder öftere Magenschmerzen bekam. (Onanismus conjugalis, weil die Frau anästhetisch beim Coitus war ! Vielleicht ist die Manustupration von Seiten des Mannes auch die PTrsache des gehäuften Nasenblutens wäh- rend der Schwangerschaft. (*)

Am 24. December: Vorzeitige Niederkunft.

1. Jänner: Angstanfall.

Hier sind die sehr häutige frustrane Sexualerregung während der Brautzeit und die spätere eheliche Anaesthesie einer IMasturbantin die concurrirenden Ursachen (nach Freud) für die Anhäufung von Angst, die aber an einem physiologisch v o r g e z e i c h n e t e n T e r- m i n ** ) eruptiv e n t b u n d e n w i rd.

Dabei aber gibt es eine Nasenveränderung : die Blutung der Nase hört auf.

V.

Zwischen dem 4. und 5. Jahrzehnt des Lebens erlischt in unseren Breiten für gewühnlich die Fruchtbarkeit des AVeibes. Es markirt sich dieser wuchtige Abschnitt äusserlich durch das Fortbleiben der menstruellen Blutung, die häufig einige Zeit vor dem gänzlichen Cessiren bereits unregelmässig geworden ist. Die Zeit des Ueberganges — Klimax — ist reich an Besch w^erden. w^el- che sich oft noch Jahre in die Zeit der vollen Menopause hinein erstrecken. Ruht wirklich der Menstruationsprocess von dem Mo- ment an, wo die letzte menstruelle Blutung beendigt ist?

Diese Frage ist nach dem mir vorliegenden Material bereits zu verneinen. AVas aber für uns noch besonders bemerkenswert ist: es ruht auch keinesw^egs die periodische Beziehung, welche zwischen dem Sexuale und der Nase besteht.


  • ) Siehe Capitel VI.
    • ) Vgl. Capitel XII.


100


Und bei dem Erweis dieses Factums Avird sich zeigen, dass diese Beziehung durchaus nicht nur in dein 28tägigen Tj’pus besteht. Es gibt noch einen anderen, in der Menopause besonders schön zu erkennenden 23 1 ä g i g e n Typus, dessen allgemeine Bedeutung erst in einem späteren Abschnitt geAvUrdigt werden kann.

Wenn das Unwohlsein, gewöhnlich im 5. Lebensdezennium, anfängt unregelmässig zu AA^erden, dann treten öfters die ersten Menopausen-Erscheinungen mit nasalem Mechanismus gerade bei solchen Patientinnen auf, die früher niemals sich über nasale Fern- besch Averden zu beklagen hatten. Dies Verhalten kann uns nicht Wunder nehmen. Denn AAÜr erinnern uns (A^gl. S. 89), dass auch AAüihrend des geschlechtsreifen Alters eine Menstruation, die ver- spätet erscheint, ihre nasalen Zeichen gibt oder mit anderen Worten dysmenorrhoisch Avird, ganz im Gegensatz zu den Menses normaler Termine. Die Verspätung ist aber geAvöhnlich das erste Symptom der beginnenden Menopause. Es ist also begreiflich, dass die Menopause leicht mit nasalen Fernerscheinungen ( „Menopausen- bescliAverden“) sich ankündigeu AAÜrd.

Wir haben schon im Fall 108 eine Patientin kennen gelernt, welche sich der Menojiause naht und bei der zu jener Zeit, Avo die Periode hätte kommen sollen — sie ist zum ersten male verspätet eingetreten — Kreuzschmerz erschien. Die nahende Menopause hat sich in der Folgezeit auch durch Auftreten A^on Migräne mit Herzarrhythmie (Menopausenangst) signalisirt.

Mrs. M . . . . u, eine Fünfzigerin, die stets regelmässig meirstrnirt lind A'öllig gesund Avmr, leidet seit A’ergangenem Jahre (1894) an un- regelmässig 6 — 8AYöcheutlich auftretendeu Menorrhagien, denen übrigens Urticaria (früher der Kranken unbekannt) A-oransgeht. Mit diesen Menorrhagien sind (|uälende Schmerzen am ScliAA’ertfortsatz des Brust- beins und linksseitige Kopfschmerzen erschienen. Typische, sehr stark ausgeprägte ScliAYellungen an den Genitalstellen, besonders der linken Nase. Auf Cocainisirung derselben lassen die ScliAvertfortsatz- und Kopf- schmerzen nach. Aetzung 19. Jänner 1895 hilft dauernd. (Letzte Nach- richt October 1895.)

Einen weiteren sehr lehrreichen Fall entnehme ich in kurzem Kesnme einer früheren ausführlichen Pnblication.*)

  • ) Dysmenorrhoe und Magenschmerz 1. c. Fall 7, S. 13/14 und 40/41 des

Separatabdi-uckes


101


Frau 1’. B. hat in ihrer Mädchenzeit einen Scharlach durch- gemacht und litt in Folge dessen an Xaseneiterung-, die erst in der Menopause ahgeheilt ist. Seit ihrer ersten Menstruation (charakteristisch für Naseneiterung'*) im 1.3. Lebensjahr litt sie an Dysmenorrhoe und bekam in ihrem 17. Jahr den ersten Magenkrampf, dessen Auftreten meist in deutlichem Zusammenhang mit der JMenstruation stand. L’ehelkeit,

Kolik, Schmerzen in der linken Schulter und anfallsweise Schmerzen vom Schwertfortsatz des Brustbeins ausgehend, bestanden ausserdem.

Alle diese Beschwerden, die der Kranken das Lehen verbitterten, gingen spontan fort, als die iMenopause eintrat. Dieses Glück dauerte aber nur ein Jahr. Dann erschienen ])lötzlich die IMagenkrämpfe wieder und mit ihnen blutige Ausscheidungen aus den Genitalien, denen einige Tage lang blutig wässriger Nasen ausHuss vorangegangen war. Der Cocainversuch an der IMagenschmerzstelle**) (vorderes Drittel der linken mittleren Nasenmuschel) war positiv. Die Extirpation dieser Stelle wurde damals unterlassen. Im November 1894 und 4Iai 1895 kehrten die Magenkrämpfe mit abermaligen Genitalblutungen wieder und wurden im Mai nach mehrmals wiederholtem jiositiven Cocainversuch durch Ex- tirpation der 4[agenschmerzstelle dauernd l)eseitigt. Cocainisirungder rechts- seitigen Genitalstellen in der Nase hat die Schmerzen am Schwertfort- satz aufgehoben, die dann einer dortigen Aetzung dauernd gewichen sind.

Die Menopausenblutungen waren also wahre Menstruationen. Sie gingen mit denselben nasalen Fernerscheinungen einher wie diese, und Avaren übrigens auch von jener „nervösen“ Heiserkeit begleitet, welche die Ihatientin früher bei jeder Ih'gel hatte.

I rau Cäcilie L n, 52 Jahre alt, immer gesund gewesen, H6.

10 Ivinder, 3 Aborte. Nur als ^lädchen und A’or 10 .Tahren, avo die Eheleute den Coitus reservatus übten, litt sie an Nasenbluten. IVährend letzterer Zeit Avurde sie zu Paris in der Nase kauterisirt und der PraeA'entiA'A’erkehr Avurde unterlassen. Vor zAvei .Tahren Avurden die früher ganz regulären schmerzlosen Menses unregelmässig (6 — 8 V ochen, bis .3 Monate Pause), dauerten bis 14 Tage, und nun stellten sich Anfälle A'on Arrhytlnnie mit Angst ein, die jeder internen Therapie trotzten. Die Anfälle Avurden immer häufiger und kamen, als ich die I atientin am 2. December 1894 sah, schon seit .lahresfrist jeden lag, gewöhnlich nach der Mahlzeit. Dauer mehrere »Stunden. Dabei heftiges Luftaufstossen und grosse Angst.

Eine blosse Sondirung der Nase, Avobei die stark geblähten Genital- stellen berührt Avurden, brachte zum grossen Erstaunen der Kranken eine l’ause in den Arrhythmie-Anfällen von einer Woche hei'A-or.

Der nächste Arrhythmie- und Angstanfall am 9. December 1895 Avurde dem Cocainversnche (Genitalstellen beiderseits) unterworfen. Die Nase blutete dabei sehr stark. In 15 ^Minuten Avar der Anfall beendif’’t

O •


  • ) Vg]. Fall 25 und 3G.

Siehe Seite 109.


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Der zweite Anfall in der Frühe (7 Tlir) des 10. December 1895, wo Patientin bis 5 Uhr IMorgensauf einem Ball weilte, Avar ohne Arrhythmie. Nur starkes Herzklopfen und Öclnvindel und hefti<>’ster Harndrang. Dabei kleiner, sehr schneller Puls (114 Schläge in der Minute). Diesmal Avurden die Genitalstellen der linken Nase mit Trichloressigsäure geätzt. Puls geht danach in AAxmigen ^Minuten auf 92 (aoii 114) herab und AAÜrd voll und kräftig. Das Herzklopfengefühl hört auf. In den nächsten drei Tagen kamen dann starke Arrhythmien (als Peactionserscheinungen). i\Iit dem 18. December Ijeginnt die Besserung, die bis zum 4. Jänner anhält. An diesem 'Page Avird das Herzklopfen stärker, Aveshalb die Genitalstellen der rechten Nasenseite geätzt Averden. Auf die Aetzung erfolgt Avieder enormer Harndrang, sehr starkes Herzklopfen, dann Schmerzen zAvischen den Schulterblättern, im Kreuz und an beiden Hypogastrien (Peaction). Am nächsten Tage fängt der Nachlass der BescliAV'erden an, der am 6. Jänner complet Avird. Da die Genital- stellen trotzdem noch etAvas gescliAvollen und emptindlich sind, Averden sie der Electrolyse unterworfen. Darnach ist die Patientin — A'on einer ^ligräne am 13. Jänner abgesehen — frei A’on BeschAverden bis zum 26. Februar, avo nach 14 Monaten die Geuitalblutung Avieder erscheint. Arrhythmieanfällc mit Migränen füllen fast eine AVoche aus (auf einer Peise in Südfrankreich). Darauf Avieder A ölliges AVohlbefinden bis zum 4. October 1895, avo Patientin (ebenfalls ausserhalb) einen starken Arrhythmie-Anfall, diesmal ohne Migräne bekam.

Die Behandlung der Nase hat also das Zustandekommen der Anfälle nicht gänzlich verhindert, sondern nur so bedeutend er- scliAvert, dass die Patientin monatelang sich Amrtrefflich befand.

Bei dieser Kranken hat sich der Zusammenhang zwischen Nase und Sexualorgan bereits in ihrer Mädchenzeit durch Nasen- bluten documentirt. Der Coitus reservatus vor 10 Jahren hatte wiederum Epistaxis hervorgerufen, die der Gah’anokaustik und der Einführung des normalen sexuellen Verkehres Avich. Frau L. vermuthete damals ganz richtig die Ursache des Nasenblutens. Die Menopause hat nun die erneuten BeschAverden lierA'orgerufen. Dass dabei ein Stück von nasalem Mechanismus A'orhanden war, beweist zunächst der Einfluss der Nasensondirung auf das einAVüchentliche Ausbleiben der Anfälle, dann der Cocainversueh, die ReactionsA'erschlechterung und die darauffolgende enorme Besserung, die nur zweimal unterbrochen Avird (am 20. Februar AVO die Periode Avieder erscheint, und am 4. October).

Bei .den bisherigen Fällen hat die wiederkehrendc Menstrual- blutung gezeigt, dass die periodische Thätigkeit der Sexualorgane


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noch niclit erloschen war. und das Zusammentreffen der uterinen Blutimg’ mit gewissen Fernerscheinungen von nasalem Mechanismus hat uns diese letzteren sofort deuten lassen.

Schwerer durchsichtig sind diejenigen Beispiele ans der Meno- pause, wo die uterine Blutung bereits definitiv fehlt. Allein eine genauere Analyse wird auch hier den wahren Charakter der Be- schwerden offenbaren.

Frau Dr. L n. 40 Jahre.

Die Batientin, die immer gesund gewesen ist, erwacht seit vielen Jahren jeden Morgen mit heftigem ca. 10 maligen Niesen.

Im Jahre 1891, wo das Unwohlsein bei der erst 40jährigen, körperlich und geistig ungemein frischen und elastischen Frau bereits aufzuhören begann, blieb plötzlich das Niesen fort und es traten heftige neuralgische Schmerzen im rechten Trigeminus (I) und im linken Hypogastrium auf. Eine Sondenuntersuchung der rechten Nase ge- nügte, um das Niesen wieder hervorzurufen und damit die Schmerzen ,wie durch ein Wunder“ zu verscheuchen.

Bis um die Mitte des November 1893 blieb die Frau afoIiI. Da trat ein typischer Schmerzanfall im rechten Supraorbitalis ein, diesmal mit Uebelkeit und Flimmerscotom. Der Anfall wiederholte sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Dann erschien spontan das mit den Schmerzen ausgebliebene Niesen, undalle Bescliwerden sind wiederum wie ausgelöscht.

Das Wohlbefinden wird am 13. Jänner 1894 jäh unterbrochen. An diesem und den nächsten Tagen wiedeidiolt sich der Anfall im rechten Supraorbitalis. Ganz wie im November. Auch das Niesen ist wiederum ausgeblieben.

Die rechte untere Jluschel ist stark geschwollen. Der Cocain- versuch im Beginn des Anfalls, der sonst stundenlang dauert, hat nach 4 Jlinuten positiven Erfolg. Eine x\.etzung der cocaiuisirten rechten untei’en Muschel mit Trichloressigsäure verhindert die Wiederkehr der Schmerzen und setzt sofort den Niesreflex kräftig in Thätigkeit. (15. Jänner 1894.)

Nun ändert sich das Bild etwas. Die nächste Pause dauert bis zum 14. April 1894, wo Schmerzen in den beiden Hypogastrien, im Gesäss und entlang des ganzen Tschiadicusgebietes beider Beine auf- treten. 1 )a diese Schmerzen in den folgenden Tagen wieder erscheinen, und am 18. April sehr heftig sind, so Avird an diesem Tage der Cocain- versuch gemacht.

Die Cocainisirung der linken unteren Muschel und des linken L'ubcrculum septi lässt die Schmerzen an der ganzen rechten Körper- seite bis auf ein geringes Ziehen in der Beuge verschwinden. Dieses Ziehen hört auf Cocainisirung der analogen Stellen der rechten Nasen- höhle auf.


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Am nächsten Tage (19. April) kehren die Schmerzen besonders heftig neben dem rechten Kreuz wieder. Der Cocainversnch (links!) hat denselben Erfolg wie am Vortage. Daher werden jetzt auch das linke Tuberculum septi und die linke untere Muschel mit Trichlor- essigsäure geätzt (die rechte Kasenseite war schon im Januar cauterisirt). ln den folgenden Tagen sind die Schmerzen nur noch schwach. Mit dem 23. April finden sie ihr Ende.

Die Patientin hat dann auf einer Peise in Böhmen am 2. Juli 1894 1 limmern und ^■orühergehende Aphasie (ca. ^4 Stunde lang) gehabt, l.nd am 17. August, gleichfalls auf der Peise, nach einem analogen Anfall noch leise Schmerzen in den Hypogastrien.

Am 22. September 1894 hatte sie zweimaliges Elimmern (ohne Aphasie.)

Dann kommt ein Intervall völliger Gesundheit bis zum 5. Juni 1895, wo l'atientin enorme Schmerzen an der Spitze des rechten Schulter- blattes, im rechten Oberarm und in der rechten Brust bekam. Ausser- dem an der Hinterfläche des linken Oberschenkels ein „nörgelndes Gefühl.“

Die Cocainisirung der Genitalstellen in der rechten Xasenhälfte gab ein sehr positives Pesultat. Es wurde dort mit Trichloressigsäure geätzt. Die Schmerzen erschienen („Peaction“) nach einigen Stunden noch einmal und blieben dann dauernd fort.

Ein weiterer Anfall — wiederum nach einer Panse absoluten Wohlseins — war am 4. December 1895, wo heftige Schmerzen an der Spitze des linken Schulterblattes erschienen, die auf Cocainisirung der linken unteren Muschel und des linken tub. septi sofort wichen, an den Eolgetagen aber wiederkehrten und auf eine am 7. December dort vorgenommene Aetzung prompt fortgeblieben sind.

Die Pause aber war diesmal nur kurz. Am 18. Januar 1896 trat eine rechtsseitige Trigeminus-Neuralgie auf, die am 20. Januar durch linksseitige Ischias abgelöst wurde. Wiederum ein positiver Cocainversuch, wiederum ein promptes Aetzresultat, das bis heute die Ischias hintangehalten hat. Jedesmal war bei den geschilderten Anfällen das Niesen ausgeblieben und ist sofort nach der Aetzung wiedergekehrt.

Die Patientin ist dann am 2. April 1896 von einer rechts- seitigen Abducenslähmung befallen worden, die später ihre Besprechung finden wird.

Das merkwürdige Niesen ist der Leitstern in der mit- getheilten Krankengeschichte. Es bleibt zum ersten Mal an dem Tage aus, wo die Menopause mit plötzlichem Cessiren des erwarteten Unwohlseins beginnt. Dafür tritt stellvertretend die Nenralgia trigemini (Spätherbst 1891) auf. Dann ist eine Pause von 2 Jahren. (Auch in den anderen Eällen treffen wir ein solches längeres


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Intervall nach den ersten Menopausebescliwerden an. Analogie; Die nasale Dysmenorrhoe der Pubertät entsteht ebenfalls erst ca. 1 Jahr nach Eintritt der ersten Menses). Und nun erscheinen in kürzeren Zwischenräumen von gesetzmässiger Dauer (\ iel- faches von 23 Tagen vgl. S. 205) Symptomencomplexe. die Men- struationsmigränen und Dysmenorrhöen ganz und gar ähnlich sind, die stets mit dem Ausbleiben des Xiesens einhergehen und die den Dysmenorrhöen auch darin gleichen, dass sie auf Co- cainisirung derselben Nasentheile verschwinden, von welchen aus auch die dysmenorrhoischen Schmerzen sich auflieben lassen.

Der einzige Unterschied liegt im Intervall, das nicht dem 28tägigen Typus, sondern dem 23tilgigen gehorcht.

Wir werden später sehen, dass beide Typen auch im geschlcchtsreifen Alter Vorkommen.

Unter den Beispielen aus der Älenopause soll noch eines hier Platz finden, das nach verschiedenen Richtungen hin merkwürdig ist.

Frau G . . ck, 5G Jahre alt, liat ihre Men.ses im 17. Lebensjahre bekommen. Dieselben waren stets regelmässig, genau 28tägig, ohne Beschwerde. Sie hat einmal geboren (18. November 1873, ülirigens genau 280 Tage seit dem letzten 3lenstruationstermin ! )

Vor fünf dahren, als die Menses noch regelmässig waren, ent- wickelte sich sehr schnell - - angeblich innerhalb vier Wochen — ein Kropf, der Schling- und Athembeschwerden machte und am 4. November 1888 entfernt wurde. Von diesem Tage ab blieb die gerade zu dieser Zeit erwartete Periode fort, ohne bis beute wiederzukehren. Dagegen stellten sich Schweisse ein, die alle paar Tage heftig auftraten. 5Iitte September 1894 blieben diese Schweisse plötzlich aus. An ihrer statt erschien eine linksseitige Ischias, welche die Kranke etwa eine Woche ans Bett fesselte und die dann verschwand. Die Schweisse kehrten zurück.

Am 20. October, nach einer Pause von ca. 4 Wochen, cessirten die Schweisse abermals und kam die Ischias wieder mit geradezu a'rau- sanier Heftigkeit. Die Kranke schreit Tag und Nacht. Weder heisse Bäder, noch Umschläge, noch Natron salicylicum etc. haben irgend eine Linderung gebracht. Die llauptschmerzen sind am linken Bein. Rechts ist der Schmerz mässig. Dabei ist der linke Arm .centnerschwer“ , so dass ihn die Kranke kaum bewegen kann. Daneben besteht grosse Lebelkeit, welche von jeder Nahrungsaufnahme abschreckt.

Am 23. October, wo ich die Kranke zuerst sah, machte ich sofort den Cocainversuch, obwohl ich keinen Spiegel bei mir hatte.


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23. October 1894:

1-30 IMittags. Cocainisirimg der recliten Nase. Die geringen lechtsseitigen Beinsclunerzen hören auf. Die linken bestehen unvermindert.

l'-iO Cocainisirung der linken Nase (Gregend der linken unteren j\Inscliel und des tnbercnluni septi).

1.43 Die fecbmerzen im linken Bein verringern sich.

1.47 Linkes tuberculum septi noch einmal mit Cocain betupft.

1.53 Schmerzen im linken Ischiadicus sind bis auf Spuren fort. Uebelkeit gewichen. Die Kranke kann aufstehen und essen!!

Darauf ätzte ich die Genitalstelleu der linken Nase mit Trichlor- essigsäure. Die Schmerzen bleiben den Tag über fort, ebenso die Nacht, die in gutem Schlaf verbracht wurde, und auch den folgenden Tag. Erst in der Nacht vom 24./2Ö. October zeigen sie sich wieder, aber gelinde, und ebenso in den folgenden beiden Nächten. („Beaction“.) Die Tage sind schmerzfrei. Die Uebelkeit ist dauernd geschwunden. Am 29. Gdctober kommt die Kranke zu mir; die linksseitige Nasenätzung wird jetzt präcise mit Znbilfenalime des Spiegels wiederholt. Nun sind auch die Nächte schmerzfrei.

Ein erst jetzt ordnungsgemäss anzustellendes Examen ergibt, dass Patientin bereits seit dem Sommer an Durst und Urinvermehrnng und jetzt au Vulvitis leidet. Ursache Diabetes (viel Zucker). Obwohl erst vom 16. December 1894 ab eine Aendernng in der Diät vorgenommen wird, sind doch die Schmerzen dauernd fortgeblieben. Sie kehren auch nicht wieder, als vom April 1895 an die Patientin auf eigene Paust die Diät aufgibt und ihrer Neigung zu Näschereien und Süssigkeiten ungehindert nachgeht. Der Zuckergehalt des Harns steigt sehr an, es tritt Albuminurie dazu. Das subjective "Wohlbefinden aber bleibt. Als ich die Kranke am 21. December 1895 wiedersehe, hat sie die volle Charakteristik der Akromegalie. Hände und Füsse sind auffallend grösser geworden. (Handschuhnummer von 6^4 auf 7Vg-) Uippen dick, Zähne im Unterkiefer stehen nach aussen, Nase plump, die Züge haben sich sehr vergröbert. Der linke Schilddrüsenlappen, von dem ein Stückchen zurückgelassen war, ist auffallend gewuchert. Subjectives Befinden ausgezeichnet.

Was an dieser merkwürdigen Krankengeschichte für unser Thema Belang hat, ist das Erscheinen der wesentlich linksseitigen Ischias in der Menopause, deren Abhängigkeit von den Genital- stellen der Nase durch den Cocainvers uch und durch die Therapie über jeden Zweifel erhaben ist. Als Menopausenerscheinung aber charakterisirt sieb diese Ischias dadurch, dass jedesmal wenn sie kommt, die Schweisse cessiren, die vom Anfang der Meno- pause an bestanden, und dass mit dem Aufhüren der Schmerzen


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die Scliweisse sieh wieder einstellten. Sie spielen hier dieselbe Rolle, welche in Fall 117 das Niesen einnahm.

Der Diabetes hat direct mit der Ischias keine Beziehung. Denn diese wich prompt auf Nasenätzung, obwohl der erstere ruhig fortbestand.

Für die Diabetes-Frage ist wohl — auch nach den neueren Erfahrungen anderer Autoren — das Wuchern des linken Scliild- drüsenlappens nicht ohne Bedeutung.

Ich schliesse hier das Capitel über die Menopause. In ihr besteht der Zusammenhang zwischen Sexualvorgängen und Nase fort. Dieselben Stellen der Nase, die auch sonst mit der Thätigkeit der Sexualorgane in innigster Beziehung stehen, werden durch die Vorgänge in der Menopause ebenfalls beeinflusst. Von ihnen aus Averden Fernsvmptome ausgelöst, die dem Complex der nasalen Reflexneurose augehören. Der Cocain\^ersuch gibt von diesen Nasen- stellen aus ein positives Resultat und die Thei-apie besiegelt es.

VI.

Bei der festen Verknüpfung der Nase mit den Genitalien ist es von vorneherein wahrscheinlich, dass auch beim Reproductions- act selbst sich Nasenveräuderungen Averden naclnveisen lassen. In der That existiren eine Anzahl A*on Beol)achtungen, avo Männer beim Coitus regelmässig A"on Nasenbluten befallen werden. Die früher erAvähnte Dissertation A’on Endriss führt Beobachtungen von Clocpiet. Morell Mackenzie und Isch Wall an, die sich sämmtlich auf Männer beziehen. Ich selber kenne den Fall einer Frau (Nulli- para) in mittleren Jahren, Avelcher regelmässig dasselbe passirte. Freilich litt die letztere an einer linksseitigen Keilbeineiterung, die zu einer Hypertrophie der Schwellkörper geführt hatte. Allein die Blutung trat doch bei anderen Gelegenheiten durchaus nicht ein.

Noch bezeichnender fast als diese Blutungen ist das Auftreten oder VerscliAvinden A"on Nasen\’erstopfung beim Coitus. Patienten, die mit einer grossen vasomotorischen Mobilität der Nasenschwell- körpcr begabt sind, haben häufig eine plötzliche. anfallsAveise Ver- stopfung der Nase. Ich kenne Beispiele, avo der Coitus mit experi- menteller Sicherheit eine solche Verstopfung löst, die sonst noch Stunden lang bestanden hätte. Es sind allerdings auch andere Fälle


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mitgetlieilt. wo der Coitus eine derartige Verstopfung und in ihrem Gefolge einen Asthma- Anfall hervorgerufen hat. Jedenfalls zeigt sich auch heim Coitus zwischen Nase und Genitale ein Nexus, dessen IMechanismus aber des Studiums noch dringend bedarf.

Es scheint, als sollten auch hier Beobachtungen aus der Patho- logie die ersten Schlaglichter auf die physiologischen Zusammen- hänge werfen.

Es ist nämlich mit aller Schärfe festgestellt, dass es eine Eorm von Nasenbluten gibt, an der Masturbanten leiden, und wo die Epistaxis in unmittelbarem Anschluss an den Excess auftritt. Joal beschreibt drei. Girod zwei, Peyer*) einen derartigen Fall, die allerdings nur Männer betreffen. Indessen hat Lemarchand de Trigon eine analoge Beoljachtung von einem iGjährigen Fräulein mitgetlieilt. Bei dieser Patientin Avar die rechte untere Muschel ganz besonders im Zustande der ScliAvellung.

Ich muss zur Erklärung solcher Fälle die vielfache eigene Beobachtung heranziehen, nach der bei Masturbanten stets eine Veränderung der Nase eintritt. Häufig kommt es zunächst zum Bilde der Rhinitis vasomotoria, mit abAvechselnder, anfallsAveiser Verstopfung einer Nasenhälfte. Später pflegt sich ein Zustand dau- ernder ScliAvellung an den Genital st eilen der Nase zu etabli- ren. Die unteren Muscheln sehen oft o-eradezu bl äsen fü r mi o- aufgetrieben aus, ein Befund, den ich als charakteristisch für ona- nistische Veränderung ansehen möchte. Das tuberculum septi bil- det ein mit der Sonde sehr leicht eindrückbares Polster. Dabei nimmt die Empfindlichkeit der geschwollenen Partien für Sonden- berührung zu, oft so hochgradig, dass die leiseste Berührung der Sonde als heftiger Schmerz empfunden Avird. Bei einzelnen Patienten sieht die Schleimhaut der ScliAA-ellkörper stärker Avascularisirt aus, und gerade bei diesen bringt selbst die zarteste Sondenbetastung eine starke acute Conjunctivalinjection mit Thränenabsonderung her- vor. Eben diese Kranken sind es, die an „nervöser” Asthenopie leiden und die eine Nasenbehandlung schnell und — cessante causa — auch gründlich heilt.

Die Onanie bringt also typische Axasomotorische Schwellungen an den Genitalstellen der Nase lierA^or


  • ) Citirt nach Endriss.


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und von diesen aus können alle jene Besch Averden I ausgelöst werden, die das Bild der nasalen Beflex- i neurose zusainmensetzen. Nicht zum wenigsten Dysmenorr- I hoen*) und Menorrhagien mit nasalem Mechanismus. Und recht häufig auch Kreuz- und Hypogastriumschmerz, „Lendenmark- symptome,“ welcher der banalen Therapie so hartnäckig wider- stehen ! Diese Schmerzen reagiren sämmtlich positiv auf den Cocainversuch, werden durch Verödung der Genitalstellen (am besten durch bipolare Electrolyse) zeitweilig beseitigt, kehren wieder, wenn die onanistischen Excesse fortdauern und bleiben nach der nasalen Therapie dauernd geheilt, wenn die Patientin die schädliche Gewohnheit wirklich aufgibt.

I Mit dem Satze, dass durch die Onanie eine Veränderung der

' Geuitalstellen der Nase hervorgerufen Avird, ist aber ihre Einwir- kung auf dieses Organ keineswegs erschöpft, wenigstens Avenn man ‘ unter den Genitalstellen, wie Avir das bisher mit gutem Grunde gethan haben, nur die unteren Muscheln und die Tubercula septi versteht. Es erleidet noch eine andere Localität der Nase eine I typische Veränderung durch die Ouanie und zaauu' ist dies die linke mittlere Muschel, wesentlich in ihrem vorderen Dritth eil.

Ich habe an anderem Orte gezeigt (ct. Magenschmerz und Dysmenorrhoe in neuem Zusammenhang. Wiener Kl. Rundschau I 1895 Nr. 1 ff.), dass der neuralgische Magenschmerz von einer Arteetion dieser Stelle der Nase abhängig ist und habe deshalb vorgeschlagen, das vordere Drittel der linken mittleren Nasen- muschel die „Magen schm erzstelle“ schlechtAA^eg zu nennen. Cocainisirt man die IMagenschmerzstelle in einem Anfall Amu ech- ter Cardialgie, so hört dieser nach 5 — 8 Minuten unfehlbar auf. Extirpirt man gründlich diese Partie der linken mittleren Muschel, AVcXs leicht mit einer geeigneten Knochenzange ausgefuhrt Avird, so schafft man den Magenschmerz dauernd fort.

Diese Sätze, die ich s. Z. mit 10 Krankenbeobachtungen be- legen konnte, haben sich durch Aveitere Erfahrungen ausnahms- los bestätigt, so dass ich sie als unzweifelhaft festgestellt betrachten darf.


  • ) Vgl. Fall 5.


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Nur möchte ich hetonen, dass hier von wirklichem neuralgi- schen Magenschmerz die Kede ist. nicht von jenem Schmerz am SchAvertfortsatz des Brustbeins, der als nasale FernAvirkung Amn den eigentlichen Genitalstellen aus sich häufig beobachten und Amn ihnen aus sich beseitigen lässt.

Die nasale Magenschmerzstelle kann organische Veränderun- gen aufweisen (Hyperplasie in Folge Amn Naseneiterungen, poly- pöse Degeneration, GescliAvulsthildung) und in deren Folge die Cardialgie erzeugen. Von diesen Fällen soll hier nicht die Rede sein.

Sie braucht aber auf den ersten Blick auch gar nicht afFicirt zu erscheinen und nur der leisen Sondenberührung durch ihre in- tensiA^e Schmerzhaftigkeit zu A^errathen, dass sie eine rein functio- neile „neuralgische'’ Veränderung erfahren hat, die sie zur Aus- lösung des ihr zukommenden FernsymptomSj des Magenschmerzes, geeignet macht.

Diese Beschaffenheit erlangt sie ganz geAvöhnlich in Folge onanistischer Excesse des Weibes. Nicht dass hei Männern die ana- loge Wirkung fehlte. Nur scheint beim Weibe die Wirkung aut die sensible Sphäre des Magens häufiger und eher einzutreten. Bei Männern hat man das typische Bild der Jugendneurasthenie mit Kopfdruck. Dyspepsie und hartnäckiger spastischer Stuhl A"cr- stopfung als Folge onanistischer GeAcohnheiten. Der eigentliche Magenschnierz spielt dabei keine oder eine nur geringe Rolle. Bei Mädchen bilden die cardialgischen Anfälle oft das erste und lierA'orstechendste Krankheitszeichen, das die Manustupration her- Amrbringt. Die anderen Symptome erscheinen erst hinterher.

Die ffrosse Häufigkeit der echten Cardialvien bei Mädchen entspricht der immensen Verbreitung dieser abnormen Art sexueller Erregung. Man begreift, wie AAfichtig es ist. ein diagnostisches Mittel zu haben, das im Anfall ganz sicher zu entscheiden ge- stattet, ob es sich nm einfachen neuralo’ischen Magenschmerz oder

7 O C?

um Ulcus. Gallensteinsclmierz oder eine andere anatomische Affec- tion handelt.*)

  • ) Anmerkung. Dass bei echtem hysterischen „Magenschmerz“ die Nase

keine Kelle spielt, ist selbstverständlich, sei aber hier ausdrücklich betont : handelt es sich doch dabei lediglich um die Verwandlung einer verdrängten Vor- stellung in ein körperliches Symptom. Vergl. die Ausführung bei der hysterischen Dysmenorrhoe Seite 85, ferner Breuer-Freud: Studien über Hysterie. Wien 189.5.


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Dieses differentialdiagnostisehe Mittel ist eben der ini Anfall gemaclite Cocainversuch an der nasalen Magenschmerzstelle. Fällt er positiv ans, so ist der Magenschmerz ganz sicher ein nervöser. Ist ferner die cocainisirte Stelle wirklich ganz unverändert, weist keinerlei anatomische Schädigung, auch nicht einmal eine feine Körnung auf eine tiefere locale Ursache (Eiterung) hin, so darf man getrost eine Fern Wirkung ex sexu annehmen, die sich ge- wöhnlich als Manustupratio entpuppen wird.

Veränderungen an den eigentlichen Genitalstellen der Nase"^) kommen auch hei Anomalien des wirklichen sexuellen Verkehrs (Coitus reservatus [condomatus] und interruptus) vor, ebenso habe ich sie bei Abstinenz (Witwen) gefunden. Ob der abnorme Ablauf der Sexual-Erregung in diesen Fällen allein die Nasenveränderung hervorgebracht hat oder der Onanismus conjugalis, der wegen mangelnder Befriedigung dem coitus folgte, will ich hier nicht entscheiden. Auch die Beispiele von Witwen-Abstinenz sind viel- eicht durch Masturbation getrübt. Sicher ist nur, dass auch die bei diesen Kategorien beobachteten nasalen Sclnvellungen für sich Fernsymptome der verschiedensten Art — natürlich nur im Rah- men des Complexes der nasalen Reflexneurose — hervorzubringen im Stande sind. Der Cocainversuch hat das in den Einzelfällen schlagend bewiesen.

VII.

Der Vollständigkeit halber will ich noch eine Afiection in Kürze erwähnen, die aller Wahrscheinlichkeit in den Zusammen- hang der hier beschriebenen Erscheinungen hinein gehört; des neuralgischen Steissschmerzes, der Coccygodynie. Es gibt gewiss eine Form des Steissschmerzes, die auf Trauma oder auf Knochen- erkrankung zui'ückzuführen ist. Von dieser ist hier nicht die Rede. Nur der wahren Steissneuralgie gelten meine kurzen Bemerkungen.

In der Anamnese dreier Kranken spielt die Coccygodynie eine Rolle. Zwei von ihnen haben an Siebbeineiterung mit Poly- penbildung gelitten, und im Verlauf ihrer Krankheit war unter anderen nasalen Fern-Beschwerden auch eine Avochen-, bezw. mo- natelange Coccygodynie aufgetreten. Bei einer dieser Kranken ist


  • ) ebenso wie Nasenbluten (vgl. Fall 117).


112


die letzte Entbindung- fast zwanzig Jahre her. Die andere ist Nulli- para. Die dritte, ebentalls nullipare Frau, bat an Magennenralgie nasaler Form gelitten und ist durch mich davon befreit worden. Da ihr Mann paralytisch war, so ist der sexuelle Ursprung des Magenschmerzes begreiflich, übrigens auch zugegeben.

■'all 119 . dieser Patientin trat die Coccygodynie scluis.sartig im un-

mittelbaren Anschluss au ein sehr heftiges Niesen auf und dauerte drei JYochen. Zugleich hiermit etablirten sich Schmerzen in beiden Oberarmen, die bis in die Schulterblatt s p i t zen zogen. Diese letzteren Schmerzen tragen ganz die Kennzeichen nasaler Fernbeschwerdeu. Die fernere ^'erbindung mit dem Niesen, nach welchem momentan der Steissschmerz erschien, lässt auch für letzteren einen nasalen Ursprung vermuthen. Ausserdem ist der Steissschmerz zweimal ganz kurz wieder- gekommen. Das zweite Mal hat er sich in den rechten Ischiadiciis verzogen und ist dann verschwunden. Der letztere (fang des Schmerzes lässt für den Arzt, der mit den nasalen Fernleiden vertraut ist, von vornehereiu die Vermuthung zu, es müsse der Sitz der Veränderungen die linke Nasenhälfte sein. Ferner ist Steiss- und Magenschmerz bei der Kranken niemals zu gleicher Zeit beobachtet worden.

Da ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, als sei der Steissschmerz gleichsam ein Ersatz des Magenschmerzes ge- wesen. so beschloss ich, bei einer vierten Kranken — der einzigen, die ich während der Schmerzen selber gesehen habe — den Co- cainversuch an der nasalen Magenschmerzstelle vorzunehmen.

Fall 120. Es handelt sich um die etwa 3 3 jährige Frau P 1, die

vor 11 Jahren einmal geboren hat, wonach sich allmählich eine Dys- menorrhoea membranacea entwickelte. Von verschiedenen Aerzten ist diese Aftection mit nur temporärem Erfolge — durch Auskratzung und Aetzung des Endometriums — behandelt worden. Für die Palpation ergeben sich normale Verhältnisse an den (f enitalien. Die 1 rau ver- trägt aber den Coitus nicht. Sie hat stets Schmerzen dabei und hat öfters darnach nasale Fernbeschwerden zurückbehalten. So vor einem Jahre Schmerzen im rechten Schulterblatt, die lange angedauert haben und erst (nach positivem Cocainversuch) auf Aetzung der rechts- seitigen nasalen Genitalstellen gewichen sind. Ausserdem haben sich seit der Entbindung fast permanente Kopfschmerzen eingestellt, durch welche die Frau entsetzlich gemartert wurde, und gegen die ebenfalls die nasale Aetzbehandlung an den unteren Muscheln und den tuberculis septi sich sehr erfolgreich bewiesen hat. Magenschmerz hat die Frau niemals gehabt.

Am 19. November 1894 kam Patientin mit der Klage über furcht- baren Steissschmerz, der sie am Sitzen und am Gradaufrechtgehen


113


liinderte tuul gar nicht verliesse. Der Schmerz bestellt eine AVoche nnd liat sich an einen Coitus angeschlossen, der übrigens von den Eheleuten sehr selten ansgeUbt ivird. Die linke mittlere Nasenmuschel zeigt eine geringfügige lappige Hypertrophie, sonst keinerlei Veränderung.

Ich habe, nachdem sich ein Bestreichen des rechten Nasenbodens mit dünner Cocainlösung — Ausschluss der Suggestion ! — ganz erfolglos erwiesen hatte, eine halbe Stunde später den regulären Cocainversuch an der „Magenschmerzstelle“ vorgenommen. 3Iit dem positivsten Er- folge. Nach fünf Minuten war der Steissschmerz absolut verschwunden. Sofort wurde die Extirpation des cocainisirten vorderen Theiles der linken mittleren Muschel angeschlossen, worauf der Steissschmerz definitiv fortblieb! Er >var bis zum März 1896, wo ich die- l’atientin zuletzt sah, auch nicht einmal wiedergekehrt.

Es wird mir scliAver, ans nur einem einzigen Versuch einen Schluss zu ziehen. Sonst müsste ich behaupten, dass auch die neuralgische Coccygodynie mit der linken mittleren Nasenmuschel in Beziehung steht. Doch habe ich geglaubt, die angezogenen Er- fahrungen nicht verschweigen zu dürfen. Vielleicht bieten sie Anderen eine willkommene Gelegenheit zur Prüfung.


VIII.

AVir haben bisher in den Mittelpunct unserer Betrachtung die Menstruation gestellt. An ihr liess sich der Zusammen- hang zwischen Nase und Sexualvorgängen am augenfälligsten aufzeigen. AVir sahen, dass zu grosse oder zu geringe Blutmengen bei den Menses, dass ein unregelmässiger Eintritt derselben, dass- vor allem eine bestimmte Art der sie begleitenden Schmerzen von der Nase abhängen. Die nasale Form der Dysmenorrhoe fanden wir beim Geburtsact als „echten Wehenschmerz“ wieder, und die ganz vollendete Analogie dieses Schmerzes mit dem nasal-dys- menorrhoischen zwang uns zu dem weiteren Schlüsse, der Kreiss- vorgang sei seiner biologischen Stellung nach eine grosse Men- struation. Der Alenstruationsprocess, so nahmen wir an, höre während der Schwangerschaft keineswegs auf, sondern finde nur nicht seinen normalen Ablauf durch die menstruelle Blutung. Die Antriebe,, welche sonst die Blutung auslösen, würden aufgespeichert und wenn ihre Summe — normalerweise mit der zehnten menstruellen AA^ eile — den Sehwellenwerth überschritte, dann werde jener gewaltige Alenstruationsvorgang entfesselt, dessen Resultat die endgiltige Lösung des Eies vom mütterlichen Fruchthalter ist.

Pliess, Die Beziehungen zwischen N.ase und weiblichen Geschlechtsorganen. g


114


Dieser Auffassung stellten sich zwei Schwierigkeiten entgegen.

Erstens schien die Annahme von der Fortdauer des men- struellen Processes während der Gravidität dem Augenschein zu widersprechen, und zweitens sahen Avir, dass die ScliAAuingerschafts- dauer nicht immer einem ganzen Vielfachen des individuellen Menstruationsintervalles gleichkommt.

Der ersten ScliAAÜerigkeit konnten Avir bereits durch den Himveis auf einige Beispiele begegnen. Eine Patientin hatte, A\' ährend sie scliAvanger AA^ar, stets um die Kalenderzeit der Men- struation Nasenverstopfung und Kopfdruck, eine andere hatte eben- falls genau am Kalendertage der Menses eine AA^ahre Dysmenorrhoea (ohne Blutung) intra gra\dditatem, die auch durch Cocainisirung Amn den specifischen Stellen der Nase aus ihre prompte Er- ledigung fand.

Wir Avollen aber noch viel eingehender zeigen, dass der Menstruationsvorgang Aveit entfernt ist, in der ScliAA^angerschaft zu ruhen. Und dabei Averden AAÜr zugleich Momente auffinden, Av'elche auch die zAA^eite ScliAvierigkeit betreffs der ScliAAUAngerschafts- dauer vollständig heben sollen.

Für unseren ZAveck geben Avir in Folgendem die Resultate dreier SchAvangerschaftsbeohachtungen AAÜeder. Die Frauen haben tagebuchartige Aufzeichnungen über ihr gesammtes Befinden Avährend der Zeit ihrer Hoffnung gemacht und ich habe diese Aufzeichnungen nach Möglichkeit selbst controlirt.

Gleich hei der ersten Beobachtung Avird .es auffallen, dass die Symptome nicht einfach chronologisch Aviedergegehen, sondern in Reihen angeordnet sind, Amn denen eine jede ein ihr eigen- thümliches ZeitinterA\all hat. Diese Anordnung ist für die spätere Auseinandersetzung Amn entscheidendem Nutzen.

Faü 121. Frau M., V para.

Letzte Regel 25. August 1895. Menstruatiousiuten-all 30 Tage. Die genauen Notizen stammen erst A'on Anfang December. Von da ab ist das Befinden an allen d'agen aufgezeichnet A\mrclen. Die in den Reihen der Patientin nicht erAvälinten Tage sind solche mit A'ölligem Wohlbefinden. Da der erste Monat post partum in die Aufzeichnungen einbegriffen AA'urde, so ergeben sich 232 beobachtete Tage, unter denen 66 durch abnormes Befinden aus- gezeichnet sind. Diejenigen Tage, Avelcbe im Folgenden zAveimal erAvälint Averden, sind mit einem * bezeichnet.


115


Intervall

(Tage:)


2 X 23 =

3 X 23 ==


Intervall


2 X 23 — 1


Intervall


2 X 23 ==


Intervall 2 X 23 =

3X23 — 1 =


23

46

69

24 23


24

22


24

45

24

23

22


23


22

23


23

46

23

24

22


46

23

68


24


A. Männliche Reihen;

1 .

1. December 1895: Stiche in der linken Brust. Erste K i n d s b e w e g u n g e n.

24. December; eingenommener Kopf, Brechreiz, Kindsbe- wegungen.

8. Februar 1896: schlaflose Nacht, Schädelweh.

17. April: eingenommener Kopf, Brechreiz, Schnupfen.

  • 11. Mai: Wehen (Nachts 10 — 11, 2 — 4 Uhr).

1. Juni: Angst, profuser Schweiss, Mattigkeit, Nasenbluten.

2 .

  • 8. December 1895 : sehr hinfällig, Kopfweh.
  • 1. Januar 1896: Angstanfall.

23. Januar: Angstanfall.

16. Februar: sehr matt.


1. April:


Brechreiz,


Nasenbluten, eingenommener


Kopf,



Tenesmus


vesicae.



25. April:


unruhige


Nacht, Tenesmus vesicae.


starkes



Nasenbluten.



18. Mai: Angst.

9. Juni: Wehen, Vertaubung der linken Kürperhälfte, Druck auf Nase und Stirn.

2. Juli: Angst, Milchzuschuss sehr stark.


15. December 1895: Angst.

6. Januar 1896 : Angst, sehr matt.

29. Januar: sehr starke Kopfschmerzen.

21. Februar: Angst, Nasenbluten.

  • 7. April: Brechreiz, Blut aus der rechten Nase, Nasenver-

stopfung.

  • 30. April: Wehen, Druck auf die Stirn.

24. Mai: ängstliche Beklommenheit, Schweiss, Herpes an der Oberlippe, Wehen.

15. Juni: Entbindung.

4.

18. December 1895: Kreuzschmerzen.

2. Februar 1896: eine halbe Stunde lang Wehen.

  • 25. Februar: Schwindel, Brechreiz, Mattigkeit, Halsschmerzen.

3. Mai: AVehen.

27. Mai: Angst, profuser Schweiss.


8 ^


116


Intervall (Tage;) 23 23


19. Juni: Erster Milcbzuschuss.

12. Juli: Nahrung in der linken Brust vermindert, Steiss- schmerzen.


Intervall

23

23

2 X 23 = 46 22


5.

22. December 1895: Angstanfall.

14. Januar 1896: Schmerzen in den Brüsten, Nasenbluten.

6. Februar: Angst, Nasenbluten, Schwindel und Erbrechen

23. März: schwindlig.

14. April: Brechreiz, eingenommener Kopf, Blut aus der rechten Nase.


24

22


8. Mai: sehr matt, Erbrechen, Tenesmus. 30. Mai: Wehen.


23

22


22. Juni: wenig Milchzufluss, kranker Zahn wird ganz lose, Zahnfleisch entzündet.

14. Juli: blutiger Ausfluss wie Periode, sehr starke Kopf- schmerzen, die beim Anlegen des Kindes weichen.


Intervall


6.

  • 20. Januar 1896: Nasenverstopfung und Nasenbluten.


4 X 23 = 92 23

2 X 23 = 46


21. April: plötzlicher Ileisshunger, Tenesmus vesicae. ^14. Mai: Tenesmus; Blut aus der linken Nase.

29. Juni: wenig Milch in der rechten Brust.


Intervall

28

27


B. Weibliche E, eiben:

I.

4. December: matt, Kopfweh.

'*1. Januar: Angstanfall.

28. Januar: sehr starke Kopfschmerzen.


28

2 X 28 + 1 = 57 2 X 28 = 56


"*25. Februar: Schwindel, Brechreiz, Mattigkeit, Halsschmerz. 22. April; Heisshunger, Tenesmus vesicae.

17. Juni; eingenommener Kopf, Trockenheit im Halse. Besserung durch Anlegen des Kindes.


28


15. Juli: Kopfschmerzen, blutiger Ausfluss.

II.


Intervall

28

28

3 X 28 == 84 2 X 28 — 1 = 55


■'■'8. December: sehr hinfällig, Kopfweh.

5. Januar: Angst.

2. Februar: Wehen, eine halbe Stunde lang.

26. April: Wehen 1^2 Stunden lang.

20. Juni: Davor, Milchzuschuss, stark blutige Färbung der Lochien, die schon farblos w^aren ; ein Tropfen


117


Intervall

(Tage;)

28 + 1 = 29


Intervall 28 + 1 = 29

2 X 28 = 56 28


Intervall

28

28 — 1 = 27 2 X 28+ 1 = 57

2 X 28 + 1 = 57 28 — 1 = 27


Intervall


28

4 X 28 = 112 28 28


Intervall

28

3 X 28 + 1 = 85 28 — 1 = 27


Blut aus der Nase, Lähmungsgefühl in der Zunge, kranker Zahn wird loser.

19. Juli: Steissschmerz und Schwäche in den Beinen ver- schwinden.

III.

5. Februar: Stirnkopfschmerz, verstopfte Nase.

5. März, matt starkes Jucken an den Brüsten, wie sonst vor

den Menses.

  • 30. April: AVehen, Druck auf die Stirn.

28. Mai: profuser Schweiss, Beschwerden im Nasenrachenraum.

IV.

17. December: Angst.

  • 14. Januar: Schmerzen in den Brüsten, Nasenbluten.

10. Februar: Nasenverstopfung, Herzbeklemmung, Halsschmerz.

7. April: Brechreiz, Blut aus der rechten Nase, Nasenver-

stopfung.

3. Juni: profuser Schweiss, grosse Mattigkeit.

30. Juni: wenig Nahrung in der rechten Brust, kranker Zahn wieder lockerer und schmerzhaft.

V.

23. December: Uebelkeit, Erbrechen. Kindsbewegungen, die seit dem 1. Dec. nicht wiedergekehrt waren.

  • 20. Januar: Nasenbluten und Nasenverstopfimg.
  • 11. Mai: Wehen.

8. Juni: Angst, Wehen.

6. Juli: kranker Zahn fällt aus.

VI.

22. Januar: Angstanfall.

  • 19. Februar: plötzlicher Heisshunger, darauf Uebelkeit und

Congestionen.

  • 14. Mai: Tenesmus, Blut aus der linken Nase.

10. Juni: Pavor nocturnus.


Bei der Betrachtung dieser Reihen springt die grundlegende Thatsache in die Augen, dass sie sich in zwei grosse Gruppen sondern. Die eine Gruppe mit dem 28-tägigen und die andere mit dem 23-tilgigen Intervall.

Wir wollen für die Folge die Reihen mit dem 28-tägigen Intervall die weiblichen, und diejenigen mit dem 23 -tägigen Intervall die männlichen Men-


118


s t r 11 a t i o n s r e i li e n nennen dürfen. Es soll mit dieser Be- zeichnung' zuvörderst nichts priljudicirt sein.

Unser Beispiel lehrt die Existenz von sechs männlichen und sechs weiblichen Reihen. Doch sind durchaus nicht alle Termine in diesen Reihen mit Symptomen belastet.

Es wird zweckmässig sein, bereits an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, dass die Existenz solcher Reihen keines- wegs an die Schwangerschaft gebunden ist, sondern dass sie auch in der Norm nachweisbar sind. Nur wird ihre Symptomatologie dann eine völlig verschiedene.

Den meisten gesunden Frauen ist es eine wohlbekannte Erscheinung, dass zwischen zwei menstruelle Blutungen sich ein oder zwei durch ein Intervall getrennte Tage einschieben, an denen sie leise molimina menstrualia haben; oft kommt es auch zu einer ganz geringen serösen Scheidenabsonderung, oder ein bestehender Scheidenfluss mehrt sich. Nicht selten zeigt der Nasenschleim an diesen Tagen leichte Blutstreifen. Die eigentlichen Menses mit ihrer uterinen Blutung sind indess noch gar nicht in Sicht. Am nächsten Tage ist vielmehr Alles wieder ver- schwunden. Aber von dem so markirten Datum bis zur nächsten Wiederholung der Erscheinungen ist gewöhnlich eine Zeit von 28 oder von 23 Tagen verflossen. Diesen auffälligen Vorgang, der auch in der Schwangerschaft bemerkbar ist, könnte man mit dem Namen der weiblichen Nebenmenstruationen kennzeichnen.

Die männlichen (23-tägigen) Reihen zerfallen wie die weib- lichen in stärker und schwächer betonte.

Die Hauptreihe dürfte in unserem Beispiel diejenige sein, welche mit dem 15. December beginnt und mit dem 15. Juni, dem Entbindungstermin, schliesst. An zwei Daten derselben (30. April und 24. Mai) waren schon Vorwehen aufgetreten.

Wir begegnen bei der Betrachtung dieser Reihen dem Factum, dass der Entbindungstag in die 23 tägige Gruppe fallen kann. Es besteht auch hierin eine vollkommene Analogie mit dem Verhalten der gewöhnlichen Menstruation extra graviditatem. Denn auch bei dieser kann der Tag der menstruellen Blutung, wie wir noch zeigen werden, sowohl auf einen männlichen (23tägigen) als auf einen weiblichen (28tägigen) Termin fallen Der 15. Juni hat sich zum Ueberfluss durch den positiven Aus-


119


fall des Cocainexperimentes — der Weliensclnnerz konnte völlig’ unterdrückt werden — und durch die t}"pisclie menstruelle Be- schaffenheit der Nase als ein wahrer Menstruationstag erwiesen.

Die letzte Kegel am 25. August fiel ebenfalls auf einen „männlichen“ Termin. Derselbe steht vom 18. December (männl. Reihe 4) um 115 = 5 X 23 Tage ab.

In die erste männliche und die fünfte weibliche Reihe fallen der Beginn und die Fortsetzung der Kind^bewegungen. In der Nacht zum 1. December wurden dieselben zuerst wahrge- nommen. Dann sistirten sie völlig, um in der Nacht des 23. De- cember wiederzukehren.

Diese Beobachtung, die sich auch in der Folge als zutreffend erweisen wird, lehrt, dass d e r A n t r i e b zu den K i n d s b e - Avegungen unzweifelhaft dem mütterlichen Organis- mus entstammt.

Die Nase ist an den Terminen 13 mal betheiligt, und zwar 10 mal durch Blutung; 4mal ist, zum Theil neben der Blutung, das Gefühl der Nasenverstopfung notirt und 1 mal ist Schnupfen verzeichnet, worunter das anfallsweise Auftreten starker Avässriger Secretion gemeint ist. Diese nasalen Symptome treten in männ- lichen Reihen und in weiblichen Reihen auf.

Die Nasenblutung aber ist bei dieser Patientin mit einer Ausnahme (20. Juni) an das Vorhandensein „männlicher“ Termine geknüpft. Wo Nasenbluten sonst in weiblichen Reihen notirt ist, da erweist sich der betreffende Termin als doppeltbesetzt, also auch einer männlichen Reihe anffehörie:.

O O


J\lännliche Reihen:


1 .




3.

5.

6 .


17. April: Schmipfenaiifall.

1. Juni: Nasenbluten.

1. April: Nasenbluten.

25. April: heftige Blutung.

21. Februar: Nasenblutunsr.

o

  • 7. April: Nasenblutung und -Verstopfung.
  • 14. Januar:

0. Februar: Nasenblutung.

14. April :


  • 20. Januar: Nasenblutung und -Verstopfung.

■*14. Mai: Nasenblutunsr.


120


Weibliche Reihen :

II. 20. Juni: ein Tropfen Blut aus der Nase.

III. 5. Februar: Verstopfte Nase.

IV. •^14. Januar: Nasenbluten.

10. Februar: Nasenverstopfung.

  • 7 . April: Blut aus der rechten Nase.

V. *20. Januar: Nasenbluten.

VI. *14. Mai: Blut aus der linken Nase.


Wir hatten bereits der Vorwehen gedacht. Dieselben sind in auffallender Häufigkeit bei Frau M. vorhanden gewesen, und zwar an Terminen weiblicher und männlicher Reihen.

Doch fällt es wiederum auf, dass die männlichen Termine, welche ihre Wirkung auf die Nase durch Erregung von Nasen- bluten so kräftig docunientirtcn, auch bei der Hervorbringuug der Wehen entschieden sich bevorzugt zeigen. An 6 männlichen Terminen gab es Vorwehen; nur drei weibliche (excl. den doppelt- besetzten) stehen diesen sechs männlichen gegenüber, die mit dem Entbindungstermin sogar die Zahl 7 erreichen.

Die Termine der Vorwehen gruppiren sich so:


A. Männliche Reihen:

1. *11. Mai.

2. 9. Juni.

3. *30. April.

4. 2. Februar.

3. Mai.

5. 30. Mai.


B. Weibliche Reihen:

II. 2. Februar.

26. AprU.

III. *30. April.

V. *11. Mai.

8. Juni.


Das Auftreten solcher Vorwehen an menstruellen Terminen macht es ebenfalls wahrscheinlich, dass an jedem dieser Termine eine Erhöhung des angestauten (Summations)-Niveaus eintritt. Dabei kann ein Theil abfliessen und die Vorwehen erzeugen. Stellt sich nach einigem Hin- und Herwogen das Gleichgewicht Avieder her, so bleibt es bei den VorAvehen, anderenfalls kommt ein Abort zu Stande.

Es bedarf sonach kaum des HiiiAveises, dass an den Endtagen aller dieser Reihen auch das normale Entbindungsdatum liegen kann.

Welche wichtige Rolle die Nase dabei spielt, die schon durch ihre Symptome eine besondere Thätigkeit an diesen Tagen verräth, Avird aus dem Verlauf der Darstellung sich ergeben.

Oefters sind in unseren Reihen Avahre Angstanfälle notirt. Sie kommen auch bei anderen ScliAvangeren vor und A'ertheilen


121


sich ziemlich gleichmässig auf weibliche und männliche Reihen. Ihr physiologisches Vorbild haben sie in den ängstlichen Ver- stimmungen und ängstlichen Träumen, die so constant den ge- wöhnlichen Menstruationen vorhergehen.

Ich habe auch noch die Aufzeichnungen über den ersten ]\Ionat des Wochenbettes berücksichtigt. Aus ihnen ergibt sich, dass die den Reihen zugehörigen Symptome sich zweifellos ins Wochenbett fortsetzen. Freilich erleiden sie zum Theil eine Um- bildung, die den veränderten Verhältnissen entspricht.

Am schärfsten kommt das bei der Milchsecretion zum Ausdruck.

Die ersten Tropfen Colostrum erschienen am 14. Juni Abends, also beim Herannahen der männlichen Reihe 3, welche am 15. Juni die Entbindung einleitete.

Die eigentliche Nahrung kam am 19. Juni mit der männ- lichen Reihe 4, ein weiterer Zuschuss am 20. .Juni mit der weiblichen Reihe II.

Die erste grosse Steigerung des Milchzuschusses fand am 2. Juli (männliche Reihe 2) statt. Beschränkung der Milch- secretion bringen die Termine des 12., 22., 29. Juni (männliche Reihen 4, 5, G) und 30. Juni (weibliche Reihe IV).

Die Lochien werden am 20. ,Tuni. an einem Tage der weiblichen Reihe II, wieder blutig (10 X 30 Tage also zehn individuelle Intervalle seit der letzten Regel am 25. August!) ]\Iit dem 14. Juli (29 Tage post partum) tritt die wahre erste Menstrualblutung ein. Der 14. ,Tuli gehört der 5. männlichen Reihe an und der 15. Juli, der letzte Tag der Periode, der ersten weiblichen. Die zweitägige Dauer der Regel ist hier durch das Eintreffen zweier verschiedener periodischer Anstösse determinirt.

Wir haben also erkannt, dass der Eintritt der ersten U enses post partum durch unsere Reihen bestimmt wird und dass ferner auch die Milchsecretion unter dem Einfluss periodischer Vorgänge sich befindet.

Ausserdem ist noch die Geschichte eines kranken Zahnes kurz verzeichnet.

Man beachte, dass seine Decadence in die Ta^'e 20. .Juni: Aveibl. Reihe II,


122


30. Juni: weibl. Reihe IV,

6. Juli; weibl. Reihe

lallt. Die Erklärung des sonderbaren Eactuins wird sich aus späteren Erörterungen ergeben.

Die Schlüsse, welche wir aus der Analyse der ersten Schwan- gerschaftsbeobachtung gezogen haben, werden sich auch mit Noth- wendigkeit aus der Betrachtung einer zweiten analogen Beobach- tung ergeben.

Frau A., I para.

Letzte Regel am 1. April 1895. ^Menstruationsintervall 28tägig. Die genaueren Notizen sind erst vom Juli an gemacht. Doch ist vorher an den Kalendermenstruationstagen (27. i\Iai und 24. .luni) die Nase untersucht, welche überhaupt in diesem Falle einer metho- dischen Inspection unterworfen wurde.


A. Weibliche Reihen:


I.


Intervall

(Tage)


28


28


28

28

2X28-1- 1 =57 2 X 28 — 1 = 55


28

28


I. April: Letzte Regel.

29. April; Erste ausgebliebene Regel. (Molimina menstrualia. 27. (Mai: Ganz leichte Bauchschmerzen, wie ehedem vor der Regel, nur geringer. Rechte untere Nasenmuschel und rechtes Tuberculum septi geschwollen, leicht cyanotisch.

24. Juni: Subjectives Befinden und Nasenbefund, wie am 27. Mai. Beim Ausschnauben etwas Blut aus der Nase.

22. Juli: Kopf dumpf; kurze, Avehenartige rechtsseitige Bauch- schmerzen. Rechtes Tuberculum septi geschwollen, cyanotisch.

17. September: Stärkeres Nasenbluten. Dadurch wird die Aufnahme des Nasenbefundes behindert.

II. November: Nasenbluten links. Nase: untere Muschel und

Tuberculum septi rechts stark geschwollen und cyanotisch, links weniger. Leichte Schmer- zen ira rechten Hypogastrium, wie vorm Un- Avohlsein.

9. December: Nase deutlich menstruell. Linksseitige Inter-

costalschmerzen.

G. Januar: Angst mit Schweiss; durch (Menthol-Einziehung in die Nase beseitigt. Wochenfluss verstärkt und Avieder A’iel blutiger gefärbt. Die Milch a ersiegt


123


Intervall

(Tage:)


28


2X28 — 1 =55 27

27

28 28


2 X 28 = 56 2 X 28 + 1 = 57


28


28


Intervall


28


28


28

27


29


4 X 28 = 112 27


29

28


fast ganz. In der Nase sind hauptsächlich die rechtsseitigen Genitalstellen geschwollen, Cyanose gering.

3. Februar; Sehr müde. Erratische Diarrhoe. (Vom 1. bis 3. Februar wieder schwach blutiger Scheidenfluss.)

II.

9. September: Nasenbluten.

3. November: Blutspuren aus der Nase. Ganz leise Molimina. 30. November: Nasenbluten. Seröser Scheidenfluss.

27. December: Geburtswehen. Nase menstruell, ausgesprochen cyanotisch.

24. Januar: Flimmerscotom.

  • 21. Februar: Nasenbluten links. Molimina. Nase menstrue 11

III.

10. August; Erstes Eintreten der Kindsbewegungen. Herz-

klopfen, Angst.

11. October: Nase menstruell, Abends vorher Molimina.

7. December: Abends enorme Verstärkung der Kindsbewe-

gungen. Die Stüsse sind mehrere Minuten lang durch die Bettdecke sichtbar und erfolgen etwa 20 mal in der Minute. (Persönliche Beobachtung.)

4. Januar: Magenschmerz (4 Anfälle). ^Menthol in die linke

Nase gezogen, hilft jedesmal.

1. Februar: Blutig seröser Scheidenfluss.

IV.

1 19. September; Herzklopfen, Stimmungsdruck, Nasenver- stopfung.

17. October: Uebelkeit, Nasenbluten, leichter Angstanfall.

14. November: Seröser Scheidenfluss (bis dahin der Patientin ganz unbekannt). Nase verstopft. Deutliche Verstärkung der Kindesbewegungen.

12. December: Beim Ausschnauben Blut aus der linken Nase.

8. Januar: Auftallig verstimmt. Kopfschmerz, der sich durch

Cocain-Spray in die Nase bessert.

6. Februar: Sehr verstimmt. Kopfschmerz, der durch Menthol- Inhalation beseitigt wird.

V.

I 2. August: Ungewöhnlich müde und hinfällig.

22. November; Nasenbluten; linke Nase verschwollen und cyanotisch. Uebelkeit.

19. December: 18/19. Nachts plötzliche Angst und Diarrhoe.

Plötzliche Verstärkung der Kindesbewegungen. 17. .Tanuar: Angst. Kopfweh.

14. Februar; Diarrhoe. T.aumeliges Gefühl in der Frühe.


124


Intervall (Tage :)


23

24 22 23 23 23 23


24

23


24


22

23

23

23


23

23

23

2 X 23 = 46


24

22

2 X 23 = 46


B. Männliche Reihen:

1 .

10. Juli: Auflallend grosse Mattigkeit. Starkes Hautzucken, das im Beginn der Schwangerschaft (20. bis 30. April) vorhanden war, tritt wieder auf. Kreuzweh. Nase verstopft, Blut beim Ausschnauben.

2. August: Sehr matt und tief verstimmt.

26. August: Blut beim Ausschnauben.

17. September: Nasenbluten.

10. October : Plötzlicher Frost. Molimina. Nasenbluten.

2. November: Blutspuren aus der Nase. Leise Molimina.

25. November; Leise Molimina. Seröser Scheidenfluss.

18. — 19. Lecember: Nachts: plötzliche Diarrhoe. Hinterher

starke Uebelkeit, die durch Menthol be- seitigt wird, liuckweise Verstärkung der Kindsbewegungen.

11. Januar: Kopfschmerz, grosse Mattigkeit.

3. Februar: Sehr müde. Plötzliche Diarrhoe.

2 .

19. October: Molimina. Vorher Blutspuren aus der Nase.

12. November: Nase menstruell. Aus beiden Brüsten Milch-

spuren, die seit dem 29. October wieder ver- schwunden waren.

4. December: Nase deutlich menstruell. Molimina. Sehr matt

und hinfällig.

27. December: Geburtswehen. Nase menstruell.

19. — 20. Januar: Angst.

11. Februar: Müde, deprimirt; Schmerz an der Vulva. Nasen-

bluten.

3 .

29. October: Starke, blutig seröse Secretion aus beiden Nasen- hälften. Gleichzeitig erste Milchspur.

21. November: Nase menstruell. Nasenbluten.

14. December: Arm- und Beinschmerz. Molimina. Angst. Nase menstruell.

6. Januar: Wochenfluss verstärkt und blutiger.

■*21. Februar: Molimina. Nasenbluten links. Nase menstruell.

4 .

18. November: Starke Müdigkeit. 18. zum 19. Nov.: Pat. muss wegen Brustbeklemmimg das Bett verlassen.

12. December: Blut aus der linken Nase.

3. Januar: Magenschmerz.

18. Februar: Nasenbluten links. Plötzlicher Frost und Hitze.


125


Intervall (Tage:) 23 24 23


Intervall 23 -f 1 = 24 4 X 23 — 1 = 91 23


23

23

23


5.

1. December: Nasenbluten. Molimina. Seröser Scheidenfluss.

24. December: Nachts Angstanfall.

17. Januar: Angst.

9. Februar: Aufl’ällig müde. Kopf- und Beinschmerzen, die auf Menthol-Einziehung durch die Nase sich bessern.

6 .

23. Juli: Nase cyanotisch. Blut beim Ausschnauben.

  • 1G. August: Nachts vom 15. zum 16.: Erste Kindsbewegung.

15. November: Milchspuren.

8. December: Mittags plötzlich starke Blutung aus der Nase;

Molimina, seröser Scheidenfluss. Nasencyanose deutlich.

31. December: Erste wahre Milch. Nasenbluten.

23. Januar: Erste Menses.

15. Februar: Schmerzen an der Vulva.


Wir haben den Nachweis führen können, dass in diesem Fall zwei Gruppen von je fünf bezw. sechs Reihen existiren; die eine Gruppe mit 28tägigem, die andere mit 23tägigem Inter- vall. Nur die erste männliche und die erste weibliche Reihe ist nahezu vollständig mit Symptomen ausgefüllt. Die anderen Reihen sind mehr oder weniger rudimentär. Je mehr A\dr uns vom pathologischen Individuum dem physiologischen nähern, desto geringere Belastung mit Symptomen werden die Reihen aufweisen. Aber sie sind unzweifelhaft vorhanden. Sie setzen sich sogar in die Zeit des Wochenbettes fort. Ich habe daher die Angabe der Daten noch auf den Zeitraum des Puerperium (Januar und Fe- bruar 1896) ausgedehnt.

Die Nase hat sich in der ersten weiblichen Reihe (Fort- setzung der Kalendermenstruationstermine) als menstruell erwiesen, d. h. es waren Schwellung und Cyanose deutlich sichtbar, zum Theil auch Blutung, wie am 17. September. Schon dieser Befund spricht für die Fortdauer des menstruellen Processes. Aber auch noch am 27. December (weibl. Reihe II), 11. October (Aveibl. Reihe III) und 22. November (weibl. Reihe V) konnte derselbe Befund erhoben werden; und von den männlichen Reihen ist die 2‘® am 12. November, 4. December und 27. December; die 3*® am 21. November und 14. December und die 6‘® am 8. December mit dem gleichen Befunde vertreten.


Es ist wichtig, diese Thatsache im Auge zu behalten. Denn auch sie beweist, dass die männlichen und weiblichen Xebenreihen als Avirkliche menstruelle zu betrachten sind.

Blutung der Nase tritt auf:

in den weiblichen Reihen:

I. 24. Juni

17. September

11. November.

II. 0. September

3. November 30. November.

IV. 17. October

12. December.

V. 22. November.


Und ferner in

1 .


2.

3.

4.

5.

6 .


den männlichen Reihen:

10. Juli

26. August

17. September

10. October

2. November.

19. October.

29. October

21. November.

12. December.

1. December.

22. Juli

8. December.


Also auch dieses Attribut des andrängenden menstruellen Vorganges zeichnet fast alle Reihen aus.

Die ersten Kindsbewegungen fallen in die weibliche Reihe III am 16. August, an welchem Datum diese Reihe übrigens von der 6. männlichen gekreuzt wird; die Verstärkung der Kinds- bewegungen fällt mit einem Termin, dem 7. December in dieselbe Reihe, mit den beiden anderen Daten in die weiblichen Reihen IV (14. November) und V (19. December). Das letztere Datum gehört zugleich der ersten männlichen Reihe an.

Auch in diesem Beispiel ist für die Entstehung und Verstärk u n g de r K i n d s b e w e g u n g e n der Schluss unabweisbar, dass der Antrieb vom mütterlichen Organismus ausgeht.

Die erste Milchsecretion fand am 29. October (männliche Reihe 3) statt. Dann verschwand sie, um am 12. November


127


(männliche Reihe 2) nnd am 15. November wieder aufzutreten, welch letzteres Datum der männlichen Reihe d angehört. In diese Reihe fällt auch das erste Erscheinen der ]\Iilch post par- tum am 31. December 1895!

Die Absonderung der Milch vollzieht sich also, wie bereits Fall 121 lehrte, an determinirten Tagen und steht unter der Herrschaft menstrueller Vorgänge.

Die Entbindung war hei Frau A. am 0. Januar 1896 er- wartet worden (280 Tage nach der letzten Regel am 1. April 1895). Die Wehen fingen indessen bereits in der Nacht zum 27. December an, nachdem plötzlich fast das ganze FruchtAvasser abgeflossen Avar.

Der 27. December aber gehört soavoIiI der zweiten weiblichen als der zAA^eiten männlichen Reihe an, die sich an diesem Datum kreuzen.*)

Die gleichzeitige Vermehrung der aufgespeicherten men- struellen Antriebe durch ZAvei neue hat infolge der plötzlichen Niveauerhöhung die Schranken durchbrochen und den Ablauf der „grossen IMenstruation“ herbeigeführt.

Der A’'orzeitige FruchtAA^asserabfluss ist Avahrscheinlich ebenfiills darauf zurückzuführen, dass die Eihäute den geAvaltigen Anprall einer plötzlichen Druckvermehrung nicht ausgehalten haben. Denn es scheint, als finde die Ausscheidung des FruchtAAuissers ruclcAveise an den menstruellen Terminen statt. Das Phaenomen der Hy- drorrhoea graAfidarum steht in guter Uebereinstimmung mit dieser Anschauung.

Im A'origen Beispiel (Fall 121) soAvohl Avie in diesem ist der Geburtstermin nicht nach der Normalregel fSchwangerschaftsdauer gleich einem ganzen Vielfachen des indiAuduellen Menstruations- intervalles) eingetreten. Trotzdem war sein Datum ein menstruelles. Im Falle 121 gehörte es einer männlichen Reihe an, in unserem Falle der Kreuzung eines männlichen mit einem weiblichen Termin.

Dieselbe AAfichtige männliche Reihe (6), Avelche an den ersten Kindsbewegungen betheiligt ist und die post partum die erste Milch heiworgebracht hat, bedingt auch den Zeitpunct der ersten AA-^ahren jMenstruation nach der Entbindung (23. Januar).

  • ) Anmerkung: Solche Kreuzungen können selbtsverständlich nur bei

Reihen mit verschiedenem (28 und 23tägigem) Intervall Vorkommen. Also können sich nur männliche mit weiblichen Reihen kreuzen, nie gleichnamige.


128


Uebri gens ist die Regel, welche bei Frau A früher absolut pünktlich und 28 tägig eintrat, in der Folge dein Intervalle nach verändert und etwas „unregelmässig“ geworden.

Die Termine der Menses seit dem Wehenbeginn sind fol- gende :


Intervall


27

34

34

35 31 35


27. December 1895 (Wehen). 23 Januar 189G (Kegel).

2G. Februar „

31. März „

5. Mai „

5./G. Juni Nachts „

10. Juli _


Der 27. December und 10. Juli gehören der zweiten weib- lichen Reihe (27. December bis 10. Juli = 196 = 7 X 28), der 31. jMärz der ersten weiblichen (1. April 1895; letzte Regel bis 31. März 1896 = 13 X 28 -j- 1), der 5. Juni der fünften weib- lichen Reihe (14. Februar bis 5. Juni = 112 = 4 X 28) an. Der 26. Februar und 5. Mai entstammen der ersten männlichen Reihe (26. Februar bis 5. Mai = 69 = 3 X 23 Tage). Der 23. Januar der 6. männlichen Reihe.

Es sind also post partum die künftigen Termine der wahren Regel rückläufig als Documente für die Natur der Schwanger- schaftsreihen zu verwerthen. Die Termine jener Schwangerschafts- reihen sind eben das, was der Geburtsterinin, was die Regel selbst ist: Menstruationen. Dieselbe Lehre wird auch aus einem weiteren Falle anschaulich, dessen Kenntniss ich der Güte eines befreundeten College!! verdanke. Er schreibt mir wörtlich:

„Meine Frau (VI para) hat die ersten Kindsbeveguugen am 10. Juli verspürt. Am 3. December war Wehenbegiuu und Geburt. Am 29. Februar trat die Periode wieder ein. jMeiue Fi'au ist seit ihrer Pubertät immer regelmässig gewesen. Ihre Periode beträgt etwas über 29 Tage. Nun sind vom 3. December bis 29. Februar genau 88 = 3 X 29^3 Tage verflossen und vom 10. Juli bis 3. December sind 146 = 5 X 29^5 Tage hingegangeu. Für eine Periode von etwas über 29 Tagen ist also die Geburt gerade rechtzeitig erfolgt und die ersten Kiudsbewegungen fallen auf den 5. Menstruatioustermiu.“


Die erste Periode am 29. Februar 1896 fiel genau drei individuelle Intervalle später als die Entbindung: ■wiederum ein schöner Beweis für die Natur des Kreissvorganges.


129


Die obige Tabelle des Falles 122 mit den Daten der Menses lehrt uns aber noch ein weiteres. ZAvisclien dem 5. Mai und dem 6. Juni sind nur 31 Tage verflossen, statt der envarteten 34 Tage. Um den 5, Juni hatte Frau A. einen heftigen Schnupfen. Der Schluss, dass dieser Schnupfen die relative Verfrühung der uterinen Blutung herbeigeführt habe, liegt um so näher, als auch um den 27. December, den Tag des vorzeitigen Weheneintrittes die Patientin mit einem Schnupfen behaftet war.

Es scheint, als habe die Nase die Aufgabe einer Schranke zur Zurückhaltung der uterinen Blutung, die auf gewisse periodische Antriebe hin erfolgt. Die Nase soll wie ein Sicherheits- ventil Avirken, das sich erst bei einem bestimmten Druck öffnet. Ist sie erkrankt, so kann sich das Ventil früher öffnen und die menstruelle Blutung tritt Amrzeitig, auch stärker und länger dauernd ein. So erklären sich jene Fälle von Menorrhagien, gegen die eine uterine Behandlung ganz erfolglos ist und die auf einen nasalen Eino-rifl sofort stehen. Ich erinnere an den Fall 16 der Frau K . . n, die mir aus der UniA^ersitätsfrauenklinik überwiesen AA'urde und bei der die ungemein starke Uterusblutung unmittel- b a r nach der Fortnahme der entarteten linken mittleren Muschel (zur Freilegung der Siebbcinzellen) auf hörte. Hier muss die erkrankte mittlere Muschel die Ventiltüchtigkeit der Nase beein- trächtigt haben. Die Patientin wurde im Aveiteren Verlauf völlig geheilt.

Dass gerade die linke mittlere Muschel von den periodischen Vorgängen getroffen AAÜrd. dafür gibt noch ein anderes Datum aus den Reihen der Frau A. einen schönen Beleg.

Im Wochenbett und zwar am 3. und 4. Jänner werden AÜer Anfälle A'’on Magenschmerz verzeichnet, die auf Mentholeinziehung in die linke Nase jedesmal schnell sistirten. Diese Tage gehören aber der dritten weiblichen und AÜerten männlichen Reihe an, und der Magenschmerz ist der Ausdruck für die Wirksamkeit ihrer An- stösse. Eine Amlle menstruelle Uterusblutung (ausser der Verstärkung des Wochenflusses) konnte so schnell nach der Entbindung (29. Decem- ber) nicht ausgelöst Averden, und der periodische x^nstoss hat offenbar seinen Ablauf nicht gefunden. Er Avirkt also auf die linke mittlere Muschel — M a g en s c h m er z s t e 1 1 e (vgl. S. 109) ein und erzeugt jene Schmerzanfälle, die dann durch Mentholanästhesirung jener

Pliess. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. y


130


Stelle aufgehoben werden. Beim vierten Anfall, wo nur wenig Menthol eingeathmet wurde, ging der Magenschmerz in Hunger über. Ich habe ein gleiches auch hei unvollkonimener Anästhe- sirung der Magenschnierzstelle durch dünne Cocainlüsung erlebt. Die pathologische Steigerung der Hungerwirkung ist Magenschmerz. „Hunger thut weli‘k

Der angeregte Appetit nach einem normalen Coitus contrastirt sehr mit der Dyspepsie des Onanisten. Die Aufspeicherung des nicht zum Ablauf gekommenen Hungergefühles gibt dann schliesslich jene heftigen Magenneuralgien, Avelche vielen „anständigen Mädchen“ die Existenz so peinlich macht.

Dass eine anormale Beschatfenheit der Nase ihre Ventil- tüchtigkeit beeinträchtigt, daiür gibt es noch einen anderen Hinweis ; die Gefahr des Abortus bei Hasengalvanokaustik in der Schwanger- schaft. Oftenbar wird hier die Nase derartig geschädigt, dass sie ihre Function zur Zurückhaltung der summirten Antriebe nicht erfüllen kann. So tritt denn der menstruelle Ablauf und mit ihm die Auslösung der Frucht ein.

Wir sind durch die beiden Schwangerschafts- Analysen über die Existenz mehrfacher Menstruations-Reihen unterrichtet; wir durften annehmen, dass die an ihren Terminen frei werdenden Antriebe sich aufspeichern und dass mit Ueberschreitung eines ge^vissen Summationswerthes in der Schwangerschaft die Entbindung, ausserhalb derselben der menstruelle Ablauf - die Blutung der Regel — in die Erscheinung tritt. Diese Ueberschreitung kann in allen Fällen nur an periodischen Tagen erfolgen, da nur an diesen der Zuschuss gespendet und addirt Avird. Wo Avir die Reihen im ein- zelnen kennen, sind Avir in der Lage, das leicht nachzuAveisen. Das ist in den beiden Fällen 121 und 122 geschehen.

Normaler Weise ist das Ventil so gestellt, dass Amn der zehn- ten weiblichen Haupt-Menstruation der letzte, zur Oeffnung nöthige Zuschuss geliefert wird. Vielfach aber ist die Einstellung nicht genau. Es bewirkt dann stärkerer oder schAAäicherer Druck den Ablauf, d. h. die ScliAvangerschaftsdauer überschreitet den normalen Werth oder bleibt hinter ihm zurück.

Das ist der Sinn für die AbAveichung der Schwangerschafts- dauer von der Norm. Bei dem Fall der Frau A haben wir bis in die Nüancen hinein erkannt, AA-arum die SchAA^angerschaft Amr-


131


zeitig endigte. Aber es wird jetzt das analoge Vorkomniniss gewiss auch für solche Beispiele verständlich, wo die speciellen Daten fehlen. Wir begreifen auch, warum zu einem nicht durch das Kalender-Menstruations-Datum gegebenen Termin die menstruelle Beschaffenheit der Nase und das Vorhandensein von echtem V ehen- schnierz, der sich dem Cocain-Experiment tril)utär erwies, der Entbindung den Stempel der Menstruation so unzweifelhaft auf- drücken konnte.*)

Also auch darin verhält sich die Entbindung der gewöhnlichen Menstruation analog, dass sie in der „abnormen Schwangerschafts- dauer“ das vollkommene Seitenstück zur sog. „Unregelmässigkeit" der Menses hat.

Durch den Summationsvorgang sind auch die Schwanger- schaftsbesclnverden Ijedingt, die, wie wir sahen, immer von menstru- ellen Terminen ausgehen. Alles kann eben nicht aufgespeichert werden, und gewisse periodisch entbundene Toxine, die sonst durch das Menstruationsblut ausgeführt werden dürften, wirken auf den Organismus der i\Iutter und erzeugen so die sattsam be- kannten Leiden der Gravidität. Sie haben ihr Gegenstück bei manchen Amcnorrhoischen, die in ganz gcsetzmässiger Folge von sehr ähnlichen Leiden heimgesucht werden. Und auch die Leiden der Menopause bieten viel des Analogen. Vielleicht befindet sich bei manchen Formen der Amenorrhoe und in der ]\Ienopause die Nase in einem ähnlichen Zustand wie in der Gravidität, wo sie für die periodischen Antriebe in hohem Grade undurchlässig ist. V^enigstens spräche dafür die Thatsache, dass man gewisse Amen- orrhoen von der Nase aus heilen kann (vgl. Seite 42); ferner dass in der Klimax, wenn die Menses schon sehr selten geworden sind, ja selbst in der Menopause Eingriffe an den nasalen Genitalstellen oder die Abtragung der mittleren Muscheln die uterine Blutung wieder hervorruft (vgl. z. B. Fall 2).

Dass die Schwangerschaft öfter einen gewissen Grad von minderer Durchlässigkeit für die periodischen Antriebe in der Nase zurücklässt, sei nur nebenbei und in Hinsicht auf den Fall 122 erwähnt. Dort ist das früher 28tägige Intervall post partum 34tägig geworden. '

■•') Z. B. bei Fäll. 59 u. Gl mit abweichender Dauer.

9 *


132


Ich verfüge noch über eine dritte Schwangerschaftsanalyse. Sie stammt von der Patientin des Falles 42, Frau S, die nasen- leidend ist und bei der eine Dysmenorrhoea intra graviditatem am Kalendertage der Menstruation durch den Cocainversuch beseitigt wurde. Die letzte Regel trat bei Frau S. am 16. November 1895 ein. Die Schwangerschaft ist also zur Zeit (Anfang Juli 1896) noch nicht abgeschlossen und daher die Analyse für die Veröffentlichung noch nicht reif. Hier möchte ich nur erwähnen, dass sich die Schwangerschaftsbeschwerden bei Frau S. in ganz analoger Weise in zwei G ruppen von Reihen mit 28- und 23tägigem Intervall ordnen lassen, und dass die Nase dabei mit den gleichen Zeichen betheiligt ist, wie in den anderen beiden Fällen. Auch die Kindsbe wegungen und der Eintritt der ersten Milchsecretion fallen auf die durch die Reihen determinirten Tage.

Die erste Kindsbewegung bei Frau S. wurde an einem Tage der ersten männlichen Reihe (29. Februar / 1. März nachts) bemerkt. Das Wiedererscheinen der Kindsbewegungen, die zuvörderst sistirten, wurde am folgenden Termin derselben Reihe (24. März) verzeiehnet. Die fernere Wiederkehr bewirkte dann der nächste Termin der zweiten männlichen Reihe (31. März/1. April nachts). Und nach einem weiteren Intervall fanden sich die Kindsbe- wegungen mit dem Termin der 28tägigen (Aveiblichen) Nebenreihe (16. April) wieder ein, um dann immer häufiger zu erscheinen. Auch die Verstärkung der Kindsbewegungen an Termintagen ist bei Frau S. sehr markant.

Die erste Milchsecretion am 25. Mai bewirkte (wie bei Frau ]\I und Frau A) der Termin einer männlichen (23tägigen) Reihe.*)

  • ) Anmerkung während der Correctur:

68 Tage (= 3 X — 1) später ist dann am 1. August die Entbindung erfolgt, mit dem wegen der bestehenden nasalen Dysmenorrhoe vorausgesagten, ungemein intensiven echten Wehenschmerz.

Die Reihe der ersten, bezw. diejenige der wiederkehrenden Milchsecretion scheint für den Geburtseintritt bedeutsam zu sein. Sie spielt in allen drei Schwanger- schaftsanalysen die auslüsende Rollo.

ft

Alle drei der Analyse unterzogenen Mütter sind vordem bereits nasenleidend gewesen. Alle sind — nach ihrem gewöhnlichen Menstruationsintervall gerechnet — vorzeitig niedergekommen (Ventiltüchtigkeit der Nase verringert).


133


IX.

Wir haben aus dem zeitlichen Eintritt der Schwangerschafts- heschwerden und -Erscheinungen die Kenntnis geAvonnen, dass es nicht eine menstruelle Welle, sondern mehrere gibt und ferner, dass diese Wellen nicht nur nach dem 28 tägigen Aveib- lichen Typus gebaut sind, sondern auch nach einem bisher unbekannten 23tägigen männlichen Typus.

Wir Abrissen ausserdem, dass diese Reihen durchaus nicht nur der SchAA^angerschaft angehören, sondern dass sie über diese hinausreichen. Hatten AAÜr sie doch in den Fällen der Frau M. und Frau A. ins Wochenbett hinein verfolgt, ja Avir hatten an 7 Men- struationsdaten gezeigt, dass die zukünftigen Termine der Regel durch die EinAAurkung ebenderselben Reihen bedingt AAmren, durch AA^elche auch die ScliAvangerschaft und das Entbindungsdatum beherrscht AA^urden.

Das ist ja im Grunde auch gar nicht anders möglich. Denn Avenn der Entbindungsvorgang biologisch nach dem Typus der Menstruation verläuft, so muss die letztere jede Charakteristik besitzen, die der Entbindung selbst zukommt. Sie muss also auch extra graviditatem zeitlich durch dieselben Reihen bestimmt Averden können, die das Datum des Entbindungsvorganges schaffen.

Es Avird nützlich sein, AA^enn AA^ir den XacliAA^eis, dass für die Menstruation überhaupt unsere Reihen in Frage kommen, an dem Beispiel einer Xullipara führen, avo also der Factor der ScliAAmn- gerschaft ganz entfällt.

Frau Dr. T. 50 Jahre, Xullipara.

Die Patientin hat seit ihrer Mädchenzeit die Periode stets ve- nau 28-tägig gehabt u, zw. mit Schmerzen, welche den Bhiteintritt ttberdauerten. Diese Schmerzen liaben sich nach der Verheiratuno; A'cr- loren. Isach einjähriger Ehe Avurde Pat. WitAve. Die Menses sind dann noch circa 12 Jahre genau 28-tägig geblieben. Späterhin traten sie im 23-tägigen Typus auf und blieben in demselben bis zum letzten Sommer (1895), aa'o das Climacterium begann.

\ on dieser Patientin stehen mir die Menstruationsdaten durch fast D/a Jahre zur Verfügung (vom 2. Januar 1895 bis 30. Mai 1890). Daneben aber besitze ich auch die Daten vmn Migränen, die be- sonders häufig seit dem October 1895 erschienen, avo das UnAvohlsein schon stärkere Unregelmässigkeiten aufAAues. Ich Averde nun die


134


Daten der Menses imd der Migränen zuerst gesondert angeben und dann sie gemeinsam in Gruppen ordnen. Die Daten der menstruellen Blutung sind fettgedruckt.

Menses:


Intervall




Intervall



(Tage:)


2. Januar


1895


21


3. August


1895


21


23. Januar



94


5. Noveuibei


n


27


19. Februar


r


62


6. Januar


1896


24


l(j. März



23


29. Januar


V


22


7. April



38


7. 3Iärz


7)


23


30. April



26


2. April


71


25


25. Mai



36


8. Mai


71


24


18. Juni


n


21


30. 3Iai


11


25


13. Juli


r>







Migr


ä n e 11 ;




Interval 1




Intervall



(Tage :)


2. October


1895


9


26. Februar


1896


7


9. October



2


28. Februar


Yt


1


10. October


n


1


29. Februar


n


6


16. October


5?


5


5. März



23


8. November


y)


2


7. 3Iärz


11


8


16. November


11


8


15. März


71


1


17. November


71


2


17. März


11


4


21. November


11


14


31. März


n


8


29. November


11


5


5. April


V


3


2. December


71


1


6. April


11


10


12. December


l'i


27


3. Mai


-


2l


2. Januar


1896


1


4. Mai


11


9


11. Januar


11


5


9. Mai


11


G


17. Januar


V)


10


19. Mai


r


6


23. Januar



11


30. Mai



3


26. Januar


71


1


31. Mai


57


6


1. Februar


11


1


1. Juni


n


1


2. Februar


11


5


6. Juni


n


7


9. Februar


71


1


7. Juni


71


5


14. Februar


11


5


12. Juni


57


1


15. Februar


11






A) Männliche Bei


li e n :




2. Januar 1895


1 .

j


Intervall




19. Februar


7)


48 =


2 X 23 + 2




16. März


n


24 =


23 + 1




7. April


??


22 =


23 — 1




30. April


11


23




135


Intervall


21. November


•n



205 9 X 23 —


2


6. Januar


1896



46 = 2 X 23



29. Januar




23



15. März


rt



46 = 2 X 23



6. April




22 == 23 — 1



Differenz der


ganzen Reihe = — 1.





2.



23. Januar


1895



Intervall



17. November


n



298 =13X23-



2. Januar


1896



46 = 2 X 23



  • 26. Januar




24 = 23 + 1



  • 5. April


n



70 = 3 X 23 +


1


12. Juni


77



68 = 3 X 23 —


1


Differenz der ganzen Keihe = O.

3.


9. October 1. Februar


1895

1896


Differenz


115 = = O.


Intervall 5 X 23


25. M.ai 18. Juni

3. Anglist 10. October

  • 11. Januar

2. Februar

26. Februar

4. Mai


1895


n

1896


24

46

68

93

22

24

68


Intervall 23 + 1

2 X 23

3 X 23 — l X 23 + 23 — 1

23 + 1 3 X 23 —


Differenz der Keihe = O.


13. Jnli 1895

5. Noveinbcv „

29. November „

29. Februar 1896

8. Mai „

30. Mai


  • 7. März

31. März 7. Juni


115 24 92 69 22

Differenz der Reihe :


6 .


1896


24

68


Differenz der Reihe =


Intervall

5 X 23
23 + 1
4 X 23

3 X 23 23—1 O.


Intervall 23 + 1 3 X 28 — 1

O.


136


2 . April 1896


  • 19. Mai


47 =

Difterenz der Reihe =


Intervall 2 X 23 + 1 -4- 1.


2. October 23. Januar


B) Weibliche Reihen:

I.

1895 Intervall

1896 113 = 4 X 28 + 1

Differenz der Reihe = -j“ 1.


16. Octobcr 12. December 5. März


II.

1895 Intervall

„ I 57 = 2 X 28 + 1

1896 I 84 = 3 X 28

Differenz der Reihe = -j- 1.


III.

8. November 1895 Intervall

28. Februar 1896 112 4 X 28

Differenz — O,


16. November 1895

  • 11. Januar 1896

9. Februar „

  • 7. März „
  • 5. April „

3. Mai „

31. Mai „

Differenz


IV.

Intervall 66 = 2 X 28 29 = 28 + 1

27 = 28 — 1 29 = 28 -1-1

28

i 28

der Reihe = -j- 1.


17. Januar 14. Februar 9. Mai 6. Juni


V.


1896

V

Differenz


Intervall

28

85 = 3 X 28 -f 28

der Reihe =: -j- 1.


1


YI.


2. December 1885

  • 26. Januar 1896
  • 19. Mai „

Differenz


I Intervall

j 55 = 2 X 28 — 1

i 114 = 4 X 28 -f 2

der Reihe = -j- 1.


Das Beispiel spricht für sich selbst. Wir bemerken das Be- stehen von 6 iveiblichen und 7 miinnlichen Reihen.


137


Diese scheinbar grosse Zahl von Reihen darf uns nicht Wunder nehmen. Der Verlauf der Darstellung wird den Nachweis ihrer wirklichen Existenz liefern. Er wird aber auch zeigen, dass nur ausnahmsweise alle diese Reihen betont sind. Je gesünder der Mensch ist, desto weniger sind die Reihen mit augen- fälligen Symptomen belastet.

Der neu gewonnene Gesichtspunkt lässt uns also in der schein- baren Unregelmässigkeit der Menses ein durchaus gesetzmässiges Verhalten erkennen.

Aber noch eine andere Thatsache erhellt aus der letzten Krankengeschichte : W o die Menses fehlen, da stellt die Migräne zur rechten Zeit sich ein. Sie ist also eine wahre Ersatz- erscheinung. Diesen Charakter theilt sie übrigens mit dem Bronchial-Asthma und einer nicht seltenen Form der Trigeminus- neuralgie, wie folgendes Beispiel lehrt ;

Frau l)r. !N r, 40 Jahre, liat vor 5 Jalu-en viel an 124.

echtem Bronchialasthma und Magensclimerz gelitten. Es bestand po- lypoide Rhinitis. Die Beseitigung der Polypen reichte nicht aus. Er.'^t nach Behandlung der nasalen G e n i t a 1 s t e 1 1 e n und Exstirpation des vorderen Endes der linken mittleren Muschel — Magen- s chm erzstelle — hörten die Leiden der Patientin auf.

In diesem Jahre ist ohne Erneuerung der Polypen das Asthma, wenngleich nur in einzelnen Anfällen recidivirt. Ausserdem ist eine heftige Trigeminus-Neuralgie vorhanden gewesen, Avelche am 14. j\Iärz 1896 begann, täglich von morgens 9 Uhr bis nachmittags G Uhr wütete und trotz ihres intermittirenden Charakters auch durch grosse Chiningaben (2 Gramm) gar nicht beeinflusst wurde. Ihre Kraft A-erlor sie erst am 1. April, wo die Menses erschienen. Mit dem 5. April, wo die Jlenses vorüber Avaren, scliAvand auch die letzte Spur der Neuralgie. Sie kehrte aber am 31. Mai d. J. AAÜeder und AA'urde dann nach positivem, an den Genitalstellen der Nase ausgeführten Cocain- A'ersuch sofort durch Trichloressigsäureätzung jener Stellen unterdrückt.


Hier gebe ich die Daten erst chronologisch und daun in Reihen geordnet an:


1896.


17. Januar Asthma 11. Februar Menses 27. Februar Asthma 29. Februar Magenschmerz 4. März Menses 4. März Trigeminusneuralgie


16. März Asthma 22. /23. März nachts Asthma 26. /27. März nachts Enuresis 1. April Menses

1./2. April nachts Migräne und ängst- licher Traum.


138


5. April Menses und Trigeminusneuralgie 3l. Mai Wiederbeginn der Trigeminus- verschwunden neuralgie

7. April asthmatisches Pfeifen 8./9. Juni nachts ängstlicher Traum

19. April Menses 9 . Juni Menses.

20. Mai Asthma

21. Mai iVIenses


A. Männliche Reihen:


2 .


29. Februar


Intervall


17. Januar


Intervall


23. März


23


4. März


47 = 2 X 23 +


31. Mai


69 == 3 X 23


27. März


23


Differenz = 0.


19. April


23




Differenz = -|- 1.



3.



4.


14. März


Intervall


1. April


Intervall


5. April


22 = 23 — 1


9. Juni


69 = 3 X 23


21. Mai


46 = 2 X 23


Differenz = 0.


Differenz = — 1.





B. Weibliche Reihen:




I.



II.


27. Februar


Intervall


11. Februar


Intervall


20. Mai


83 = 3 X 28 — 1


7. April


56 = 2 X 28


Differenz = — 1.


Differenz = 0.


III.


16. März 8. Juni


Intervall

84 = 3 X 28


Differenz = O.


Wir finden also hier vier männliche und drei weibliche Reihen betont. In den Fällen, wo Menses und Asthma zeitlich

fast zusammenfallen (z. B. 20. Mai Asthma und 21. Mai Menses

ist dieses Zusammenfallen nur scheinbar. Es löst sich in ein zeit- lich nahes Aneinanderrücken von Terminen verschiedener Reihen auf.

20. Mai aus der weiblichen Reihe I

21. Mai aus der männlichen Reihe 3.

Es hat vielmehr eine männliche Reihe die Wirkung der weiblichen ausgelöscht und umgekehrt. Bei der Trigeminusneur- algie wird x4.nfang und Ende durch dieselbe Reihe bestimmt. Der 1 4. März und 5. April gehören beide der dritten männlichen Reihe an-


139


Audi an diesem Beispiele sieht man, wie die scheinbare Unregelmilssigkeit der Menses sich in eine gesetzmässige Folge auflüsen lässt. Man sieht aber noch ein anderes mehr;

Die Patientin ist nämlich zum ersten Mal an Asthma erkrankt, als sie durch jahrelange Abwesenheit ihres Mannes unter sexueller Abstinenz litt, umso mehr, als der Verkehr zwischen den Fhegatten früher ein sehr reger gewesen war.

Die polypoide Rhinitis bestand sicher schon seit mindestens zehn Jahren, ist auch früher schon des öfteren behandelt worden. Zum Asthma aber hat sie erst zur Zeit jener Abstinenz den Anlass ge- geben. Und es war eine glückliche Unterstützung der Cur, dass wenige IMonate nach Beendigung’ derselben die Gatten wieder vereint ivaren.

Das Recidiv im letzten Jahre ist aller W ahrscheinlichkeit nach durch das Herannahen der IMenopause gegeben. Für die Nähe derselben spricht das Alter der Patientin und der Umstand, dass die Menses jetzt „unregelmässig“ geworden sind.

Die Menopause aber ist, wie uns das folgende Beispiel so- gleich belehren wird, eine directe Veranlasserin des Asthmas unter gewissen, durch die Beschaffenheit der Nase gegebenen Bedingungen :

Frau B . sch, 52 Jahre.

Die ausserordentlich frische und lehhafte Frau, die fünfzehn Kindern das Leben gegeben, hat sich vor 20 Jahren wegen Stock- schnupfen eine grosse Zahl von Polypen aus der Nase rupfen lasseia. Darnach bekam sie lleufieber, das sich alle Jahre wiederholte. A^or A'ier Jahren wurde sie AVitwe und kam um die gleiche Zeit, ohne zuvor Klimaxbeschwerden gespürt zu haben, in die Alenopause. Alit dem Tage, wo das erwartete Unwohlsein zum ersten Alale aushlieh, hatte sie den ersten Asthma-Anfall, an den bald eine fortwährende, durch die Anfälle gesteigerte Athemnoth sich anschloss. AA'eder Jod, noch die Delfachen Polypenextractionen, denen sich die Patientin bei zahl- reichen Autoritäten unterzog, hatten irgend welchen Erfolg. Eine Sondirung der linksseitigen nasalen Genitalstellen am 14. Nov. 1895 brachte ihr die ei’ste Erleichterung. Gründliche Befreiung der Nase von I'olypen innei’halb der nächsten Tage, wobei die mittleren Aluscheln entfernt werden mussten, hat dann die Besserung nicht erhöht. AA'ohl aber ist volles AVohlbefinde n nach Aetzung und Elektrolyse der beiderseitigen Genitalstellen eingetreten.

Dieser günstige Zustand hat bis zur Nacht vom 13. /14. Januar 1896, also etwa sieben AA'ochen, angehalten.


140


Da erschien ein neuer Asthma -Anfall. Hondenheriihrung der linksseitigen nasalen Genitalstellen — die linke Nase hat hier die Hauptrolle ges])ielt — löste einen sehr starken Ilustenkitzel aus. Auf nochmalige Elektrolyse dieser Stellen schwindet das Asthma. Nur am 19. Januar tritt nachts Krampf husten auf und nach ihm Aphonie. Am 21. Januar machen sich noch einmal Asthmaspuren bemerkbar.

Nun kommt eine Dause bis zum 26. ]\Iärz, wo das Asthma wieder, wenn auch ganz ausserordentlich abgeschwächt, erscheint. Da Jodnatrium, das jetzt versucht wurde (5 g pro die ! !), ohne jeden Einliuss war, machte ich am 29. jMärz den Cocainversuch am linken tuherculum septi. Darauf Nachlass der Beklemmung. Elektrolyse (stets bipolar) dort.

Völliges IVohlhelinden bis zum 10. Juni. Da Jod wieder erfolglos ist, kommt die auswärts weilende Patientin am 18. Juni zu mir. Nach Cocainisirung der linksseitigen nasalen Genitalstellen, avo »Sondenbe- rührung starken Hustenreiz auslöst, sofortiger Nachlass der asthmatischen Beklemmung. Elektrolyse dort stellt die Patientin sofort Avieder her. Zu klagen hatte sie nur am 18. Juni abends über Kopfschmerz, „als Avenn die Augen heraustreten Avollten,“ am 22. Juni über Druck in der Herzgrube, am 30. Juni über Jucken und Brennen in den Augen- Avinkeln und Elimmerscotom, am 1. und 2. .luli über Krampfhusten, und am 8. Juli über starken Druck „hinter den Augen.“ Im Uebrigen AA^ar jede Spur a’ou Asthma A’or der Hand Avenigstens gCAvichen.

Die mir bekannten und obenerwähnten Termine gruppiren sich so;


14. Jan. 1896; Asthma-Eecidiv.

19. Jan.; Krampfhusten; neiwüse Heiserkeit.

21. Jan.: Steigerung der asthmatischen Beschwerden.

26. März : Asthma-RecidiA\

10. Juni: Asthma-Eecidiv.

18. Juni abends: Kopfschmerz

22. Juni: Druck in der Herzgrube.

29. Juni: Sehr starker Hustenreiz.

30. Juni: Jucken und Brennen in den Augen. ConjunctiA^al-Injection.

1 . Juli : Hustenanfall.

2. Juli: Starker Krampfhusten.

8. Juli: Starker Druck in den Augen.


Termine:


A. Männliche Reihen;


1 .


19. Januar


Interv.


  • 14. Januar Interv.


29. Juni 162 = 7 X 23 + 1 Differenz = -)- 1


22. Juni 160 = 7 X 23 — 1


Differenz = — 1


141


3.


  • 10. Juni

2. Juli


Interv.

22 = 23 — 1 Differenz = — 1


4.


  • 21. Januar

1. Juli


162


Interv.

= 7 X 23


Differenz = 1.


B. Weibliche Reihen:

I. n.


^14. Januar 30. Juni


Interv.

168 = 6 X 28


Differenz = 0.


  • 21. Januar

7. Juli


Interv.

168 = 6 X 28


Differenz = 0.


III.

26. März Interv.

18. Juni 84 = 3 X 28 Differenz = 0.


IV.

  • 10. Juni 1 Interv.

8. Juli 1 28.

Differenz = 0.


Für zwei Asthmarecidive (14. Januar und 10. Juni) können wir das Zusammentreffen einer männlichen Reihe mit einer weib- lichen verantwortlich machen. Das zeitliche Zusammenfallen zweier Reihen erhöht hier die Wirkung. Im vorigen Beispiel hob eine Reihe die Wirkung der anderen auf.

Es muss also Reihen mit gleichem und solche mit entgegengesetztem Vorzeichen geben.

Was aber an dieser Krankengeschichte fernerhin noch lehrreich ist und was sie direct mit der früher gegebenen (Fall 124) ver- knüpft, ist das Eintreten des Asthmas genau mit der Menopause.

Der verhinderte Ablauf des menstruellen Processes hat hier auf die Genitalstellen der Nase gewirkt und sie verändert.

Kann man diese Veränderung für den Augenblick (Cocain- versuch) oder für längere Zeit (Elektrolyse) aufheben, so tilgt man für’s erste auch das x4sthma. Aber wenn das sexuelle Äloment weiterhin auf die Nase einwirkt, so kommt auch das Asthma wieder zum Vorschein, am ehesten, wenn die Einwirkung vom Sexuale besonders stark wird, also an den Schnittpuncten zweier gleichsinnig wirkender Reihen.

Die Polypen mögen die Genitalstellen der Nase ungünstig beeinflussen und sind gewiss zu entfernen. Aber das Wesentliche sind die Genitalstellen selbst, und vor Allem jenes sexuelle Moment (hier die Menopause), das die unentbehrliche Voraussetzung zum Zustandekommen des Asthmas ist.


142


x\lle diejenigen Sexual- Vorgänge, welclie nacli Freud Angst erzeugen, sind auch fürs Asthma nüthig. Und die ]\Ienopause ist eines von diesen Momenten.*)

Kann ich diese Momente ausschalten, dann bin ich im Stande, von der Nase aus das Asthma dauernd zu heilen. Si non, non !

Es findet sich in dieser und in der vorigen Krankengeschichte der Hinweis einer engen Verbindung von Angst und sexuellen Vor- gängen. Zur Aufklärung über diesen Zusammenhang kann ich den Leser nicht dringend genug auf die grundlegende Mittheilung von Freud*’^) hin weisen. Dieser Forscher hat gefunden, dass die neuro- tische Augst stets eine sexuelle Ableitung hat, d. h. dass, wo die Angst als Neurose auftritt, gewisse ätiologische Bedingungen ausnahmslos erfüllt sind, die sich immer auf die Sexualleistungen beziehen. Diese Bedingungen lassen sich unter den gemeinsamen Gesichtspunct bringen, dass bei auftretender Sexualerregung die specifische Action der Begattung entweder ganz ausfitllt oder doch in irgend einem Puncte kcu'perlich oder seelisch unvollkommen bleibt. Die Angst der Kinder und Adolescenten, die Angst der neu vermählten Frauen oder derjenigen, die durch Impotenz der Männer oder im Coitus interruptus mangelhaft befriedigt Averden, die Angst der WiBven und Abstinenten, die Angst der frustran sich Erregenden, die Angst im Climacterium und im Senium bei Männern und Frauen finden unter dieser Beleuchtung ihre Er- klärung. Die ätiologischen Beziehungen, die Freud aufgedeckt hat, haben sich mir immer bewährt, wo ich ihnen nur im concreten Fall habe nachgehen können. Stets hat sich die Angst als ein Stück verAvandelter, Aveil nicht A^öllig und richtig Amrbrauchter Sexualerregung erAviesen. Und so AAÜrd es Jedem gehen, der die Freud'schen Angaben wirklich nachprüft. Nur muss er sich für die Zeit der Prüfung auf den Standpunkt stellen, die Theorie A'on Freud sei wirklich A\-ahr, und er muss nicht eher ruhen, bis er das sexuelle Moment thatsächlich aufgefunden hat, Avas nicht immer leicht ist. Er AAÜrd dann für die Freud’schen Thesen eben- so viele Bestätigungen auffinden, als er A’orher ZAA^eifel in Bereit- schaft hielt.

  • ) Vergleiche auch Seite 199 die Ausfahrung über die Fr eud’sche Angstneurose.
  • '*) Ueber die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Sjm-

ptomencomplex als Augstneurose abzutrennen. Von Dr. Sigm. Freud, Privat- docent in Wien. Neurolog. Centralblatt 1895 Nr. 2.


143


Dass beim „nervösen“ Astliina die Angst die hervorstechendste Rolle spielt, weiss Jeder, der solche Anfälle gesehen hat. Besonders deutlich aber wird das durch den Umstand, dass bei demselben Kranken Anfälle von Angst und von wahrem Bronchialasthma mit einander abwechseln können.

Ob ein Anfall blosse Angst oder wahres Bronchialasthma wird, dafür ist die Beschatfenheit der Käse wesentlich massgebend.

Aber, wie es scheint, ausserdem noch die Art der Periode, welche den Körper triÖ’t. Denn dass auch die Angstanfällc ebenso wie die asthmatischen nur an d e t e r m i n i r t e n P eriodentageii erscheinen, lehrt uns u. A.*) folgendes Beispiel, in dem Angst und Asthma bei demselben männlichen Patienten erscheinen.

Wir lernen hier zum ersten IMale, dass die Periodicität der 23 und 28 Tage auch bei Männern vorkommt. Dieses wichtige Factum wird uns sjiäter noch ausführlicher beschäftigen und dann auf seine biologische Bedeutung hin geprüft werden.

In der Geschichte des Kranken, dessen Termine uns zum Theil *^’* ^^** durch zehn Jahre hekannt sind ('mein Journal und des Kranken Tage- buch sind zu dem Zweck vergdichen worden), wäre zu hemerkeu, dass es sich um einen aussergewöhnlicli jmtenten Mann handelt, der vor 11 Jahren seine letzte Gonorrhoe durchgemacht, seit dieser Zeit an Azoo- spermie leidet, und dessen Angst gut ein .lahr später zuerst aufgetreten ist. An Kasenpolypen hat er schon viele Jahre früher gelitten, aber ausser Nasenverstopfung und Nieskräuipfen keinerlei Beschwerden von ihnen gehabt.

Die Azoospermie plus der Menopause (61 Jahre!) und vielfache frustrane Erregung scheinen für den libidinösen Kranken die Vor- bedingungen der Angst geschaffen zu haben. Die Beschaffenheit der Nase hat dann aus der Angst das Asthma Averden lassen, an dem der Kranke vom Frühhng bis Herbst 1887 furchtbar litt. Ich Avar damals im Ausland und sah ihn erst gegen Ende 1887. Polypenextractionen, pneumat. Cabinet, Jod mit Chloral etc. Avaren ganz erfolglos geAvesen.

Eine Aetzung der unteren Jluscheln und der tubercula septi — deren Sondirung Hustenreiz erzeugte und daun der bis in die Gegemvart fortgesetzte Gebrauch einer Jlischung A'on Jodnatrium und Terpin- hydrat (täglich 5 g Jodnatrium und 2-5 (j Terpiuhydrat) haben ihn schnell A'on seinen BescliAverden befreit. Erst in diesem Jahre ist Avieder Asthma aufgetreten, als der Patient gerade auf Reisen Avar.

Die Jodterpinmedicin hat es nicht zum ScliAviuden bringen können.


  • ) Vergleiche S. 194 ff.


144


wohl aber eine unterstützende Trichloressigsäureätznng der Genitalstellen im ,luni und ebenso im Juli gelegentlicdi eines Kecidivs. Bei einem etwaigen weiteren Ivückfall würde ich statt der milderen Trichloressig- sänre die viel energischer wirkende bipolare Elektrolyse in Anwen- dung bringen.

Auch hier haben Nase und sexuelle (angstbegünstigende) Momente zur Erzeugung des Asthmas zusammengewirkt. Das Asthma hat einen ungewöhnlich potenten Mann getroffen. Sehr potente Männer und Erauen erwerben besonders leicht die Angstneurose und eventuell das Bronchialasthma, wenn eines von den ätiologischen Momenten sie trifft. (E r e u d).

In der folgenden Tabelle sind nur Termine derjenigen An- fälle angeführt, über die ich unzweifelhafte Daten habe erhalten können. Es sind sonach durchaus nicht alle Anfitlle verzeichnet.


Termine :


30. April 8. Juli


10. Mai 1886 Angstanfall

14. Mai „ Angstanfall 21. Mai „ Angstanfall

29. October 1887 Schüttelfrost

30. October „ schwere Ohnmacht (Aderlass)

13. Mai 1888 Schwindel und Angst

9. Juli 1891 Angstanfall 1. Juli 1893 Angstanfall 5. August 1894 Angstanfall 20. November „ Angstanfall

15. März 1896 Asthma-Anfall 30. April „ Asthma-Anfall

4. Mai „ wässriger Schnupfen und Asthma-Anfall 9. Mai „ Ohnmacht

19. Juni „ Einschlafen des rechten Beines, nachher Angstanfall 4. Juli „ Krampfliusten

8. Juli „ Beklommenheit; Stuhlverstopfung.

11. Juli „ Aphte an der linken Zungenseite.

A. Männliche Reihen:

1. 3.

1886 Intervall

1891 1886 = 82 X 23

Differenz = O.

4.

1896 Intervall

19. Juni „ 46 = 2 X 23

11. Juli „ 22 = 23 — 1

Differenz = — 1.


21. Mai 1886


Intervall


10. Mai


20. Novemb. 1894


3105 = 135 X 23


9. Juli


Differenz = 0.




2.



15. März 1896


Intervall


4. Mai


46 = 69 =


2 X 23

3 X 23


Ditferenz der Reihe = O.


145


B. Weibliche Reihen:


14. Mai 29. October


22. Mai 9. Juli 5. August 15. Milrz 9. Mai 4. Juli


I.

1886 Intervall

1887 533 = 19 X 28 + 1 Differenz = -)- 1.


II.


1886

1891

1894

1896

7 )

n


Intervall

1874 = 67 X 28 — 2 1123 = 40 X 28 + 3 588 = 21 X 28

55 = 2 X 28 — 1

56 = 2 X 28


Differenz = O.


30. October 13. Mai 1. Juli 4. Mai


III.


1887

1888 1893 1896


Intervall 196 = 7 X 28 1875 = 67 X 28 — 1 1038 = 37 X 28 -h 2


Differenz = -j- 1.


In diesem Beispiel finden wir vier männliche und drei weib- liche Reihen betont. In ihnen sind die Daten aller notirten Anfälle enthalten.

Es nimmt Wunder, mit welcher Genauigkeit über viele Jahre hinaus die zeitlichen Verhältnisse von der Natur eingehalten werden. Die Differenzen in den Reihen betrafen in keinem Falle mehr als ± 1, ja in vier Reihen ist die Differenz Null.

Ein solches Verhalten macht vom Anbeginn den Eindruck des streng Gesetzmässigen.

Die Frage von der Natur des Asthmas und der Migräne ist hier nur gestreift und wird anderen Ortes von mir gewürdigt werden. Ich mochte sie an dieser Stelle nicht ganz übergehen, weil ein Stück in dem Mechanismus der genannten Leiden eben- falls eine Beziehung zwischen Nase und Sexualvorgängen darstellt.


N.

Die Lehre, dass es nicht eine, sondern mehrere menstruelle Wellen gebe und dass der Charakter derselben sich nicht im 28tägigen Typus erschöpfe, sondern noch in einem anderen 23tä- gigen hervortrete ist so neu, dass gewiss ein umfassenderer Nach- weis für ihre Richtigkeit am Platze ist. Ehe wir versuchen, sie

Flies 8. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechisorganen. JQ


146


clurcli Mittlieilimg weiterer eigener Beobachtungen zu stützen, wollen wir Zusehen, ob nicht schon früher bekannte Thatsachen im Sinne dieser Lehre sich erläutern lassen. Da trifft es sich, dass ich zur Zeit der Correctur dieses Buches noch auf eine längst publicirte Arbeit*) aufmerksam gemacht werdc; in der von 12 Frauen diejenigen 11 Menstruationstermine angegeben sind, welche der Schwangerschaft vorangehen. Diese Termine sind zum grossen Theile „unregelmässig“ und eben deswegen vom Autor aufgeführt. Wir werden also zunächst in jedem von diesen Fällen nachzuweisen haben, wie mit Hilfe unserer Reihen sich die Unregelmässigkeit aufldärt.


Fälle 127 AbisM.

Fall 1.

Kräftig, blond, III para, 33 Jahre.


Menses



Intervall


13.


Dezember



8.


Januar


26


6.


Februar


29


3.


März


25


2.


April


30


1.


Mai


29


29.


Mai


28


29.


Juni


31


26.


Juli


27


20.


August


25


19.


September


30


B.

Fall 2.

Kräftig, brünett, IX para, 39 Jahre.


Menses

15.


Februar


Intervall


9.


März


22


9.


April


31


4.


Mai


25


1.


Juni


28


1.


Juli


30


a) Weibliche Reihen :

1 .

13. Decemb. Intervall :

6. Februar 55 = 2 ^ 28 — 1

1. Mai 84 = 3 X 28

29. Mai 28

II.

8- Januar

2. April 84 = 3 X 28

20. August 140 = 5 X 28

III.

29. Juni

  • 26. Juli 27


b) Männliche Reihen : 1 .


8. Januar

19. Septbr. 254 = 11 X 23 -i- ^

2 .

2. April

  • 26. Juli 115 = 5 X 23


3. März ?


a) Weibliche Reihen ;

I.

Intervall : 56 = 2 X 28 28

83 = 3 X 28 56 = 2 X 28 28

b) Männliche Reihen :


9. März 4. Mai 1. Juni 23. August 18. October 15. Novemb.


— 1


9. April

18. Septbr. 162 = 7 X 23 + 1


  • ) Issmer : lieber die Dauer der menschlicben Sebwangersebaft, Archiv

für Gynäkologie Bd. 25. 1889.


147


Menses



Intervall


25.


Juli


24


23.


August


29


18.


September


26


18.


October


30


15.


November


28


2 .


15.

9.


Februar

^lärz


11

1


1.


Juli


114 = 5 X 23 - 1


25.


Juli


24 = 23 + 1


C.




Weibliche Reihen;


Fall 3.





I.



Kräftig, brünett,


III para,


18.


Februar



Intervall:


O / j

27 Jahre


X )


18.


März


28





1.


Scptbr.


167


= 6 X 28 — 1


Menses ;


Intervall :






18. Februar





II.



18. Mürz


28


11.


Mai




1 1. April


24


8.


Juni


28



1 1 . Mai


30


5.


Juli


27 =


= 28 — 1


8. Juni


28


2.


August


28



5. Juli


27


26.


October


85 =


= 3 X 28 -f 1


2. August


28






1. September


30




III.



26. September


25


11.


April




26. October


30


26.


Septbr.


168


= 6 X 28


22. November


27


22.


Novemb,


57


= 2 X 28 + 1



D.




Weibliche


Reihen ;


Fall 4.





I.



Kräftig, brünett,


II para,


15.


März



Intervall :



30 Jahre.



12.


April


28



Menses



Intervall :


11.


Mai


29


= 28+1


15.


März



7.


.Juni


27


= 28—1


12.


April


28


28.


Septbr.


113


= 4X‘<i8 + l


11.


Mai


29




II.



7.


Juni


27


O


Septbr.



8.


Juli


31


28.


October


56


= 2 X 28


6.


August


29


25.


Novemb.


28


2.


September


27




III.



28.


September


26





28.


October


30


8.


Juli




25.


November


28


6.


August


29


= 28 + 1


24.


December


29


24.


Decemb.


140


= 5 X 28


10 *


148


E.

Pall 5.

Kräftig, blond, II para, 24 Jahre.


Menses

1.


März


Intervall


25.


März


24


21.


April


27


16.


Mai


25


14.


Juni


29


10.


Juli


26


5.


August


26


2.


September


28


1.


October


29


28.


October


27


27.


Xovember


80


a) Weibliche Reihen :

I.

10. Juli Intervall:

1. October 83 = 3 X 28 — 1

27. Novemb. 57 = 2 X 28 -j- ^

II.

5. August

  • 2. Sej)tbr.

28. October

16. Mai 14. Juni

  • 25. März

21. April


28

56 = 2 X 28

III.

29 = 28 + 1

IV.

27 = 28 — 1


b) Männliche Reihen :

1 .

1. März

  • 25. März 24 = 23 + 1
  • 2. Septbr. 161 = 7 X 23


a) Weibliche Reihen:

I.


Fall


F.

6.



27. März 14. August

12. Septbr.


Intervall :

140 = 5 X “8

II.


Kräftig, brünett, 19 Jahre.


I para,


  • 3. Januar

19. Mai


113 = 4 X 28 + 1 III.


Menses



Intervall :


15. Juni


27 = 28 — 1


27.

17.


März

April


21


1. Decemb.


169 = 6 X 28 + 1


19.


Mai


32


b) Man


nliche Reihen:


15.


Juni


27



1.


25.


Juli


40


25. Juli



14.


August


20


  • 3. Januar


162 = 7 X 23 + 1


12.


September


29




13.


October


31


13. October



5.


November


23


5. Novemb.


23


1.


December


26



3.


3.


Januar


33


17. April 28. Septbr. nächsten Jahres (Ent- bindung)


529 = 23 X 23 Tage


149


G.

Fall 7.

Kräftig, brünett. I para, 33 Jahre.


Menses :


Inter


7.


April



5.


Mai


28


3.


Juni


29


1.


Juli


28


26.


Juli


25


23.


August


28


21.


September


29


27.


October


36


16.


November


20


13.


December


27


10.


Januar


28


a) Weibliche Keihen;



I,



7. April



Intervall :


5. Mai


28



3. Juni


29



  • 1. Juli


28




II.



26. Juli




23. August


28



21. Septbr.


29


= 28 -f 1


  • 16. Novemb.


56


= 2 X 28


  • 13. Decemb.


27


= 28 — 1


10. Januar


28



b) Männliche Reihen :

1 .

  • 1. Juli
  • 16. Novemb. 138 = 6 X 23

2 .

27. October

  • 13. Dccemb. 47 = 2 X 23 -p 1


H.

Fall 8.

Kräftig, brünett, II para. 22 Jahre.


Menses :

20. April


Intervall


21.


Mai


31


14.


Juni


24


10.


Juli


26


8.


August


29


2.


September


25


4.


October


32


1.


November


28


1.


December


30


29.


Januar


28


25.


Februar


27


a) Weibliche Reihen:


20. April

  • 14. Juni

8. August 4. October

  • 1. Novemb.

25. Januar

1. Decemb. 29. Decemb.


1 .

Intervall ;

55 = 2 X 28 — 1 55 = 2 X 28 — 1 57 = 2 X 28 + 1 28

85 = 3 X 28 + 1 II.


28


b) Männliche Reihen:

1 .

10. Juli

  • 1. jS'ovemb. 114 = 5 X 23 — 1

2 .

21. Mai

  • 14. Juni 24 = 23 1

2. September ?


150


J.

Fall 9.

Kräftig, brünett, I para, 27 Jahre.


Menses

27.


Mai


Intervall


28.


Juni


32


22.


Juli


24


12.


xiugust


21


17.


September


36


16.


October


29


12.


November


27


13.


December


33


7.


Januar


25


1.


Februar


25


3.


März


31


K.

Fall 10.

Kräftig, brünett, II para, 24 Jahre.


Menses

13.


Juni


Intervall :


10.


Juli


27


7.


August


28


5.


September


29


5.


October


30


1.


November


27


27,


November


26


23.


December


26


20.


Januar


28


18.


F ebruar


29


17. März

L.

Fall 11.


27


Kräftig, blond, I 21 Jahre.


para,


Menses

11.


Juni


Intervall :


10.


Juli


29


8.


August


29


5.


September


28


a) Weibliche Keihen:


27. Mai 22. Juli

  • 17. Septbr.

16. October

  • 12. Novemb.

7. Januar 3. ^Icirz


I.

Intervall :

56 = 2 X 28

57 = 2 X 28 + 1 29 = 28 + 1

27 = 28 — 1 56 = 2 X 28 55 = 2 X 28 — 1

II.


  • 28. Juni

13. Decemb. 168 = 6 X 28

b) Männliche Keihen:


1 .

  • 28. Juni

12. August 45 = 2 X 23 — 1

  • 12. Novemb. 92 = 4 X 23


  • 17. Septbr.

1. Februar


2 .

137 = 6 X 23 — 1


Weibliche Reihen:


23. Decemb. 20. Januar 18. Februar 17. März


I.

28

29


27


Intervall :


13, Juni 10. Juli 7. August 5. Septbr. 27. Novemb

5. October 1. Novemb,


II.

27 = 28 — 1

28

29 = 28 4- 1 83 = 3 X 28 — 1

III.

27


a) Weibliche Reihen:

I.

22, Novemb. Intervall:

20. Decemb. 28

II.

10. Juli

1. October 83 = 3 X 28 — 1

b) Männliche Reihen:

1 .

8. August

16. lanuar 161 = 7 X 23


151


Menses



Intervall :





1.


October


26




2,


27.


October


26


5.


Septemb.


Intervall :


22.


November


26


13.


Februar


161 = 7 X 23


20.


December


28




Q


16.


Januar


27




O« 


13.


Februar


28


11.


Juni



15.


März


30


27,


October


138 = 6 X 23





15.


März


139 = 6 X 23 -f-






a) Weibliche Reihen:



M.





I.


Fall 12.



29.


Juli


Intervall :


Gracil, brünett, I


para,


22.


Septbr.


55 = 2 X 28 —



22 Jahre.



  • 18.


Novemb.


57 = 2 X 28 +





16.


Decemb.


28


Menses


t


Intervall :





4.


Juli





II.


29.


Juli


25


24.


August



24.


August


26


9.


März


197 = 7 X 28 -f


22.


September


29


5.


April


27 = 28 — 1


22.


October


30




III.


18.


November


27


22.


October



16.


December


28


14.


Januar


84 = 3 X 28


14.


Januar


29


11.


Februar


28


11.


Februar


28



b) Männliche Reihen:


9.


März


26




1.


5.


April


27


4.


Juli






  • 18.


Novemb.


137 = 6 X 23 —


Eigentlich sollte man glauben, es sei ein hoffiinngsloses Un- ternehmen, die Unregelmässigkeit der Menses in ein gesetzmässiges Verhalten aufzulösen, wenn man nichts Aveiter Aveiss, als 11 auf- einander folgende Menstruationsdaten. Denn gerade die Kenntniss der Ersätze!’ sch ein ungen (z. B. Migräne) hatte uns erst (im Fall 123) auf die richtige Spur geleitet. Und A'^on diesen ist in der Arbeit Issmer’s mit keinem Wort Erwähnung gethan.

Nichts desto Aveniger ist die Auflösung in 9 Fällen glatt gelungen. Ini zehnten (Fall 6 bei Issmer) AAÜrd das Datum des 17. April, des einzigen, Avelches mit den übrigen Meustruations- daten nicht correspondirt, zum Indicator für jene Reihe, die den Entbindungstermin (28. Sept. f. J.) bestimmt. Denn vom 17. April bis zum 28. September des nächsten Jahres sind 529 oder 23 X 23 Tage verflossen. So gewährt gerade dieses scheinbar anschlusslose


152


Datum wiederum Einsicht in die menstruelle Natur des Entbindungs- Vorganges.

In den Fällen 3 und 8 finden die Daten des 3. März bezw. 2. Sej3tember nur deswegen keinen Anschluss, weil wir gerade hier mit aller Strenge an der Forderung festbalten müssen, dass die Differenz der Daten unter sich und ebenso die Differenz der ganzen Reibe niemals mehr als + 1 von 28 oder 23 abweicben dürfe.

Denn die Zahlen 28 und 23 bedeuten ganze Tage und n ur i m einzelnen Intervall darf normalerweise eine Stundenab- weichung Vorkommen, die sieb in langen Zeiträumen stets aus- gleicht. Für die Rechnung aber wird sie einen Kalendertag ausmacben, der zu viel oder zu wenig im Resultat enthalten ist.

Unter diesen Umständen ist das Ergebnis der Untersuchung (das auch so unregelmässige Daten wie in Fall 0 erklärt), als ein glänzendes zu betrachten.

Man sieht also, wie auch die von anderen Autoren beob- achteten Daten sich mit Hilfe derselben Gesetze aufklären lassen, die wir aus den eigenen Fällen abgeleitet haben. Und da wir die Giltigkeit dieser Gesetze auch für die Migräne als Ersatz- ersebeinung oben in Anspruch genommen haben, sei es uns gestattet, auch für diese Erscheinungsform menstrueller Vorgänge bereits 2 ,-edruckte Daten zu discutiren.

Siegrist bat in einem Sebrifteben *) vom Jahre 1894 die Migränetermine eines von ihm beobachteten Kranken folgender- massen angegeben:

8. Juli 1891 12. Juli 1891 31. März 1892

4. April 1892 12. April 1892

9. Mai 1892 2. Juni 1892

17. Juni 1892 0. Juli 1892 14. August 1892 22. August 1892 4. September 1892 12. November 1892 14. November 1892

Beiträge zur Kenntniss vom Wesen und Sitz der Hemicrania ophtlialmica. Von Dr, August Siegrist, Basel und Leipzig 1894.


Intervall : 4

2ß3

4

8

27

24

15

16 42 8

74

8

2


153


Die Ordnung dieser scheinbar sehr unreg’ehnässigen Termine ergibt sich in folgenden Reihen :

A. Milnn liehe Reihen:


1 .

12. Juli 1891 Intervall

12. April 1892 275= 12X23 — 1

Differenz = — 1.

3.

8. Juli 1891 Intervall

17. Juni 1892 345 = 15 X ^3

Dift’erenz = 0.


2 .

14. August 1892 Intervall

  • 14. Novemb. ^ 92 = 4 X 23

Dift’erenz = 0.

4.

9. Mai 1892 Intervall

2. Juni „ 24 = 23 -f 1

Difterenz =; -j- ^ •

Intervall 69 = 3 X 23


5.

4. Septemb. 1892

  • 12. Novemb. „

Dift’erenz = 0.


B. Weil) liehe

I.

4. April 1892 Intervall 22. August „ 140 = 5 X 28

  • 14. November „ 84 = 3 X 28

Dift’erenz = 0. I


Reihen :

II.

31. März 1892 Intervall

  • 12. Noveinb. „ 226= 8 X 28 -{- 2

Differenz = -{- 2.


In diesem Beispiel steht fünf männlichen Reihen eine weib- liche gegenüber.

Eine zweite weibliche besteht nicht völlig zu Recht. Denn die Differenz derselben beträgt 2, also mehr als die erlaubten i 1. Der 31. 3Iärz 1892 findet möglicherweise richtigeren An- schluss an ein späteres Datum, das die Siegrist’sche Arbeit nicht mehr enthält.

Das Zusammentreffen zweier Termine aus einer männlichen und einer weiblichen Reihe, wie es z. B. am 14. Xovember vorkommt, ist uns u. A. auch aus dem Fall 122 Avohl bekannt, avo gerade die Gleichzeitigkeit dieser Termine für den Beginn des KreissA'organges sich so entscheidend erwies.


Auch in einer Arbeit Aon I) et ermann über die 3Iigräne*) linde 129 . ich A'ier Daten von Anfällen bei einem Patienten.

Dieselben sind :


  • ) Casuistischer Beitrag zur Kenntniss der iMigräne. ’S'on Dr. Determaun in

St, Blasien. Deutsche mediciu. Wochenschrift 1890. Seite 152 ft’.


154


20. Deceinber 1894 12. August 1895

30. Juli 1895 15. August 1895

Vom 20. December 1894 bis 30. Juli 1895 sind 223 = 8 X

28 — 1 Tage verflossen. Für den xVnscbluss der beiden August-Daten

fehlen leider alle anamnestiscben Zeitangaben.

Für die Migräne wollen wir wenigstens noch einen Beleg ans eigener Beobachtung anführen, der dadurch ausgezeichnet ist, dass es sich um eine Art von Migräneäquivalent — anfallsweise Magenschmerzen mit Diarhoen und charakteristischer Verstimmung — handelt, und dass terner dieses Aequivalent von Zeit zu Zeit durch Flimmerscotom mit oder ohne echte Migräne ersetzt wird.

Dr. N , sexuell sehr erregbar, bat in seiner Kindheit an

Magenseiunerzen gelitten, die mit der Pubertät und sehr frühem weib- lichen Umgang verschwunden sind, dann vor 5 Jahren, wo Patient grosse und lange Heereisen (solo) machen musste, wiederkehrten und seitdem mit Uebelkeit, heftigen Diarrhoen („dünner wie Wasser“), starker Ver- stimmung von Zeit zu Zeit sich wiederholen. Holclie „Magenmigränen“, die etwa 10 Htunden dauern und den Patienten bettlägerig machen, haben sich bei ihm öfters eingestellt. Die Daten dcrsell)en gebe ich in folgender


Zusammenstellung


mit


den üljrigcn Tagen abnormen Befindens :


2.


April


1893


Angstanfall


27.


November


1895


Magen-Migräne


29.


Januar


1896


Magenschmerz mit Erbrechen


4.


Februar


« 


M agen-Migi’äne


16.


Februar



Flimmerscotom


8.


Älärz


n


Hustenkrampf


9.


März


V


Schnupfen


10.


März



Tenesmus vesicae


11.


März



schlaflose Nacht mit Angst


18.


März


»


„Kater“


20.


März


V


Kreuzschmerz und Angst


23.


März


n


Magenschmerz mit Erbrechen (in der Nacht 22./23. März „Herzschreck“)


10.


April


»


Magenverstimmung, Erbrechen


15.


April


n


Flimmern, Kopfschmerz, Uebelkeit


23.


April


n


sehr heftiges Aiifstossen


8.


Mai


rt


starke Uebelkeit


15.


Mai


7?


wässriger Schnupfen


19.


Mai


n


Flimmerscotom


2.


Juni


n


Magenmigräne


5.


Juni


75


heftige Diarrhoe und Beklemmung


7.


Juni


55


Nies-Krainpf


155


8. Juni


189(3


ängstlicher Traum


16. Juni


7)


asthmatische Beklemmung


17. Juni



sehr müde; fortwährender Harndrang


20. Juni


n


„Kater“.


23. Juni


n


Magen-Migräne.


A. Miln Tili che Keilien:

2 .

27. November Intervall

4. Februar 69 = 3 X

Differenz = 0.

Differenz = 1-


"*16. Februar Intervall

10. März 23

  • 19. Mai 70 = 3 V 23 + 1


3.

23. März Intervall

15. April 23

  • 8. Mai 23

23. Juni 46 = 2 X 23

Differenz = 0.


8. März 23. April 15. Mai 8. Juni


5.

Intervall 46 = 2 X 23 22 = 23 — 1 24 = 23 ~ \ Differenz = 0.


4.


28. Januar 15. Juni


Intervall

138 = 6 X 23


Differenz = 0.


2. April 1893 18. März 1896 ^10. April „ 17. Juni ,,


6 .

Intervall

1081 = 47 X 23 23

68 = 3 X 23 — 1


Differenz = — 1.


I .

20. März Intervall

20. .Juni 92 = 4 X 23

Differenz = 0.


B. W e i b 1 i c li e Reihen;


I.

11. März Intervall

3. Jimi 84 = 3 X 28

Differenz = 0.


III.

"*16. Februar Intervall

7. Juni 112 = 4 X 28

Differenz = 0.


II.

■•'10. April Intervall

  • 8. Mai 28

5. Juni 28

Differenz = 0.

IV.


  • 19. Mai Intervall

16. Juni 28

Differenz = 0.


V.

9. März Intervall

2. Juni 85 = 3 X 28 + 1

Differenz = -|- i.


156


Bei diesem Kranken sehen wir 7 männliche und 5 weibliche Reihen betont. Nicht jedes Periodeninteryall ist durch eine krankhafte Erscheinung' markirt. Häufig bedarf es der Summation, um dem periodischen Anstoss eine in die Aussenwelt tretende Wirkung zu verleihen.


XI.

Wir haben früher der Kindsbewegungen gedacht und gezeigt, dass die Antriebe zu denselben vom mütterlichen Organismus u. zw. zu periodischen Zeiten ausgehen. Es ist damit zum ersten Male der Beweis erbracht, dass ein periodischer Vorgang von der Mutter auf das Kind übertragen wird. Sollte sich etwa dieser periodische Antrieb beim Kinde fortpflanzen und noch zu einer Zeit nachweisbar sein, wo das Kind längst vom mütter- lichen Organismus getrennt ist? Sollte das Leben des Kindes von der Periode der Mutter durchfurcht oder gar von ihr bestimmt sein ? Sollte sich die Periode vererben und das Stück Unsterblich- keit sein, das die folgenden Geschlechter mit der Urmutter ver- bindet?

Wir werden diese Frage zu beantworten trachten und ein- leitend einige Bruchstücke aus der Geschichte einer Familie sammeln und ordnen.

Fall 131. Zwei Söhne derselben, der 21-jährige Landwirth M. B. und der 23-jährige stud. jnr. H. B. leiden an Epilepsie. l)er Landwirth hat im Jahre 1894 eine Anzahl schwerer Anfälle classischer Art gehabt, die sich später nicht wiederholt haben sollen. Der Jurist, welcher seit einer acquirirten Lues abstinent lebt, bekam am 13. December 1895 einen Anfall von Herzangst und Schweiss, der ohne Bewusstseinsstörung verhef und als Angstanfall angesehen werden musste. Später am 21. Februar 1895 hat er ganz plötzlich bei der Arbeit den ersten tiefen OhnmachtsanMl bekommen, der schon durch seine mehr als 20 minutenlange Dauer sich als epileptisch kennzeichnete. Dann hat er eine Keihe von Absencen im Colleg, axich im Bett gehabt, deren Daten mir unbekannt sind, dazwischen (am 15. Juni und 15. Juli 1896) Zustäirde von Kopfweh, Magenverstimmung und Erbrechen, die wohl Migränen sind, und am 21. Juli 1896 einen Anfall, in dem ich ihn sah, und der zweifelsfrei epileptisch genannt werden muss. Patient wurde, nachdem er eben noch vergnügt mit einem Freunde beim Abendbrod gesessen, plötzlich von einem Unbehagen befallen, ging ins Neben- zimmer und stürzte dort bewusstlos hin. Nach dem Erwachen sehr


157


matt, dumpfer Schmerz im Kopf, auf Brom guter Schlaf. Nächsten Morgen völlig frei.

Ein dritter Sohn W. B., ebenfalls Jurist, leidet an „Ohnmachts- neigung“, periodischem Schnupfen und aufallsweise auftretender Acne.

Vater und Mutter sind gesund, doch sind die Familien belastet.

Von der Mutter sind mir der Geburtstag (1. Februar 1853) und die Kalenderdaten der Menses in den 3 letzten jMonaten bekannt (26. ]\Iai 1896, 20. Juni 1896 und 14. Jidi 1896) und das Datum eines Anfalles von )Magenschmerz, Erbrechen und Ohnmacht (15. Juli 1896).

Wir wollen nun in nachstehenden Tabellen die Leidenszeiten der drei Söhne zuerst einzeln und dann im Vergleich untereinander und mit den Menstruationsdaten der Mutter betrachten.

Ausserdem wollen wir die Geburtsdaten der Eamilienglieder ab- zuleiten versuchen.

M. B. geboren 16. October 1875.


Epileptische Anfälle: 9. April 1894 24. April 1894 3. Mai 1894


15. Mai 1894 25. Mai 1894 30. Mai 1894


In Reihen geordnet; a) Männlich; b) Weiblich:

Intervall Intervall

  • 3. Mai

30. Mai


24

22


27


9. April

  • 3. Mai

25. Mai

Die Daten des 24. April und 15. Mai werden erst später ihren An- schluss finden.

H. B. geboren 28. April 1873.

Intervall

Anfälle: 13. December 1895: Angst

21. Februar 189G ; tiefe Ohnmacht (Epilepsie)


15. Juni 1896: iMieräne


7ö = 3 X 23 + 1 115 == 5 X 23


ausserdem 15. Juli 1896 Migräne

ferner 21. Juli 1896 epileptischer Anfall.

Die beiden letzteren Daten werden in der Folge ihre Beziehung erweisen.


W. B. geboren 9. April 1877.

2. April 1895: Schnupfenanfall, Rhinitis vasomotoria. 27. Mai 1895; ebenso,

5 5. März 1896: plötzlicher Acneschub.

16. April 1896: Schnupfenanfall.

29. April 1896; Acneschub.

31. Mai 1896: Schnupfenanfall.

14. .luni 1896: Acnepustel und Schnupfen.

24. J uni 1 896 : Schnupfenanfall.

7. Juli 1896: Schnupfenanfall.


158


1 .

15. März 29. April 14. Juni 7. Juli


In Reihen e-eordnet:


Intern-all :


2.


45 = 2 X 23 — 1

46 = 2 X 23 23


16. April 31. Mai 24. Juni


h) Weiblich:



Intervall :


2. April 1895 27. Mai „


55 = 2 X 28 -


Intervall :

45 = 2 X 23 — 24 = 23 + 1


1


Frau E. H. (Mutter).

1. Februar 1853 Geburtstag

26. ]\lai 1896 iMcnses

20. Juni „ Menses

14. Juli „ Menses

15. Juli „ Magenschmerzen, Erbrechen, zweimalige tiefe

Ohnmacht.


1


Ausserdem existiren noch drei G^esc]l^yister, von denen icli nur den Geburtstag’ weiss :

Gymnasiast E. B., geboren 4. März 1881 und 2 Töchter, Frau

Dr. K. geh. B., geboren am 20. Febr. 1872 und Fräulein H e B.,

geboren 8. August 1874.

Wenn inan die erste 2otägige Reihe von H. B. den Kalen- derdaten nach vom 21. Febr. 1806 an vollständig aufschreibt*) und daneben die Daten der 23tägigen Reihe 1. von W. B. setzt,


so ergibt sich: Intervall :


H. B.


W. B.


70 = 3 X 23 + 1 23 23 23 23 23 23


13. December 1895 21. Februar 1896 15. März „

7. April „

30. April „

23. iMai „

15. Juni „

8. Juli „


15. März 1896

29. April 1896

14. Juni 1896 7. Juli 1896


Diese Reihen der Brüder H. u. W. stimmen also überein.


]Man kommt aber geradenwegs zum Geburtstag von Fräulein H . . . . e B., wenn man vom l5. März 1896 (F®® Datum von AV. B.) in 23tägigen Intervallen aufwärts bis zum 8. August 1874 schreitet. Dieser Geburtstag ist vom 15. März 1896 um 7889 = 343 X 93 Tage entfernt.


Die mir bekannten Daten der Anfälle sind fett gedruckt.


151)


Und der Migräneanfall von II. B. am 15. Juni 1896 führt aufwärts auf den 4. ]\Iai 1881, den Geburtstag des Gymnasiasten E. B. Der Abstand beträgt 5520 oder 240 X ^3 Tage.

Indessen bat W. B. noch zwei andere Reiben. Wir wollen dieselben mit denen des dritten Bruders, des Landwirtbes M. B. (Epilepsie) vergleichen :


Intervall

24

22


692 = 30X23+2


M. B. Epilepsie-Anfälle 9. April 1894


W. B.


3. Mai .,



25. Mai „



Kalenderinässig weiterge- rcchnet bis (16. April 1896)


10. April 1896 31. Mai „

24. Juni „



Intervall


45 =

2 X 23 — 1 24 = 23 + 1


Diese Reiben der Brüder M. und W. setzen sieb also ganz regulär in einander fort, sind identisch.

Verfolgt man ferner den 16. April 1896 (erstes Datum des W. B.) in 23tägigen Etappen aufwärts, so gelangt man zum 9. April 1877, zum Geburtstage W. B. ’s selbst. Derselbe distancirt sieb vom 16. April 1896 um 6946 = 302 X 93 Tage.

Ferner hängen folgende Termine der Söhne M. B., II. B. u. W. B. untereinander und mit der Mutter zusammen:


Intervall ;

7391 = 264 X — 1

7675 = 274 X 28 + 3

27 = 28 — 1

307 = 11 X 28 — 1

55 = 2 X 28 — 1

365 = 13 X 28 + 1

29 = 28 + 1

27 = 28 — 1


Differenz = 0


1. Februar 1853 Geburtstag der Mutter.

28. April 1873 Geburtstag A'on Sohn II. B.

3. Mai 1894 Epileptischer Anfall von M. B. 30. Mai 1894 dto.

2. April 1895 Schnupfenantall von W. B.

27. Mai 1895 dto.

26. Mai 1896 Menses der Mutter.

24. Juni 1896 Schnupfenanfall von "W. B.

21. Juli 1896 Epileptischer Anfall von H. B.


Ein Blick auf die eben gegebene Tabelle belehrt uns, dass alle drei Brüder untereinander und mit der Mutter dieselbe (weib- liche) Hauptmenstruationsreibe gemeinsam haben. Ja, da die Menses der Mutter sich obneweiteres auf den Tag ihrer Geburt beziehen lassen, dieser aber von der Menstruationsreibe der Grossmutter abbängt, so erkennen wir, wie drei Generationen durch denselben periodischen Vorgang mit einander ver- knüpft sind.


160


Ich mache nocli besonders darauf aufmerksam, dass der Geburts- tag des ältesten Sohnes II. B. (28. April 1873) von dem der Mutter (1. I' ehruar 1853) um 7391 oder 264 )x( 28 — 1, und von den .Alenses der Mutter am 26. Mai 1896 um 8428 301 X 28 Tage

absteht, gewiss ein gütiger Beweis, dass beide Geburtsdaten menstruelle Avaren.

Unser Beispiel lässt die Verknüpfung von Mutter und Kind aber noch an einem anderen Datum erkennen :

Es hatte M. B. am 23-/24. April 1894 einen epileptischen Anfall (^litternacht.)

Vom 24. April 1894 bis zum 14. duli 1896 (Menses der Mutter) sind 812 = 29 X 28 Tage verflossen.

Ausserdem hat II. B. eine Migräne am 15. duli 1896.

Bei der 5Iutter ist am 14. Juli 1896 der Eintritt der Menses, und am 15. Juli 1896 (also am gleichen Datum wie ihr Sohn II.) hat sie ihr sonst unbekannte jMagenscIimerzen, Erbrechen und zwei Ohnmachts- antälle.

Endlich verlangen noch das Datum eines e])ileptischen Anfalles A*on> M. B. am 15. Mai 1894 und das Geburtsdatum von Erau Dr. K. geh. B. am 20. Februar 1872 Anschluss.

Erstens sind diese beiden Daten untereinander durch dieselbe männliche Periode verbunden :

Vom 20. Februar 1872 zum 15. Mai 1894 rechnen 8119 oder 353 X 23 Tage.

Ferner ist ZAvischen dem Geburtstag der Schwester (20. Februar 1872) und dem Geburtstag a'ou M. B. (16. October 1875) ein Abstand von 1334 oder 58 X 23 Tagen.

Der Anfall A on M. B. am 15. Mai 1894 ist von seinem eigenen Geburtstage (16. October 1875) um 6785 = 295 X 23 Tage entfernt.

Es besteht also die innigste Beziehung zwischen den von der ]Mntter auf die Kinder übertragenen Perioden bei allen sechs Ge- schwistern. Unter den Geburtstermineii herrschen die männlichen vor, die bei fünf Geschwistern maassgebend sind.

Diese Thatsachen sind beredt. Wir Averden aber alsbald weitere Zeugnisse kennen lernen, vor denen der ZAveifel A^erstummt.

Als zAveites Beispiel für die Fortpflanzung der periodischen Vorgänge in den Generationen gebe ich die mir genau bekannte Geschichte einer anderen Familie in der ebenfalls eine epilep- tische Anlage nachweisbar ist.


161


Fraa L., geboren am 24. Mai 1834, hatte zwei Kinder, einen älteren Knaben W. L., g'eboren 24. October 1858 und eine jüngere Tochter C. L., geboren am 5. October 1859, In der Familie der Frau \j. war ein älterer Bruder in seiner Jugend epileptisch, später gesund. Ein Sohn dieses Bruders ist als schwerer Epileptiker gestorben.

Frau L. selbst hat zur Zeit der Klimax häufig an epileptischen Absencen gelitten, die sich zu schweren und langen Olinmachten stei- gerten. Patientin fiel plötzlich bewusstlos zu Boden und hat sich dabei auch häufiger verletzt.

Nach der IMenopause ist sie frei geblieben bis zum 8, December 1895, wo sie um 10 Uhr Vormittags in einen Dämmerzustand verfiel, über ihre Umgebung nur mangelhaft orientirt war und erst nach 12 Stunden erwachte, ohne die geringste Erinnerung von den Ereig- nissen des 4’ages. In der Folge hat sie ab und zu an heftigen llämorrhoidalschmerzen gelitten, die anfallsweise kamen und gingen. Auch Migränen, Avelche seit der Menopause sehr selten geworden waren, erschienen jetzt häufiger.

Der Sohn W. L. leidet seit seiner .Jugend an einer Nasen- eiterung, die nach schwei’en durch Lungenentzündung complicirten IMasern aufgetreten war und trotz vielfacher Eingritfe nicht geheilt ist. Der Eiter nimmt zeitweise einen leicht fötiden, zu anderen Zeiten eiiren faden Geruch an. Gewöhnlich ist er geruclilos. Der Patient hat häufige Kopfschmerzen, zum Theile Migränen. Bei den Migränen ist der sonst sehr normale Stuhl angehalten. Bisweilen stellt sich ohne irgend welche diätetische Veranlassung eine plötzliche Diarrhoe ein, die ebenso plötzlich ohne jede Therapie verschwindet. An gewissen Tagen findet sich ein Schmerz am After beim Stuhle ein. Gewöhnlich aber ist Patient nach dieser Pichtung ganz frei.

Auch kommen zu Zeiten Schlingschmerzen — ohne localen Be- fund — und bei sonstigem Wohlbefinden zur Beobachtung, ebenso Schmerzen im linken oberen Eckzahn, der allmälig locker Avird,

Um die Zeit der Pubertät hat W. L. ebenfalls an Dämmerzu- ständen gelitten. Er ging dann z. B. in eine Wohnung, Avelehe die Eltern schon vor .lahren verlassen und die anderweit bezogen war, läutete an und wachte bei ihm gänzlich fremden Leuten auf. Auch hat er in einem solchen Anfall versucht, eine fremde Wohnung mit seinem natürlich unpassenden Corridorschlüssel zu öffnen. Beim end- lichen Erwachen ist es ihm \öllig unklar geAvesen, Avie er zu einer solchen Handlung gekommen sein sollte. Später hat der Patient diese Zustände ganz A'erloren.

Die ScliAvester C, L. Avar gesund. Sie starb an nur eintägiger foudroyanter Pneumonie am 31. December 1879.

Ich besitze nun vom Februar dieses Jahres an Aufzeichnungen über die Beschw^erden von Frau L. und über diejenigen ihres Sohnes W. L.

Fliese. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. n


162


Nachstehend sind dieselben den Daten nach und zugleich in Reihen geordnet wiedergegeben.


A. Weibliche Reihen:


Reihe I.

Frau L.


Intervall


27


29


17. Mai 189G leichte

Hämorrhoidalschiner/en. 13. Juni 189G starke

Hämorrhoidalschinerzen. 12. Juli 189G Migräne.


Sohn W. L.

Datum 17. Mai

13. Juni Aphte an der Unterlippe.

Schmerzen im linken oberen Eckzahn.

11. Juli schwere linksseitigeMigi'äue, Stuhl angehalten.


NB. Das Geburtsdatum des Bohncs 24. Octoher 1858 ist vom Anfangsdatum dieser Iteihe 17. Mai 1896 um 13719 = 490X28 — 1 Tage entfernt.


Reihe II.

Frau L.


Intervall


55 = 2X28 — 1


27. Mai 189G heftige Hä- morrhoidalschm., schlechte Nacht vorher. Nase an den Genitalstellen geschwollen, stark cyanotisch.

21. Juli 189G Migräne und sehr grosse Mattigkeit.


Sohn W. L.

Datum

26. Mai rechtsseitige Migräne.

22. Juni fötider Geruch des Nasen-

eiters. Sehr müde. Kopf schwer und heiss.

21. Juli fötider Geruch des Eiters. Sehr müde.


NB. Der Sterbetag der Tocliter C. L., 31. December 1879 ist vom Anfangsdatum dieser Reihe 27. Mai 1896 um 5991=214X28 — ITage ent- fernt. Das Geburtsdatum der Tochter, 5. October 1859, ist von ihrem Todes- tag (31. December 1879) um 7392 = 264X 28 Tageentfernt. Wir begegnen hier zum ersten Mal der bedeutungsvollen Thatsache, dass auch der Todestag durch die periodischen Vor gäuge determinirt ist.


Reihe III. Frati L.


Interv,


Sohn W. L.



Dat.


Interv.


8. Dec. 1895. Epilep-


8. Dec.



tischer Dämmerzu-


1895


86 =


stand.



3X28 + 2



3. März 1896.


28


rechtsseitige Migräne. Sehr hinfällig.


1G3


Interv.



Dat.


Interv.


Schädelschmerz. Ange-




31. März


27


haltener Stuhl. Pol- lution.






Leichte Benommenheit




27. April


27


des Kopfes (rechts), etwas Blut aus der


168 =




rechten N ase. Schmerz


fiX28





beim Stuhl.



24. Mai 1896 heftiger


24. Mai



Benommener Kopf. Blut



Kopfschmerz, n il c h- ster Tag Iläinor- rhoidalschmerz.




beim Schnauben.


Diffe-




Diffe ■



renz




renz



= 0


Reihe IV.



- 0




Frau L.



Sohn W. L.


Interv.



Dat.


Interv.




23. April 1 896. Hämorrh.-


23. April



rechtsseitige Migräne.



Schmerz. Abends vor-




Fötider Geruch des



her Kojjfvveh.



28


Naseneiters.


85 =



21. Mai



rechtsseitiges Kopfweh.


3 X 28





Blut aus der rechten


+ 1




27


Nase.



  • 17. Juli 1896 plütz-


17. Juni



sehr schwere Migräne.



liehe grosse Hin- fälligkeit, brennender Durst, fiebrig.


16. Juli


29


Migräneneigung links.


Diffe-




Diffe-



renz




renz






= 0



Reihe 1.

Frau L.


B. Männliche Reihen:


Interv.

45 = 2 X23 — 1


3. Juni äusserer Hä- morrh. Schmerz (be- gann schon ein wenig am Abend vorher).

18. Juli.


1 Dat.

2. Juni

18. Juli


Interv.

46 - 2X23




Diffe




renz




= 0


Sohn W. L.

linksseitige Migräne.

linksseitige leichte Mi- gräne.


Diffe-

renz


11 *


1G4


Reihe 2.

Frau L.


Interv.


19. Februar 1896 star- ker Hämorrhoidal- schmorz.


Dat.

19. Febr.


24


12. März 1896 dsgl. .5. April „ dsgl.


12. März 6. April


48 = 2X23 + 2


29. April


Sohn W. L.

Interv.


22

25


rechtsseitige Migräne.


linksseitiger Kopfdruck, dünne Stühle.


23


linksseitige Mi« räne, bäu- ligcr Stuhl. Fötider Geruch des Nasen- eiters.


eingenommener Kopf, Verstopfung der lin- ken Nase, die etwas blutet. Heiser, Ange- lialtener Stuhl.


23. Mai „ dsgl.


21 = 23 — 2


22. Mai


22


Abends plötzliche Mat- tigkeit, Gähnkrampf, wie so häufig als Prodrom d. Migräne.


13. Juni „ dsgl.


13. Juni


24


7. Juli „ Anflug von llämorrhoidal- schmerz.


6. Juli


Diffe- renz = +l


Reihe 3.


23


Diffe- renz = 0


Aphte an der Unterlippe. Linker oberei’Schnei- dezahn thut weh.

Stuhlbeschleunigung,

Aphte an der Zungen- spitze. Halsschmer- zen. Abends heftiger Krampfhusten durch ca. 20 Minuten.


I


Frau L. Sohn W. L.


Interv.



Dat.


Interv.




31. Mai Hämorrhoidal-


31. Mai



rechtsseitige Migräne.


24


schmerz



24




24. Juni Anflug von Hä- morrhoidalschmerz.


24. Juni



linksseit. Migi’äne. Acne


165


Interv.



Dat.


Interv.


23


  • 17. Juli grosser Durst,

plötzliche Hinfällig-


17. Juli


23



keit, Magenverstim- mung, Diarrhoe,



23


23


„Ephemera“





9. Aug. Kopfschmerz


9. Aug.



Diffe-




Diffe-


renz




renz


= + 1





erratische Diarrhoe.


Migräne.


Reihe 4.

Frau L. Solin W. L.


Interv.



Dat.


Interv.



45 =


9. März 1896 Hä. morrhoidalschmerz.


9. März 1 . April


23


rechtsseitige Migräne, leichte rechtss. Migräne.


2X23 — 1




22


Ein wenig Blut aus der rechten Nase.


24

23


  • 23. April 1896 star-

ker Hämorrhoidal- schmerz. Abends vor- her Kopfschmerz.

  • 17. Mai leichter Hä-

morrhoidalschmerz .


23. April


47 = 2 X23

+ 1


schw'ere rechtss. Migräne. Stuhlverstopfung Fö- tider Geruch des N aseneiters.



9. Juni Hämorrhoidal- schmerz.


9. Juni



rechtsseitige Migräne, fötider Geruch, der






mit dem Aufhören der Migräne sich ver- liert. Am 8. Juni etwas Blutfarbstoff im Harn.


Diffe-




Diffe-



renz




renz



= 0




- 0



Die vorstellende Zusammenstellung zeigt den völligen Paral- lelismus der Beschwerden von Mutter und Sohn. Die Daten ihrer Leiden sind auf einander ahgestimmt.

Sie zeigt aber auch, wie sich der Gehurtstermin der Kinder rückläufig als ein Menstruationstermin der Mutter entpuppt.


166


Es sind also zwei Generationen mit einander verbunden Und in der letzten Generation verrathen Bruder und Schwester*) durch die Gemeinsamkeit ihrer Daten, dass sie desselben Blutes sind.

An die Bekanntgabe dieses Falles möchte ich noch einige Bemerkungen schliessen.

Erstens ist ersichtlicb, dass auch die Hämorrhoidal- s chm erzen, deren neuralgischer Charakter offenkundig ist, einer gesetzmässigen Periodicität folgen. Beide Male, wo ich Gelegenheit hatte, die Nase im Schmerzanfall zu untersuchen, war sie cyanotisch. Ein gewisser Antheil des Schmerzes schien durch den Cocain- versuch von der Nase her günstig beeinflusst werden zu können; es war nach den Angaben der Patientin der „äussere Schmerz“, während der innere unbeeinflusst blieb. Es versteht sich, dass vorher die Digitaluntersuchung des Afters die Abwesenheit von Vorfall und Einklemmung erwiesen hatte. Ich möchte indes aus dem Ergebnis des Cocain experimentes in diesem einen Falle keinen anderen Schluss ableiten als den, dass eine erneute Unter- suchung des hämorrhoidalen Schmerzes unter Berücksichtigung der Nase nothwendig erscheint.

Ferner tritt uns auch in diesem Beispiele (beim Sobn W. L.) ein Stück aus der Lebensgeschichte eines Zahnes entgegen, des linken oberen Eckzahnes, der sich alhnählig lockert. Der Schmerz und mit ihm die Lockerung kommt an einem periodischen Tage. Die Tabellen enthalten dafür das Datum des 13. Juni, wo zwei Reihen — weibliche Reihe I. und männliche 2 — sich kreuzen.

Endlich ist am 8. Juni Abends, männliche Reihe 4, bei W. L, das Auftreten von etwas Blutfarbstoff im Harn**) mit aller Sicher- heit nachgewiesen. Sollte dieses vereinzelte Factum nicht an die paroxysmale Hämoglobinurie erinnern? Vielleicht ist deren physio- logisches Vorbild durch so unbedeutende Ausscheidungen in ganz analoger Weise gegeben, wie das der Angstanfälle in den ängst- lichen Träumen und leichten Bedrückungen, denen Männer und Frauen an periodischen Tagen so häufig unterliegen.

  • ) Auf die Bedeutung ihres Todesdatums komme ich später zurück.
    • ) Die Aufmerksamkeit erregte ein blutiger Rand im Hemde. Die spectro-

skopische Untersuchung brachte dann die Lösimg. Bei einem Säugling (Knabe) habe ich Ähnliches mehrfach an periodischen Tagen gesehen. Es wurde bei ihm im Harn und im Speichel Blutfarbstoff ausgeschieden.


167


Die folgende Tabelle gibt die synoptische Gleschichte zweier Geschwister. Es sind Töchter von Frau M. (Fall 121), deren ScliAvangerschaftsanalyse uns ja die ersten Anhaltspunkte für die Aufstellung periodischer Reihen gab. Ich setze zum Vergleich auch noch einmal die Reihen der IMutter daneben, soweit sie für die Daten der Tochter in Betracht kommen. Die Nummeidrung der Reihen ist bei IMutter und Töchtern dieselbe wie diejenige auf Seite 115—117.

Ich erwähne ausdrücklich, dass in der nachstehenden Tabelle alle Daten abnormen Befindens der Kinder ihre Stelle gefunden haben, und dass an den Tagen, welche die Tabelle nicht enthält, die Kinder sich ungetrübten Wohlseins erfreuten. Die Störungen des Befindens (z. B. Husten) haben also nur einen Tag gedauert, Avenn in der Tabelle nur ein Datum dafür angegeben ist. Wo daher wie z. B. in der weiblichen Reihe III am 4. März SchnujAfen von eintägiger Dauer bei beiden Kindern angegeben ist, dürfte die Uebertragung nicht durch Bacterien, sondern durch die mütterlichen Perioden stattgefunden haben.


Frau D.


Tochter Dorothea, geboren 22. Decem- ber 1893.


Tochter Elisabeth, geboren 1. Decem- ber 1894.


1 .

8. Februar 1 896 schlaf- lose Nacht; Schädel- weh.


17. April eingenommener Kopf, Brechreiz, Schnupfen.

" 10. u. 11. Mai Nachts Wehen.

1 . J uni Angst, Schwciss, Nasenbluten.


A) 3Iännliche Reihen:

1 .

8. Februar Angst. Heute sehr redegewandt.

2. März am Gaumen beiderseits rothe Flecke, in der Mitte mit einem Bläschen.


1. und 2. Juni Nachts viel Husten.


1 .

8. Februar schlechtes Aus- sehen, fühlt in den^Mund. Mangelnder Appetit, heisse AVangen.


17. April Nachts unruhig, schreckhaft. Am 18. früh rothe Flecke am Körper ; unterer Backenzahn durchgebrochen.

10. Mai Husten, Nasen- bluten.

1. Juni Nachts viel Husten, tagsüber unruhig, heisser


168


2 .


16. Februar sehr matt.


1. April Brechreiz, Nasenbluten, einge- nommener Kopf, Te- nesmus.

25. April: unruhigeNaebt Tenesmus vesicae. Starkes Nasenbluten.

18. Mai Angst.


9. Juni Wehen, Ver- taubung Her linken Körperhillfte. Druck auf die Stirn.

2. Juli Angst. Sehr star- ker Milchzuschuss.


16. Februar Nachts Er- brechen. Tags Er- brechen u. Diarrhoe. Nascht heute auf- fälliger Weise Salz, wo sie es findet. Im Nacken eine Urti- caria-Quaddel.

1. April hustet viel.


2. Juli Nacht unruhig, viel Husten.


Kopf, dreimal Erbrechen. Klagt über Zähne. Am nächsten Tag rothe Flecken am Körper ; spricht viel neue Worte. 23. und 24. Juni Enuresis. Durchbruch der unteren Augenzähne.


15. Februar Haare stehen zu Berge bis Mittag. Schlechter Appetit, Mat- tigkeit. Am

16. Früh Erbrechen, später munter


1. April hustet. Enuresis, Urticaria.


9. Juni auflallende Stei- gerung des Appetits. Das Gesicht hat andere Züge.


25. April nervös und weinerlich.Schnupfen und Köthe im Hals. 18. Mai: Nachts viel

Husten.


25. April: Nachts vielHusten.

18. Mai Nachts schreckhaft und unruhig. Bellender Husten. 19. Früh Stro- phulus-Ausbruch ; obere Backenzähne sind durch- gebrochen.


169


3 .

29. Januar sehr starke Kopfschnterzen,

21. Febr. Angst, Nasen- bluten.

24. Mai ängstliche Be- klommenheit, Schweiss, Herpes, Wehen,

15. Juni Entbindung.


5 .

6. Febr. Angst, Nasen- bluten, Schwindel und Erbrechen.

23. März Schwindel.

14. April Brechreiz, ein- genommener Kopf, Nasenbluten.

30. Mai Wehen.

22, Juni wenig Milch- zuschuss. Kranker Zahn wird ganz lose, Zahnfleisch entzündet.


21. Februar Enurese. 24. Mai viel Husten.


23. März fühlt dieBacken- zähne.


Mai unterer Backen- zahn durchgebrochen.


29. Januar Fieber (39.3 After). Nächsten Tag wohl ( 35 , 2 ),

21. Februar Enurese. Fühlt Zähne.

24. Mai Nachts viel Husten.


15. Juni Husten. Spricht von heute ab zwei und mehr Wörter zusammen- hängend.


  • 25. Februar gesteigerter

Appetit.

26. Mai Nachts viel Husten. Fühlt Zähne.

19. Juni sehr matt. Auf- fallende Blässe.

12, Juli Husten, Enuresis.


6. Februar unruhige Nacht. Fühlt Zähne.

29. Febr. sehr gesteigerter Appetit.

23. März fühlt Zähne, Enu- resis.

14. April Enuresis.

30. Mai unterer Backen- zahn durchgebrochen, Enuresis.

22. Juni spricht in vollen Sätzen. Durchbruch der unteren Augenzähne. Enuresis.


4 .

  • 25. Februar Schwindel,

Brechreiz, Mattigkeit, Halsschmerz.

27. Mai Angst, profuser Schweiss.

19. Juni erster Milch- zuschuss.

12. Juli Nahrung ver- mindert. S t eissschmer- zen.


26. und 27. Mai viel Husten.


170


14. Juli starke Kopf- schmerzen, Menses.



14. Juli fühlt rechten oberen Augenzahn.


6.

29. Juni wenig Milch in der rechten Brust. Kranker Zahn locke- rer und schmerzhaft.


Reilie 6 fehlt.


12. Februar häufigen, etwas dünnen Stuhl ; appetitlos. 29. Juni unruhige Nacht. Sehr blass. Erster oberer Augenzahn durchge- brochen.


15) Weibliche Reihen ;


I.

28. Januar sehr starke Kopfschmerzen.

  • 25. Februar Schwindel,

Brechreiz, Mattig-

keit, Halsschmerz.

17. Juni eingenommener Kopf, Trockenheit im Halse.


Reihe I. fehlt.


28. Januar Aphten, Fieber (39.8).

  • 25.Febr. sehr gesteigertes

Hungergefühl.

19. Mai Urticaria am Halse. Diebeiden oberenBacken- zähne brechen durch.

17. Juni Husten; fasst in den Mund.


II.


30. März: Roth eiartiges


30. März Urticaria - Aus-



Exanthem, das (4 St.


bruch. Husten.


26. April Wehen.


dauert). Husten.

27. April: Urticaria an


27. April hustet.



Hals und Armen. Oberer Backenzahn durchgebrochen.

25. Mai: Nachts viel


25. Mai Nachts viel Husten.


20. Juni Pavor. Milch-


Husten.


20. Juni Angstanfall.


Zuschuss. Blutigere Lochien. Nasenbluten. Kranker Zahn loser.

19. Juli Steissschmerzen



18. Juli sehr schlechtes


u. Beinschwäche ver-



Aussehen, grosse Mattig-


schwunden.



keit.


171


III.

5. Älärz matt, starkes J licken an denBrüsten, wie sonst vor den Menses.

28.Mai profuser Sch weiss, Beschwerden im Na- senrachenraum .


4. März: gerötheten

Hals; Husten und Schnupfen von ein- tägiger Dauer.

2. April; Hustet.

28. Mai : Hustet.


4. März Schnupfen von eintägiger Dauer,

2. April hustet.


IV.




10. Februar Nasenver-


11. Februar: Die Nacht


11. Februar Nachts unruhig.


Stopfung, Herzhe-


aufgeschreckt. Am


Fi’üh stehen die Haare


klemmung, Hals-


Tag besonders un-


zu Berge, Mittags legen


schmerz.


ruhig und furcht-


sie sich. Enuresis, weiner-



sam.


lieh, schwach und wack-


8. Juni profuser



lig beim Laufen.


Schweiss, grosse Mat-



3. Juni hustet Nachts und


tigkeit.



hat heisse Schläfen.


30. Juni: wenig Nahrung


80. Juni'.Nachts unruhig


30. Juni Nachts viel Schmer-


in der rechten Brust.


und weinerlich.


zen durch die Zähne.


Kranker Zahn gestern und heute wieder lockerer und schmerz- haft.




V.


Reihe V fehlt.



8. Juni Angst und



8. Juni Nachts schreck-


Wehen.



haft. Enuresis.


VI.




  • 19. Februar plötzlicher


  • 19. Februar blutiger


  • 19. Februar Enuresis.


Heisshunger. Hebel-


Ausfluss , aus beiden



keit, Congestionen.


Nasenlöchern.


16. April: spricht heute ca. 12 neue Wörter mehr.


10. .Juni Pavor noctur-



10. Juni; heute ebenfalls ein


nus.



Dutzend neuer Wörter.


Reiliü VII fehlt.


Reihe VII.

14. Februar Singultus.

I ®

Zehnmaliges Er- brechen, Stuhldrang, Diarrhoe.

8. Mai Hustenanfall.


Reilie VII fehlt.


172


AVer diese Zusammenstellung*) aufmerksam prüft, AVird über- rascht sein von der Coincidenz der Daten zwischen Mutter und Kindern. Sie lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

AVo eine Abweichung zAvisclien dem Datum der Mutter und dem der Kinder überhaupt vorkommt (höchstens von einem Kalen- dertag, Avobei die thatsächlichc AbAveichimg nur Stunden zu be- tragen braucht), da corrigieren die Termine der Kinder gewöhn- lich das ein Avenig fehlerhafte Intervall der Mutter, AA^elches sich bei dieser erst am nächsten Termin ausgleicht.

Beispiel: lu der männlichen Reihe 2 hat Elisabeth den richtigen dk-rmin (15. Februar statt 16. Februar bei der Mutter), in der weib- lichen Reihe 11 hat Elisabeth Aviederum den richtigen Termin (18. Juli statt 19. Juli bei der Alutter), das Gleiche findet sich in den weib- lichen Reihen 111 und IV beim 4. März bez. 11. Februar.

Auch hier sehen Avir, wie nicht alle Daten in jeder Reihe der Mutter auch bei den Kindern durch auffällige Erscheinungen betont sind, und Avie umgekehrt manche Betonungen von Daten der Kinder bei der Mutter vermisst werden. Aber die Perio- dicität bleibt bei beiden Generationen vö lüg die gleiche, Töchter und Mutter sind auf dieselbe Phase eingestellt.

Und wer daran Anstoss nehmen sollte, dass z. B. bei der Tochter Dorothea eine Reihe (weibliche VII) Arnrhanden ist, die bei Mutter und ScliAvester fehlt, den mache ich darauf aufmerk- sam, dass zAvischen dem Anfangsdatum dieser Reihe (14. Februar 1896) und dem Geburtstermin von Dorothea, (22. December 1893) 783=28X28 — 1 Tage Amrflossen sind, also fast genau 28 Perioden zu 28 Tagen. Und der Geburtstermin gehört doch Mutter und Tochter in gleicher AVeise an.

Bei der anderen Tochter, Elisabeth, leitet sich der Geburts- tag (1. December 1894) vom 20. Jänner 1896 (männliche Reihe 6) her. Denn von diesem Datum bis zum 1. December 1894 sind 415 oder 18X23-|-1 Tage \mrflossen. Das Exempel stimmt immer.

  • ) Anmerkung'. Da auf Jen ersten Blick die Zahl der betonten Tage bei

den Kindern ziemlich gross erscheint, so mache ich auf das thatsächlichc Ver- hältnis noch ausdrücklich aufmerksam, dass in dem Zeiträume von 173 Tagen, den die Tabelle umfasst (28. Jänner bis 18. Juli) bei Dorothea 23, bei Elisabeth 45 Daten ausgezeichnet sind.


173


Der Geburtstermin gehört einer menstruellen Reihe der Mutter an.

Ein älterer Sohn von Frau j\L, Fritz, ist am 9. November 1892 geboren. Der Wehenbeginn — und dieser muss als Anfang der „grossen Menstruation“ betrachtet werden — fiel bei dieser Entbindung nicht wie bei den Schwestern auf den Geburtstag, sondern datirt von dem 6. November Nachmittag. Die Frau lag 3 Tage im Kreissen.

Vom (). November 1892 bis 8. December 1895*) (Anfangs- datum der männliehen Reihe 4 der IMutter) sind gerade 1127 oder 49X23 Tage dahingegangen. Der 8. December 1895 aber hat noch eine andere ominöse Bedeutung. Das Kind erlag an diesem Tage einer Diphterie (nachdem es am 1. December**) an einer scheinbar harmlosen Angina erkrankt und am 4. December entfiebert und euphorisch war). Am 5. December wurde dann der Knabe wieder krank. Die gleichzeitige Giftwirkung zweier periodischer Vorgänge (der 8. December gehört der 2. männ- lichen Reihe und der II. weiblichen Reihe an) mit dem auf der Höhe befindlichen diphteritischen Toxin, zu dem auch noch Beh- rings Serum addirt war, hat dann dem Leben des Kindes durch plötzliche Ilerzlähmung ein Ende gemacht. Wahrscheinlich haben die bei den einzelnen Perioden ausgeschiedenen Stoffe ver- schiedene (toxische und antitoxische) Werthigkeiten. Denn Avir werden später sehen, dass auch gute Krisen durch sie herbei- geführt werden.***)

Der Beginn der Diphterie am 5. December 1895 erfolgte bereits unter bösen Auspicien. Denn der 5. December (er gehört zur G. männlichen Reihe der Mutter) lässt sieh nach auBvärts erstens zum 20. Oetober 1895 verfolgen, avo der Knabe nach einer am 11. Oetober vorgenommenen Pockenimpfung einen grossen Angstanfall bekam. Die Wirkungshöhe des Impfgiftes und das Toxin der G. männlichen Reihe haben ihn ausgelöst.

  • ) Anmerkung. Am 8. December hatte die Mutter die für ihre Angst-

anfälle eigonthümliche, prämonitorische Erweiterung der linken Pupille.

  • ■“) Männliche Reihe 1 der Mutter.
      • ) Die gute Anginakrise des 4. December gehört der ersten weiblichen

Reihe an.


174


Aber 24 Intervalle weiter aufwärts, am 16. April 1894 liegt der Todestag seiner Grossinutter inütterlicberseits.

(Vom 16. April 1894 bis 20. October 1895 = 552 oder 24X23 Tage.) Sie starb an Ileus in Folge eines eingeklemmten Bruches innerbalb eines Tages.

Der Zufall im Datum wird ausgesclilossen, wenn ich erwähne, dass bei dem Sohnchen der Frau A. (Fall 122) am 11. Februar d. J. ein Nabelbruch und am 18. Februar ein doppelter Leistenbruch plötz- lich hervortrat (ohne Vorboten). Der 11. Februar gehört der männ- lichen Reihe 2, der 18. Februar der männlichen Reihe 4 (der Mutter) an (vgl. S. 124).

Auch für die Brüche gelten periodische Tage. Die rein mechanische Erklärung reicht zur Aufhellung ihres Ent- stehens und der Einklemmungsursache nicht aus.

Ich muss den Leser bitten, mit mir noch einige Blicke auf die Tabelle zu werfen. Da erkennen wir vor allen Dingen, dass die Zahnentwicklung an periodischen Tagen erfolgt, schub- weise, nicht continuirlich. Nachdem an mehreren periodischen Tagen — welche durch eine Zeit guten Befindens von einander getrennt sind — Unbehagen vorhanden war, wobei die Kinder in den Mund fassen und häufig auf die Gegend, wo der Zahn später durchbricht, erscheint auf einmal der Zahn an dem determinirten Tage. Ich weiss wohl, dass dieses vorgängige Unbehagen auch fehlen kann. Die kleine Tochter des befreundeten Collegen, dem ich die Angabe auf Seite 128 verdanke, bekam den ersten Zahn am 28. April 1896 ohne irgend welche Vorboten. Vom Wehen- beginn am 3. December 1895 bis 28. April 1896 excl. sind aber 146 = 5X29^/5 Tage verflossen, oder 5 individuelle Perioden der Mutter*).

Der Sohn von Frau A. (Fall 122) bekam den ersten Zahn, rechten unteren Schneidezahn am 5. August, also an einem Datum, das der fortgeführten ersten männlichen Reihe der Mutter (vgl. S. 124) angehört, welche sich übrigens durch das Auftreten der

  • ) Anmerkung. Ich kenne die „menstruellen Eeiben“ der INIutter nicht.

Sonst Hesse sich das aus den Schwangei'schaftsverhilltnissen abgeleitete und mit der Beobachtung gut stimmende „individuelle“ Periodenintervall zweifellos auf die 23 oder 28tägige Periodicität beziehen.


175


Menses an zwei Terminen (26. Februar und 5. Mai 1896) gewiss als menstruell kennzeichnet. Bemerkenswert ist noch, dass die Mutter am letzten linken oberen Backzahn, der ihr bislang keine Beschwerden gemacht hatte, gerade am 5. August Schmerzen bekam, die am nächsten Tage Avieder verscliAvunden waren. Es erfolgt also hier der Abbau des Zahnes bei der Mutter eben zu der Zeit, wo bei dem Sohn der erste Zahn durchbricht.


Der zAveite Zahn (linker unterer Schneidezahn) erschien am 15. August, dem Datum der fortgeführten zweiten männlichen Reihe der Mutter. Auch diese Reihe enthält am 6. Juni eine Avahre Menstrualblutung.

Und nun Avird uns auch die Geschichte des kranken Zahnes bei Frau M. verständlich (vgl. S. 121 u. S. 170/71). Er lockert sich zu denselben Perioden, avo bei ihren Kindern die Zähne sich entAvickeln und bekommt seinen letzten Stoss (A^or dem Ausfallen) gerade an dem Tage, avo der erste obere Augenzahn bei der iüngeren Tochter das Licht der Welt erblickt.

Auch die Enuresis der Kinder (und Urticaria) tritt nur zu peri- odischen Zeiten auf. Sie gleicht dem Drängen zum Wasserlassen, \"on dem so viele Frauen*) gepeinigt sind und findet sich in der That zu periodischer Zeit auch bei Erwachsenen**). Ihr Zusammen- hang mit Sexuah^orgängen war offenbar schon den Alten bekannt (castus raro mingit). Aber erst Avenn man ihre genaue zeitliche Beziehung kennt, A^ersteht man, Avarum bei älteren Leuten nach dem Erlöschen der Sexualfunction die Blase Aveniger „hältig“ Avird, und Avie es kommen mag, dass gerade nach der Castration in oft zauberhafter Weise zuerst jener unaufhörliche Harndrang schwindet, Avelcher den Prostatikern manchmal das Leben zur Pein macht.

Dass auch die EntAvicklung der Sprache in perio- dischen Schüben vor sich geht, lehrt die Tabelle gleichfalls. Ich unterlasse es, dieses Thema hier Aveiter auszuführen. Die Be-


  • ) An determinirten Tagen, vgl. Fall 115 und 121.

»*) cf. Fall 124.


17G


deutuiig der perioclisclien Functionen für die EntAvicklung Avird eine gesonderte Darstellung erfahren*).

Des Weiteren geben AAÜr eine vergleichende Tabelle über die Leiden der Frau A., ihrer Mutter Frau P. B., ihrer Tante (der Sclmester der Mutter) Frau C. D., und ihres Vetters Cyrill D., des Sohnes von Frau C. D.).

Frau A. ist uns aus unserer SchAvangerschaftsanalyse Avohl- bekannt (vgl. Fall 122.) Wir haben \^on ihr sechs männliche und fünf AAmibliche Reihen ermittelt, deren Nummerirung Avir in der folgenden vergleichenden Tabelle für alle vier Familienmitglieder beibehalten.


Am 11. und 15. Februar (weibliche Eeihe IV und männliche Keihe 2) ist verzeichnet, dass bei Elisabeth die Haare auf der Stirn zu Berge stehen und sich Mittags wieder legen. Diese Tage gehören bei Mutter und Schwester in die Gruppe der Angsttage. Die Sprache weiss, dass vor Angst und Schreck (Pavor) einem „die Haare zu Bei'ge stehen“ können. Nur sagt sie über die zeitliche Be- stimmung dieses Phänomens nichts aus. Uebrigens ist dieses Sträuben und Hoch- stehen der Haare in der Familie des Vaters wohlbekannt. Stets vor einer Krank- heit sträuben bei dem Vater, dessen Geschwistern und bei dem Grossvater sich die Haare. Es ist dies für die Familie immer ein Zeichen, dass etwas nicht geheuer ist. Auch bei dem an Diphterie verstorbenen Brüderchen Fritz war das Haarsträuben regelmässig vor schlechten Tagen. Vor seiner letzten Krankheit wurde es ebenfalls beobachtet.


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Pliess. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen, |2


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Auch in dieser Tabelle ist die Uebereinstimmung’ der Perioden eine sehr vollkommene. Es sind zunächst zwei Generationen, die ihre Periodicitäts- Abhängigkeit von einander documentiren. Aber da die Mütter schwesterlich verwandt sind, so können sie ihre Periodenübereinstimmung nur von der Grossmutter ererbt haben. Fügen wir hinzu, dass wir 4 Daten (Entstehung der Brüche und Durchbruch der ersten beiden Zähne) aus dem Leben des Sühn- chens von Frau A. bereits kennen, welche wiederum mit denen von Frau A. selbst identisch sind*), so haben wir eine Kette von vier Geschlechtern mit genau gleichen periodi- schen Phasen.

Lehrreich ist aus der Geschichte der Frau P. B., dass sich die zweite weibliche Reihe (vom 28. December 1895) zurück ver- folgen lässt bis zum 23. Februar desselben Jahres, wo die Patientin von einer Influenza befallen wurde (23. Februar bis 28. December = 308 oder 11 X 28 Tage).

Der 28. December ist (wie der 27. December bei der Tochter) auch bei der Mutter zweien Reihen angehörig. Bei der Tochter sprang ja durch das Zusammentreffen der beiden periodi- schen Anstüsse auf einen Tag vorzeitig die Blase, und die Wehen wurden ausgelöst.

Als Termin der zweiten männlichen Reihe betrachtet, leitete sich aus dem 28. December das Anfangsdatum einer Pneumonie ab, die am 2. März 1895 mit Schüttelfrost einsetzte.

Vom 2. März 1895 bis 28. Decbr. sind 301 od. 13 X 23 -|- 2 Tage verflossen. Wenn wir das Datum des Blasensprunges bei der Tochter (26. December Abends IOV 2 Uhr) zum i^usgangspunkt nehmen, so sind genau 13 X 23 Tage bis zuin Beginn der Pneumonie verflossen.

Die Krise der Pneumonie fällt auf den 9. März 1895 oder 484 = 21 X 23 -|- 1 Tage vom 5. Juli 1896, dem Datum der 4. männlichen Reihe entfernt.

Die 4. männliche Reihe hat also eine gute Krise gegeben.

Bei Frau A. selbst setzte am 29. Februar 1896, dem Datum der weiblichen Reihe III, eine Angina mit Schüttelfrost ein. Die

  • ) Bei diesem Söhuchen stimmen alle Phasen mit denen der Mutter, wie

in gesonderter Analyse demnächst publicirt werden soll.


181


kritische Entfieberung brachte der 3. März, der weiblichen Reihe I angehörig. Und endlich ist Cyrill D. am 29. Juni an einer Ton- sillitis dextra erkrankt. Also an einem Tage derselben Reihe (milnnliche Reihe 2), der seiner Tante, Frau R. B., die Pneumonie brachte. Entfiebert wurde er am 2. Juli (weibliche Reihe V).

Geboren ist Cyrill D. am 3. Januar 1887, wo mit dem Wehenbeginn bei der Mutter die Porrooperation ausgeführt wurde.

Vom 3. Januar 1887 bis zum 29. October 1895 (dem An- fangsdatum der 3. männlichen Reihe bei Frau A — die Reihe ist übrigens dem ganzen Geschlecht gemeinsam) sind 3221 oder 140 X 23 -f- 1 Tage verstrichen.

Auch der Geburtstag dieses Knaben ist aus den Generations- reihen ableitbar.

Die Daten männlicher Reihen scheinen als Geburtstage in dieser Familie bevorzugt zu sein.

Frau P. B. ist am 1. December 1839 geboren. Von da bis zum f). Mai 189G (Menses der Tochter: männl. Reihe 1), sind 20G09 oder 89G X 23 1 Tag verflossen.

Frau A. (Tochter von Frau P. B.) ist am 29. April 18G9 geboren. Von da bis ebenfalls zum 5. Mai 189G sind 98G7 oder 429 X 23 Tage.

Die Schwestern von Frau A. (Zwillinge) sind am 15. Juli 1872 geboren. Bis zum 5. Mai 189G sind 8G95 = 378 X 23 1

Tage.

Und endlich der Bruder von Frau A. ist am 19. October 1870 geboren. Sein Geburtstag geht auf die 2. männliche Reihe, ' deren Anfangsdatum, der 19. October 1895, um 9131 = 397 X 23 Tage entfernt ist.

Von wo aus man die Aufstellung der Perioden prüfen mag: sie erweisen sich als tüchtig für jede Probe. °

Als weiteren Beleg für den Zusammenhang der Generationen durch die periodischen Beziehungen, gebe ich in der Tabelle auf Seite 185-187 Beobachtungen aus der Geschichte einer Familie, wo mir Daten von der Mutter und von 7 Kindern zur Ver- fügung stehen.

Von der Mutter kenne ich zunächst die Tage der Menses durch mehr als I72 Jahre.


182


1 )ie Menses traten ein :


Datum


Intervall



Datum


Intervall


5. .Tanuar



1895


14. October


30


2. Februar


28



11. November


28


2. März


28



9. December


28


28. März


26


1896


8. Januar


30


25. April


28



3. Februar


26


23. Mai


28



4. März


30


19. Juni


27



7. April


34


19. Juli


30



6. Mai


29


18. August


30



4. Juni


29


14. September


27



3. Juli


29


Die Intervalle sind nicht ganz regelmässig. Sie schwanken zwischen 26 und 34 d'agen. Diese Unregelmässigkeit wird erklärlich, wenn wir die Daten in 4 weibliche und 5 männliche lleihen ordnen, wie das in der folgenden Tabelle geschehen ist.

Die Mutter aber hat ausserdem Beschwerden. Seit langer Zeit hat sie anfallsweises Stechen heim Harnlassen und — allerdings sel- tener — wirklichen Tenesmus vesicae. Die Daten dieser llarnhe- schwerden besitze ich von Anfang Januar dieses Jahres ab. Sie sind ebenfalls in der Tabelle verzeichnet.

Am Sonntag den 7. Juni blieben die Menses (4. Juni eingetreten, sie dauern sonst 5 — 6 Tage) plötzlich fort, und es trat eine Ohnmacht ein, angeblich in Folge einer psychischen Erregung. Am 10. Juli gab es einen grossen Angstanfall (Beklemmung, Herzarrhythmie, Schwindel, Schweiss, Diarrhoe, Zusammenbruch der Kräfte), der seine Spuren (Schwindel, Ohrensausen, Neigung zur Diarrhoe, Schweiss, Schwäche) bis zum 21. Juli hinterliess, mit Avelchem Tage Alles wie ausgelöscht war. Dieser Angstanfall — der erste im Leben — war im Sinne Freuds*) durch den ehelichen Fräventivverkehr wohl vorbereitet. Er kam auch hier, wie wir später sehen werden, an einem determinirten Tage (männliche Reihe 6) und seine Spuren schwanden ebenfalls zu solcher Zeit (männliche Reihe 2).

Ausser der Mutter hat auch der l4jährige Sohn Eduard einen Angstanfall und zwar am 25. Juni 1896 (weibliche Reihe IV) gehabt. Damals schwänzte der sonst sehr ordentliche fleissige, begabte Schüler ganz unerwartet die Schule, aus Angst, „weil er einen Tadel im Eng- lischen erhalten könnte!“ Objectiv war gar kein Grund zu dieser Befürchtung. Eduard aber betrieb seit einigen Jahren eifrig die Onanie (vor der Pubertät gibt das immer Angst, später Neurasthenie : Freud).


Vgl. Seite 142.


183


Der Knabe batte zuvor und zwar am 9. October und am IG. October vorigen -lahres Anfälle von Blepharospasmus des linken Auges gehabt, die auf Cocainisirung der linksseitigen nasalen Genitalstellen (9. October) temporär und auf Aetzung dort (16. October) dauernd wichen. Die Genitalstellen waren gebläht und sehr empfindlich, Avie fast typisch bei Onanisten.

Am 25. Mai dieses Jahres aber hat Eduard einen echten Gicht- anfall im rechten Metatarsophalangealgelenk mit allen classischen Sym- ptomen gehabt.

Man bemerkt, dass der 9. October 1895 vom 25. Mai um 229 oder 10 X 23 — 1 Tagen absteht, und dass 46 Tage (2 X 23) später das Datum des 10. Juli fällt, wo die Mutter den grossen Angstanfall bekam.

Der 16. October mit seinem zAveiten Blepharospasmusanfall ist vom 25. Juni (Schulangst) um 253 oder 9 X 28 -f- 1 Tage entfernt.

Eduard hat dann noch am 16. Juni (männl. Eeihe 5) und 18. Juni (weibliche lleihe II) sehr heftige Wadenkrämpfe gehabt.

Ein zweiter Sohn — Albrecht — ist mit Lues congenita be- haftet. Er ist in Folge dessen A’or sieben .Jahren auf dem linken Ohre taub geworden und am 14. Mai 1894 hörte er ganz plötzlich auch auf dem bis dahin guten rechten Ohre gar nichts (Jjabyrinthtaubheit). Eine energische, momentan eingeleitete Cur brachte das normale Hör- vermögen in den nächsten Wochen vollkommen Avieder, bis am 2. Februar 1895 ein zAveiter Anfall Amn Labyrinth taubheit ebenso plötzlich er- schien und sich auf eine erneute Cur nur langsam und nicht so a’oII- ständig Avie das erste Mal löste.

Der 14. Mai 1894 gehört der ersten männlichen Keihe, der 2. Februar 1895 der ersten weiblichen Reihe der Mutter an.

Ausserdem sind in der Tabelle noch einige BescliAverden A^on den anderen Kindern verzeichnet. Wir heben als Avicbtig hervor dass die Angina bei Robert (Zwilling) am 15. Juni (männl. Reihe 5) mit hohem Fieber ausbricht und am 1 8. Juni (AA^eibliche Reihe 11) mit guter Krise endigt.

Bertha (Zwilling) bekommt ihre Angina am 27. Juni (männ- liche Reihe 4).

Anfang und Krisen von I nf ection skr ankh eiten fallen auch hier auf periodische Tage.

Von den Reihen sind die 4 Av^eiblichen und 5 männliche durch die Existenz der Menses als Avahre Menstruationsreihen erwiesen. Zwei Aveitere männliche Reihen Averden durch die Be- schwerden von Mutter und Kindern gebildet.


184


Die innige Durclifleclitung der periodischen Vorgänge zwischen Mntter und Kindern, die hier aufgezeigt worden ist, Lässt sich aber nocli weiter deinonstriren, wenn wir die Geburtstage der Kinder betrachten.


Iviltho 11. December 1884 Zwillinge 5. November 1892 Albrecbt 15. August 1879 Egbert IG. August 1880 Eduard 28. Februar 1882 Hanna 20. September 1889


l 288G = 103 X 28 + 2 Tage { 4830 = 210 X 23 Tage f 3G7 = IG X 23 — 1 Tage / 561 = 20 X 28 -f- 1 Tage } 27G0 = 120 X 23 Tage


Die Geburtstage der Kinder sind aber nicht nur unterein- ander in den durch die Periodicität gegelienen Verhältnissen ver- bunden: sie lassen sich auch direct auf die Reihen der Familien- tabelle beziehen. Dabei wird die Verbindung der Kinder mit der Mutter noch besonders schön ersichtlich:


Egbert geboren IG. August 1880 1 , ,

Menses der Mutter 19. Juli 1895 ) ^ X 23 — 1

(männliche Eeihe 2).

Eduard geboren 28. Februar 1882 1

-7 A M «'>152 = 224 X 23

Menses der Mutter 7. April 1896 J

(männliche Keihe 4).

Hanna geboren 20. September 1889 1 ^ ^

Angstanfall d. Mutter 10. Juli 1896 J °

(männliche Keihe 5).

Käthe geboren 11. December 1884 1 _ w 28 4- 1

Angstanfall d. Mutter 10. Juli 1696 i ~ A "t"

(männliche Reihe 5).

Albrecht geboren 15. August 1879 1 ^ oir V 28

Tenesmus der Mutter 7. März 1896 i “

(männliche Reihe 6).

Zwillinge geboren 5. November 1892 1 .„.q _ y 93 — 1 Tenesmus' der Mutter 7. März 1893 I

(männliche Reihe G).

Der Geburtstag der Mutter selbst findet seinen Anschluss an die zweite weibliche Reihe :


185


Frau P. geboren 18 Menses am 28.


März 185G März 1895

(weibliche Keihe II).


14-254 = 509 X 28 + 2


Wie wir auch die Daten dieser kinderreichen Familie be- trachten, immer finden wir die gleichen durch das Gesetz der Periodicität gegebenen PeziehungeiP').


Tubello der Familie P.

A) Weibliche Reihen;

I. II.


Intervall


1


Intervall



28


5. Janutur 1895 Menses der Mutter.


56 =


28. März 1895 Menses der Mutter.



2. Eebruai* Menses der


2 X 28



28


Mutter. Albrecht plötz- lich taub.


279 =


2B. Mai Menses der Mutter.




10 X 28



196 =


2. März Menses der


— 1


26. Februar 1896 Blasen-


t X 28


Mutter.



stechen der Mutter.


113 =


14. September Menses der


28



4 X 28


Mutter.



25. März Stechen und Drän-


+ 1


5. Januar 1896 Blasen-


85 - 3 X 28 + 1


gen in der Blase.


27


stechen der Mutter.



29


1. Februar Blasenstechen leicht.


18. Juni Krise der Halsent- zündung von Robert. Eduard hat Beinkrämpfe.



1. März Blasenstechen





energisch.




Differenz



Differenz



= + 1



= 0



  • ) Bemerken möchte ich nur, dass die Saugbewegung, welche kleine Kinder

mit Lippen und Zunge an periodischen Tagen (vgl. Tabelle männliche Reihe 2) machen, das sog. „Ludeln“, ebenso wie das Daumenlutschen, als ein Äquivalent fiir Onanie angesehen werden muss. Es bringt ebenso Angst eventuell mit Neur- asthenie gemischt hervor, wie die wahre Onanie. Es kommt triebartig und ist den Kindern deshalb so schwer abzugewöhnen (vgl. S. 199). Die Rolle, w^elche später das Wort süss in der Diebessprache spielt, hat hier ihre erste physiologische Wurzel. Mit Lippen und Zunge schmeckt das Kind an der Mutterbrust zuerst den Milchzucker, sie geben ihm das früheste Befriedigungserlebnis. Süss hängt mit dem französischen „sucer“ (saugen) zusammen, und mit Zucker, suggar, sugere.


180


Intervall


28


28


56 =

2 X 28

57 =

2 X 28

+ 1


55 =

2 X 28 — 1


Differenz = 0


III.


14. October 1895 Menses der Mutter.

U. November Menses der Mutter.

9. Deceiubcr Menses der Mutter.

ii. Februar 1896 Menses der Mutter.

31. ]\Iärz Blasenstechen der Mutter.

  • 25. Mai Albrecht schläft

mit offenem Mund. Eo- hert und Bertha haben Ohrenzwang. 26. Mai früh: Albrecht und Hanna Bellhusten.


Intervall


84 = 3 X 28

28


28

85 = 3 X 28 + 1

28


IV.


16. October 1895 ; Eduard Blepharospasmus.

8. Januar 1896: Menses der Mutter.

5. Februar Blasenstechen der Mutter.

4. März Menses der Mutter.

28. Mai Albrecht hat Schwin- del und Kopfschmerz.

25. Juni Eduard hat Schul- Angst.


Differenz = -]- 1


b) Männliche Reihen:


1 .


2 .


Interv all



Intervall




115 =



14. Mai 1894 Albrecht plötz-


5 X 23


346 =


liche Taubheit.


114 =


15 X 23



5X23


+ 1



— 1



25. April 1895 Menses


70 =


115 = 5 X23


der Mutter.


3 X 23 + 1 22



18, August 1895 Menses



230 = 10 X 23


der Mutter.


23


19. Juli 1895 Menses der Mutter.

11. November 1895 Menses der Mutter.

4. März 1896 Menses der Mutter.

13. Mai 1896 Tenesmus ve- sicae der Mutter.

4. Juni 1896 Bertha ludelt im Schlaf mit der Lippe wie beim Saugen. Am 5. Juni haben Bertha und Kober t Urticaria.


187


Intervall


4. April 1890 Blasenstechen


Intervall


27. Juni Bertha bekommt


G9 =


der Mutter.


23


Angina.


3X2^


12. Juni Hanna ist heiser


20. Juli Bertha unruhig,




und spricht durch die Nase.



ludelt.


Differenz



Differenz



+ 1


3.



4.


Intervall



Intervall



229 = 10 X 23


19. Juni 1895 Menses der




Mutter.


200 =


14. September 1895 Menses der Mutter.


— 1


3. Februar 1890 Menses


9 X 23



93 = 4X23


der Mutter.


— 1


7. April 1890 Menses der


+ 1


0. Mai Menses der Mutter.


09 =


Mutter.


23


29. Mai. Die gichtische An-


3 X 23


15. Juni Angina bei Kobert


23


Schwellung bei Bduard



beginnt. 10. Juni Eduard


lässt nach.



Wadenkrampf.



21. Juni Lid-Üdembei Bertha




Differenz



1 Differenz



= 0


5.


1 = - 1


6.


Intervall



Intervall



II

GC


8. October 1895 Eduard



7. März 1890 Tenesmus


8 X 23 + 1 43 • —


Blepharospasmus.


09 = 3 X 23


10. April 1890 Mutter hat


vesicae der Mutter.


2 X 23 — 1


leichtes Blasenstechen.



15. Mai Tenesmus vesicae




der Mutter.


  • 20. Mai Eduard Gicht-

Anfall. Albrecht schläft mit offenem Munde. Ko-


23


7. .luni Ohnmacht der



40 ==


bert und Bertha Ohren-


40 =


Mutter.


2X23


zwang.


2 X 23


23. Juli Bertha unruhig;



10. Juli Angstanfall der



Pavor nocturnus.



Mutter.




Differenz



Differenz



= 0



= 0



188


Weiterhin stehen mir die Daten von zwei Geschwistern zur Verfügung, die ebenfalls den Periodicitätszusaminenliang durch eine Reihe erweisen, welche die Menses der Mutter einbegreift.

Ich fulire die Daten insbesondere deswegen an, weil bei der jüngeren Schwester eine sehr heftige fieberhafte Angina am 29. Juni 1896 (männliche Reihe 1) ausbrach, die am 3. Juni (weibliche Reihe II) kritisch abschloss. Wir sehen hier wiederum, wie Ausbruch und Entfieberung einer Inlections- k rank heit sich an periodische Termine anschliessen.


all IBG.


A. Männliche Reihen:


Intervall

1G3 = 7 X 23 + 2 345 = 15 X 23 92 = 4 X 23


(Hildegard 11. 4 Jahre)

1 .

7. November 1894 Migräne*) 19. April 1896 Migräne.

29. März 1896 „

29. Juni 1896 Anginabeginu.


46 = 2 X 23

47 = 2 X 23 + 1


2.

^6. Januar 1896 Migräne

21. Februar 1896 verstopft, appetitlos, matt.

  • 8 . April 1896 verstopft, appetitlos, matt.


B. Weibliche Reihen:


Intervall

54 = 2X 28—2 28 28

57 = 2 X 28 + 1


Hildegard.

6. Jaiuiai’ 1896 29. Februar „ 28. März 25. April 21. Juni


I.

Obstipatio,

Strophulus.

dto.

Obstipatio, schlech- tes Aussehen, fehlt.

Obstipatio, sehr blass.


Gertrud (12 Jahre)

6. Januar schlechtes Aussehen, sehr matt. 29. Febr. dto.

27. März Migräne.

25. Apr.starkes Nasen- bluten, fehlt.

sind zugleich


Die fettgedruckten Termine 6. Jänner und 29. Februar wahre Menstruationsdaten der Mutter.


  • ') Die Daten entstammen eigener Beobachtung, die ich bei ärztlichen Be-

suchen in der Familie machen konnte. Das sonst ganz muntere Kind wurde plötzlich blass, matt, erbrach, halte an dem Tage keinen Bluhl und genas nach einem mehrstündigen Schlaf vollkommen.


189


II.

Hildegard.

8. Mai 1896 appetitlos, matt, verstopft.

3, Juli 1896 Krise der Angina.

III.

Gertrud.

11. März Verstopft, müde.

  • 8. April Nasenbluten.

30. Juni Verstopft, Nasenbluten.

IV.

Gertrud.

20. März Migräne.

16. Mai laufender Schnupfen und Halssclimerz.

Die weibliche Reihe I ist bei beiden Schwestern betont. In ihr liegen auch die Menstruationsterinine der Mutter.

Für den Nachweis, dass Beginn und Krise acuter Infections- krankheiten auf periodische Tage lallen, ist auch eine kleine All- handlung aus der „Deutschen Medicinischen Wochenschrift“ vom 23. Juli 189G lehrreich, die mir gerade in die Hand fällt und in der Dr. Schuster^ — Nauheim einen Fall cardialer Bradycardie mit- theilt. ln der Krankengeschichte kommen folgende Daten vor: x\m 22. Juni 1893 erkrankt das vierjährige Kind an acutem Gelenk -Rheumatismus, der am 29. Juni abgelaufen ist. Gegen „Ende Juli“ treten Anfölle von Puls-Arrhythmie mit Schweiss und Unruhe auf, die allmählig nachlassen. Am 13. September stellt sich Herpes zoster ein, mit ihm ein Recidiv der Anfälle. xVm 28. September sind der Zoster ganz und die Anfälle bis auf Spuren verschwunden. Am 12. October kommen die Anfälle plötzlich Avieder. Am 23. October schwinden sie. Bis zum 8. November war das Kind gesund. Dann traten häufige Stühle ein. Nachlass Ende NoA'-ember.

Die Daten grnppiren sich so:

a) Männliche Reihe:


Intervall

2 X 28 1 = 57


Intervall


28

83 = 3 X 28


— 1


Intervall 56 = 2 X 28


29. Juni 28. September


91 = 4 X 23 —1


19U


22. Juni 13. September 12. October 8. November


I.


b) Weiblichen Reihen:

II.


83 = 3 X 28 — 1 29 = 28 + 1

27 = 28 - 1


31. Juli („Ende Juli“) 23. October


84 = 3 X 28


Der Beginn des Rheuniatisinus am 22. Juni und der des Zoster am 13. September fallen auf dieselbe weibliche Reihe, das Ende vom Rheumatismus am 29. Juni und vom Zoster am 28. September auf dieselbe männliche Reihe.


XII.

Der Zusammenhang der Generationen durch die Uebertrao-unir der Periodicität von IMuttcr auf Kinder ist unzweifelhaft. Wenn ich dafür trotzdem noch ein Beispiel anführe, so geschieht es, weil es uns zugleich noch den wichtigen Connex von Nase und Sexualität im Greisen alter demonstrirt.

Frau Baronin von II .... r, 74 Jahre.

Hat zur 1‘uhertätszeit und während ihrer beiden Scliwangerscliaf- ten an Schwindel gelitten. Später nicht mehr. Ist seit ca. 20 .Jahren in der Menopause. Im Verlauf dersell)en haben sich starke Varices an den Schenkeln ausgehildet und häutigeres X^asenhluten ist aufgetreten, ^hr sechs Jahren ist Urticaria — anfallsweise — erschienen. Daten unbekannt. Am 24. .Januar 1894 wurde Patientin Nachts von einem heftigen Schwindel überfallen, der mit Brechreiz und Stuhl- zwang einlierging. Prof. K., der gerufen wurde, hielt den Zustand für einen apoplektischen „Mahner.“ ln den nächsten J'agen trat heim Bücken oder heim Umlegen auf die linke Seite der Scliwindel noch des öfteren auf, war indessen sehr abgeschwächt. Auf Cocainisirung einer schlaffen Schwellung am hinteren ddieil des sept. narium sinistr. verschwand der Schwindel und ist auf Trichloressigsäureätzung dieser l’artie nie wiedergekehrt.

Am 17. November 1895 sah ich die l’atientin, welche ohne er- kennbare Ursache von Ilerzdruck, Diarrhoe und (|uälender Urticaria eben befallen war. Der Zustand heilte ohne Thera])ie in einem 'J'age.

Am 12. März 1896 wiederholte sich die Urticaria.

17. November 1895 Intervall

12. März 189Ö 116 = 5 X 23 ff- 1

Die Tochter der Patientin hat mir vom Herbst 1895 an Notizen über die Termine ihrer Menses und über etwaige Beschwerden gemacht.


lül


Daraus ergibt sich folgende Reihe :

21. November 1895 Menses

14. December 1895 Anfall von Herzbeklemmungen 30. Januar 1896 Menses

23. Februar 1896 Migräne, linkseitige Ischias, Blut aus der rechten Nase, das mit Eintritt der Menses aufhört.

17. Juni Menses.

^"erfo]gt man diese 23tägige Reihe nach aufwärts, so ergibt sich vom 21. November 1895 (den Menses der Tochter) zum 24. Januar 1894 (dem Schwindelanfall der Mutter) ein Abstand von 666 oder 29 X 23 — 1 Tagen!

Die Mensesdaten der Tochter führen also geradewegs auf- wärts zum Schwindelanfall der Mutter.

Auch dieser fällt auf ein menstruelles Datum (bei einer Grei- sin!) und seine Folgen sind von der Nase aus mit einer Prompt- heit erledigt worden, die staunenswerth ist.

Der Zusammenhang zwischen Nase und Sexualität ruht also auch im hohen Alter nicht.

Das zeigt auch ein anderer Fall, wo die Patientin allerdings erst 61 Jahre zählt, aber in Bezug auf die Dauer der Menopause (seit 23 Jahren) noch den Vorrang beanspruchen kann.

Frau W . . ff. Gl Jahre (seit 23 Jahren Menopause). Fall i so.

Leidet seit 8 Jalireu an Angst mit AiThythmie, ausserdem an Jlagenschmerz.

Am 18. März 1888 (Todestag ihres Mannes) kolossales Nasen- bluten — Tamj)onade durch l‘rof. W.

Genau 3 Monate später am 18. Juni 1888 Wiederholung der Nasenblutung.

Vom 18. März bis zum 18. Juni sind 92 = 4 X 23 Tage verflossen.

Und für eine Menopausen-Blutung’ der Nase an einem perio- dischen Tage ist auch der folgende Fall ein um so schöneres Bei- spiel, als bei ihm durch das Auftreten von blutigem Scheidenfluss das Resultat der Rechnung besiegelt wird.

Frau N .... n. 53 Jahre. Fall uo.

Patientin hatte am 1. März 1892 zum letzten Mal die Periode.

^Vm 12. März 1896 entstand bei der Sondirung eines Restes der lin- ken mittleren Muschel (die früher glatt entfernt war) eine kolossale Blutung, die nur durch sehr feste Tamponade zu stillen war.


Intervall


23

2 X 23 -f 1 = 47

24


5 X 23 = 115


192


Gleichzeitig traten aus dem rechten Auge blutig gefärbte Thrä- nen stromweise hervor.

Vom 13./14. März Nachts leichter blutig gefärbter Ausfluss aus den Geschlechtstheilen.

Gie Blutung wurde sofort als vicariirende angesprochen. Beweis ausser den blutigen Thränen und dem blutigen »Scbeidenfluss — :

Vom 1. März 1892 bis 12. März 1896 sind 1472 = 64 X 2A Tage verflossen.

Dieser blutige Scheidenfluss war seit der letzten Regel vor 4 Jahren nicht mehr erschienen. Er ist als von der Nase her ausgelüst zu betrachten. Um so mehr, als wir ganz Analoges in einem früheren Falle (vergl. Fall 2) beobachteten. Die Schädi- gung der Nase hat hier die Ventiltüchtigkeit“ derselben beein- trächtigt und deshalb erscheint die Genitalblutung (vergl. die Ausführungen auf Seite 129).

  • *

In einem der letzterwähnten Fälle (Fall 138) trat Urticaria auf, u. zw. das eine Mal mit deutlichen Angstzeichen (Herzdruck. Diarrhoe) verknüpft, das andere Mal ohne dieselben. Aber beide Urticariaausbrüche entfielen auf Tage einer männlichen Reihe.

Wir haben schon früher gesehen, dass Urticaria ebenso wie der Strophulus infantum periodisch auftritt (vergl. Fälle 133 u. 135).

Hier sei noch ein Beispiel dafür angeführt, wo bei einem Kinde Urticaria und Prurigo (es gibt ja zwischen diesen Leiden alle möglichen Uebergänge) häufig mit voraufgehendem Singultus erscheint, öfters von Singultus allein „ersetzt“ wird, und wo ausser- dem die Bedingungen des Pavor nocturnus (im Freu d’schen Sinne) durchsichtig sind.

Knabe Fritz L. . . . Jahr, hat au Bhachitis, Prurigo,

Adenoiden und Phimosis gelitten. In der Familie besteht die Neigung zur Urticaria. Seit Jahresfrist bemerkt die aufmerksame Pflegemutter, dass der Kleine auffälliges Schamgefühl an den Tag legt, ausserdem sehr markant sich für den nackten weiblichen Körper interessirt, ihn betastet etc. Seitdem Pavor noctui-nus und abendliche Angst. Will nicht mehr wie früher ohne Licht einschlafen, fängt vor Angst zu schreien an etc. Der Prurigo, welcher jetzt alle Uebergänge zur Urticaria zeigt, kommt anfallsweise und vergeht wieder. Fast immer geht ein bis zwei Tage früher Singultus voran und der Penis wird daun steif.

Die Termine sind seit dem 5. October 1895 genau beobachtet. Sie sind folgende:


193


5, October 1895 : Urticaria (4. October Hingultus).

11. October: ISingultus, Penis steif.

20. December: Prurigoknötcben, Appetitlosigkeit, Stublverstopfung, (Singult. niclit beobachtet.)

25. December: Urticaria am Kücken.

13. Januar 1896 : Singultus.

5. Februar: Singultus (am 7. Februar Prurigo-Urticaria).

16. Februar: Urticaria. (14. Februar Siugultus, Appetitlosigkeit, weinerlicb, schlaflos. Nach Ausbruch der Urticaria völlig munter.)

26. /27. Februar: Singultusanfoll.

2. M ärz : Urticaria, Verstopfung und Appetitlosigkeit.

5. ]\Iärz: Urticaria, Schmerzen an der Zunge.

23. jMärz : Urticaria.

10. April : einige Urticaria-Quaddeln ; vorher schreckhaft.

8. ^lai : Singultus.

10. Mai : vereinzelte Quaddeln.

12. Mai: zahlreiche Quaddeln; verstimmt.

28. ]\Iai : grosser Urticaria- Ausbruch und Singultus.

Hieraus ergeben sich folgende Reihen:


A. Männliche Reihen:


1 .


11. October 1895 2G. Februar 1896 28. Mai 1896


Intervall

138 = 6 X 23 92 = 4 X 23


Difterenz der Reibe = 0.


23. März

  • 8. Mai


1896 1896 Differenz = 0.


Intervall 46 = 2 X 23


5. März 12. Mai


1896

1896


2 .


Intervall 24 = 23 + 1 23

22 = 23 — 1


20. Decemb.1895 13. Januar 1896 5. Februar 1896 27. Februar 1896

Differenz der Reihe 4.

Intervall

25. Decemb.1895 2 März 1896

  • 10. Mai 1896


0.


68 = 3 X 23 — 1

69 = 3 X 23


u.


Difterenz = — 1. Intervall

68 = 3 X 23 — 1


Difterenz =


1 .


B. Weibliche Reihen:


I.

14. Februar 1896 10. April ^8. Mai


Intervall

56 = 2 X 28 28


16. Februar 1896

  • 10. Mai


II.

Intervall 84 = 3 X 28


Differenz = 0.


Differenz == 0.


Fliess. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschleciitsorganen. 13


194


In diesen Reihen sind alle beobachteten Daten mit Ausnahme des ersten Terniines 4./5. October enthalten. Für den Anschluss dieses Termines hat offenbar der Beobachtungszeitraum nicht aus- gcr eicht.

Das frühzeitige Schamgefühl*), die erwachende Libido, welche frustrane Erregung zur Folge hat, und die Angst, die sich prom- ptissimo einstellt, ergeben eine klare Kette vonUrsache undWirkung.

Und der Singultus documentirt seine sexuelle Herkunft durch die Erectio penis, welche ihn begleitet.

Ehe wir aber auf die Natur der Angsterregung näher cin- gehen, wollen wir noch einige markante Fälle derselben der zeit- lichen Analyse unterziehen. Und zwar sind ausdrücklich Fälle von Männern gewählt, um mit voller Klarheit das schon früher (vergl. Fälle 126 und 141) demonstrirte Factum zu erweisen, dass auch im männlichen Organismus beide Arten von j:)eriodischen Vorgängen (23 und 28tägige Reihen) vorgebildet sind.

“'1 Der 42jährige Dr. I). leidet ebenfalls an Angstneurose, aber in

Folge von jahrelanger sexueller Ablenkung (Abstinenz).

Seine Anfälle gruppirten sich während meiner Beobachtung so:

Intervall

4. October 1895 Augstanfall Nachts (glaubt erdolcht zu werden;

6 copiöse Stühle).

27, October Migräne.

20. November Arrhythmieanfall. Starke Blähungen, 5 Stühle! 13/14. December Nachts: Starker Pavor, ängstliche Unruhe, häu- tige dünnbreiige Stühle,

4. Januar Abds: Starke Angst mit Herzklopfenaufall, dünne Stühle. 27./28. Januar Nachts: Aufschrecken, dünne Stühle.

Ausserdem liess sich bei demselben Kranken noch eine zweite Reihe von Beschwerden beobachten:


23

24 23

22

23


Intervall 56 = 2 X 28


2. October Paraphasie-Anfall (auffälliges Versprechen).

27. November Paraphasie.

Auch diese Zahlen sind sehr significant. Man sieht in den beiden angeführten Beispielen wie die 23- und die 28tägige Pe- riode mit unverkennbarer Deutlichkeit auch beim Manne existiren.


  • ) Anmerkung. Die feine Beobachtung der Bibel lässt Scham und Angst

zugleich ins Dasein treten. Adam fürchtet sich vor dem Herrn, weil er nackt ist, nicht weil er das Gebot übertreten.


195


Kin weiteres Beispiel stanimt von einem 48jälirigen Buclilnindler, * Herrn K., der früher scliwacli potent war und sicli (er liat eine viel ältere Frau) seit einem Jahrzehnt ganz abstinent A’erhält.

Er leidet an Anfällen von Hinterhauptschmerzen, Ischialgie und Kreuzschmerzen (mit nasalem Mechanismus. Cocainversuch von den ( {enitalstellen der Nase aus erfolgreich), die sich mit coordina- torischem »Schwindel paaren. Diese Form des Sclnvindels gehört in die Gruppe der Angst.

Beobachtung :

Interv.

8. November : Kreuzschmerzen, Schwindel.

26. November: llinterhauptschmerz, Schwindel.

20. December : Ischias, Sclnvindel. ^

Viel länger habe ich einen anderen Patienten mit Abstinenz- neurose verfolgen können, Herrn P , 42 Jahre alt.

Am 28. /29. April 1895 Nachts enormer Angstanfall mit Arrhythmie. Daneben schon friilier nasale Beschwerden (Schnarchen, Armschmerzen, Schmerzen im linken Hy])Ogastrium und der linken Nierengegend), welche auf Aetzung de Genitalstellen (1. JMai) völlig und dauernd verschwinden.

Am 23. December 1895 Angstanfall. (Trifft auf der Strasse Freunde und glaubt, sie wollten ihn überfallen. Zu Hause angekommen, wird ihm ängstlich, er kann plötzlich tlas Dunkel des Zimmers nicht ver- tragen, legt sich ins Bett und hekommt typische Angstdiarrhoe.)

Fernere Termine waren:

3. Januar 1896 ängstlicher Traum.

5. Januar Angst und unmotivirte Wuth.

29. März Angst-Diarrhoe.

10. April auffallend schlechtes Aussehen.

12. April Arrhythmie-Anfall.

22. April ängstlicher Traum und Druck auf der Brust den ganzen Tag hindurch.

26. /27. April Arrhythmie- infälle.

18. Juni Angst-Anfall.


23

24


Daraus ergeben sich folgende Reihen:


28. .April 1895 5. Jan. 1896

29. März 26. April


A) W e i li 1 i c h e :


I.



Intervall



252 = 9 X 28


23. Deck. 1895


84 = 3 X 28


12. April 1896


28



III.


II.


Intervall

111 = 4 X 28 — 1


22. April 1896

  • 18. Juni


Intervall

57 = 2 X 28 -t- 1


1.3*


19G


3. Jan. 1896 27. April


B) Männliche;


1.



Intervall


10. April

  • 18. Juni


115 = 5 X 23


2 .

Intervall 69 = 3 X 23


In diesem Beispiel ist die Existenz beider Arten von Reihen sehr deutlich. Ebenso in dem folgenden Fall.


K a n z 1 e i d i e n e r S t, 54 Jahre.

Heit 11 Jahren Coitus rescrvatus. Infolge dessen Angstanfälle (Angst, Zusammenschnüren der Brust, schwerer Athem, Schüttelfrost, aus- setzender Puls, glaubt zu sterben). Früher öfters Ileisshunger. Ausser- dem Flimmerscotome und Schmerz an der Spitze des linken Schulter- blattes.

Erster grosser Angstanfall während des Dienstes im Ministerium (Datum aus den Ministerialacten festgestellt); 29. Mai 1895. Anfälle während meiner Beobachtung ;


29. Februar 1896 Angstanfall.

25. April Krampfhusten Nachts.

4. Mai sehr ängstlich und beklommen. 18. Mai Angstanfall.

2. Juli Angstanfall.

16. Juli Angstanfall.

3. August Angstanfall.

Daraus leiten sich ab :


A) Männliche Reihen

1 .


29. Mai 1895

  • 29. Febr. 1896

16. Juli 1896


Intervall

276 = 12 X 23 138 = 6 X 23

4. Mai 3. August


  • 25. April

18. Mai 2. Juli

3.

Intervall

91 = 4 X 23 —


2 .

Intervall

23

45 = 2 X 23


1


B) Weibliche Reihe;


  • 29. Februar
  • 25. April


Intervall 56 = 2 X 28


Am 29. Februar und 25. April schneiden sich männliche Reihen mit einer weiblichen.

Wir haben im Vorausgehenden Beispiele von Angst bei Kindern und Greisen, bei Männern und Frauen kennen gelernt.


197


Wir haben ferner gesehen, dass das Auftreten von Angst- anfällen an periodische Tage gebunden ist. *)

Vergegenwärtigi; man sich die frappante Aehnlichkeiteines Angstanfalles m it ge wissen Int oxicationen — ich erinnere an die Angst bei acuter Nicotin- oder hei Colchicumvergiftung oder an das Angststadium im diabetischen Coma, — so kommt man zu der Annahme, dass zur Zeit der periodischen Tage ein Stoff im Körper ausgeschieden werde, der auf das Nervensystem Avirkt und unter gewissen Umständen peinliche Empfindungen erzeugt. In physiologischem Abklang kennt fast jede Frau solche ängstliche Verstimmungen an den periodischen Tagen, die durch die uterine Blutung betont sind. Und gerade deshalb haben die Menses den Namen des „UiiAvohlseins“ erhalten.

Das periodisch ausgeschiedene Toxin dient vielleicht beim normalen geschlechtsreifen Menschen der Sexualerregung. Vor der Geschlechtsreife beim Kinde ist es wahrscheinlich für den Aufbau des Organismus wichtig, nach der Geschlechtsreife besorgt es den Abbau desselben.

Bei Familie M. (Fall 133) haben wir gesehen, Avie bei den Kindern die Entwicklung der Zähne, der Sprache in denselben peri- odischen Schüben sich geltend macht, welche die Menses der Mutter hervorbringen. Und fernere ausführlichere Beispiele für diese bedeu- tungsvolle Thatsache Averden wir anderen Ortes Amr öffentlichen. Für den Abbau der GeAvebe war die Geschichte des Zahnes von Frau ]M. lehrreich, der den letzten Anstoss vor dem Ausfallen an dem Tage bekam, wo bei dem Töchterchen ein neuer Zahn durchbrach. Wir Averden aber sehr bald in viel eindringlicherer Weise den periodischen Abbau des jMenschen kennen lernen.

  • ) Anmerkung: Mit der Feststellung, dass Angst nur an dcterminirten

Tagen entbunden wird, entfällt der Einwand, den Low'enfeld (Müncben, med. AVochenschr. 1895, Nr. 13) gegen die Fr eud’sche Theorie gemacht hat. Er lässt die Angstanfälle „weit überwiegend nur bei bestimmten (äusseren) Anlässen“ ein- treten und von der Vita sexualis unabhängig sein. „Sonst müsste jeder mit Angst- zuständen Behaftete, so lange keine Aenderungen in seinem sexuellen Leben ein- treten, von Zeit zu Zeit einen Angstanfall haben, wie der Epilejitische seinen .Anfall von grand und petit mal hat“. Löwenfeld -wusste natürlich nicht, mit welcher Genauigkeit seine Forderung von dem Angst- und dem epileptischen Anfall erfüllt wird. Beide folgen ihrer zeitlichen Bestimmung nach den gleichen Gesetzen. (S. auch Fälle 131 u. 122.)


198


Hier sollte nur auf die Möglichkeit hingewiesen Averden, die Angsterregung an periodischen Tagen zu verstehen.

Der geschlechtsreife Mensch, der in der Lage ist, dem Repro- ductionsdrange voll zu genügen, hat keine Angst. Die Erregung findet ihren normalen Ausdruck und damit den Ausgleich.

Bleibt aber unter den F r e ud’schen Bedingungen der Ausgleich unvollkommen, so speichert sich ein Theil des nicht verAvendeten Stoffes auf und kommt schliesslich in vei’Avandelter Form als Angst zum Vorschein. EtAva wie die elektrische Kraft, da avo ihr zu grosser Widerstand zum einfachen Fortströmen entgegengesetzt Avird, sich aufspeichert und sich in periodischen Entladungen aus- gleicht mit solchen Licht-, Wärme-, und mechanischen Wirkungen, die bei dem ungehinderten Fortströmen nicht in die Erscheinung treten.

Dass aber die Angstentladung nur an bestimmten Tagen er- folgt, Amrsteht sich. Denn an solchen Tagen findet ja die Kiveau- erhöhung statt, und diese vertragen schliesslich die Individuen nicht, die ihre „Depots“ früher nicht richtig verwendet haben.

Bei Kindern, avo die Entwicklung in denselben periodischen Schüben vor sich geht, verräth sich durch leise Zeichen aus der Gruppe der Angsterscheinungen, dass diese Schübe eigentlich sexueller Natur sind. Solche Zeichen sind der Singultus und der beschleunigte Stuhl („Zahndiarrhoen“). Eine aufmerksame Beob- achtung findet diese Zeichen überaus häufig in periodischer Folge. Sie findet aber noch \del directere Symptome in dem periodisch gesteigerten Triebe zum Lutschen oder Ludeln (vgl. Anmerkung auf Seite 185) und bei Knaben in directen Erectionen des Penis an solchen Tagen (auch schon in den ersten Lebensmonaten!). Ausserdem zeigt sich die sexuelle Natur dieser Schübe in kleinsten Blutstreifen aus der Nase und in Beimengungen von Blut oder Blutfarbstoff im Speichel und Harn. Wohlgemerkt : Das Alles nur in periodischer (28 oder 23tägiger) Folge.

Man darf auch Avohl bei Kindern periodisch auftretende und schnell vergehende Bläschen oder Papeln zur Norm rechnen. Sie verdanken ihren Ursprung ganz gcAAUss dem Toxin, denn sie treten am selben Tage auf, Avie die obgenannten Erscheinungen.


199


Verstärkt erscheinen sie als Urticaria, Stroplmlus oder Prurigo.*)

Die Angstersclieinungen können ihr physiologisches Vorbild erheblich überschreiten und als Pavor nocturnus, Enuresis oder als echter Angstanfall auftreten.

Dann liegt ganz gewöhnlich auch bei kleinen und kleinsten Kindern eine der Freud’schen Bedingungen vor, häufig das ge- wohnheitsmässige Lutschen, oft auch eine vorzeitige Erregung durch das abscheuliche Beruhigungsinittel der Kinderfrauen, welche das Schreien der Kleinen durch Klopfen auf die Genitalien so wirk- sam und unfehlbar zu coupiren wissen.

Ich rede nicht erst von wirklichen Anomalien der Genitalien, Phimosen, Smegmaabsonderungen, Balanitiden u. dgh, welche zu chronischen Reizungen führen ; und gewiss nicht von den sexuellen Missbräuchen, welchen Kinder in jedem Alter und in erschreckender Häufigkeit von Seiten des Wartepersonales ausgesetzt sind. Auch hier muss ich auf die Arbeiten von Freu d **) verweisen, die ganz bahnbrechend sind und uns über die sexuellen Verhältnisse und deren Wirkungen aufs Nervensystem neue und völlig ungeahnte Aufschlüsse ergeben haben.

Hiernach begreift sich das Auftreten von Angst im Kindes- alter gewiss.

Nur möchte ich noch hinzufügen, dass manchmal die latente Angst erst durch die Wirkung eines anderen von aussen einge- führten infectiösen Giftstoffes zimi Ausdruck kommt. Der Angst- anfall von Fritz M. (vgl. Seite 173), der infolge des Schutzblattern- impfstoffes am periodischen Tage zum Ausbruch kam, ist ein Beispiel dafür. Der Angstanfall im Fieber gehört wohl auch in diese Gruppe, um so mehr, als solche Anfälle nicht selten kurz vor der Krise auftreten, über deren periodische Zeiten wir bereits unterrichtet sind.

V or der Menopause findet sieh geAvöhnlich eine grosse Steigerung des sexuellen Bedürfnisses, und die weit nach dem Er-

  • ) Anmerkung. Erwachsene mit Angstneurosen haben öftersein chronisches

Eczem, das jeder localen Behandlung trotzt und mit Schwinden der Angst von selbst vergeht. Bei Asthmatischen sah ich nicht selten Vitilligo in der Nähe der inneren Augenwinkel.

  • '*) Zur Aetiologie der Hysterie. Wiener Klin. Rundschau 1896 No. 22 — 26.


200


lüsclien der eigentlichen Zeugungsftihigkeit wieder erwachende Lust ist als Johannistrieb wohlbekannt. Die greise Ninon de l’Enclos hat auf die Frage, wann die Frau auf höre zu lieben, ehrlich ge- antwortet: „Da müssen Sie eine Aeltere fragen.“

Zur Bewältigung der Erregung reicht der Körper in den späteren Decennien nicht aus, und aus dieser Discrepanz ergeben sich die typischen Bedingungen der Angstneurose für die Alten.

Nur ein physiologischer Zustand verdient noch besonderer Erwähnung, weil er zu Zeichen der Angst häufig auch da Ver- anlassung gibt, wo sie sonst nicht vorhanden ist: Die Gravidität. Sie wirkt mindestens wie ein Multiplicator und bringt sonst ganz latente Angstspuren in Anfallsform ans Tageslicht. Wir wissen, dass die periodischen Processe intra graviditatem ihren Fortgang nehmen, dass sie aber den normalen Ablauf durch die menstruelle Blutung nicht finden, sondern aufgespeichert werden. Und in dieser Summation muss es gelegen sein, dass sie so häufig die Schwelle überschreiten und im Angstanfall nach Ausgleich streben.

Nicht selten kommt wohl noch als banale Schädlichkeit das veränderte sexuelle Leben der Schwangeren hinzu, die, so unglaub- lich es klingen mag, vom Beginne der Gravidität an „Noth am Manne“ leiden.

Ich will ausdrücklich erwähnen, dass sich die Angst keines- wegs ausschliesslich, ja nicht einmal noth wendig als Affect zu äussern hat. Herzangst (Herzklopfen, Arrhythmie), Athemangst (von der Depression bis zum Asthma), Angstschweiss, Heisshunger, Angstdiarrhoe, locomotoriseher Schwindel, Frieren und Schütteln u. s. w. können in Combination oder einzeln das Bild des Angst- anfalles geben.

]\[an sieht diesen Symptomen unschwer an, dass sie gesteigerte, gleichsam ins Grosse übersetzte Abbilder jener physiologischen Gruppe von Erscheinungen darstellen, welche als Herzklopfen. Athembeschleunigung, Schweissausbruch etc. den normalen Coitus begleiten.

Diese Andeutungen mögen hier genügen. Ich glaubte sie nicht umgehen zu können. Denn ohne ihre Voraussetzungen ist die Periodicität von Angsterscheinungen nicht verständlich.


201


Die periodisclien Erscheinungen beim Manne zeigen sich selbstredend auch in ganz anderen Formen als im Auftreten von Angst.

Sie erschliessen sieh sogar bei „gesunden Leuten der ge- naueren Beobachtung mit grosser Deutlichkeit.

Zivei Beispiele dafür:

Dr. H., ein 60jähriger ]\Iann, ein Bild von Gesundheit und strotzender Kraft, von körperlicher und geistiger hervorragender Leistungsfähigkeit, ist mit einigen Daten notirt. Dieser Mann, dem „niemals etwas fehlt‘h fühlt sich doch von Zeit zu Zeit matt, was er stets auf äussere Vorkommnisse schiebt (z. B. „die letzte grosse llitze kommt bei mir erst drei Tage später heraus“) oder er ist appetitlos („das Bier muss gestern Abend zu kalt gewesen sein, es liegt mir im Magen“) oder endlich er hat seinen „ Schein ‘‘ — Flimmerscotom. Hier sind solche Tage verzeichnet, die auf meinen unsch von seiner Lmigebung aufgeschrieben sind.


A) Weibliche Reihen:

I. II.


20. Febr. sehr matt 17. April „ „


Intervall

57 = 2 X 28 + 1


27. März appetitlos ; ver- stimmt.

19. Juni matt, schlechtes Aussehen, Knieschmerz.


Intervall 84 = 3 X 28


/


B)


Männliche Reihen;

1 -


9. März sehr matt 23. April Flimmerscotom


Intervall

45 = 2 X 23 — 1


Hinter diesen „zufälligen“ Dingen liegt also ebenfalls das Gesetz der Periodicität.


Bei dem zweiten Fall ergibt die Anamnese recht signi- ficante Punctc;


Dr. L n, 54 Jahre, hatte in seinen jungen Jahren (ca. 20- Fall I47.

jährig) etwa 10 — 15 Jahre hindurch genau alle vier IVochen — nach dem Kalender — starkes Nasenbluten, was ihn stets sehr erleichterte und von seinen Freunden als seine „IMenstruation“ treffend hezeichnet wurde. Diese Erscheinung ist erst seit 12 Jahren geschwunden.

Ferner vor 28 Jahren hatte Patient alle paar (etwa 3 — 4) Wochen rheumatische Schmerzen in Armen und Beinen. Darauf erschienen stark juckende Knötchen und schliesslich Luftbeklemmung. Die ganzen


202


Ersclieinnngeu dauerten eineWoclie und kamen ganz periodisch wieder. ►Sie dauerten melirere Jalire hindurch und besserten sich alhnählich in der Ehe (26 .Jahre verlieiratet).

Am 13. Januar 1896 liatte Patient in der lleconvalescenz AU)n einer Angina seine erste Migräne im Leben. Dieselbe trat mit grosser Heftigkeit auf (reclitsseitig).

Von da an habe ich folgende Daten notirt;

5. Februar Nasenbluten.

6. Februar ebenso.

8. Februar ebenso.

5. März Migräne.

30. März Nasenbluten.

6. Api'il Nasenbluten.

26. April Migräne.

5. Juni Nasenbluten und Kopfschmerz.

6. Juni Kopfschmerz und Athembeklemmung.

18. Juni Ein kleiner Nierenstein wird entleert.

22. Juni Nierenkolik rechts. Stein entleert,

16. Juli Nasenbluten; häufiger, dünnerer Stuhl.

19. Juli Migräne.

Diese Daten lassen sich in folgende Reihen ordnen :


A) Männliche:


  • 13. Januar


1.

Intervall



5. Februar


23


8. Februar


  • 22. Jimi


161 = 7 X 23


19. Juli


  • 16. Juli


24



  • 5. März


3.

Intervall


30. März


5. Juni


92 == 4 X 23


6. Juni



B) Wei


bliche;


  • 13. Januar


I.

Intervall

1


6. Februar


6. April


84 = 3 X 28


  • 5. März


18. Juni


III.

Intervall


26. April


  • 16. Juli


28


  • 22. Juni


2 .


Intervall

162 = 7 X 23 + 1

4 .

Intervall

68 = 3 X 23 — 1


II.

Intervall


28

IV.

Intervall

57 = 2 X 28 + 1


Dieser Mann hat also früher direct durch die Rase inenstruirt. Später hatte er, verinuthlich mit einer männlichen Periode, ein Jiickexanthem, das mit einer leichten Angst sich löste und typisch wiederkehrte.


203


Ausserdem aber hat er an periodischen Tagen Nierensteine entleert. Es ist Avahrscheinlich, dass auch der Anf an g der Bildung von Steinen auf periodische Tage fällt. Mir ist längst bekannt, dass solche Tage oft durch harnsaure Sedimente ausgezeichnet sind ; und Avenn man für letztere die Magenstörungen anschuldigt, so ist das Avahre Sachverhältnis so, dass beides Wirkungen der- selben Ursache sind.

Auch für 'die postfebrile kritische Harnsäurcausscheidung dürfte ebenso Avie für die kritischen SchAveisse der Umstand ins GeAAÜcht fallen, dass die Krisen die IMerkmale periodischer Angst- tage an sich tragen.

Hervorgerufen ist dann die sonst latente Angst durch die gleichzeitige EinAvirkung des infectiösen Toxins und des periodischen, Avie bei dem Knaben Fritz IM. (Seite 173) sich das für das Schutz- blattcrngift so schön nachAveisen Hess.

Die doppelt determinirte IMigräne am 13. Januar AA"^ar ein Anfidl von grosser SchAvere. Dauernde Störungen hat sie bei dem Kranken nicht zurückgelassen.

Schlimmer ist die Gattin bedacht Avorden. Nachdem die bereits in der Menopause befindliche Frau schon (siehe Fall 122) am 2. Juli und 17. August 1894 je einen Anfall von Flimmern mit temporärer Aphasie folgenlos überstanden hatte, bekam sie in der RecoiiAudes- cenz von einer infectiösen IMyositis der Naekenmuskeln (die ganze Familie hatte Angina, Frau Dr. L. gleichzeitig jene Myositis) am 2. April 1896 Avieder eine Augenmigräne mit temporärer Aphasie, aber es blieb eine rechtsseitige Abducenslähmuug zurück, die nach mannigfachen ScliAvankungen zAvar gebessert aber keinesAvegs ge- hoben ist. Die ScliA\umkungen erfolgten ausschliesslich an perio- dischen Tagen, und zAvar ist die Aveibliche Reihe, (Amn 1894) in Avelcher der Tag des Lähmungseintrittes enthalten ist, mit den Verschlechterungen belastet. AAüdirend die Besserung der Lähmung zAveien männlichen Reihen angehört. GeAAÜss Avird jedem l)ei diesem Beispiel die Analogie mit der „periodischen“ Oculomotorius- lähmung einfallen, deren VerAA^andtschaft mit der Migräne auch diejenigen gefühlt haben, Avelche beide Krankheiten auf das Schärfste zu sondern sich bestrebten. Auch in unserem Falle ist die Lähmung durch einen vorgängigen Syniptomencomplex eingeleitet, der Amllig einer schAveren Flimmermigräne gleicht.


204


Dass es zur Lähmung kam, daran trägt wohl die Doppel- intoxication durch das periodische und das infectiöse Gift die Schuld. Per analogiam darf man Aehnliches für die postinfectiösen Lähmun- gen überhaupt voraussetzen.

1 )ie Termine der Kranken sind in Folgendem zusammengestellt : all 148. Frau Dr. L. (vgl. Fall 122) hat 1891 ihr Unwohlsein mit 40 Jahren verloren. Sie hat in demselben Jahre und im November 1893 Trigeminusneuralgien bekommen, wobei das allmorgendlichc Niesen bei der Patientin für die Dauer des Anfalles fortblieb. Theils durch Nasensondirung, theils spontan hat sich das Niesen wieder eingestellt, und die Gesicbtsschmerzen sind gewichen. In den späteren iVnfällen hat Aetzung der nasalen Genitalstellen mit Trichloressigsäure geholfen .

Für diese späteren Anfälle habe ich zum Theil genaue Daten, die ich in Folgendem wiedergebe :

13. Januar 1894: Neuralgia trigemini dextri 1.

14. April 1894: Schmerzen im rechten Hypogastrium, im rechten Kreuz und rechten

Ischiadicus.

2. Juli 1894 Flimmern mit vorübergehender Aphasie.

17. August 1894 ebenso.

22. September 1894 ebenso.

5. Juni 1895 sehr heftige Schmerzen im rechten Schulterblatt, im rechten Arm

und in der rechten Brust.

4. December 1895 heftige Schmerzen im linken Schulterblatt.

18. Januar 1896 Neuralgia trigemini dextri.

2. April 1896 Flimmern, vorübergehende Aphasie; rechtsseitiger Supraorbital-

schmerz, darauf rechtsseitige Abducenslähmung.

3. April Aphasie- Anfall.

8. April Vormittags rechtsseitiger Kopfschmerz von einstündiger Dauer. Nach- mittags Besserung der Augen.

19. April Angst, Brustbeklemmung, Athemdruck. Darnach weitere Besserung der

Abducens-Lähmung.

29. April plötzlicher Druck in den Augen, A^crschlochterung der Lähmung.

6. Mai Unruhe in den Augen.

18. Mai Halsschmerzen. Schmerz hinter dem linken Ohr. Besserung der Augen.

25. Mai Flimmerscotom.

26. Mai Augenlähmung verstärkt.

23. Juni Flimmern, Schmerz über den Augen, stärkeres Doppelsehen.


205


Diejse Daten lassen sich in folgende Reihen ordnen: A) Männliche Reihen:

1 . 2 .


13. Januar 1894

14. April 1894 22. Sept. 1894

5. .Juni 1895 4. Dec. 1895.

18. Januar 1896

19. April 1896


Intervall

91 = 4X23—1

1G1== 7X23 256 = 11 X23 + 3 182 = 8X23 — 2 45 = 2X23 — 1 92= 4X23


2. Juli 1894 17. August 1894


3. April 1896 18. Mai 1896


Intervall 46= 2X23

3 .

Intervall

45= 2X23 — 1


Differenz der Keihe = — 1


4 .

  • 8. April 1896 Intervall

25, Mai 1896 47 = 2 X23 + 1


2. April 1896 29. April 26. Mai 23. Juni


I.


B) Weibliche Reihen:

II.


Intervall

27

27

28


  • 8. April 1896

6. Mai


Intervall

28


Die Prognose der Lähmung dürfte sich für diese Patientin deswegen schlechter stellen, weil sich die Kranke in der Meno- pause befindet. Denn in dieser Zeit baut sich der Körper ab: von Periode zu Periode gehen die Gewebe ein. Von den Zähnen wissen wir bereits, wie sie schubweise zu Grunde gehen. Von den anderen Organen wird eine spätere Nachforschung das zeigen müssen.

Vorzeichen des nahenden Verfalles sind die Schlaganfälle. Unsere Leser ahnen bereits, dass auch sie dem Gesetz der Periodi- cität unterliegen.

Von der schweren Migraine accompagnee mit der Parese, den Sensibilitätsstörungen in einer ganzen Körperbälfte und der sie häufig begleitenden Aphasie bis zu den Erscheinungen der Embolie und Apoplexie in ihren leichteren Formen ist ja eine continuirliche Reihe. Das eigentliche Unterscheidungsmerkmal dieser Krank- heiten, die transitorische Beschaffenheit der Migräne, verwischt in einer gewissen Altersgrenze seinen scharfen Contour. Um die


206


Menopause vergeht gewöhnlieh die Migräne, wie sie es in der Schwangerschaft thut. In beiden Zeiten wird die Nase verändert, und diese Veränderung muss ähnlich derjenigen sein, die wir durch Elektrolyse der Genitalstellen in den glücklichen Fällen hervor- hringen, wo wir durch dieses Verfahren wirklich häufige Migränen abzublenden vermögen. Aber in der Schwangerschaft sowohl wie in der Menopause wird auch das Toxin anders verwendet. In der Schwangerschaft überträgt sich die periodische Erregung auf das Kind. Die Kindsbewegungen, die an periodischen Tagen erscheinen und an solchen sieh verstärken, sind ein Ausdruck davon. In der Menopause rareficirt das Toxin den Körper. Es übt diese Auf- gabe so stetig, dass die früheren Tage von Angst oder Migräne schliesslich in ein Datum des Schlaganfalles auslaufen.

Von einem ca. B3j übrigen Patienten Herrn L. St. habe ich ans meinem dournal nocli einige frühere Angstanfülle feststellen können. Die Daten derselben sind mit den späteren Embolien und Apoplexien, die noch mit eigentlichen Angstzustünden abwechseln, in nachfolgender Uebersicht zusammengestellt :


A) Weibliche Reihe;


Intervall

337 = 12X28 + 1 757 = 27X28 + 1 84= 3X28 28


28. März 1893 Angstanfall mit Herzarrhythmie 28. Febr. 1894 Embolie in die Arter. tibial. dextr. 2G. März 1896 Angstanfall 18. Juni 1896 vorübergehende Aphasie.

16. Juli 1896 starke Unruhe, Unsicherheit in den Beinen.


B) M ä n nli c h e Reihen:

1 .


185 = 8 X23+1 347 = 15X23 + 2


550 = 24 X23 — 2


13. Juli 1893 Arrhythmieanfall mit Angst.

14. Januar 1894 Arrhythmieanfall, Aushusten von

blutigem Schleim.

27. Dec. 1894 Apoplexie m. rechtsseitiger Läh- mung und Aphasie, die erst im Verlaufe von Älonaten sich theil- weise zurückbildet.

29. Juni 1896 kurze Absence, Schwächeanfall mit Schweiss.


1


207


Intervall

874 = 38 X 23 24


2.

24. Januar 1894 Schwindel und eingenommener Kopf. 16. Juni 1896 vorübergehende rechtsseitige Läh- mung mit Sprachstörung.

10. Juli 1896 plötzliches grosses Schwächegefühl.


3.

25. Juni 1896 Lumbago-Anfall.

“3 18. Juli 1896 Angstanfall mitÄrrhythmie, Schwäche,

profusem Schweiss.

So sprechend diese Uebersicht ist: es fehlt ihr der Abschluss durch den Tod,


Ihn gibt der folgende Fall:

Baron von H .... r, 76 Jahre. i

Dev stets sehr gesunde Patient hat vor etwa 4 Jahren den ersten apoplektischen Mahner gehabt. Seit jener Zeit ist er ab und zu von „leichtem Schwindel“ befallen worden. Vom 14. Februar 1896 an sind alle seine Anfälle notirt worden. Sie lassen sich ohne liest in folgende fünf männliche Reihen ordnen:

1 .

14. Februar Anfall von Gedächtnisschwäche.

7. März Schwindelanfall

2 .

22. Febr. sehr unruhige ängstliche Nacht.

1. Mai grosse Hirnlähmung, die am 3. Mai den Tod herbeiführt.

3.

16. Febr. Tenesmus vesicae.

25. April Schwindelanfall.

4.

26. März Schwindel.

18. April Angstanfall.

5.

24. Februar Schwindelanfall.

3. Mai Tod.

Der schwere apoplektische Insult, aus dem er nicht mehr er- wachte, hat den Patienten am Nachmittag des 1. Mai 1896 auf der Strasse beim Nachhausegehen getroffen. Er war völlig bewusstlos, lag in der Agonie, hielt sich aber zum Erstaunen der Umgebung bis zum Vormittag des o. Mai, wo der Eintritt der fünften männlichen Periode ihm sein Dasein abschnitt.


22 Tage


69 = 3 X 23 Tage


69 = 3X23 Tage 23 Tage

69 = 3X23 Tage


208


Wenn der Todestag ein Angsttag ist, so verstehen wir die Todesangst, den Todesschweiss; wir wissen, warum Leute so häufig auf dem Closet vom Schlage getroffen werden (Angstdiarrhoe). Wir verstehen auch die Euphorie vor dem Tode. Es ist dieselbe Eu- phorie, die stark betonten periodischen Tagen so oft vorangeht. Das Unglück kommt dann unerwartet, da wo man es am wenigsten voraussetzt. Deshalb sagt die Sprache zur Ankündigung von


etwas Schlimmem; „Eines schönen Tages aber


geschah’s.“


Daten von werden :


zwei anderen Fällen mögen hier noch mitgetheilt


Fall 151* Der Vater einer Patientin, der 50jährige Ingenieur D s

hat am 2. October 1895 den ersten Schlaganfall erlitten. Die Wieder- holung desselben am 13. Mai 1896 raubte ihm plötzlich das Leben.

Die Distanz zwischen diesen Daten ist 224 oder 8 X ^8 Tage.

Fall 152. Der Gärtner, II. G. ca. 40 Jahre, der seit Langem eine auffallende Pupillendifferenz und reflectorische Pupillenstarre besass (alte Lues), bekam am 5. April 1896 den ersten paralytischen (IVbsuchts-) Anfall. Am 3. Mai, genau 28 Tage später, ereilte ihn der Tod.

Für die Paralyse ist das ein lehrreicher Fingerzeig. Nicht eine Mischinfection von zwei verschiedenen Bacterienarten (Sy- philis -|- anderem Bacillus), wie man neuerdings gemeint hat, dürfte ihr Eintreten ausmachen. Viel verständlicher wäre es, wenn ein durch die Syphilis verändertes Sexualtoxin die Mischintoxication hervorbrächte (analog den postinfectiösen Lähmungen). Dann ver- stehen wir auch, warum die Paralyse meist erst wenn die Zeit der Menopause naht ihre Opfer fordert * und die Bevorzugung der Männer Hesse sich dadurch begreifen, dass von specifisch männlichen Toxinen die Hauptschädigung ausginge. Diese stünden der Frau weniger zu Gebote, fehlten ihr aber keineswegs. Denn es kann keinem Zw^eifel unterliegen, dass wir alle doppelgeschlechtlich an- gelegt sind, und dass jedes Geschlecht nur nach einer Kichtuiig hin besonders ausgebildet ist.

Jetzt, wo wir die Bedeutung von Geburts- und Todestagen kennen, wo wir wissen, dass durch die periodischen Vorgänge, welche ihnen zu Grunde liegen, die Generationen mit einander


209


verknüpft sind, darf ich mich wohl für meine Thesen auf ein Bei- spiel beziehen, das der Weltgeschiclite angehört.

Anlass dazu bietet mir der folgende Ausschnitt aus der Deut- schen Medicinal Zeitung (1896), welchen mir ein College über- sendet. Der kleine Artikel lautet :


Der englische Deldmarschall Wolseley veröftentliclite, wie The ^ Medical Press mittheilt, ein Werk üher die Feldzüge Napoleons, in welchem er beweist, dass der grosse Stratege einige wichtige Schlachten nur dadurch verloren hat, weil er an einer besonderen periodischen Krankheit litt. Gerade in den wichtigsten Momenten seines Lebens, gerade dann, wenn die Spannung seiner Kräfte zum Aeusscrsten ging, stellte sich bei Napoleon plötzlich eine deprimirte Stimmung ein. Dabei schwand ihm jedes Vermögen, irgend eine körper- liche oder geistige Arbeit zu verrichten ; sogar sein Denkvermögen stockte. Schliesslich verfiel er in einen tiefen, stundenlang dauernden Schlaf, aus welchem er nicht zu wecken war. Seine Gesichtszüge trugen dann den Ausdruck von Schmerz und seelischer Niedergeschlagenheit.

Die Schlacht bei Borodino war gut geplant; aber gerade im entschei- denden Moment stellte sich bei Napoleon ein Anfall jener Krankheit ein; er unterliess, seinem Feldmarschall Ney, der eine Attake aus- führen sollte, Hilfe zu senden. Die Attake misslang. Bei Dresden hätte er die Armee der Verbündeten vernichten, beide Kaiser und den König von Preussen gefangen nehmen können ; aber als er das Coni- mando über seine Armee übernehmen sollte, da befiel ihn seine Krank- heit und er versank in den tiefen Schlaf. Zwar schlug er einige Male die Augen auf und versuchte sich hochzurichten, aber sofort schlossen sich aixcli die Augen wieder. — „Je mehr ich mich in das Studium des Feldzuges von 1815 versenke,“ sagt Verfasser, „um so mehr ge- lange ich zu der Ueberzeugung, dass der unglückliche Ausgang des Feldzuges lediglich auf die krankhafte Schlafsucht Napoleons zurück- geführt werden muss, welche ihn gerade dann befiel, wo Thatkraft und Umsicht erfoi’derlich Avaren.“


53 .


Es kann für den Kundigen keinem Zweifel unterliegen, dass diese periodische Schlafsucht mit Depression und körperlicher wie geistiger Hemmung ein Migräneäquivalent gewesen ist. Die Migräne aber kommt nur an determinirten, dem Gesetze der 23 oder 28 gehorchenden Tagen.

Mir sind augenblicklich aus dem Leben Napoleons genauere Daten ausser seinem und seiner Brüder Geburts- und Sterbetagen


Fliess. Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. 14


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nicht bequem zugänglich. Aber die Kenntnis dieser Tage wird sich als genügend erweisen.

Der Todestag Jerome’s, 24. Juni 1860, und derjenige von Ludwig Bonaparte, 25. Juli 1846, haben ein Intervall von 5082 oder 221X23 — 1 Tagen, liegen also in einer 23tägigen Reihe, die rückläufig verfolgt den Tag von Borodino (7. September 1812) trifft.

Der 7. September 1812 ist demgemäss vom Todestag Ludwigs um 12374= 538 X23 und von dem J6romes um 17457 =759 X ^6 Tage entfernt.

Und weiterhin liegt der Tag der Schlacht bei Dresden, 26. August 1813 in einer anderen 23tägigen Reihe, die den Geburts- tag Jeromes, 15. November 1784, mit dem Todestag von Josef Bonaparte, 28. Juli 1 844, verbindet. Zwischen diesen beiden Daten liegen 21805 oder 948X23-j-l Tage

Die Dresdener Migräne distancirt sich also vom Geburtstag Jeromes um 10511 oder 457 X23 Tage und vom Todestag Josefs um 11293= 491 X23 Tage.

In diesem Beispiel liegen der Geburtstag eines Bruders mit dem Todestag des anderen, und die Todestage zweier Brüder auf je einem 23tägigen Zuge. Und jeder dieser beiden periodischen Züge, die nur der Mutter Lätitia entstammen können, durchquert den Körper des Imperators, hindert ihn in entscheidenden Augen- blicken am Erfolg und befreit dadurch Europa vom Joche.

Und da wir nun einmal bei der Historie sind, so will ich doch daran erinnern, dass der 28. August 1749, der Geburtstag Johann Wolfgang von Goethe’s, von seinem Todestage, 22. März 1832, um 30156 oder 1077 X 28 Tage absteht.

Goethe starb also, als die 1077*® weibliche Menstruation das letzte Stückchen von seiner wunderbaren Organisation abgebaut hatte.

Die Fürsten der Völker und die Fürsten der Geister unter- liegen mit ziffernmässiger Unerbittlichkeit demselben Gesetz, das uns alle bindet.

XIII.

Es wird jetzt an der Zeit sein, die allmählich gewonnenen Thatsachen zu recapituliren und Ueberschau zu halten.

Wir gingen aus von der menstruellen Veränderung der weih- liehen Nase. AVir erkannten, dass gewisse Störungen im menstru-


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eilen Ablauf durch die Beschaffenheit der Käse bedingt seien, vor Allein die nasale Dysmenorrhoe. Wir zeigten das durch den Cocain- versuch und durch den therapeutischen Dauererfolg. Aber Avir be- schränkten die Wirksamkeit jenes Versuches auf bestimmte Stellen der Käse, die Avir die Genitalstellen p. e. nannten. Die Aehnlichkeit des echten Wehenschmerzes mit dem nasal dysmenorrhoischen liess uns den CocaiiiAmrsuch auch auf die ErüffnungsAvehen bei der Entbindung ausdehnen. Und siehe da, er gelang. Koch mehr als das; die Käse zeigte zu Beginn des Entbindungsvorganges ganz exquisit die Zeichen menstrueller Beschaffenheit. Und dies beides AA^ar nur möglich, Aveim der Entbindungsvorgang selbst seinem innersten Wesen nach ein menstrueller Avar. Dagegen schien nicht die Symptomatologie des Vorganges zu sprechen, die einer Amr- gröisserten Aullage des menstruellen Flusses in AÜeler Hinsicht gleicht ; Avohl aber schien die ScliAvangerschaftsrechnung nicht mit dieser Auffassung zu stimmen. Denn AA^mu auch der j\IittelAAmrth der GraAÜditätsdauer beim Menschen, 280 Tage, zehn menstruellen Intervallen gleichkam — ein bedeutungsAmller Fingerzeig! — so Avaren doch der AbAveichungen so viele, dass sie nicht übergangen Averden konnten. Aber auch für sie fand sich die Erklärung. Den Weg dazu gab die Analyse von ScliAvangerschaftsbescliAverden und die Beobachtung der Käse Avährend der Gravidität. Dabei erfuhren AAur, dass der menstruelle Process intra graviditatem Avirklich Aveiter- geht und nur nicht seinen normalen Ablauf durch die menstruelle Blutung findet. Er musste also aufgespeichert AA^erden und erst bei Ueberschreitung eines geAvissen SchAvellenAvcrthes den menstruellen Ablauf lierA-orbringen. Der letztere aauu’ dann die Entbindung. Aber Avir erfuhren Aveiterhin. dass es nicht eine 28tägige men- struelle Reihe gebe, sondern mehrere, die in einem geAvissen Ab- stand A'On Tagen neben einander laufen. Ja Avir konnten eine be- friedigende Ordnung der SchwangerschaftsbescliAverden nur her- steilen, Aveim Avir uns zu der ferneren Annahme entschlossen, dass noch ein anderer Typus von menstruellen Reihen mit 23tägigem Inter Audi A’orhanden AAulre. Wir haben, ohne damit zunächst etAA’as zu präjudiciren, den 28tägigen Reihen den Kamen der Aveiblichen, den 23tägigen den Kamen der männlichen verliehen. i\[it dieser Erkenntnis ausgerüstet, sind AAÜr daran gegangen, die so- genannte unregelmässige IMenstruation zu untersuchen. Und das

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Ergebnis war, dass sieh das Gesetz der Unregelmässigkeit anf- ßnden liess. Es besagt, dass ein jedes Menstruationsdatum einer von diesen männlichen oder Aveiblichen Reiben angebört, die den Körper durchziehen. Und dieselbe Auflösung galt auch für die Geburtstermine. Stets gehört der Tag der Entbindung einer von diesen menstruellen Reiben an. Damit aber Avar die Uebereinstim- mung Amllkommen. Der Geburtsvorgang Avar also seiner biolo- gischen Stellung nach wirklich eine grosse Menstruation.

Aber Avir fanden mehr als das. Wir fanden, dass für geAvisse markante Vorgänge Avie für den Beginn und die Wiederkehr der Milchsecretion und für das erste Auftreten, das Wiederkehren und die Verstärkung der KindsbeAvegungen sich ein Platz in den men- struellen Reihen ausmitteln liess, dass also diese Vorgänge auch unter der Herrschaft der menstruellen Strahlungen ständen.

Doch die KindsbeAvegungen gehörten nur dem Termine nach der Mutter an. Im Uebrigen betrafen sie einen anderen Orga- nismus, der mit demjenigen der JMutter nur in temjmrärer Ver- bindung stand. Sie sind also von der Mutter auf das Kind übertragen. Werden die Spuren dieser MitscliAAungung nach der Geburt ausgelöscht sein, oder gilt auch hier das Gesetz Amn der Erhalt nng der Energie, das nur die VerAA^andlung der Erscheinungs- form, nicht aber den Tod der Kräfte zulässt V Die Antwort auf diese Frage AA'^ar, dass in der That die Kinder mit der Mutter durch die Uebereinstimmung der Perioden dauernd Zusammenhängen, und dass die Gleichheit der Periodicität ein Stück Amn der Unsterb- lichkeit der Art ausmache. Aber da Knaben und Mädchen in gleicherweise das periodische Erbe der Mutter antreten, so mussten die beiden Typen auch im Körper des Mannes A’orhanden sein. Und das bestätigte in Amllkommener Weise die Untersuchung. Jedes Geschlecht und jedes Lebensalter ist ihnen unterthan. Die EntAvicklung einzelner GeAvebe — Avir sahen das am Zahn — und Functionen — z. B. der Sprache — ist an ihre zeitliche Bestimmt- heit geknüpft. Sie summiren Avährend der Kinderzeit die Kräfte, die der Mensch \mn der Pubertät an auszue-eben im Stande ist und mit denen er die Art erhält. Und wenn diese Summe aufge- braucht ist, A'on der Menopause an, wechseln sie das Vorzeichen und bauen ebenso schubweise den Körper AAÜeder ab, Avie sie ihn errichtet haben. Der Tag des Todes steht in Avahrer Polarität dem


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Tag der Geburt gegenüber. Auch er gebürt den menstruellen Reiben an, aucli er gebt mit Zeichen einher, deren sexuelle Ab- leitung unzweifelhaft ist.

Störung der eigentlichen Functionen der Fortpflanzung gibt Angst. Die tiefste Störung der artei’haltenden Tbätigkeit bringt aber das Alter. Es erzeugt daher so oft wahre Angst. Und ganz regelmässig Angst in einer Erscheinungsform, die nicht nur die Furcht vor der Vernichtung ist, sondern die Vernichtung selbst bewirkt; in Form des apoplektischen Insults und schliesslich des Todes, der deswegen unter den classischen Zeichen der Angst das Loben aufliebt.

Und wie die Angsttage, so sind die Todestage menstruelle.

Krankheiten stören den normalen Ablauf des Lebens und beendigen es oft vorzeitig. Sollten sie von den periodischen Verhältnissen unberührt bleiben? IMit Nichten.

Einen Theil von Krankheiten kennen wir als bacterielle. ^\’ir wissen, dass fremde Lebewesen in unseren Körper einfallen und dort als echte Parasiten den Wirth schädigen. Aber Avir Avissen auch, dass unser Körper selbst ubiquitären Bacterien durchaus nicht immer Einlass geAvährt und dass er die eingedrungenen und ihn in fieberhafter Krankheit A^erzehrenden oft mit einem Schlage durch eine Krise Amrnichtet.

Die Untrüglichkeit der Zahl hat uns AA-enigstens für einige dieser Krankheiten (Influenza, Pneumonie, Angina) gelehrt, dass ihr Anfang auf ein menstruelles Datum fällt, und dass die Krise pünktlich mit dem Erscheinen eines anderen menstruellen Ter- mines eintritt.

Am ersten Datum muss also die menstruelle Reihe die In- A^asion unterstützen, am zAveiten günstigen Falles das entgegengesetzte Vorzeichen tragen Denn bei gleichen Vorzeichen Avird die Wir- kung des Bacteriengiftes erhöht und es tritt der Tod an Stelle der Genesung. Das Vorzeichen entscheidet, (xpiaic).

Auch die Krise trägt die xVngst- und IMenstrualsymptome : priimonitorische Euphorie, plötzliche Perturbation, Athem- und llerzerscheinungen, dann ScliAA^eisse, Harnsedimente und men- strueller Herpes neben dem Temperaturabfill.

Schon die Alten wussten, dass der Eintritt der Krise an die Zeit geknüpft sei. Aber der Streit über die kritischen Tage, der




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